Ausgabe 
4.11.1912
 
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seltsamer Geruch mir plötzlich beit Atem benahm, und eilt grelles, gelbes Licht die Figuren ans der verblichenen Tapete hell hervorhob.

Duroc, Duroc!" schrie ich und zerrte ihn an der Schulter, das Scksloh brennt!"

Aber der Jüngling lag besinnungslos au, dem Boden. So stürzte ich denn in die Stalle, um zu sehen, woher dte Gefahr kam, und sand, daß unsere Explosion die Pfosten der Türe nt Brand gesteckt hatte. Im Speifegewölbe brannten bereits innige der Kisten. Ich warf einen Blick in den Raum, und in dem Augen­blicke erstarrte mir vor Schreck das Blut in den Adern. Avrt die Pulverfässer und der .Haufen Pulver auf der Erde! ^n wenigen Minuten, ja vielleicht schon in einigen Sekunden mußte die Flamme dahin gelangen! O, mes amis, ich werde nie auf­hören, die schwarze Masse zu erblicken und die Feuerschlange, die darauf loszüngelte, bis diese meine Augen sich im Tode ge­schlossen haben. . ,

Ich erinnere mich nur unklar dessen, was nun folgte. Wie im Traume stürzte ich in das Zimmer des Todes,, ergriff Duroc an einer seiner schlaffen Hände und schleifte ihn durch die Halle, während das Mädchen mit mir Schritt hielt und seinen andern Arni festhielt. Hinaus ging es in fliegender Eile durch das Tor und den verschneiten Pfad hinab, bis wir den. Saum des Tannenwaldes erreichten. In dem Augenblicke hörte ich einen furchtbaren Krach hinter mir und sah beim. Umschauen eine ungeheure Feuergarbe gen Himmel sprühen. Eine Sekunde später vernahm ich einen zweiten viel lauteren Knall; die rannen und die Sterne schienen einen tollen Wiröeltanz um mich auf- zuführen, und ich fiel bewußtlos über den Körper meines Kameraden.

Wochen vergingen, ehe ich im Posthause zu Arensdorf das Bewußtsein wieder erlangte, und tagelang noch dauerte es, ehe man mir erzählen durste, was eigentlich geschehen. . Duroc, der schon tapfer seine Soldaten wieder drillte, kant eines Abends und erstattete mir Bericht. Ein schwerer Batken hatte mich ge­trogen und meinem Leben beinahe ein Ende bereitet. Die kleine Polin war meine Retterin gewesen. Eilends war sie nach Areus- dorf gelaufen, hatte unsere Husaren geholt und war gerade im rechten Augenblick zurückgekommen, um uns von den Lanzen der Kosaken zu erretten, die jener schwarzhaarige Sekretär gegen uns zu Hilfe gerufen hatte, lieber dieses tapfere Fräulein, das unser Leben zweimal gerettet hatte, war Duroc an jenem Abend Merkwürdig zugeknöpft; aber als ich ihn zwei Jahre später nach der Schlacht bei Wagram in Paris wieder traf, brauchte er mich seiner Braut nicht erft vorzustellen, denn siehe da, ich kannte sie schon! War es nicht eine wunderbare Schicksalsfügung, daß er nun das Recht hatte, Namen und Titel des Mannes zu führen, der ihm und seiner Familie einst so schweres Leid zugefügt hatte!

(Fortsetzung folgt.)

Vermachtes.

bk. Die E h rl i ch k e i t s e p i d e m i e in der Kaserne. Ein lustiges Stücklein ans einer Kanzösischen Garnison lischt der Ganlois" seinen Lesern anst Vor einigen Tagen betrat ein junger Rekrut die Regimenisstube, gab ein Porteinounaie ab, das er au! dem Kasernenbose gesunden halte, und bat gleichzeitig um Urlaub bis Mitternacht. Anstandslos wurde dem ehrlichen Rekruten die Bitte gewährt Die Sache sprach sich herum, mit ivelchem Erfolge, das möge man daraus ersehen, daß am folgenden Tage 11 auf dem Kasernenhose gestmdene Portemonnaies in der Regiments- stubc von den ehrlichen Findern abgegeben wurden. Alle 11 er­hielten zur Belohnung Urlaub bis Mitternacht. ES dauerte aber auch nicht lange und' die Eigentümer der Börsen hatten sich ge­meldet. Nun aber brach eine wahre Fmdereptde.mie unter den Soldaten aus. Am nächsten Tage traten ehrliche Finder in langen Reihen vor der Regimentsstube an, jeder eilt Porte­monnaie in Händen. Der Oberst machte gute Miene zum bösen Spiel, sprach jedem ein Lob aus und gab allen Urlaub bis Mitternacht. Am anderen Morgen aber wurde iolgender Re- gimentsbeiehl verlesen:Jeder Soldat, der ein Portemonnaie aus dem Kasernenhofe findet und es abgibt, erhält Urlaub bis Mitternacht. Aber jeder Soldat, der ein Portemonnaie auf dem Kasernenhose verliert, erhält 24 Stunden strengen Arrest." Und kein Portemonnaie wurde mehr gesunden.

Ick. Verheiratet, ohne e s- z u w i s s e n I Aus dem Bürgermeisterauite in Beziers spielte sich dieser Tage ein Vor­fall ab, der wahrscheinlich merkwürdige Folgen haben wird. Es erschien nämlich ein Brautpaar zur Trauung, von dem die Braut bereits verbeiratet war, ohne daß sie es jedoch wußte oder wissen konnte. Als der Bürgermeister Fräulein Marie Lnise Crebasso Mit vollständigem Namen und sonstigen Personalangaben auiries, gab er ihr dabei ein Atter von dreißig Jahren, währetid sie kaum die zwanzig überschritten hatte, mib als sie hieran! Einspruch er­hob, erfuhr sie zu ihrem Schreckeit, daß sie, amtlich betrachtet, gar nicht sie selber sei, sondern bereits seit drei Jahren verheiratet wäre und überhaupt längst nicht mehr in Beziers, sondern in Algier wohne! Die Erklärung der merkwürdigen Tat­sche kam. bald, ans Licht: vor drei Jahren hatte eine junge DaE- die gleichfalls Crebasso hieß, aus Algier nach ihrer

Heimat BLziers geschrieben und sich zu ihrer Verheiratung Papiers ausstellen lassen. Dabei war eine Verwechslung vorgekommen. Die merkwürdige Folge dieser Verwechslung ist nun, daß Fräulein Crebasso in Bdziers sich nicht verheiraten kann, ehe ihre erste Ehe, von der sie gar nichts weiß, für ungültig erklärt worden ist. Bis dahin kann aber noch einige Zeit vergehen.

* Guter Rat.Willem, pump mir drei Mark, ich will mirn neuen Hut kaufen!"Mensch, dazu brauchst du soviel Geld? Hier hast du 25 Pfennige, damit gehst du ins Kaffeehaus/ hängst deinen ollen .Deckel neben einen neuen an den Haken, trinkst 'ne Tasse Kaffee un lvenn du weg gehst, greifste da­neben."

* Galgenhumor.Du bist aber recht grau geworden, alter Freund; hast du Familiensorgen?"O, im Gegen­teil; bct§ machen die Vaterfreuden!"

Vüchertisch.

Farben photographi e. Von dem unter obigem Titel im Berlage von E. A. Seemann in Leipzig erscheinenden Lieferungswerke ist soeben das zweite Heft erschienen. Es enthält als «Einführung einen aus der Feder von Professor F. Schmidt, Karlsruhe, stammenden, sehr beachtenswerten Artikel überSchwie­rigkeiten und Fehler beim Arbeiten mit Autochromplatten". In höchst sachgemäßer Weise geht der Verfasser davon aus, daß viel­fach Klage geführt wird über unrichtige oder übertriebene Farben­wirkung. Wenn dieser Vorwurf in vielen Fällen berechtigt er­scheint, so hat dies seinen Grund darin, daß in dem kleinen Bilde die Farben sich auf einem sehr kleinen Raum zusammeudräugen, so daß das Auge den Ueberblick und Gesantteindruck viel rascher empfängt, als bei dem Betrachten der Natur. Die vier färbigen Abbildungen im Text und die fünf prächtigen Vollbilder, die in Treifarbennetzätzung nach An t o chromanfn ahm en hergestellt wurden, stellen bewundernswerte Leistnngm moderner Technik dar. und sind durch ihre Schönheit und Vielseittgkeit so recht geeignet, der Autochromphotographie neue Anhänger zuzuführen.

Was das Leben zerbricht. Ein Buch von Ernst Zahn. (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt.) Auf einen ernsten Grundton, den schon der Titel ankliugen läßt, sind die in Ernst Zahns neuem Buch vereinigten Novellen, kleinen Erzählungen und Skizzen gestimmt. Aber die Erfindungsgab-e und Darstelluugs- kunst des Schweizer Dichters bewahrt die Sammlung vor der Gefahr der Eintönigkeit. Es sind immer neue Motive, immer neue Charaktere, die uns aus den neun Stücken des Bandes ent­gegentreten. Bald ist dasZerbrechen" «eines feinen und zarten seelischen Besitzes nur mit leisen Gesten und verhaltenen Worten angedeutet (wie inRosen" undEine Partie. Billard"), bald bewegt sich die Handlung im weiteren Rahmen eines freundlichen Idylls, auf das die Resignation einen leichten Schatten fallen läßt (Der Witwer",Das Zögern",Der Tag der Perpetua"), bald ist idas Problem in tiefer, wenn auch selten stark nach außen hervortretender Tragik gefaßt und kündet von der llnrettbarkeit -eines verlorenen Menschen (Der Mondstrahl"), von der Un­vereinbarkeit gegensätzlicher Lebensausfassung und Gesellschafts­schichten (Der andere Weg",Die stillen Gewalten"), von der unerbittlichen Folgerichtigkeit, mit der menschliche Schuld ans kleinen Anfängen wächst und sich mehrt (Das Leben der Salome Zeller"). Am freiesten und stärksten entfaltet sich wohl des Dichters ernste und zwingende Kunst in den beiden um saug reichsten Er­zählungen des Buches,Die stillen Gewalten" undDas Leben der Salome Zeller".

DramauLratse!.

Auflösung

In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a a, ddd.ee e, i i i i, 1 1, n n n n n. r, s, t, w w derart einzntragen, daß die ivagerechten Reihen folgendes bedeuten:

1. Einen Buchstaben,

2. Schriftsteller,

3. Himmelskörper,

4. Dichter,

5. Römische Göttin,

6. Fluß,

7. einen Buchstaben.

Die senkrechte und wagerechte Mittel» reihe ergeben das Gleiche.

in nächster Nummer.

Auflösung des magischen Quadrats in voriger Nummer:

N

U

R

I

ü!

A

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M

E

A

H

M

R

T

R

E

Nur immer treu! Nahe. Isar.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Briihl'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R, Lange, Gießen»