Ausgabe 
4.9.1912
 
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tmt silbergrünett Sfrubcfn ungeduldig iOTtlTehSeri Muß, in Wer scharfen Kehre heranbraust, so daß wir gar keinen Ueberblick über Weg und Richtung seines stürmischen Laufes gewinnen können. Ern Tom von machtvollen Formen steigt aus einem festge­schlossenen Giebelkranz, moderne goldflimmernde Kuppeln tauchen stuf, und nun darüber, dahinter in wundervoller Schau die.Berner Alpen, spitze glänzende Hörner, breitgeschwungene leuchtende Fir­nen, von einem zarten .Rosenton ins Unwirkliche, Traumhafte gehoben,Jungfrau",Mönch",Eiger", dieBltimlisalp", ein Anblick, der gerade auf dem Hintergründe dieses Städtebildes etwas Ueberwältigendes hstt und immer wieder mit Ewigkeits­gedanken auf uns einstürmt.

Und nun ein Bahnhof, der zu eng geworden ist darüber auf der hohen Schanze das neue Bollwerk des alten kriegerischen Bern, ein Bollwerk der Wissenschaft, die Universität. Tann dicht vor .bent Bahnhofsportal die Heiliggeistkirche mitten im Verkehr, umzingelt von Straßenbahnschienen, umlärmt vom Getriebe, und endlich nach links sich öffnend die Altstadt mit schattenden Lauben und Bogen, mit Durchgangstoren und rauschenden Brunnen, rechts rns Freie streichende breite Straßenzüge, die zum nahen Walde zu eilen scheinen, der dort hinten mit scharfen Tannenwipfelst als dunkle Silhouette den Horizont schließt. Wer aber gerade­aus geht, steht in wenigen Minuten vor demBundeshaus", bon fremden Besuchern Bundespalast genannt. Und hier auf der Terrasse, die in den tief unten rauschenden Fluß, schaut, Und von der der Blick wiederum die Schneeberge grüßt, weiß man nun, daß dies das Bern der neuen Zeit ist. Weht auf den Kuppeltürmen das weiße Kreuz im roten Felde, so tagen in diesem wohlgefügten, mit gewaltigen Quadern an den Felsen­kern verankerten Bai: die Räte .des. Volkes und. der Stände der schweizerischen Eidgenossenschaft.

, Von dieser Terrasse wird in den Septembertagen der Deutsche Kaiser wohl^Umschau halten, und man wird ihm das vielge­schwungene Silberband der Aare tief unten zeigen, wie es a::s dunklen Waldtälern herausflattert, am Fuße des grünenGurten­berges", der Berns Ausfichtswarte ist, vorbei auf den Felsenkern der alten Stadt zuläuft und diesen umschlingt, wie der grüne, mit Silber gestickte Gürtel sich um einen schlanken Frauenleib! legt. Kein Fluß schützt besser als dieser wasserreiche, strudelnde Gesell. Aber keiner verbindet auch schöner Stadt und Landschaft ckls dieser mit seinen Zuläufen das ganze Berner Land erfüllende Zwilling des Rheins, der schon so viel Blut getrunken hat unter den Mauern von Bern.

Und nun zurück und hinein in die alte Stadt, auf den Markt, wo die kernige Landbevölkerung sich drängt, wo hundert Bauernrößlein angebunden stehen am alten prächtigen Münster, wo auf einmal Bern als der Mittelpunkt und die Hauptstadt des Berner Staates erscheint, der in stolzer Geschichte diesen: Felsen­nest angegliedert worden ist. Tie Gassen senken sich, durch die Bogengänge, die sich an den alten Giebelhäusern entlangziehen, quirlt der moderne Verkehr, als müsse er sie sprengen. Stufen, immer mehr Stufen, rasch steigt sich's hinab .und wieder blitzt diesmal ist es die dritte Seite die Stare. Aber nun stehen wir nur wenige Meter über dem Wasserspiegel, und gegenüber erhebt sich das andere Ufer, in grüner Halde ziehen sich Baum­alleen, dieHalden", enchor, die hier die hochgelegene Slltstadt beinahe beherrschen: dieSchloßhalde", und der ist ein Schoß­kind des Glückes, der hier auf der Höhe sich sein Haus gebaut, sind dem von der einen Seite die'Schneeberge, ant Morgen und an: Abend rosig erglühend, ins Fenster schauen, von der anderen Seite die Stadt auf ihrem Felsenkern den Anblick ihres unver­gleichlichen .Bildes von Geschlossenheit, Kraft und Bürgerstolz darbietet'.

Knapp 90 000 Einwohner zählt Bern, aber es bietet mit seinen Außenquartieren, die weit über die Aare vorgeschoben sind, mit den stattlichen Neubauten und den: lebhaft pulsierenden Verkehrs­leben, das nach Fertigstellung der Lötschbergbahn nur noch größere Verhältnisse annehmen wird, den Anblick einer wahren Großstadt. Es wächst aus den: Begriffe der eidgenössischen .Beamtenstadt in den eines modernen Verkehrszentrums hinein.

Mer nun gibt es noch ein anderes Bern. Und wenn bet Deutsche Kaiser, statt am gleichen Tage wieder fort zu fahren, über Nacht hier bliebe, dann wüßte ich, was' ich täte. Ich ging mir nichts, dir nichts zu ihm, wenn die Nacht ihre mitternächtige Stunde kommen sieht, und führte ihn aus der Mitte seines Ge­folges hinweg. Mitten hinein in das alte Bern. Das liegt dann in: Mondschein. Tie Kramgasse ist menschenleer, die hohen Giebelhäuser drängen sich- schlafend aneinander, in den Lauben atmet die Nacht. Silber fließt über die Dächer und tropft auf den breiten Stein, der die Gasse teilt. Ein sanftes Rauschen laufen­der Brunnen füllt das Ohr. lind nun hebt das Uhrwerk an, und auf dem Zeitglockenturme beginnt es sich zu regen. Ter Ge­harnischte, der dort oben steht, schlägt die Zeit. Der Hahn hebt die Flügel und sein Krähen klingt geisterhaft in der Stille, der Bär dreht den Kopf, der Fürst der Zeit, der auf goldenem Stuhl neben dem Uhrwerke sitzt, kehrt das Stundenglas und bewegt das Szepter: Mitternacht. Lauter rauschen die Brunnen. Vom ;,Kindlifresserbrunnen" raunt ein Märchen durch die Nacht. _llnb wieder trägt die bewegte Luft des Voralpenlanbes den Tust lpat- blühender, herbstlicher Rosen ans den Gärten empor und streut W: mit dem Mondschein vermischt auf das alte schlafende Bern.

Ter Kacker getzt auf dein' bdeifen Stein, die witternächtigen Lausten Horen fernen Schritts. Die Nacht lehnt träumend an der Bergs Rand und >,es singen die Wasser im Schlafe noch sott vom! Tage, Pont heute gewesenen Tage..."

Hermann Stegeistanich! |

Die rriiche im September.

' o Von ST. .85 u r gj , ' M <

, Die deutschen Hausfrauen begrüßen eine ergiebige Rebhuhn­jagd mit Freuden, da dann auch für minder Begüterte Wirtschaften em- oder einigem^ ein Rebhuhngericht möglich wird. Es braucht ist nicht immer , ein Rebhuhnbraten zu sein, denn die allein dazu sich eignenden jungen Hühner sind meist teuer. In guten Reb- huhniahren sind aber oft ältere Hühner sehr billig zu haben/ d:e man schmoren, mit Sellerie dünsten oder von denen man eine Rebhuhnsuppe mit ober ohne Linsen bereiten kann.

Wie für alles Wildbret, so ist freilich auch das Braten des Rebhuhns am Spieß die idealste Bereitung, welche mehr als der Ofenbraten den vollen aromatischen Fleischsast bewahrt. Ta die allermeisten Hausfrauen aber sich mit dem Ofenbraten behelfen müssen, so seien sie wenigstens darauf aufmerksam gen:acht, daß es dabei von großer Wichtigkeit ist, die Hühnchen dicht in ein möglichst enges Speckmäntelchen zu hüllen und dann noch frische Weinblätter rundherum zu legen. Dadurch wird jeder Saftaustritt aus dem Fleisch gehindert. Tie Hüllen werden erst beim An-. richten von den Hühnern entfernt, aber zur Seite der tranchierten Vögel auf gleicher Schüssel mitangerichtet. Dazu fei noch gleich darauf hingewiesen: da junge Rebhühner schnell braten, müssen sie immerfort begossen und nach dem Garwerben sofort angerichtet werden. Sobald der Braten zu lange steht und erkaltet, verliert er fein feines, eigentümliches Wildaroma. Gewärmte Rebhühner aber büßen fast allen Wohlgeschmack ein.

Als besonders für Rebhühner passendes Gemüse gelten Rot­kohl und Sauerkohl. Ersteren dünstet man (feingehobelt) in ganz weiß emaillierter ober irdener Kasserolle mit wenig Wasser, Butter oder Schmalz, etwas Salz und Zucker gehörig weich. Anstelle des Zuckers empfiehlt die Ältberliuer Küche guten, Braunen, klaren Sirup, dessen Süßigkeit dem Gemüse ein vorzügliches, eigenartiges Aroma verleiht. Tann wird etwas Mehl mit durchgeschmort und zuletzt etwas kochender milder Essig hinzugefügt. Die Hühner hat man inzwischen gebraten und steckt sie für die letzten zehn Minuten in den gut abgeschmeckien Kohl, damit der Geschmack der Hühner, deren Sauce nebst geschälten Kartoffeln nebenher! serviert wird, den Kohl ordentlich durchzieht. Schließlich schneidet man jedes Huhn in 2 ober 4 Teile und legt sie auf den Kohl und! füllt ein wenig von der Sauce darüber.

Ebenso verfährt man mit dem Sauerkohl, d. h. man brät die in Speck gehüllten Hühner nur halb gar und läßt sie in bent fertig gewürzten und halb gar geschmorten Kohl vollends gar dünsten. Um recht weißes, feinschmeckendes Sauerkohl-Gemüse zu erzielen, verwendet man den Kohl niemals so, wie man ihn aus! dem Faß nimmt, sondern wäscht ihn erst mit klarem Wasser auch drückt ihn ans, brüht ihn mit kochendem Wasser, läßt ihn ab- iropfen und abkühlen, drückt ihn nochmals ans und bringt ihn bann mit Wasser und Fett und etwas Weißwein zuin Feuer, (Man hüte sich übrigens, Sauerkohl mit Essig im Geschmack pikant zu machen, da der durch Salzlake gesäuerte Kohlgeschmack diese pikante Zutat nicht verträgt!)

Wer ein leichtes Rebhuhngericht haben will, kann Reis mit Rebhuhn zusammenstellen, d. h. die gebratenen Rebhühner neben in Wasser und Butter und Salz ober in leichter Brühe ausge­quollenem körnigen Reis anrichten und bie mit etwas! saurer! Sahne verkochte Rebhuhnsauce barüberfüllen.

Deutscher Weißkohl und krauser deutscher Wirsingkohl werden sehr gern mit Hammelfleisch ober mit Rindfleisch gekocht. Doch wenn das Fleisch (wie jetzt) sehr teuer ist, kocht man auch wohl den Kohl nur mit Wasser und Butter, würzt mit Salz, verkocht bas fertige Gemüse mit etwas in Butter gelBgebünftetem Mehl­mischt etwas feingeriebene Muskatnuß dazwischen und gibt Brüh­würstchen oder Bratwürstchen dazu. Eine andere Strt, den Kohl ohne Fleisch zu bereiten, ist fein WirsingkpW-Äuflau'f (ans der vegetarischen Küche ftammeub): Man läßt in einer Kasserolle! i/2 Liter Milch nebst 5060 Gramm' Butter zum Kochen kommen. Dam: schüttet man nach und nach 250 Gramm Mehl dazu unb] kocht, fortgesetzt kräftig rührend, einen dicken, ebenen Teig davon- der sich von dem Gefäß ablöst und dann zum' Erkälten ausgeschüttet wird. Inzwischen hat man 12 Köpfe Wirsingkohl geputzt, von Strunk und groben Blättern befreit, in siebendem «alzwasser weich gekocht, abgekühlt, ausgebrückt und feingehackt. Den ab- gekühlten Teig mischt man mit 78 nach und nach dazugegebenen Eidottern, dem Kohl, dem steifgeschlageueu Schnee ber 78 Ec- weiße, würzt nach Geschmack mit etwas wetßem Mester, Salz' und" geriebener Muskatnuß, füllt bie Masse in eine mit Butter ausgestrichene, mit geriebener Semmel bestreute feuerfeste Auf­laufform und läßt den Auflauf in: Ofen bei guter Hetze Ihr b:s li/2 Stunden backen. (Die Speise wird- in der Form aufgetragen )

Mit den: September naht auch der letzte Einmachmonat, und mau wird bas Einmachen von Senf-, Zucker- unb Kräutergurken nicht länger hinausschieben, ba die baM passenden Schlangemi gurken jetzt gerade ihre beste Zeit haben. Und hoffentlrch sind auch