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(gut gegen die fünf Schurken verteidigen, und deshalb haben sie wahrscheinlich jenen Boten ausgeschicht, um Verstärkung herbei- znschasfen."

'Folglich müssen wir ausbrechen, eh^ er zurückkommt."

Ganz recht; wenn so etwas überhäüpt möglich ist." Könnten wir nicht die Tür niederbrenneu?" rief er eifrig.

Nichts leichter als das, dozft in der Ecke stehen mehrere Fässer mit Oel. Ich fürchte nur, wir werden dabei selbst ge­röstet werden, wie zwei Austerpasteten."

Indem wir noch so hin und her überlegten, vernahmen wir plötzlich ein leises Geräusch am 'Fenster, und als wir hinblickten, Jähen wir, wie sich ein Schatten zwischen uns' und die Sterne! chob, und wie eine kleine, weiße Hand sich in das Gewölbe treckte. Sie hielt etwas Glänzendes zwischen den Fingern,

Schnell, schnell!" rief eine weiche Frauenstimme, Im Nu standen wir auf dem Faß.

Ihr Leben steht auf dem Spiel! Sie lassen die Kosaken holen! Ach, wehe mir, wehe mir!"

Im nämlichen Augenblicke näherten sich draußen eilige Schritte; ein heiserer Fluch, ein Schlag wurde hörbar und wieder funkelten die Sterne durch das Fenster. Von Schreck, gelähmt, standen wir auf unseren Fässern und lanschten. Nach einer Weile folgte ein unterdrückter Schrei, und eine schwere Tür fiel irgendwo krachend ins Schloß.

'Die Schurken haben sie entdeckt und werden sie töten!"

rief ich entsetzt.

Turoc sprang wie ein Besessener herab und hämmerte mit bloßen Händen so wütend an der schweren Tür, daß jeder Schlag Blutspuren hinterließ.

Hier, hier ist der Schlüssel!" rief ich plötzlich aus' und hob einen solchen vom Boden auf.Tas Mädchen muß ihn in in dem Augenblick hereingeworfen haben, wo es entdeckt wor­den ist."

Mit einem Freudenschrei riß ihn mir mein Gefährte aus der Hand. Aber gleich darauf warf er ihn enttäuscht zu Boden, denn es stellte sich heraus, daß er viel zu klein für das ungeheure Schloß war. Entmutigt sank er auf eine der Kisten nieder, stützte den Kopf in die Hände und schluchzte in seiner Verzweiflung.

Auch ich war außer mir, wenn id) an das Weib dachte, dem wir nicht beispringen konnten, aber id). raffte mich zusammen

und überlegte.

Der Schlüssel, den das Mädchen uns Mit Gefahr seines Lebens zugeworfen hatte, mußte doch wohl einen Zweck haben, und ebenso ersichtlich war es, daß es uns nicht den Schlüssel unfercr Kerkertür zuwerfen konnte, da diesen ihr Stiefvater gewiß in der eigenen Tasche verwahrte. 'Es wäre doch schlimm, wenn unser Scharfsinn nicht imstande wäre, dieses Rätsel zu lösen.

So begann ich denn, alle Gegenstände von der Mauer abzu­rücken, und Turoc, von meinem Müte ang-esteckt, half getreulich mit. Wir hatten saure Arbeit, denn die , Fässer waren schwer; aber imr ruhten nicht eher, bis Käse, Fässer, Kisten in iüiiftem Durcheinander sich in der Mitte des Raumes häuften. Jetzt lag nur nock) ein ungeheures Faß Branntwein in der Ecke. Wir machten uns beide daran, rollten es himveg und siehe wir standen vor einer schmalen, niedrigen, hölzernen Türe. In diese paßte der Schlüssel, und mit einem Jubelruf öffneten tvir sie. Tie Lampe in der Hand, zwängte ich mich zuerst hinein, mein Kamerad folgte mir.

Wir befanden uns im Pulvermagazin der Burg, einem aus­gemauerten Keller mit Pulverfässern an den Wänden. In der Mitte stand ein einzelnes, zerschlagenes Faß; das Pulver war herausgelausen und lag nun in einem großen, schwarzen Haufen am Boden. Ter Raum hatte zwar noch einen zweiten Ausgang; aber dieser war verschlossen, ein Umstand, der Turoc von neuem alle Fassung raubte.

Was nun?" rief er in heller Verzweiflung.Memer Treu, jetzt sind wir wieder auf dem alten Fleck, denn wir haben keinen Schlüssel."

O doch," erwiderte ich zuversichtlich,haben wir nicht mehr als ein Dutzend?" '

Wo denn?"

Ich deutete auf die Fässer.

Sie wollen die Türe sprengen?" , '

Nichts anderes."

Aber dann würde ja der ganze Keller in die Lust fliegen." Ta hatte der gute Junge wohl recht. Diesmal war er klüger wie ich. Aber ich wußte Rat.

Wir sprengen die Türe des Vorratsgewölbes," ries ich triumphierend, rannte zurück unb holte einen Blechkasten, in dem sich noch einige Lichter befanden. Er war groß genug, um ein Pfund Pulver zu fassen, und Turoc füllte ihn damit an, während ich ein Lickst zurechtschnitt. In kurzer Zeit hatten wir die schönste Petarde fertig, die man fick) wünschen kann. Wer stellten sie auf einige übereinandergeschichtete Käse, so daß fte gegen die Türe lehnte, zündeten das Licht an und liefen NUN eiligst in den Pulverraum zurück, die Türe zum Speisegewolbe hinter uns schließend.

Glauben Sie mir, liebe Freunde, es Ivar, kein Spaß, mitten unter den Pulverfässern zu sitzen! Lag nicht die Gefahr sehr nahe, daß wir bei der zu erwartenden.'Explosion selbst mit zugrunde gingen, daß wir im nächsten Moment in Stücke zerrißen turmhoch'

in die Lust flogen? Wie unendlich lange Zeit' das halbe Zoll Licht doch brauchte, um herunterzubrennen! Schon machte ich mich mit dem Gedanken vertraut, daß das Stümpfcheu überhaupt wieder erloschen sei, da ertönte ein Knall, als wenn eine Bombe platzte; unsere Türe zerbarst, und eine Menge Aepfel, Rüben, Käsestücke, Holzsplitter regneten über uns h'er. Wir stürzten hinaus und bahnten uns durch Qualm und allerhand Trümmer den Weg bis zum Ausgang. Ja, die Petarde hatte ihre Pflicht getan. Wo erst die dunste Türe gewesen war, bemerkten wir. jetzt eine Helle, viereckige Oefsnung.

Aber wir hatten noch mehr gewonnen, weit mehr, als wir zu hoffen gewagt. Denn es stellte sich heraus, daß unser Fleiß nicht nur das Gefängnis geöffnet, sondern auch die Gefangen­wärter vernichtet hatte. Mein erster Blick fiel auf einen Mann, der, eine Fleischeraxt in der Hand, mit stasfeuder Stirnwunde am Boden lag. Ihm zur Seite wälzte sich eine riesige Dogge mit zerschlagenen Beinen. Zu gleicher Zeit hörte ich einen lauten Schrei und sah, wie Turoc von einem Meilen Hunde am Halse gepackt an der Tür lehnte. Zwar drängte er ihn mit der einen Hand von sich und stieß ihM mit der anderen den Säbel wieder­holt durch den Körper; aber ich mußte dem Tier erst mit der Pistole den Garaus machen, ehe er feinen Hals losließ und die wilden, blutunterlaufenen Augen im Tode erstarrten.

Doch wir durften uns noch lange keine Ruhe gönnen. Er­scholl von dort nicht der laute Schmerzensschrei einer Frau? ein so entsetzlicher, angsterfüllter Schrei, daß wir fürchten mußten, zu spät zu kommen. Mlerdings befanden sich nock) zwei airdere Männer in der Halle; die aber zogen sich, feige zurück vor unseren gezückten Säbeln und den wilden Blicken. Duroe war der Wütendste von uns beiden. Obgleich das, Blut von seinem' Halse herunterrann und das graue Pelzwerk seines Mantels ganz rot färbte, eilte er mir dock) so ungestüm voran, daß id) nur mit Mühe über seine Schultern hinweg einen Blick von der Szene erhaschen konnte, die sich nun in dem Zimmer zutrug, wo wir den Herrn der Schreckensburg zuerst erblickt hatten.

Ter Barbar stand, den geschwungenen Säbel in der Hand, mit 'wütender Gebärde und emporgesträubten Haaren in der Mitte des Zimmers und hinter ihm kauerte unsere Retterin furchtsam in einem Stichle. Heber ihren weißen Arm hinweg zog sich ein großer, roter Streifen, und die Hundepeitsche, die vor ihr au) der Erde lag, bekundete, daß wir doch! zu spät gekommen waren, um die rohe Mißhandlung zu hindern. Sobald der Schurke uns gewahrte, stieß er ein Wutgeheul ans wie ein wildes Tier,, hieb und stack) mit seinem Säbel um sich und stieß die gräßlichsten Verwünschungen aus.

Da, wie gesagt, das Zimmer sehr klein war, füllte mein junger Freund den Raum zwischen Tisch und Mauer vollständig ans, und mir blieb nichts anderes übrig als zuzusehen. Der Jüngling war behend und wütend wie eine wilde Katze und ver­stand sich vortrefflich aus fein Handwerk. Sein Gegner aber schien auch ein erfahrener Fechter und war zudem mit seiner gewaltigen Größe und Stärke sehr im Vorteil, und einer seiner gewaltigen Hiebe hätte Turoc gewiß das' Leben gekostet, wäre ich nicht blitzschnell dazwischen gefahren, um ihn mit dem Säbel wenigstens teilweis aufzufangen. _ .

Verzeihen Sie," sagte ich zu dem! Manne,letzt haben Sie es mit Etienne Gerard zu tun."

Er trat einige Schritte zurück unb1 lehüte sich atemlos gegen die Wand. Sein müßiges, üppiges Leben begann sich zu rächen.

Was habe ich Euch getan, junger Mann?" keuchte er.

O," erwiderte ich gelassen,ich möchte Ihnen doch gern danken, daß Sie mich in Ihr Vorratsgewölbe geführt haben,, und außerdem genügt wohl ein Blick auf jene Dame dort!"

Nun denn, so mögt Ihr Euren Willen haben!" schnarrte er und fiel mich an wie ein TollhäuÄer. Eine Minute lang sah ich nichts als ein Paar funkelnde Augen unb die glänzende Spitze eines Säbels, der nach recht und links I)ieb und stets auf meine Brust und meinen Hals zielte.

Nie hätte ich es für möglich gehalten, daß die Zeit der Revolution so große Meister der Fechtkunst hervorgebracht hatte! Ja, ich glaube, in meinem ganzen Leben sind nur nicht ein halbes Dutzend Männer begegnet, die ihre Waffen besser zu, fuhren verstanden als der Pseudobaron. Aber er wußte, daß ich ihm überlegen war, er sah seinen Tod durch meine, Hand voraus idi las es deutlich in seinem Auge. Allmählich wich die Rote der Erregung einer fahlen Blässe, unb er atmete laut unb schwer. Dennoch focht er weiter, selbst noch, nachdem er den Todesstoß empfangen hatte, unb starb endlich, indem er immer uoci) um sich hieb und sckstug unb bazu schreckliche Flüche ausstieß, ^ch, xetzt rin alter Manu, habe so viel blutige Schlachten erlebt, daß mein schwach gewordenes Gedächtnis kaum,nock) ihre dcamen zu neunen vermag; aber die Erinnerung an jenen gelben Bart mit dem blutigroten Fleck in der Mitte, aus' dem id) die Spitze meines Sabels gezogen, erfüllt mich nod) heute mit Grausen. Kaum war der un­geheure Körper des Maiiues zu Boden gefallen, sosprang das lunge Mädchen empor und schrie vor Freude laut auf. ^yd) muß ge­stehen, daß ihr Betragen Mir sehr unwetblid) vorkanr und höchlich Mißfiel; ja, nicht einmal der Gedanke an bas bittere Leid, das sie ertragen, konnte sie in meinen Augen entschuldigen. Eben wollte ich sie mit charfer Stimme zur Ruhe verniahnen, als. ein