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-Mer int "Gegenteil, dis werden sich freuen, daß' sie einmal wieder ihre Künste zeigen können. Bitte, ent­schuldigen die Damen mich!" '

Und zusammen mit dem Barort ging er über den tadellos gehaltenen Hof zu den Stallungen.

Ebenso wie der Landrat seine Schwester gebeten hatte, sich ans ein üppiges Diner einzurichten/ falls sie bis mittags um zwei Uhr keinen anderen Bescheid erhielte, ebenso hatte er seine beiden Kutscher und die anderen Leute darauf vorbereitet, daß unter Umständen am Nachmittag ein Gast eintreffen würde, um die Pferde zu sehen und sie sich v-or- führen zu lassen.

Die Mah-nung) daß dann alles tadellos sein müsse, hatte ihre Wirkung nicht verfehlt. In dem ganz nach englischem Beispiel erbauten und- -eingerichteten Stall herrschte eine musterhafte Ordnung und die denkbar größte Sauberkeit. Der Baron mußte sich gestehen, daß er selbst im Marstall eines hohen Fürstenhauses nicht solche peinliche Akkuratesse vorgefunden.

Aber w-as machen Sie nur mit all den Gäulen?" rief der Baron ganz verwundert, als er jetzt sah, daß jeder Platz, jede Box besetzt war.Das sind ja, »eins, zwei, drei" er sah sich zählend umacht, zehn das sind ja vierzehn Stück!"

Es sind sogar sechszehn, Herr Baron. Und was ich mit ihnen mache, weiß ich selbst nicht. Früher, als ich noch in Berlin war, und in der ersten Zeit auch hier, bin ich sehr viel gefahren, oft bin ich ja auch dienstlich tage-, lang unterwegs, na, und um die Pferde nicht zu über­anstrengen, kaufte ich immer neue hinzu, wenn sie mir ge­fielen. Und so habe ich denn jetzt mehr, als ich brauchet -Außerdem habe ich ja auch noch meine beiden Automobile, das, in dem wir vorhin fuhren, und- außerdem das elek­trische."

Aus dem Munde eines anderen hätte diese Aufzählung leicht etwas protzig klingen können. Aber der Landrat war weit davon entfernt, mit seinem Besitz zu prahlen. Im Gegenteil, er wurde sogar etwas verlegen und sagte jetzt:Sie haben ganz recht, es ist zu viel ich will auch oft das eine oder andere Pferd verkaufen aber dann weiß ich nie, welches, denn eins ist mir so lieb, wie das andere. Sie alle fortzugeben, kann ich mich auch nicht ent­schließen, und so wird wohl vorläufig alles so bleiben, wie es ist."

Soll ich dem Biererzug das gute Geschirr auflegen, Herr Landrat?" fragte der Kutscher leise.

.Was, den willst du uns auch vorführen, Fritz? meinetwegen, dann mach' sie nur so hübsch, wie du kannst." Und zu seinem Gast gewandt, fuhr er fort:Der Vierer­zug ist nämlich der Stolz des Kutschers. Gott, wie ost bin ich mit den Gäulen von Berlin nach Babelsberg ge- fahreu! Ich glaube, die hätten es selbst mit dem berühm­ten Schimmelviererzug des Kaisers ausgenommen! Herr­gott, konnten die Kerls laufen! Jetzt sind sie nicht mehr im Training, eigentlich schade!"

Sogar sehr schade," stimmte der Baron ihm bei, und er hielt dieses Urteil aufrecht, als wenig später die ein­zelnen Gespanne vorgeführt wurden. Die Pferde waren alle tadelloses Material und mußten sehr viel Geld ge­kostet haben. Auch die Wagen und Geschirre waren erster Oualität, mit Geschmack und- Sachkenntnis zusammen­gestellt. Aber man sah es den Gäulen an, sie hatten zu wenig Bewegung, die Aktionen waren träge und matt, bei dem Viererzug war keine Einigkeit unter den Gäulen, der Kutscher hatte es fast verlernt, zu fahren, und als er jetzt eine Acht fahren wollte, hätte er um ein Haar um- gew-orfen. Und ähnlich ging es mit einem Gespann von Halbponys die waren so übermütig, daß sie im Stehen auskeilten und kaum zu halten waren.

Es ist ein Jammer, Herr Landrat, nehmen Sie mir dieses offene Wort nicht übel. Den Stall und die Pferde sollte ich unter mir haben! Das würde keine sechs Wochen dauern, dann hätte ich die Gäule und Ihre Leute wieder derartig in Fasson, daß selbst der eingefleischteste Auto­mobilist seine Freude daran hätte."

.. Der Land ra t sah eig entlich erst heute zum erstenmal »nt aller Deutlichkeit, wie sein Stall, auf den er früher so stolz gew-esen war, h-erunterkam! Er schämte sich fast vor fernem Gast, den er doch eigens eingeladen hätte, um ferne Pferde zu bewundern, und so sagte er denn jetzt: >,Sie bir-ben recht- -fvpr" Barop -- es lohnte sich- wohl, da mal

wieder Ordnung zu schaffen. Aber Wo jemand finden, Net! die Sache übernimmt?"

Wenn Sie wollen, Herr Landrat, mache ich es. Ich kann täglich auf ein paar Stunden herüb-erkommen. Even­tuell komme ich auch einmal ganz als Gast zu Ihnen, denn auf Schloß Gründingen werde ich wohl nicht mehr allzu­lange zrt tun haben."

Er sprach die Worte absichtlich so- laut, daß Dagmar und Alexa, die eben aus dein Haus kamen und sich zu ihnen gesellten, sie hören mußten.

Der Landrat war begeistert:Das wollten Sie toirBt uch, Herr Baron? Sie würden mich dadurch zu dem größten Dank verpflichten!"

Bitte sehr, was ich tue, tue jchim -JUt-eresse des Sports aus Ltebe zu den Pferden." '

Und hoffentlich auch etwas aus Freundschaft für mich."- ,Gewiß, Herr Landrat. Wer der Wahrheit die Ehret ttt diesem Falle stehen die 'Tiere meinem Herzen näher als Ste."

'Der Landrat machte ein etwas verlegenes Gesicht, dann meinte er lustig:Na, weshalb Sie kommen, soll mir schließlich einerlei sein die Hauptsache ist, daß Sie kom­men. Und Sie kommen, das ist abgemacht, nicht wahr?"- Und er hielt seinem Gast die Hand hin.

Der schlug ein.Abgemacht. Der Kontrakt ist ge­schlossen. _ Natürlich mit der Einschränkung, daß ich meins Zusage nicht zu halten brauche, wenn irgend etwas da­zwischen kommt, das es mir zur Unmöglichkeit macht."

Selbstverständlich, Herr Baron. Aber ich will nicht hoffen, daß ein solcher Fall eintritt."

Man kann es ja aber nie wissen." Und wie zu­fällig heftete er dabei seine Blicke auf Dagmar.

Die kräuselte ironisch die Lippen: war er immer noch so wahnsinnig, an sie zu denken hatte sie nicht eben selbst gehört, wie er dem Landrat seine Dienste anbot, h erst ihr Vater, dann dieser! Er wechselte seine Herrschaft wie ein Knecht oder eine Dienstmagd. Glaubte er wirklich, daß eine Komtesse Dagmar einen solchen Freier auch nur einen Augenblick ernst nehmen, seine Bewerbungen anders als lächerlich oder beleidigend auffassen könnte? Nur eins mußte sie anerkennen, er machte wenigstens kein Hehl ans seiner Stellung. Sie wunderte sich mir, daß er in ihrer Gegenwart nicht ganz ruhig um sein Honorar ge­handelt hatte.

Er war ja so stolz darauf, für seine Arbeit Geld zst verdienen da hätte er sich doch nicht zu genieren brau­chen, öffentlich die einzelnen Punkte des Kontraktes gilt besprechen! = =3 i

(Fortsetzung folgt.)

Die Reformation und Gegenreformation in Herbstein und den ehemals iandgräflichen und ritterfchaftiichen

Orten des östlichen und südöstlichen Vogelsbergs.

Bon Pfarrer Zinn in Herbsteiw (Fortsetzung.)

Schon mehrere Wvchen erschreckten allerlei beängstigende Ge­rüchte über die Unterdrückung der Evangelischm in Fulda und Umgegend durch Balthasar und seine Jesuiten die Bewohner Herbsteins, die schon länger als ein halbes Jahrhundert der augs- burgischen Konfession zugetan waren Und in ringsum evangelischem Lande wohnten. Was drohend in der Luft lag, entlud sich. An einem! der letzten Märztage des Jahres 1603 erschien auch in Herbstein ein Jesuit aus Fulda als bevollmächtigter Delegierter des Fürst- abts. Er versammelte alsbald Schultheis, Bürgermeister und Ratsherrn, samt Pfarrer, Stadtschreiber und Stadtknechten in der oberen Hinterstube des gemeinen Wirtshauses, gemeiniglich die Ratstube genannt?) Nach der üblichen zeremoniellen Be­grüßung -verlas der Jesuit das bekannte! Religionsedikt des Fürst- abts und ermahnte die Versammlung, dem Mandat und Be­fehl der Obrigkeit nachzukommen, die katholische Religion anzu- nehmen und mitzuhelsen, daß die ganze Gemeinde Nachfolge. Dabei versäumte der Redner nicht, deutlich durchblicken zu lassen- daß des Fürsten Ungnade und schwere Geldstrafen, ja, wenn nötig, Ausweisung von HaiW' und Hof die Ungehorsamen treffen werde. Peinliche Stille folgte den Worten des Redners. Unmut und Zorn drängten zum Reden, aber die Klugheit und die Sorge für Weib und Kind schlossen jeden Münd, der sich zu einem mannhaften Proteste auftun wollte. Nur ein ex durchbrach das

) So tat der fuld. Sekretär 1588, als er kam, um! die Stadt dem Stifte huldigen zu lassen., -<