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Die von Gründingen.
Rsman von Freiherr von Schlicht,
(Nachdruck verboten.), (Fortsetzung.)
Vergebens bat iHv Alexa, auch jetzt — und wenn nur .für wenige Minuten —• einmal gehörig daraujlos zu fahren. Selbst ihr Schmollen vermochte nicht, ihn umzu- stimmett. „Es geht wirklich nicht — ich muß Rücksicht auf Ihr Fräulein Schwester nehmen, es ist doch für alle Teile unangenehm, wenn Je sich nachher bei Tisch nicht wohl fühlt oder gar nach Hause fahren muß. Vielleicht fahren wir bald wieder einmal, — und dann will ich Ihnen jeden Wunsch erfüllen, selbst auf die Gefahr hin, die Gesetze zu überschreiten und mich Dann abermals verurteilen zu Müssen." —
„Sie sprechen sich in zweiter Instanz ja doch wieder frei," neckte sie ihn.
„Möglich Aber doch noch nicht gewiß."
Der Wagen rollte nur mit mäßiger Geschwindigkeit dahin, das gab ihnen Zeit, da er nicht mehr so aufmerksam auf die Straße und das Gefährt achten mußte, lebhafter miteinander zu plaudern, und die lustige Unterhaltung, die sie zusammen führten, söhnte sie allmählich mit dem langsamen Tempo aus.
„Geht es immer noch zu schnell, Komtesse?" rief der Landrat von Zeit zu Zeit Dagmar zu, „Sie brauchen es nur zu sagen."
„Nein, nein, so ist es sehr schön."
Sie fuhren immer noch schnell, aber doch viel langsamer als vorhin. Auch jetzt flogen die Bäume, die einzelnen Gehöfte an ihnen vorüber. Mancher Punkt, der sich int Gelände ab hob, war erreicht und passiert, ehe sie ihn deutlich erkannt hatte, aber dennoch war mit dem Vorhin kein Vergleich. So war sie jetzt auch ganz ruhig, jede Angst war von ihr gewichen, sie saß nicht mehr auf ihrem Platz, ohne sich zu rühren und zu regen, sondern wagte es sogar, sich manchmal umzuwenden, um einen Ausblick, den sie zu schnell gesehen, noch einmal zu genießen.
Sie hätte es vorhin nicht für möglich gehalten, daß sie bei dem Ende der Fahrt traurig sein würde! Und doch war sie es. „Wie schade, daß wir schon hier sind — es war so schön!" meinte sie, als sie vor der Villa des' Landrats hielten.
„Sind Sie wirllich bekehrt, Komtesse? Ich kann Ihnen Üicht sagen, wie mich das freut! Da müssen auch Sie dem Herrn Grafen zureden, sich ein Auto anzuschaffen, denn wenn wir, deren Mittel uns doch diesen Luxus erlauben, diesen Sport nicht tatkräftig unterstützen wollen, wer soll ks denn tun?"
Der Landrat war begeistert, daß der Ausflug so Wohl gelungen war, ' .
„Na, und was sagen Sie, Herr Baron? Ist aus Ihnen, dem alten Saulus, auch ein Paulus geworden? Hat es Ihnen gefallen?"
„Das schon, Herr Landrat. Aber ich kann's nicht ändern, und selbst aus Höflichkeit und Dankbarkeit kann ich nicht gegen meine Ueberzeugung reden: Pferd bleibt Pferd. Und bei allem Automobilfahten, ob schnell oder langsam, ob aus guten oder schlechten Wegen, — es fehlt das, was wenigstens für mich dem Reiten und dem Fahren den unendlichen Reiz verleiht: der persönliche Einfluß ,auf das Tier, die Wechselwirkungen zwischen Pferd und Reiter. Ich kann mir nicht helfen. Stellen Sie mir hier Ihr Automobil hin — und daneben einen ungarischen Juckerzug, — ich steige auf den Kutschbock, nehme die Zügel in die Hand, und wenn Sie auch tausendmal an mir vorbeisausen: meine Freude ist doch größer als die Ihre."
„Wollen die Herrschaften denn gar nicht hereinkommen?"
Man hatte bei dem lebhaften Disput ganz vergessen, daß man noch immer vor dem Hause stand. Das wurde erst allen klar, als die Schwester des Landrats auf der Schwelle erschien und die Gäste in das Haus einlud.
Der Landrat bewohnte — eine flehte halbe Stunde vor der Stadt — eine nahe am Walde gelegene große Villa. In früheren Jahren war hier das Stadtgut ge- wesen, das dann in private Hände überging. So befanden sich denn auch in nächster Nähe des Hauses große Stallungen und Wiesen, und das hatte den Landrat veranlaßt, zu seinem eigenen Vergnügen eine flehte Landwirtschaft zu betreiben.
Die Villa selbst, die der Landrat, ehe er sie bezog, noch hatte umbauen und renovieren lassen, war ein Muster an praktischer Einrichtung und eine Sehenswürdigkeit in Bezug auf ihre innere Einrichtung. Der Landrat war ein großer Kunstschwärmer, wie seine verstorbenen Eltern es auch gewesen waren. Was er von denen ererbt, bildete den Grundstock seiner Sammlung von Antiquitäten, die er immer weiter aus zu bauen suchte. Er kam nie von einer Reise zurück, ohne irgend eine schöne Seltenheit aufgetrieben zu haben, und auch jetzt bemerkte Alexa gleich eine große alte Sylter Standuhr aus der Diele.
„Wo haben Sie die nur wieder gefunden, Herr Landrat?"
„Nicht wahr, die ist schön?" fragte er erfreut. „Das ist eine ganze Geschichte, wie ich die fand und erstand, die erzähle ich Ihnen nachher. Vielleicht machen die Damen sich jetzt etwas zurecht, und wir gehen dann ins Freie, um die Pferde zu sehen. Ich will einstweilen dem Kutscher und dem Reitknecht sagen, daß sie anspannen und satteln, denn es wird Ihnen lieber sein, Herr Baron, die Tiere in Aktion als im Stall zu sehen."
„Gewiß, Herr Landrat, wenn es Ihnen nicht zu viele Umstände für Ihre Leute macht."


