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Wtt f=* UttS küssen.?. draüßen irg-endwv in ben verschwiegenen Bosketten, die sich über den Trum- Nrern der alten, nicht wieder hergestellten Bastionen
Sie mußte ihn ja trösten... mußte ihn entichadrgen für die Unbill, die der widerwärtige Quincke ihm zugesugt... bffenbar mit Absicht in ihrer Gegenwart... um rhn zu blamieren vor ihr...! „ „ , . .. „ .. v.,,
Zn blamieren vor ihr... haha... alo ob das möglich gewesen wäre...! ,,,
Aber er durfte sich's um Gottes willen nrcht zu sehr zu Herzen nehmen... ihr süßer Junge .. ihr . Dichter . Lessen himmlische Verse, rasch nut Bleistift auf einer Meldekarte niedergekritzelt, unter der Bluse an ihtem Herzchen knisterten... , '
Und darum mußte sie ihn trösten — unbedingt... damit er keine Dummheiten machte! — Na, das wurde ihr schon gelingen.-- _
Bum, bum, Lum, läuteten draußen die Kanonen.,.
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, „Sie kommen! sie kommen!" '
Die aufgeregt harrenden Mägde drunten am Schloßtor schrien's zuerst...
Der Gärtner, der Chauffeur gaben's weiter...
Das Hausfräulein stürzte zu den Damen hinein, die eben im Herrenzimmer die kleinere Tafel für den heutigen Mend mit Blumen schmückten.
„Wer kommt?" fragte die Hausfrau.
„Soldaten! Soldaten wie Sand am Meer!"
Von den tiefen Nischen der Fenster des Schloßturms aus konnte man den Weg überschauen, der durch die buschigen Abhänge nördlich des Beierbachs empor sich schlängelte nach Hettenrodt zu...
Von dort stieg jetzt, eilt Pferd hinter dem andern, vorsichtig eine endlose Linie von Reitern in hellblauen Waffen- röcken hernieder — Saarbrücker Siebente Dragoner. —
„Die sind nicht von den Unfern!" erklärte Nelly sach- verständig, „seht, sie tragen Helmbezüge... das ist der böse Feind; der ist jedenfalls geschlagen und muß sich zurückziehen..." r
„Geschieht ihm recht!" rief Molly mit blitzenden Augen.
Nun sprengte auf der Chaussee, die an der andern Seite des Schlößchens von Mackenrodt her in langen Zickzack- Wendungen ins Tal hinunterkroch, ein Trupp Artillerieoffiziere, gleichfalls in Helmbezügen, hart am Schloß vorüber, bergab ins Tal... verschwand drunten zwischen den Häusern des Dörfchens und tauchte cut der andern Bergi- lehne wieder auf, galoppierte jenseits in das Seitentälchen hinein, das sich gen Vollmersbach hinaufzog. Sie schwenkten rechts ab, erschienen, klein wie .Bleisoldaten, droben auf der kahlen Höhe...
Und durch die Gläser konnten die Damen deutliche erkennen, daß sie droben Halt machten und mit ihren Feldstechern übers Schlößchen hinweg Ausschau hielten.
„Sie suchen eine Stellung für die zurückgehende feindliche Artillerie aus; die soll den Rückzug des gegnerischen Detachements decken!" wußte Nelly wiederum zu erläutern.
„Da werden wir ja das Kanonenkonzert aus allernächster Nähe zu genießen bekommen!"
Und richtig! — Nach wenigen Minuten rasselte eine schier endlose Artilleriekolonne die Chaussee hinunter, so schnell als der abschüssige Weg mit seinen zahllosen, scharfen Krümmungen es nur irgend gestattete.
Die Kanoniere saßen mit rauchgeschwärzten, staub- bekrusteten Gesichtern auf den Protzkästen und hielten sich krampfhaft fest, um nicht beim Rumpeln der federlosen Gestelle abgeschleudert zu werden...
, Das Sitzfleisch tat einem weh vom bloßen Ansehen...!
Drüben den steilen Talweg gin's hinan... da mußten die Kanoniere absitzen und die Geschütze bergan schieben helfen... Die armen Kerle!
Ganz deutlich war's zu verfolgen, wie nun drüben die Mündungen der Geschütze über dem hohen Kamm auf» tauchten...
Bum — da krachte auch schon der erste Schuß, bum — der zweite... -
Dicke weiße Wolken stiegen auf, doch' verflogen sie in der blauen Nachmittagsluft wie der Rauch! einer Zigarre...
Die Damen hielten sich die Ohren zu, so heftig knallten die.Schüsse... widerhallend kam das Echo zurück von .all den dunkelbelaubteu Berghängen ringsum...
~ Eine Viertelstunde später begäün der Abstieg der ge- schlagenen feindlichen Infanterie . . . eine dunkelblaue Schlange mit grau und silbern schillernden Schuppen, so wälzte sich der Zug des Fußvolks nieder ins Tal... Kompagnie hinter Kompagnie... Bataillon hinter Bataillon.. .■
Ganz dicht unter den Schloßfenstern wogte der endlose Schwall vorüber... ' ■. <
Gott, sahen die Wackern Jungen aus! —
Spätsommermittagsglut und 'der Staub vielstuudeN- langer Märsche hatten ihr Werk getan... schmutzige Rinnen hatte der Schweiß in die tiefgebräunten, graubepuderten Gesichter gezeichnet... die Rockkragen waren geöffnet... die Gewehre pendelten schwer auf den müden Schultern...
Aber'die gesenkten Nacken richteten sich straffer auf, als plötzlich bei der Wegwende vor ihrem Blick das schmucke Schlößchen mit seinen altersgrauen Mauern und der blinkenden Zier seiner Erneuerungsbauten, den roten Ziegeldächern, den blitzend weißen Fensterkreuzen auftauchte, von dunkelgrünen Efeupolstern und leuchtendrotem Ranken- geriesel wilden Weins umwuchert...
Und über den Rand der Garteiianlage beugten sich frische Mädchenkopfe... das Hausfräulein und die beiden Mägde... ' , r., ..
Hei — wie das elektrisierte, wie Jugend da plötzlich bte Jugend erschaute... da reckten sich! die matten Gestalten der Marschierenden empor, da slog ein endloser Schwall von Neckereien und derben Späßen zur Mauer hinan in allen Mundarten der rheinischen Gaue...
Aber Glied um Glied wurde rasch von dannen gerysen im rastlosen Rückmarsch.
Mochten auch die Vorbeimarschierenden die Köpfe noch so sehnsüchtig umiuenben — bie Blicke ber strammen Holden broben waren schon wieder weitergewandert, neuen Kömm- lingsscharen entgegen.
Die Herren Offiziere aber hoben ihre Blicke noch etwas, höher als bis zur Maner ber Gartenbastion... sie strebten zum Balkon empor, wo in lichten Gewändern drei Frauengestalten aus ihrer eigenen Kaste sich zeigten...
Hei — wie flogen da feurig kecke Blicke empor... dorthin, wo die Damen standen... die Damen...
Aber auch fie mußten von hinnen, die stattlichen Stabsoffiziere und Hauptleute hoch zu Roß, die schlanken, in Staub und Schweiß noch eleganten uub aufrechten Leutnants mit den häßlichen Wachstuchtornisterchen auf dem Rücken — dem „Schandfleck der Ritterlichkeit" ---
Und von dem vorüberrollenden Strom kriegerischen Lebens stieg ein Dunst zu ber schönen, schlanken Herrin, den winkenden Mädchen und Mägden empor... ein Wßer^ schwüler Dunst hochblühender, waffendienstgestahlter, in g en d p r an g end er Männlichkeit, der ihnen den Sinn verwerte... einen Schwall weckte von unbewußten, unbe-! grisseneu Sehnsuchtgefühlen... ■
Doch endlich! war her Strom vorubergerauscht.
Schräger flimmerte die Spätuachmittagssonne auf ber Chaussee, bie sich wie ein fahlgelbes Band durch das. Brau.n- grün ber Walbhänge zog.
Die Damen waren verstummt.
Nun müssen bgld die Unsern kommen, dachte eine jede ...die Unfern.,.$ i ,
Und dann... bann kommt auch! er, der eine,.., beh meine, dachten die jungen Mädchen... . . ,k- 1 "
Fran Cäcilien aber bebte das Herz...
Der meine... Wer war das, der meine? — —
Ach, sie wußte es selber nicht zu sagen... nur bang'.i,, grenzenlos bang und ahnungstrüb zitterte nun auf einmal ihre einsame Seele, die sich! niemandem' j— Niemandem .cm- nertran.cn konnte in ber Qual ihrer Zerrissenheit,
, (Fortsetzung folgt.) * t
Vern.
1 Keine Stadt von allen, die ich in einem wanderreichen Lebert kennen gelernt habe, befiijt so festgefügte, unerschütterliche Eigenart und so trotzige Schönheit wie die Bundesstadt. Zwei wedelt wohnen in ihrer Brust, aber sie bekamMn sich nicht, sondern haben sich zu einer Gemeinschaft zusauimengesuuden, wie es m dieser Art eigentlich unerhört ist, ■ r ■
Wer baS eine Bern kenüen lernen wilh besuche es an einem Hellen sonnigen Tage. Dann gleitet der Zug aus grünem Wiesental, von schwarzen Tannenwäldern begleitet, plötzlich über eine schwindelnd hohe Brücke in das enggedrängte Häusermeer von Bern. Brücken schlagen ihre kühnen Bogen über einen tief unten


