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h7—h 8 Sanier f und Matt.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'Ichen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«,
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Charade.
Dem Ersten traue nicht zu viel, Schon Mancher wurde arg betrogen; Er wollt' es erjagen in dem Spiel: Heim ist er mit leeren Taschen gezogen.
Drückt dich die Hitze allzusehr, Willst frische Luft du haben. Dem Zweiten daun den Rücken kehr', Des Waldes Grün wird besser dich laben.
Willst du die beiden nun verbinden: Nach Schleswig führ' ich dich sofort; Ich glaube, Freund, leicht wirst du finden . Das Ganze als einen Hasenort. (Rust, m nächst.
Das deutsche Versailles.
Der Schwetzinger Park, dieser glänzende Edelstem nn Schatz-
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allen europäischen Mrsten nachgeaHmt Mirde.Ii, » n,,dwiq XIII Saute sich Heinrich IV. ern Jagdschkoßcheu, ^s don Ludwig vottcnMtlvttrde Ä?schm dm Blumenhecken und Marmorgruppen trtnM Pit die aalanten Dämchen, scherzten die vornehnnen UerkdJ französischen Hofes und in glitzerndem Staub, verwehten die Wasser der Springwellen. Künstler kamen und gingen, und
Mns des Schlosses durcheilte die Welt. .. . ...
Wünsche und Nacheiferung lvurden rege. Die kleineren sFürsten kopierten mehr oder weniger gut bas französische Hmtmeu. ^c diese Zeit fällt auch die Herstellung des Schwetzinger «chlotzgartens.
Für. seine Entwicklung war der Regierungsantritt. des feu- sinnigen Kurfürsten Karl Theodor von höchster debmtung. hat es verstanden mit vorzüglichem Geschmack und lebhaftem Kunstverständnis unter Mitarbeit bedeutender Künstler euren wnnder- vollen Park - ein wahres Märchenland -.an dm Utzn des Rheines entstehen zu lassen. In dem schon früher, unter Kurfürst Johann Wilhelm erbauten Schlosse wurden prächtige Frstte gegeben und der .Lebensbecher wurde von durstenden- -wpen m vollen Zügen geleert. Fürsten und Achter Philosophen und Komponisten weilten an die,em reiKendm Fleckchen Erde, das wie ein zweites Eden in lieblicher stilledcchrnsann.
Der Eindruck, den dieser Garten m dem treibenden Grün des Frühlings und dem munteren Farbenschmuck hervortust, ist
Wie vorzüglich hat man das Auge., zu kesseln, dm Sinn zu begeistern gewußt, und doch alles so natürlich, w selbstverständlich.
Rechts und links vom Eingang durch das Schloß stehen Bleistatuen der arkadischen und böotischen Mlante, die von dem be- rühmten französischen Bildhauer Edmo Bvuchardvil für den Park des Polenkönigs Stanislaus hergestellt wurden. Nach. denen Tode gingen sie in den Besitz Karl Theodors über, her sie nach dem Gewicht, das Pfund zu 10 Sous = 40 Pfennig ankaufte. Bier Sandsteinurnen des Genter Bildhauers Berschaffelt, Symbole des Kriegs und Friedens, des Vaterlandes und der Fruchtbarkeit, Hilden den Uebergang zu der großen Mlee, in deren Mitte., em prächtiger Springbrunnen sein Wasser in rauschenden Fontänen in die Luft speit. Ariou, der göttliche Sänger und SeterWider taucht:auf einem Delphin aus den ruhlosen Wellen,.die vier Kinder auf Reihern und Schwänen umtosen. Das Bassm ivird durch vier kleine Anlagen eingefaßt, in denen Urnen aus karrarischem Marmor leuchten, die die Musik, Poesie, Malerei und Architektur versinnbildlichen. Weiterhin wird das Wasserbecken auf den «eiten von vier Obelisken und im Vorder- und Hintergrund von schlangen- fontünen umschlossen. Einen gewissen Abschluß bildet das Hirschbassin, das zwei verfolgte, zusammengebvocheue Hirsche darstellt, die aus geöffneten Mäulern Wasser Hervorstößen. Um das Ganze gruppieren sich noch einige Urnen von Matthäus v. d. Branden und die vier Elemente in feinem Sandstein von Verschaffelt.
Folgt mail dem Plane weiter nach rechts in dm Gang, so kommt man zu einem zarten wundersam wirkenden Werke plastischer Darstellung. In grünlichem Dämmer steigt die göttliche Galatea aus den spiegelnden Fluten, die ihr Bild sanft gewellt zurücktverfen. Ihr Marmorleib glänzt in warmem Weiß und ein alter Triton streckt verlangend die Hand nach ihr empor.
Es ist wie in dem Zauberland des Schönen. Durch das junggrüne Laub schimmern zivei Bilder des Bacchus und der bocksfüßige Hirtengolt Pan, der mit seinen seltsamen Beinchen auf einem schönen Tusfsteinblock sitzt und die Flöte spielt. Mit zu den großartigsten Partim gehört aber der „Hain des Apollo", der im Jahre 1769 vollendet würbe. In einem Tempelchen ionischen Stiles erblicken wir den Gott der Lieder und des Lichtes, der mit der linken Hand die Leier rührt. Auf eine Frage des Kurfürsten, warum der Gott mit der linken Hand spiele, soll Ber- schasselt, der das Werk schuf, gesagt haben, Apollo Wäre doch ein erbärmlicher Gott, wenn er nur mit der rechten Hand spielen könnte. Auf felsigem Sockel erhebt sich der seichte Bau und aus einem weit geöffneten Röhre ergießt sich die „Quelle der Begeisterung" in eilt Becken, das von zwei, ans einem Stück gebildeten, Najaden bewacht wird. In halbkreisförmiger Anordnung ruhen vor dem Gebäude sechs „Löwenweiber", die Frömmigkeit, Herrschaft, Zufriedenheit, Schönheit, Weisheit und Lebensgenuß .darstellen sollen. Die Gesichter sollen nach Hofdamen der Zeit gebildet sein. Bemerkenswert ist außerdem das Badhaus, ein von Pigage in italienischem Stil errichteter Ban, mit Medaillons zweier römischer Kaiser. Am Eingang befinden sich zwei Gipsfiguren, rechts ein Fann, links Amor, auf der anderen Seite der lytische Apollo und „Lar", der göttliche Hausherr. Im Innern ein prachtvolles Deckengemälde, vier weibliche Statuen, »spielende^ Kinder" und Gipsreliefs.
.. Alle Schönheiten der wundervollen Gardenanlage zu erwähnen, würde zu weit führen, da überall da, ,wo es der Raum und vov
Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummert Weiß Schwarz.
L d 4 — e 3 K d 5 — e 5.
D d 2 — d 7 Ke5-f6.
allem der Keschntack erlaubt, Misten, Basen,. Untennsw. mit feinem Empfinden aufgestel t wurden Eine zrem ich humorvolie Schöpfung sind die „wasserspMenden Bogel P mag cs. Gute .große Anzahl Munterer Vögel speien vom hohen Grtterwerk LerA einen tJtctubDoQel, bet in einem tmtbeit röciffin. fi&t. ^yn bie^citti Raume war eine Menagerie Karl Theodors untergebracht, „Z die Bogelhäuschen sind heute für Singvogel, eingerichtet.
Erwähnenswert ist auch noch die „Fernsicht — ernt optische Täuschung, die einst den vollen Beifall Kaiser JosepM II. erntete — die englische und französische Gartetmnlage und das römische Wasserkastell. Die englischen Gartemmlagen sind nach den Ideen des Borkshirer Malers Kent ausgefuhrt, der als Erster verlangte, daß man die Gärten nach den Gesehen der Natur gestalte. Das römische Wasserkastell, ein Tnffsteinbau, wurde von Pigage entworfen und von Stell ausgeMrt. Die Form ist vrückenarttz und in. hohen Bogen gewölbt. Zwei Bildnereien, aus gebranntem Ton, die dem Mauerwerk einverleibt sind, stellen den schiffbaren und fischreichen Strom dar. _ . 1
Der Merkurtempel, ebenfalls etn künstlerisches Zeichen versunkener Zeiten, ist von den beiden obengenannten Kistlern hergestellt. Aus dem umgebenden Grün hebt sich der einfache schöne Bau, dessen Giebelfelder mit Marmorreliess von Pozzi ausaeschmückt sind, geschmackvoll ab Von dem Turm aus bietet sich ein hübscher Blick auf die Umgebung
Als letztes und vielleicht herrlichstes Bauwerk mochte ich noch die „Moschee" erwähnen, die nach dem Vorbild der größten und heiligsten in Mekka erbaut ist und einen geradezu bezaubernden Eindritck macht, wenn man sie vom See aus erblickt, auf beut' Schwäne wie verzauberte Prinzen in prächtigen Bogen.umherzieh« Ruhe und Frieden waltet über der ganzen Anlage und mit einen Gefühl der Befriedigung verläßt man beit Ort, an dem edle, vet- ständige Menschen eine Kunstsammlung geschaffen haben, die noch spätere Geschlechter mit Achtung und Freude erfüllen Wirb.
--------------- 0. Nth.
Vermischtes.
kf. Ruhe, Frau! Der Gerichtshof in Illinois war kürzlich der Schattplatz einer erheiternden Szene. Gerade hatte der Richter mit würdevollem Ernste einen jungen Mann wegen ruhestörendem Lärm zu 40 Mark Geldstrafe verurteilt, als auä dem Hintergründe eine Fraueustiinnte erscholl: „Tas ist eine Schande!" Der Richter erkannte sofort die Stimme seines Ehe- gesponstes und laut rief er in den Saal hinein: „Ruhe, Frau!' Aber seine Frau geriet noch mehr in Aufregung und ihren Lippen entströmten die Worte: „Du alter Schafskopf l Du denkst, Tu bist sehr klug! Aber warte, bis Du nach Hause kommst I" Der Richte: verurteilte die „Dame" zu einer Geldstrafe von 100 Mark „wegen Ungebühr vor Gericht", und als sie sich weigerte, zu zahlet,, da befahl er kurzerhand, sie ins Gefängnis abzuiühren. Selbstverständlich wurde „sie" nun hysterisch, und schließlich machte der Rtchler- Ehemann der uuliebsameu Szene ein Ende, indem er sein Scheckbuch aus der Tasche zog, und die Strafe, zu der er seine Frau verurteilt hatte, selbst erlegte.
Ick. Die t h e rm it e n s i ch e r e Bibel. Wohl die außer- gewöhnlichste Form, in der das Wort Gottes gedruckt worden ift, stellt die Bibel in der Ugandasprache dar. Bei einer Breite von 71/, Zentimeter und der gleichen Dicke hat sie eine große Länge. Weshalb die Uganda-Bibel gerade in einer derartigen Form gedruckt worden ist, liegt atr ganz eigentümlichen Umständen. In Zettlralasrika sind uämlich die ärgsten Bücherseinde die Thermtlen, die alles Papier zersresseu, wenn es nicht sorgfältig geschützt wird. Da nun aber in jenen Gegenden Biskuits ein sehr beliebtes Gericht sind, und besonders die bevorzugt werben, welche Peek, Frecm and Co. in langen Zinnbüchsen verlausen, so ivollte man öte Zimtbüchsen gleichzeitig als „Bibelschutzmittel" verwenden. Da lag es denn auf der Hand, daß mau eben die Bibelform der Btskmt- büchse anpaßte, da die Biskttitstrma die Form ihrer Zinnbuchsen nicht der gewöhnlichen Bibel aitbequemen wollte.


