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gegenüber. Aus dem Ton ihrer Anrede erkannte ich so­fort ihre feindliche Stimmung.

Was wollen Sie heute nacht hier, mein Herr? fragte sie mürrisch.

Das dürfte Ihnen nicht unbekannt sein, erwiderte ich. Vermutlich haben Sie doch den Boten zn mir geschickt.

Welchen Boten?

Ei nun, den Jungen, der mir die Nachricht brachte, daß meine Tante gefährlich krank sei und mich zu sprechen wünsche, antwortete ich, meine Fassung allmählich ver­lierend.

Eine solche Nachricht ist Ihnen nicht zugegangen, Herr Doktor Williams. Wie dürfen. Sie so was behaupten?

Nach diesen Worten ivar es mit meiner Beherrschung vorbei.

Dürfen! rief icß Sie unverschämtes Weibsbild Sie. Was wollen Sie damit sagen? Wollen Sie mich etwa als Lügner hinstellen?

Ich will damit sagen, fuhr das impertinente Geschöpf fort, daß Sie aus eigenem Antrieb hierher gekommen find, weil von hier aus kein Bote an Sie abgeschickt worden ist. Ich müßte das wissen, und ich weiß sehr wohl, was ich sage.

Sie brachte das mit solcher Bestimmtheit vor, daß ich nicht mehr wußte, was ich von der ganzen Sache denken sollte.

Dann ist meine Tante also gar nicht schwer krank? fragte ich nun.

Nein; sie ist sogar bedeutend besser und gedenkt, in einem oder zwei Tagen das Bett wieder zn verlassen.

Meine Verwirrung wurde immer größer.

Nun, sagte ich nach kurzem Bedenken, da ich einmal hier bin, will ich sie auf alle Fälle sehen.

Sie will Sie aber gar nicht sehen, das wissen Sie doch; sie sagt, daß Sie sie das letztemal, als Sie hier waren, furchtbar aufgeregt hätten, und Sie ihr Haus nicht wieder betreten sollten.

Aber, wie Sie sehen, sagte ich zähneknirschend, bin ich wieder in ihrem Haus, und ich will mich jetzt selbst nach ihrem Zustande erkundigen.

Das werden Sie nicht, versetzte sie schnippisch. Sie schläft jetzt und darf von niemandem gestört werden. Der Arzt hat's verboten; ich lasse Sie jetzt nicht hinauf. Damit stellte sie sich mir in den Weg, als ich nach der Türe gehen wollte.

Dies war mir denn doch etwas zu stark, und ich stieß sie ziemlich unsanft beiseite.

Nun hab' ich die Sache satt, sagte ich. Ich werde jetzt unter allen Umständen hinaufgehen und meine Tante be­suchen. Schläft sie, wie Sie behaupten, und halte ich's für besser, sie nicht zu stören, so werde ich mich ruhig wieder entfernen. Darauf ging ich schnurstracks nach dem Kranken­zimmer. Ich drückte sachte auf die Klinke und trat leise ein.

Es herrschte Todesstille. Ich schaute aufs Bett und erkannte im Schein des Kaminfeuers das bleiche Gesicht der Kranken. Sie hatte die Augen geschlossen und schlief. Ihr Schlaf erschien mir aber nicht natürlich. Ich betrachtete die auffallende Blässe, von der die grüne Farbe der Augen­lider merkwürdig äbstach, in der Nähe. Ich konnte mir die Erscheinung zwar nicht erklären, fand sie aber verdächtig. Was für 'ne Krankheit mochte sie eigentlich haben? Viel­leicht konnte ich aus der Arznei, die sie einnahm, etwas ersehen. Ich schlich mich auf den Fußspitzen an den Tisch, aus dem eine ganze Reihe Medizingläser stand, und prüfte ihren Inhalt. Ich war jedoch mit meiner Untersuchung noch nicht zu Ende, als mir eine schrille Stimme plötz­lich zurief:

Willst du mal die Gläser ruhig stehen lassen? Was hast du überhaupt hier zu suchen?

Ich drehte mich wie schuldbeladen um und erblickte aufrecht im Bette sitzend mit zornfunkelnden Augen meine Tante.

Ja, hast dn mich denn nicht selbst rufen lassen? ver­setzte ich.

Ganz gewiß nicht; und es ist sehr unschicklich von dir, ungebeten heute nacht in mein Schlafzimmer zu schleichen. Was hat sich Hephzibah eigentlich gedacht, dich hier 'rein­zulassen? Wo steckt sie denn?

Hier, Madame, rief die alte Hexe, und stand plötzlich wie ein Gespenst an meiner Seite.

Was soll das alles heißen? führ meine Tante schel­

tend fort. Der Doktor hat Ihnen doch anbefohlen, wenn ich schliefe, mich unter keiner Bedingung stören zu lassen, und trotzdem lassen Sie meinen Neffen 'rein und die Arznei- flaschen durchstöbern Gott weiß, wozu und meine Ruhe stören, wo ich Ihnen ausdrücklich verbot, ihn wieder ins Haus zu lassen. Ich frage nochmals, was soll das heißen?

Das heißt, antwortete Hephzibah demütig, daß er stärker war als ich. Ich habe ihn inständig gebeten, Sie nicht zu stören. Ich hab' ja gesagt, der Arzt hätt's verboten, und er würde schon sehen, wenn was passierte. Aber er hat mich einfach weggeschubst und gesagt, er würde machen/ was ihm beliebe, und sich den Weg richtig erzwungen.

Den Blick, den meine Tante auf mich richtete, als sie ihre magere Hand erhob und nach der Tür deutete, werde ich mein Lebtag nicht vergessen.

Geh'! sagte sie; wenn du noch 'n Funken Ehrgefühl hap und bleib' mir auf ewig vom Halse!

Diese Worte verwandelten mit einemmal alles Mit­leid in meiner Brust in tiefen Groll. Ohne ein Wort zu erwidern, drehte ich mich um uud verließ das Zimmer. Das fremde Weib, das mich eingelassen hatte, stand unten an der Treppe und reichte mir schweigend Hut und Mantel. Dann führte sie mich zur Haustür, durch den Garten nach der Gartentür und schlug sie hinter mir zu. Verwundert stand ich wieder aus der Straße. Das Ge­heimnis war dunkler als je zuvor.

Was sollte das alles bedeuten? Wer hatte den Boten nach Richmond geschickt? Und zu welchem bösen Zweck? Zweifellos steckte eine List und ein Betrug dahinter, die ich wir indessen noch nicht erklären konnte. Es erfaßte niich eine neue Bangigkeit. Daß etwas gegen mich in Szene gesetzt war, hielt ich für sicher. Neues Unheil bedrohte mich. Aber welcher Art mochte es jetzt sein, und in welcher Weise mochte meine Taute dabei im Spiel sein? Es war alles höchst seltsam, beunruhigend, geheimnisvoll. Sollte zum Beispiel das Bild Marcellas im Spiegel doch nur eine Täuschung gewesen sein? Ich war sicher, daß es das Spiegelbild eines menschlichen Antlitzes gewesen, das hinter dem Vorhang verschwunden war, als ich hinsah; wie und wohin konnte ich mir nicht erklären. Außerdem hatte ich wieder das deutliche Rauschen eines seidenen Frauenkleides gehört. Als ich darüber nachdachte, ging mir plötzlich ' ein Licht auf. Konnte nicht Marcellas Doppelgängerin die Baronin im Spiel sein? Vielleicht war das Haus meiner Tante im Besitz meiner Feinde? oder was noch schlimmer war sie selbst mit ihnen im Bunde gegen mich?

(Fortsetzung folgt.)

Abenteuer des Brigadier Gerard.

Von C. Doyle.

(Fortsetzung.)

Warum hatte ich mich auch in diesen tollkühnen Handel eingelassen, wo doch jetzt ein so schöner Krieg gegen eine Viertel- million Russen in Aussicht stand!

Das mag alles recht gut sein," sagte ich deshalb endlich mitten in Durocs Drohungen hinein,und meinetwegen können Sie Mit dem Kerl tun, was Sie wollen, sobald Sie ihn erst er­wischt haben. Mich dünkt indessen, daß es sich jetzt darum haudclt, was er mit uns tun wird."

Was schert mich das!" rief der Jüngling.Ich habe eine Pflicht gegen meinen Vater!"

Was soll das eitle Geschwätz!" versetzte ich ausgebracht. ,^Jch habe auch eine Pflicht, und zwar gegen meine Mutter, und das ist die, heil aus diesem verwünschten Loche herauszukommen.

Diese Bemerkung ernüchterte ihn sofort, und fast demütig

entgegnete er: . .,

Verzeiht, Monsieur Gerard, daß ich zu viel an mich selbst gedacht habe; ich bitte Sie, geben Sie mir Ihren «mit, was ich tun soll." . .. .

Hm," begann ich,umsonst haben uns jene Halunken Nutzt mitten unter den Käse eingesperrt; sie wollen uns den Garaus machen so viel ist sicher. Sie mögen wohl nick Recht ver­muten, daß niemand von unserer Anwesenheit hier Kenntnis hat, und daß man hier auch nicht nachforschen wird, wenn wir ver- mißt werden. Ihre Soldaten wissen doch nicht, wohin Sie sich begeben haben?"

Ich habe ihnen nichts gesagt."

Nun aushNngern können sie uns hier nicht, also Mussen sie zu uns kommen, wenn sie die Absicht haben, uns zu totem Hinter einer Barrikade von Fässern könnten wrr iins aber recht