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peinliche Schtvviegn: 5er alt ehrwürdig e Pfarrer Valentin Eck­hardt. Wnfundvierzig Jahre lang hatte er ohne Menschenfurcht sind Menschenscheu der Stadt das Evangelium gepredigt, da wollte er auch jetzt kein stummer Hund sein. Mit vor innerer Erregung zitternder, aber doch klarer und fester Stimme sagte er alles, was der ernste und große Augenblick gebot, er bat, die Gemeinde bei dem ein halbes Jahrhundert lang geübten Bekenntnis der Augsburger Konfession zu belassen, er berief sich auf den Religions- frieben und auf den mich schwebenden Prozeß am Reichskammer­gericht wegen der strittigen Hoheitsrechte über Stadt und Land­gericht Herbstein und er legte Verwahrung ein gegen den Versuch, die Gewissen mit weltlicher Gewalt zu knechten. Er beschwor die Gemeürde, bei dem evangelischen Glauben zu bleiben, und er erklärte für seine Person, daß er durch keine Obrigkeit der Welt sich zwingen lassen werde, katholisch zu werden. Es war das letzte Bekenntnis, daß Eckhardt äls evangelischer Prediger und Seelsorger ablegen durste. Kaum hatte er geendet, da wurde rhm auch schon vom Jesuiten kraft eines für diesen Fall mitgebrachten fürstlichen Befehls aufgetragen, alsbald fein Pfarramt meder- zulegen und in kürzester Frist das Pfarrhaus zu räumen und die Stadt zu verlassen. Keine Chronik meldet uns, wo der greise Bekenner sich hingewandt hat und wie er seinen Lebensabend ver­bracht hat. Eckhardt Hat mit seinem opferfreudigen Bekenntnis den Gang der Ereignisse in Herbstein nicht aufhalten können, aber er hat sein Gewissen salviert und erreicht, daß die Rats­glieder den Mut fanden, Bedenken zu äußern, ihre Zustimmung zur tÄnführuug des katholischen Kultus in Herbstein zunächst zu verweigern und sich Bedenkzeit auszubitten. Ter Jesuit aber, mit diesem Ersolg zunächst zufrieden, versammelte die Gemeinde im Gotteshause. Tie meisten erschienen nicht, trotz der Geld­strafen, die sie vom sulhischen Schultheiß zu erwarten hatten. Manche kamen dem Zwang gehorchend oder aus Neugier, und einige wohl auch aus Opposition gegen den alten Pfarrer, der, temperamentvoll wie er war, sie in seinen Predigten gar manchmal stift scharfen Worten gestraft hatte, so daß einmal sogar auf erhobene Beschwerde hin die Obrigkeit die schärfsten Worte 7,kassieren" mußte?) Auch dadurch, daß Eckhardt das alte, sehr baufällige Pfarrhaus nicht mehr aus Mitteln seiner Besoldung Unterhalten und der Gemeinde die Baupflicht zumuteu wollte, hatte er viele an ihrer empfindlichsten Seite verletzt, am Geld­beutel. go bekam auch der Jesuit sein Publikum für fernen Gottesdienst". Nach einer fulminanten Predigt, ivorm er den Zuhörern die Mängel ihres seitherigen lutherischen Glaubens geißelte und die Vorzüge der katholischen Religion pries, ver­las er das Religiouseldikt des Fürstabts und erklärte, daß er mit obrigkeitlicher Vollmacht gekommen sei. Um dieses Edikt durch- zuführeu. Er erklärte, daß er den seitherigen Pfarrer wegen seines ketzerischen Ungehorsams bereits abgesetzt habe und daß der Abt der Gemeinde'aus besonderer Gnade bald wieder einen neuen Pfarrer senden werde, der gut katholisch sei; dem sollten sie folgen bei Vermeidung fürstlicher Ungnade und obrigkeitlicher Strafe. Angetan mit alten, aus der früheren katholischen Zeit herrührenden Meßgewändern, die man seither achtlos m der Sa­kristei hatte hermuliegen lassen, zelebrierte der Jesuit alsdann die Messe zum Erstaunen der Gemeinde, die so etwas noch Nicht ge­sehen hatte. Ohne daß einer von den lateinischen Gebeten und unbekannten Zeremonien und ihrer Bedeutung auch nur das geringste verstand, hörte die Versammlung schweigend zu und entfernte sich kopfschüttelnd. Ter neue katholische Pfarrer zog bald auf. Tie Gemeinde empfing ihn mit großer Kalte und Reserve. Seine Gottesdienste und Messen tourbeit nur von We­nigen besucht. Ein schweres Stück Arbeit begann. Die ein­zelnen erwachsenen Gemeiudeglieder mußten eins nach dem andern im Beisein des Jesuiten vorgenomMen und seelsorgerisch bearbeftet werden. Was bei beut unwissenben, wie es scheint auch viel zu wenig in evangelischer Glaubensausfassung und biblischer Wahr­heit geschulten Volke jesuitische Ueberrebung nicht vermochte, das bewirkten die angedrohteu und verhängten ©trafen unb die Er­klärung, mau werde die Widerspenstigenansschassen" wie den Pfarrer Eckhardt. Es hat nicht jeder das Zeug dazu, em Märtyrer zu Tein. So konnte der neue Pfarrer schon zu Ostern eine ziems siche Anzahl von devoten Beichtkindern feinem Beichtstühle sich nahen sehen. Aber größer war noch die Zahl derer, die nicht kamen und die in die benachbarten evangelisiheu Dörfer zum GotteMeMst We seelsorgerliche EsiWelbetzandlung mußte

das ganze Jayr hindurch fortgesetzt werden. Tie bedrängten Evan­gelischen hatten nirgends, auch beim evangelischen Adel nicht, Hilfe zu erwarten. Tie 100 000 Goldgulden Strafe, die das Reichs- rammergericht den Rittern bereits auferlegt hatte, wollten bezahlt sein und dämpften allen weiteren Wagemut. Nur der Freiherr Heinrich Hermann von Burgmilchling nahm sich treulich seiner Untertanen an, stärkte sie im Widerstande und machte Vorstel- kungen bei dem Fürstabt. Er berief sich auf den Religionsfrieden und auf feinen noch schwebenden Prozeß am Reichskammergericht. Vergeblich. Auch die Drohungen Milchlings, eventuell zur Selbst­hilfe zu schreiten, machten keinen Eindruck auf den unbeugsam sein Ziel veriolgenden Abt. Der Not gehorchend,, unterwarfen sich

8) Nach Akten des Großh. Hess. HauK- und' Staatsarchivs zu Darmstadt,

viele. Auch die Ratsherrn gaben ihren aussichtslosen Widers stand endlich aus. Wer noch gab es viele, die sich weigerten, den katholischen Pfarrer anzuerkennen und zur Beichte zu kom, men. Ostern 1604 nahte. Ta erging ein strenges Manifest des Fürstabts Balthasar an seinen Schultheißeii Konrad Seinberger in Herbstein, dieRestanten" einzeln und im Beisein des Pfarrers vorzuladen und unter Androhung der Ausweisung zu befragen, ob sie zu Ostern zur Beichte und KomniUnftm kommen wollten oder nicht, und alsbald zu berichten, wie sie sich erklärt hätten. Ter Schultheiß tat, wie besohlen. Viele, der Drangsalierung Niüde erklärten, daß sie sich zu Ostern zur Beichte einstellen wollten. Ein Schmied namens Hans Stock bat flehentlich, mau möge nicht weiter in ihn bringen und sich zufrieden geben, wenn fein Weih unb feine Kinder katholisch würden. Tenn wenn auch er üben» träte, würbe man ihm nicht Mehr gestatten, in den landgräslichen Waldungen zu kohlen, und dann wisse er mit feinem Handwerk nicht wo ein oder aus. Ein.Bürger undgemeiner Stadt Wein­wirt", namens Timotheus Kleinschmidt erklärte, daß er als Zins- einnehmer des Herrn von Milchling und Wilmersdorf ohne die Zu­stimmung seines Herrn sich in keine Glaubensänderung einlassen dürfe und wolle. Ter Schnormacher (Seiler?) Michael Krosch Ehre feinem Andenken weigerte sich auch jetzt noch, zinst katholischen Gottesdienste zu kommen, und will lieber auswandern als katholisch werden. Desgleichen fanden sich einige Weib,r> welche von Ansang an sich widerspennisch gehalten und noch" Ter Schultheiß bat um Weisung, was weiter gegen diese Widern spenstigen geschehen solle. Wir wissen nicht, was der Abt geantti toortet hat. Aber in Lanzenhain geht eine alte Sage, am sogen. Mullstein zwischen Lanzenhain und Herbstein Habe man früher Hexen verbrannt. Wir hörteii schon, daß Balthasar in den Jahren 1603 bis 1605 an Dritthalbhundert Personen wegen angeblichen Teufelsdienstes verbrennen ließ, und der Freiensteinauer Chronist wußte von fieben Weibern, die Balthasar an einem Tage trotz der heiligen Fastenzeit (also vor der österlichen Beichte!) wegen Hexerei habe verbrennen lassen. Wer kann sagen, ob nicht auch in Herbstein die letzten Bekennerinnen des Evangeliums ihre glaubens­starke Seele elend in den Flammen des Scheiterhaufens aus!- hauchen mußten?

Aber jedenfalls hatte Balthasar die Genugtuung, daß Ostern 1604 Herbstein wieder rein katholisch war. Seine Nachfolger wachten darüber, daß auch später Herbstein katholisch blieb und daß keine Evangelischen mehr hereinkamen. Solange Herbstein zur Fürstabtei Fulda gehörte, war es Evangelischen durch Orts­statut verwehrt, in Herbstein sich niederzulassen und Ortsbürger zft werden. Erst seitdem Herbstein hessisch geworden war (1810), bot sich auch Evangelischen wieder die Möglichkeit, in Herbstein wohnen zu können. Im Anfang des vorigen Jahrhunderts waren es nur Einzelne, die sich dort uiederließen. Doch um die Mitte! des Jahrhunderts waren es bereits wieder so viele, daß sie mit Hilfe des Gustav-Adolf-Vereins sich zu einer evangelischen Kirchengemeinde zusammen schließen und der evangelischen Pre­digt und Jugendlehre wieder eine Heimstätte _ in den Mauern des Städtchens bereiten konnten. Möge fernerhin es Jedem ver­gönnt bleiben, an diesem einst Hart umstrittenen Orte, ungestört durch falschen Zelotismus seines Glaubens zu leben.

(Fortsetzung folgt.)

Was man beim vitz einer Giftschlange fühlt.

Ter frühere britische Regierungskommissar von Betschuana- lanb in Südafrika, F. N. Streatsield, ist einer der wenigen, viel­leicht sogar der einzig lebende Mensch, der den Biß der gefürchteten Puffotter überlebt hat. Im Londoner Field gibt er eine Schil­derung dieses schlimmen Abenteuers, unter dessen Folgen er noch heute zu leiden hat und das er nur wie durch ein Wunder nicht mit dem Tode zu bezahlen hatte. _

Es war auf der Rückreise nach England, der Komimssar hatte kurz vorher eine dieser gefährlichsten Giftschlangen gefangen und beschlossen, das Exemplar nach London mitzunehmen, um es deut Zoologischen Garten zu überweisen. Das Reptil war über einen Meter lang und Streatsield führte es in einer alten Patronen­kiste als Reisegepäck mit. Man war bereits einige Tage an Bord, durch irgend einen Zufall erfuhren einige Mitreisende, daß der Kommissar eine lebende Puffotter bei seinem Reisegepäck habe und man bestürmte ihn mit Bitten, das Reptil zu zeigen.Ich sträubte mich eine ganze Weile, aber schließlich überredete man mich doch und ich holte dieGnädige" herbei. Ich faßte sie dicht hinter den Kopf und erklärte den Zuschauern die wundervolle Einrichtung ihres Giftapparates. Ich öffnete ihren Mund, zeigte die Gistzähue, die Giftdrüsen. Nachdem ich meine Vorlefuug beendet hatte, begann ich dieGnädige" in ihre einstweilige Behausung zurückzulegen. Man muß dabei darauf achten, daß in dem Augen­blick, da mau den Hals des Reptils losläßt, das Tier nicht mehr um den Arm gerollt ist, ihr ganzer Körper muß freiliegen, und beim Loslassen muß die Hand sofort mit einem raschen Ruck außer Reichweite der Gistzähue gebracht werden. Grade in diesem Augenblicke fragte mich jemand etwas und wahrscheinlich zog ich dabei meine Hand nicht zurück. Ich habe wohl auch den Kopf zu dem Frageiiden gewandt, denn ich sah nicht, wie ich gebissen wurde. Wer ich fühlte es sofort, es war, als würde ein scharfes Messer