Ausgabe 
4.12.1912
 
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; Das Amethyst-Fläschlem.

Eins ErzäUung von A. K. Green.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

War es das allgemeine Bewußtsein davon, welche Er­leichterung das Hinscheiden Fran Lansings fo ftHKct' lief) es an und für sich war diesem unglücklichen Mädchen bringen würde; war es ihr völliges Schweigen, das gänz­liche Ausbleiben irgend eines Gefühlsartsbruchs auf ihrer Seite, der die Stille verursachte, mit der tvir sie in dem Zimmer empfingen, too dieses Bild des Todeskampfs ihrer harrte? Es ist nicht möglich, das zu entscheiden. Ich weiß nur, daß sie widerwillig, als hätte sie eine Vor­ahnung des Ereignisses, heremram. Aber ich war zu ver­wirrt, einen klaren Gedanken zu fassen. Wieviel wem- ger war ich fähig, in den Gedanken anderer z>u lesen!

Aber auch dem, der sich Gedanken machte, verging alles Ucberlegen, als, nach einer langsamen Wendung ihres Hauptes iir der Richtung nach dern Bette, dieses zitternde Mädchen einen schrecklichen Schrei ausstieß uns nut aus- gebreiteten Händen auf beit Boden stürzte. Augenschein- lief) war sie nicht auf den Blick vorbereitet worden, der das Gesicht ihrer Tante immer noch so gräßlich verunstaltete. Wie hätte sie dies auch gekonnt? Hatte er sich nrcht mir selbst als der abstoßendste Anblick meines Lebens ein- qepräat? Wieviel natürlicher also, daß dieses junge, wetch- herziqe Mädchen einen fürchterlichen Eindruck davon er­hielt! Als sie, mit deni Gesicht nach unten, zu Boden sank, eilte Herr Armstrong sofort herbet, um ihr Hilfe zu leisten Ich hatte nicht das Recht, ihm dabet zuvor­zukommen. Aber trotzdem war nicht er e3, der sie mit seinen Armen aufhob. Sinelair mit einem eigenartig entschlossenen Blick, den ich nicht verstehen konnte, und der uns alle auf unseren Platz fesselte -, richtete sie auf und trug sie zu ihrem eigenen Lager, auf das er sie sorglich bettete. Sodann beugte er sich, als sei er von biefer ein­fachen Aufmerksamkeit noch nicht befriedigt, et neu Augen­blick über sie, ordnete die Kissen und strich ihr das ent­fesselte Haar aus der Stirne. Als er sw schließlich verließ, kamen endlich die Damen herbeigeeilt.

Rur nicht allzuviele! meinte Sinclair, an die Frauen gewendet. Dann warf er mir 'einen Blick zu und schlupfte unbeinerkt auf die Diele hinaus. ,

Ich folgte ihm auf dem Fuße. Er war zmu mond- beschienenen Gange nahe bei seinem Zimmer vorausgeerll; dort erwartete er mich, einen Gegenstand in der^Hand haltend. Als ich ihn erreichte, zog er Mich zum Weitster und zeigte mir, was es war. Es war nichts ande».i!- tu. das geöffnete und leere Amethystherzchen, und daueoen das winzige Fläschchen. Der einzige tropfen, den es früher barg, war verschwunden.

Sinelair warf mir einen traurigen Blick zu.

, Ich habe das Fläschchen im Bett der alten Frau ent­deckt," bernerkte er.Das Herzchen glitzerte unter Doro- theas Schmucksacheu, tvo ich es gerade vor ihrem Smrz cur ihr entdeckte. Das ist der Grund, warum ich tnifc) so rück­sichtslos um sie bemüht habe!"

5. Kapitel.

Während er dies sagte, wandte sich die Jugend Mit ihren glänzenden Hoffnungen, ihren Luftschlößern und ihrenk Kinderalanben von mir, um nie mehr tu gleicher Reinheit und Größe wiederzulehren. Ich starrte auf die funkelnde Brosche, ich starrte auf das leere Fläschchen, und als ich die Bedeutung seiner Worte ihrem ganzen Um­fange nach erfaßt hatte, fühlte ich den eisigen Hauch eines unsagbaren Entsetzens, wie es mir die Haare Hu Berge blies und mein sganzes GÄutznilt Beben und Unghicr, anfullte, Sinclair versorgte mit einer schnellen Bewegung das Gläschen wieder in seinem alten Behälter und ergriff dann, die ganze Sachlage überspringend, meine Han.d, schüttelte sie und flüsterte:

Ich bin bei» Freund. Denk daran! In allen Ver­hältnissen, trotz aller Vorkommnisse stets dein Freund!

Was ntachst du aus diesem Vorkommnis? frawe tch, als ich mich soweit erholt hatte, um wieder sprechen zu

können.

Ich weiß nicht.

Und lvas denkst du von von Dorothea?

Da ließ er sein Haupt sinken; im Mondlicht munte ich bemerken, wie krampfhaft seine Finger sich bewegten.

Die Aerzte iverden bald eintreffen. Bor einigen Minu­ten hörte ich die Telephouklingel läuten. Wenn sie dis alte Frau für tot «erklärt haben, wollen wir der der Warne, von der du sprichst, Gelegenheit zu einer Erklärung geben.

Eine Erklärung sie! Welch naive Erwartung! Ganz unbewußt schüttelte ich mein Haupt. , , ,

Das ist das wenigste, was wir tun können, beharrt« er in liebenswürdigem Tone. Komm, man soll uns mchk dis Köpfe zusammeusteckeu sehen jetzt wenigstens nicht.

Es tut mir schon leid, daß wir beide mehr oder wemger in Gesellschaftstoilette bei dem Alarm erschienen sind. Dies könnte Kommentare Herausforderin .

Sie war ebenfalls in Toilette, murmelte ich, halb litt Selbstgespräche. ______ , ,

Unglücklicherweise ja, gab er flüsterud zur Antwort. Hierauf eilte er davon, auf die Diele, wo ^etzt die gesamte Bewohnerschaft des Hauses die aufgeregte Hausbau in einer großen Gruppe umstand. . ,. ,

Frau Armstrong war nicht veranlagt, ein derartiges Ereignis mit Ruhe zu tragen. Mit aufgeichtem Haar, heftig gestikulierend, stand sie, in ihr Neglige> gelleide., da und jammerte.über die Unterbrechung der ^eslltcykeiten, die dieses Ereignis notwendig nach sich ziehen mußte. Als Smelair sich näherte, wandte sie sich mit ihrem Klagen und Jammern an ihn. Alles lauschte ihren Worten, die nur