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Sommerleutnants.
■ Roman von Walter Bloem, Copyright 1910 by Grethlein & Co. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Dum, bum, drohten die Geschütze ringsum auf den Dergen ohn' Unterlaß. . .
„Nun, gnädige Frau, wen bekomm' ich . . .?"
Die drei Freundinnen standen im feierlich Halbdunkeln, getäfelten Speisesaal des einstmals kurtrierschen Schlöß?- chens, das ein Kölner Bankier vor acht Iahten aus einer ziemlich wohlerhaltenen Ruine in einen behaglichen weltfernen Herrensitz zurückverwandelt hatte... und Frau Cäcilie legte die Tischkarten...
„Abwarten, Kleine! — Also: Ans Kopfende komme selbstverständlich ich — leider, leider zwischen die beiden Herren Kommandeure... den Oberst zu meiner Linken, Ihren lieben Brummbär Papa zu meiner Rechten!"
„Donnerwetter, fabelhafter Dusel für Papa! — Na, der wird schmunzeln ... gut, daß Mama nichts davon ahnt... das gäb' ein paar schlaflose Nächte!"
„Schäm dich, Nelly!" zürnte das jugendliche Ebenbild der Entfernten.
„Na, und nun gehen wir mal zunächst hier links hinunter, damit die kleine Neugier auch lange genug auf die Folter gespannt wird! Also neben oen Herrn Regimentskommandeur natürlich Sie, Nelly !"
„Um Gottes willen! — läßt sich das nicht vermeiden?"
„Unmöglich, Kind! — Die Tischordnung versteht sich sozusagen von selbst... es geht gar nicht anders, als ich's aufgesetzt habe! Aber nun kömmt die Entschädigung: zu Ihrer Linken sitzt — Herr Oberleutnant von Schoenawa!"
Ernsthaft hatte die Wirtin das gesagt... aber ihre Augen blitzten schlemisch prüfend zu der schlanken Freundin hinüber.
Die bewahrte Haltung. Was lag an dem Diner?,.. Sie wußte ja doch, was sie wollte... t „Zu Befehl, gnädige Frau!"
„Also wirklich — vollkommen einverstanden?!" „Vollkommen!"
„Aber ich nicht! — Der gestrenge Herr Regimentsadju- tant ist mir zu feierlich und offiziell für Sie... Außerdem ist ein Herr da, der zwar eine Charge unter ihm steht, aber an Jahren der nächste nach den beiden Herren Kandillen-, tragern ist!"
Und nach der Melodie des Lockens zum Parademarsch trällerte die schöne Frau:
„Großmutter, die Landwehr kommt,
Die Landwehr kommt, die Landwehr kommt, i -
Großmutter, die Landwehr kommt..." ' •
Da errötete Nelly denn doch ein wenig und ver- stummte.
„Na, ich seh schon, ich hab's getroffen... da, Kindchen, legen Sie selber den Zettel hin! — Also, neben Herrn Frobenius setzen wir Herrn Oberleutnant Menshausen und neben den: Herrn Flamberg... Herr Menshausen kann die Herren vom Beurlaubtenstande nicht leiden — id) kann Herrn Menshausen nicht leiden — Rache ist süß, krächzte der Habicht!"
Außerdem kann es nicht schaden, dachte sie, daß ich Flamberg recht weit von mir entfernt auf einen schlechten Platz setze... Fritz machte neulich im Biwak einmal so merkwürdige Augen ...
„Ans Fußende kommt natürlich das grüne Gemüse —? unten meines Mannes Fahnenjunker, der kaum geborene Erichsen — zwischen ihn und den Herrn von der Reserve! setze ich Herrn Quincke!" ■ •
Den Herrn von der Reserve! dachte Nelly —, diese Heuchlerin!
„— dem gegenüber Herrn Carstanjen... dann kommt mein Mann... neben den kommen Sie, kleine Molly!"
„Sehr einverstanden! — Himmlisch !"
Der Backfisch hatte ein wenig für Fritz von Brandeis geschwärmt, ehe dieser anderweitig vergeben worden war.
an Ihre andere Seite der Adjutant des ersten Bataillons!" .
Molly rümpfte das Näschen: „Der ist so entsetzlich brav!" i
„Ja, ich hab niemand andern mehr... nur noch Herr von Schoenawa ist übrig!"
„Ne, danke... dann immer noch lieber Herrn Blowitz!"'
„Gut — dann also Herrn von Schoenawa zwischen Blowitz und Ihren Vater! Na, ist das nicht tadellos, Kinder?"
„Ausgezeichnet — ganz vorzüglich, gnädige Frau!"
„Ach was — ihr immer mit eurer langweiligen gnädigen Frau —! Machen wir's uns doch endlich mal gemüw lich: sagen wir du zueinander!"
Ties erglühend vor Seligkeit boten die Mädchen der vergötterten Wirtin ihre Lippen.
Und über alle drei kam's wie ein Festrausch. So herrlich strahlte draußen die Spätsommersonne.. . die eben leise sich bräunenden Bergwälder schlossen sich so traulich um das Schlößchen wie ernste, fromme Hüter eines geheiligten Asyls...
Und immer näher... immer drängender scholl draußen das mächtige Geläute der Kanonen auf den Hohen ringsum,
„Ach, Kinder, das Leben ist doch schön!"
„Das weiß der Himmel!" sagte Nelly aus tiefer, dankbar hoffender Brust.
„Ja, wahrhaftig, das weiß der Himmel!" echote auch die Neunzehnjährige... und sie träumte von einem, der morgen abend "zwar nicht hier mit an der Tafel sitzen würde... heu sie aber doch sehen wollte... heimliche


