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fcaiiit uitS wann von einer Beteuerung des Beileids oder einem Ausdruck der Enttäuschung unterbrochen wurden, wie er sich aus der Aufregung des Augenblicks ergab. Nunmehr, da alle herumstanden, konnte ich bemerken, daß keines der beiden Mädchen, die am nächsten betroffen worden, anwesend war. Dies beunruhigte mich. Ich näherte mich dem kleinen Kreis und fragte Beaton, der in meiner nächsten Nähe war, ob er wisse, wie es Fräulein. Lamerden gehe.
Besser, wie ich hörte, war seine Antwort. Das arme Mädchen! Es war ein großer Schlag für sie.
Ich fragte nicht weiter. lieber die konventionelle Hös- lichkcit seiner Stimme konnte niemand int unklaren sein. Von unserer Unterhaltung auf der Veranda sollte nichts bekannt werden. Fch wußte nicht, sollte ich mich darob erleichtert oder noch mehr bekümmert fühlen. Ich befand mich in einer Aufregung, die mir jedes kritische Nachdenken unmöglich machte. Als ich mir meiner eigenen geistigen Verfassung bewußt wuchs, sah ich ein daß das vernünftigste, was ich tun konnte, war, mich für einige Zeit aus dem Bereich jedes Auges zurückzuziehen. Auf die Gefahr hin, mehr als ein hübsches Mädchen ztt verletzen, das immer noch etwas über dies schreckliche Unglück zu bemerken hatte, entfernte ich mich unbemerkt und begab mich auf mein Zimmer, glücklich, dem Gemurmel und den Gesprächen zu entgehen, die jetzt auf alleir Seiten laut wurden. Eine bittere Rede, die, ich weiß nicht voir wem ausging, schlug an mein Ohr und machte jeden klaren Gedanken unmöglich. Sie lautete:
„Die arme Frau! Sie ist nun doch einmal zu viel in Zorn geraten. Ich hörte sie wieder Dorothea schelten, als sie in ihr Zimmer kant. Darum ist auch Dorothea so überwältigt. Sie sagte, es sei die Wut ihrer Taute gewesen, die sie getötet habe •— eine Wut, zu der sie unglücklicher-« weise beit Anlaß geliefert habe."
Aber ich hielt es nicht lange allein aus.
Ich eilte wieder aus meinem Zimmer und gesellte mich einer der kleinen Gruppen bei, in die jid) nunmehr der eine große Kreis aufgelöst hatte. Das Haus war von einem Ende zum anderen beleuchtet; die Personen, die id) jetzt sah, hatten sick) augenscheinlich, während ich auf meinem Zimmer geweilt hatte, in Hier Eile angeklcidet; einige von ihnen waren nun sogar völlig int Eese.lschaftsanzug. Alle waren in eine Erörterung des einen Gegenstands vertieft. Trotzdem ick) ihren Gesprächen zuhörte, wartete ick) unausgesetzt auf das Ertönen der Klingel an der Haustüre. Endlich hörte jfch sie, während eine Dame zu einer anderen bemerkte:
„Die Sinclairs werden jetzt ihre Flitterwochen auf ihrer eigenen Jacht verleben können."
Ich begab mich an einen Platz, von wo ick) Sinclair beobachten konnte, während die Aerzte im Zimmer waren. Sein Gesicht trug einen sehr gefaßten Ausdruck. Die Schwierigkeit, seine Aufgabe zu lösen, die Sympathie für mich, die das Ereignis, das so viel 'schlimmer war, als wir beide vorausgesehen hatten, in seiner edelmütigen Brust geweckt, hatte die beste Seite seines von Natur zurückhaltenden und nicht immer leicht verständlichen Charakters zur Betätigung gebracht. In jener Stunde war er mir eine wahre Kraftquelle. Ich wußte, daß Mitleid und nur Mitleid sein Betragen bestimmen würde. Er würde keine übereilte oder unüberlegte Handlung begehen. Er würde dem Mädchen jede nur mögliche Gelegenheit an die Hand geben, sich zu rechtfertigen.
Als daher die Aerzte erklärt hatten, daß ein Schlaganfall die Todesursache gewesen sei (eine Schlußfolgerung, die unter den vorliegenden Umständen sehr einleuchtend war), und die Aufregung, die die verschiedenen Gruppen der aus der Nachtruhe gestörten Gäste zusammeugehalten hatte, sich zu legen begann, sah ich ihn mit vollständiger Selbstbeherrschung sich Gilbertine nähern und sie anreden. Sie stand in vollständiger Gesellschaftstoilette oben an der Treppe, wo sie einige Worte mit den Aerzten wechselte, die sick) eben zurückziehen wollten. Aus dem Blick, mit dem sie den seinen erwiderte, und der Art, wie sie in Erfüllung eines Wunsches oder Vorschlags von seiner Seite wegging, schloß ich beruhigt, daß er eine Unterredung mit Dorothea vorbereitet hatte. Ich war infolgedessen sofort bereit, ihm Folge zu leisten, als er schließlich auf mich zukam und sagte:
Geh hinunter! Wenn du die Bibliothek leer vorfindest, woran ich keinen Zweifel hege, so zünde eine Gasflamme
an und sorge dafür, daß die Tür wach dem Palmengarten aufgeschlossen ist. Ich wählte einen Ort, wo Gilbertine sick) anfhalten kann, während ich nut ihrer Kusine eine kleine Unterredung führe.
Aber wie willst du Fräulein Camerden bewegen, hin- uttterzulommen? — Aus irgendeinem Grunde wollte mir ihr Vorname nicht über die Lippen. — Glaubst du, sie wird dein Recht, sie zu einer Unterredung zu bestellen, anerkennen?
Jawohl.
Nie zuvor hatte ick) seine Lippe die feste Linie annehmen sehen, wie in diesem Augenblick, wenn ich and) schon immer wußte, daß er ein sehr entschlossener Mensch- ist.
Aber wie kannst ou zu ihr gelangen? Sie hat sich in ihrem eigenen Zimmer, wie mir gesagt wurde, eingeschlossen; Frau Armstrongs Zofe befindet sick). bei ihr.
Ich weiß; aber sie wird aus dem Bereich dieses schrecklichen Ortes entfliehen, sobald sie ihre Füße tragen werden. Ick) werde auf der Diele warten, bis ich. sie sehe. Dann werde ich ihr sagen: Kommen Sie! und sie wird in Gesellschaft Gilbertines kommen.
Und ich? Soll ich an einer so peinvollen Zusammenkunft teilnehmen? Mein Gott, wie peinlich, wie ernst und gefährlich wird sie sid) gestalten! Meine Teilnahme würde eine nähere Aussprache unmöglich machen. Ich — kamt nicht —
Ick) sagte dir ja auch, nicht, daß du dabei fein sollst. Im Gegenteil ist es durchaus notwendig, daß ick) Fräulein Camerden allein sehe. (Auch er konnte sie nicht Dorothea nennen.) Ick) werde Gilbertine bitten, uns- zu begleiten, so daß der äußere Anstand gewahrt wird. Id) möchte, daß du jedermann, der sich der Türe nähern sollte, mitteilen kannst, daß du uiid) mit Fräulein Murray hineingehen sahst.
Daun soll ick) auf der Diele bleiben?
Ja, wenn du so freundlich sein willst.
.Jetzt gab die Uhr die dritte Stunde an.
Es ist schon sehr spät, rief ich. aus. Warum nicht bis morgen früh warten?
Wenn ich dann die ganze Gesellschaft um mich herum habe? Nein. Außerdem werden die paar Sachen keine Stunde benötigen. Nur einen Augenblick. Id) muß wissen, was das Mädchen auf meine Fragen zu erwidern hat. Denk' daran, daß ich der Besitzer des Fläschchens bin, dessen Inhalt die alte Frau getötet hat.
Du glaubst also, daß sie tmrdj das Gift ums Leben kam?
Ich bin überzeugt davon!
Ich gab keine Erwiderung, sondern eilte die Treppe hinunter, um seiner Bitte zu willfahren.
(Fortsetzung folgt.)
Die Auche im Dezember.
Von A. B u r g.
Marzipan ist, trotz aller Moden, niemals eine ausgegebens Weihnachtssüßigkeit gewesen, und auf die Hauskunst schmackhafter Fruchtpasten hat man sich wieder besonnen, wobei man sick) allerdings in dieser Jahreszeit an Aepsel und Apfelsinen halten muß. Zu Apfelpasten werden die Aepfel geschält, zerschnitten und mit sehr wenigem Wasser bei fleißigem Rühren weich gekocht, dann durch ein feines Sieb gestrichen, so daß sie ein reckst steifes Apfelmus ergeben. Auf ein Kilogramm Apselbrei rechnet man ein Kilogramm Hutzucker, der schnell in kaltes Wasser getauckst, über dem Feuer gelöst, abg-eschäumt und zu dickem Sirup gekocht wird. Zuckersaft und Fruchtbrei müssen zusammen bei stetem Rühren noch einige Male aufkochen: daun füllt man die steife Masse, die man nach Belieben mit etwas Zitronensaft würzen kaum in Papierkapseln oder flache Blechform-en, ober streicht sie einfach in runden Plätzchen auf Schiefertafeln, läßt die Paste im warmen Ofen trocknen, wendet sie in feinstem Zucker um und bewahrt sie, in Pergamentpapier gehüllt, auf. Ms Nachtischnäscherei, für bett bunten Naschteller zu Weihnachten, auch auf bem1 Teetisch, sind diese Pasten hochwillkommen.
Nußkonfekt pflegt beim Kauf nicht eben wohlfeil zu sein, man kommt bei Selbstbereitung viel billiger zu sehr feinem Haselnußkonfekt. Es werden so viel Haselnüsse geschält, von der Haut befreit und fein gestoßen, daß die Masse;150 Gramm ergibt. Drei Eiweiße werden zu festem Schnee geschlagen, mit den gestoßenen Haselnüssen, ebensoviel gestoßenen, geschälten süßen Mandeln und 250 Gramm feinem Zucker gemischt und mit dem Teelöffel Keines Häufchen davon auf ein mit Wachs bestrichenes Blech gelegt. Diese Häufchen müssen tnt schon etwas ab gekühlt en Bratofen langsam trocknen, worauf man sie vom Blech löst und aufbewahrt.


