Ausgabe 
4.12.1912
 
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in jüngster Zeit ließ er sich beeinflussen. Vielleicht war diese Festigkeit zu ausgeprägt wenigstens mehr, als für einen Theater­leiter gut ist. , , _ , L_, '

Brahm lebt nicht mehr. Eme blühende Zeit deut, eher Buh- nenkunst hat er hcrvorbriugen helfen. Sre ist schon, emtge ^ahre vor ihm ins Grab gesunken! Aber mag man stch zum -ca- turalismus stellen tote man will, anerkennen must man immer, dast er eine Wandlung geschaffen hat. Und das Neue ist immer interessant mib verhilft zum Fortschritt.

Bruno Stümie.

Drei Sdiwänfe.

Roda Roda lästt soeben ein neues Buch erscheinen, das -500 Schwänke" betitelt ist. Mit Genehmigung des Verlages Schuster und Loeffler in Berlin bieten wir unseren Lesern einige Proben aus dem fast unerschöpflichen Born von Humor 'und Witz, der aus dieser neuen Sammlung als gestlndheitstärkender Sprudel strömt. ,

Der Bräutigam in der Kolonie.

Willem Reibetan- hatte eine Farm bei Windhuk und wollte gern auch eine Frau. Er gab ein Inserat ins Hamburger Echo auf. ,

Es kam zu einem Briefwechsel mit Lina und Käthe Tiedemann. Zuerst zum Spaß und dann im Ernst. Eines Tages reiste Lirm zu ihrem Bräutigam imch Windhuk ab. ,

Lange warteten die Eltern auf eine Hochzeitsrunde.

Endlich kam ein Kabel:

lina ankam gestorbenem zustande verweigere annahme sendet kaethe."

Das Gymnasium.

Wir fanden uns nach zehn Jahren znsa-.mnen, Nur Wt- turieiiten des Piaristengym'nasiums. So wills ein alter Brauch.

Empfang, Festrommers'; am nächsten Morgen Messe und Besuch der Schulräume. ~ .

Im Lehrerzimmer legte uns der Direktor das Goldne Buch der Mutteranstalt vor. Wir sollten einen Rassischen Spruch rinsckreiben und unsere Name».

Man einigte sich auf:

Wir lernen nicht für die Schule, sondern fürs Leben, Aber keiner konnte es ins Lateinische übersetzen.

Der Theoretiker.

Leutnant Meidel der Weide! von der Lustschifferabteilung > schilderte mir den Flugapparat, den er erfunden hatte.

Meidols Konstruknvn beruht aus jahrelmtgem Studium des Vogelflugs.

Solche Beobachtungen haben auch andere Fachleute angestellt. Aber alle früheren Beobachtungen waren mangelhaft das bewies mir Meide! haarklein.

Meidel hat ganz neue Theorien für die Mechanik des Vogel­flugs gefunden Erklärungen, die von allen bisherigen himmel­weit abweichen.

Da flog brausten eine Taube vorüber.

Siehst du," rief Meidel,also, zum Beispiel: diese Taube fliegt falsch."

Vermischte».

* Die Stadt ohne Fliegen. Vor einiger Zeit erfuhr man von den Maßnahmen, die gewisse amerikanische Städte gegen die Fliegenfrage ergriffen hatten; die Nachrichten hatten damals einen mehr amüsanten als ernsten Beiklang. Welche Erfolge aber die so oft alsFliegenkrieg" belächelten Maßnahmen in hygieni­scher Beziehung gehabt haben, zeigt sich erst jetzt in beit Gesund­heitsberichten der Behörden. Der Mittelpunkt des Kampfes zur Ausrottung der Fliege war die Stadt Wilmington in Arkansas, die geradezu von einer Fliegenplage heimgesncht war, und in­folge davon schwer mit allen Arten von Epidemien zu kämpfen hatte, die durch die Insekten verschleppt und weitergetragen wurden. Die sanitären Verhältnissepwurden so schlimm, dast die Kommuual- bch'örden zu Radikalmitteln schreiten mutzten und beschlossen, die Fliegen nach Kräften auszurotteu. Die Stadt wurde dann buch­stäblich mit brenzlicher Holzsäure überschwemmt, Strasten und Plätze damit überströmt und diese eigenartige Sprengung viermal wiederholt. Dieser Kampf gegen die Fliegen und die von ihnen mitgeschleppten Jnfektiousstoffe dauerte ungefähr einen Womit: nach Abschluß dieser Zeit desertierte der Feind. Wilmington war fliegenfrei. Vor allem aber hat sich seitdem in der Stadt keine Fliege mehr gezeigt. Die hygienischen Folgewirkunaen traten fast unmittelbar ein. Die in den ärmeren Quartieren fast chronisch gewordene Typhusepidemie ging zurück und verschwand schließlich ganz. Heute aber nimmt die Stadt ohne Fliegen, wie die Revue mitteilt, in sanitärer Hinsicht eine Ausnahmestellung ein, und mit ihren Berichten und statistischen Nachweisen über den Ge­sundheitszustand ihrer Gemeinde wird wohl kaum eine andere Stadt rivalisieren.

* B am b u s p a p i e r. Bei dem Suchen nach einem Ersatz des Holzes als Rohstoff der Papiererzeugung hat man vor län­gerer Zeit Bambus als tauglich gefunden, und den ersten be-

friedigendeit Versuchen mit diesem neuen Rohmaterial ist nun jüngst die Einrichtung der ersten Papierfabrik erfolgt, die den Bambus in großem Maßstabe verarbeitet. Durch schottische Ingenieur« ist in Kagt (in Japan) eine Fabrikanlage eingerichtet worden> die den Rohstoff behandelt. Vorläufig kann sie ungefähr 300 Tonnen im Monat liefern. Allerdings liefert sie nicht das fer­tige Papier, fondern stellt nur aus dem Bambus den Papierteig^ Bambusschliffmasse, her. Die weitere Verarbeitung erfolgt in eine« Fabrik in Formosa, der eigentlichen Papiermühle, ganz ähnlich, wie ja auch europäische Papierfabriken vorbereitete Holzschliff­masse zur weiteren Verarbeitung von außerhalb beziehen. Beide Fabriken sind so angelegt, daß sie ohne weitere Umstande ihren Betrieb ganz erheblich vergrößern können. Das Papier, das durch die gemeinsame Arbeit dieser beiden Fabriken entsteht^ soll nach englischen Berichten ganz vorzüglich sein. Der Prozeß der Herstellung unterscheidet sich von dem der Holzpapiergewinnung in einigen Punkten. Sollte sich das Bmnbnspapier bewähren^ so wäre die Frage der drohenden Papiernot und der Waldver­nichtung der Lösung einen tüchtigen Schritt näher gebracht, den« in Asien, Afrika, Amerika und den Südseeinseln wachsen groß« Mengen von Bambus, und außerdem läßt sich der Bambus leicht! anbauen.

kk. Eine leine Familie oder: was ein Grab- stein erzählt. Ein Mitarbeiter destüomere" behauptet, in Ungarn auf einem Frirdhoke einen Grabstein gesunden zu haben, der seinesgleichen wohl nicht haben dürkte. Man liest dort nämlich als Text:Hier ruhen: Josef Moritz, mit 62 Jahren von seinem Sohne erschlagen. - Isabella Moritz, Gattin deS Joses Moritz, im Alter von 57 Jahren von ihrer Tockter vergütet. Elisabeth Moritz. Sie hat mit 20 Jahren Selbstmord begangen, nachdech sie ihre 'Sintier vergiftet hatte. Joset Moritz, der seinen Vo.tef erschlagen hat. Er ist mit 27 Jahren im Zuckthause gestorben>

kk. Versteinerter Honig. Einige hundert Kilometer von Chihuahua in Mexiko hat ein Bergingenieur namens Terry ein ganz merkwürdiges Gestein entdeckt. Aui einem Streistuge in Begleitung etneS Indianers fand er Fellen, die bei fluchtiger Be­trachtung rote Kalk aussahen. Allein der Indianer, der das Ge­stein kaimte, schlug mit dem Messer ein Stück davon ab tmd bat Terry, es zu kosten. Tas geschah und der vermeintliche Kalk schmeckte süß. Terry meint, es sei versteinerter .Honig. Wie der Honig dort yingekommen ist, vermag er nicht anzugeben. Ob das umgebende Gestein wirklich Gestein ober versteinertes Holz oder was sonst ist, konnte er nickt erkennen. Allein e3 ist sehr wohl denkbar, daß Bienen Nest und Honig im Gestein gehabt haben. Wie alt der versteinerte Honia ist, geht aus der Meldung des Standard", der hierüber bertchtet, nicht hervor.

* Vom lustigen Onkel Sam. Zarte Anspielung. Der alte Herr, der eine junge hübsche Frau genommen hat, sagt ihr beim Diner:Heute, mein Liebling, habe ich mein Sehen; zu Deinem Gunsten mit 100000 Dollar versichert." Mch, Tu Guter", flötet sie und küßt ilin auf die Glatze.Mur," sagt er gerührt,kann ich noch etwas für Dich tun?"Nein, nichts in tiefer Welt." Unter Nachbarn:Wir kommen jetzt in eine bessere Nachbarschaft "So? Wir auch."Ja ziehen Sie denn auch aus?"Nein, wir wohnen hier Wetter."r Der Grund. Paddy Dolan kauft sich eine Taschenuhr und erhält vom Uhrmacher einen Garantieschein über 12 Monate. Nach secks Monaten 'kommt er wieder: Die Uhr stehl.Da hattest Sie wohl ein kleines Malheur damit," fragt her Uhrmacher. Ach ja vor zwei Monaten, als ich unser Schwein fütterte, fiel mir die Uhr in den Trog."Ja, da hätten Sie sie doch aber gleich herbringen müssen!"Ich fonnte doch nicht, wir haben das Schwein ja erst gestern geschlachtet." DerGegen­stand". Das Zeichnen nachGegenständen" macht den amen» konischen Schülern biet Sorge. Es ist so schwer, die Texte, Messer usw., die dazu benutzt werden, richtig wiederzugeben.. Eines Tages sitzt ein Junge ivetnenb vor seinem Zeichentisch.Ich hab' meinen Gegenstand verschluckt", schluchzt er.Um Got^s Willen!" ruft der Lehrer ängstlich.Was war's denn?"Eine Banane , ent­gegnet der angehende Künstler. EinFeinddes S p iegels. Elise:Nach bem Waschen, sehe ich mir mein Gesicht immer im Spiegel an, ob es auch rem ist. Machst Du das auch?" Bobby:Nee, ich seh' ins Handtuch."

Lsgogrwh.

Unaufhaltsam jag ich dabin durch Walder und Wüsten, Gibst du statt95" mir einH", werd ich ein streitbares Tier. .Auslösung in nächster Nummer.

Auflösung des Kreuzrätsels in voriger Nummer: BAS r n c a t h

Brasilien Anti 1 open Schl o sser i p s e e o nur

Redaktion: U. N - urat h. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scken Universitäts-Buch« und Steindruckerei, R. Lange, Gießen»