Ausgabe 
4.4.1912
 
Einzelbild herunterladen

Donnerstag den April

^LLLL

WW W

Der König von Thule.

Roman von Paul Grabein.

(Nachdruck verboten.^

(Fortsetzung.)

Schweigend gingen sie eine Weile nebeneinander her; dann fragte er wieder:

Sie haben diese Reife angetreten, um einmal ganz loszukominen von der Vergangenheit, um sich abzulenken und mit neuen Eindrücken zu füllen?"

Sie nickte.Ja, ich hoffte, daß die großzügige Schön­heit des Nordens mir wohltun würde."

Aber, Sie sind enttäuscht?"

r,Das nicht. Nur, daß mir der Schwarm, mit dem Uran teioer r«|t, den Genuß stört und mich häufig wieder gerade in all jene Nichtigkeit hinabzieht, der ich so gern ent­ronnen wäre."

Das verstehe ich Wohl," pflichtete er ihr bei.Schade, daß Sie nicht länger hier verweilen. Dann hätten Sie sich frei machen müssen von Ihrer Gesellschaft und ich hätte Ihnen das Innere dieser Insel gezeigt. Sie ist reich an grandiöser Schönheit; nur braucht man Wochen, um sie recht kennen zu lernen."

O, wie schön hätte das sein können!" Sehnsuchsvoll leuchtete es ihn aus ihren dunkeln Augen an.Ja, mit Ihnen unter Ihrer Führung! Das könnte ich mir herrlich denken. Aber leider übermorgen geht unser Schiff schon wieder in See."

Unwillkürlich richtete sie die Blicke hinaus in die.Bucht, wo der dunkle Rumpf derHamburg" mit seinen feinen Formen sich deutlich von dem Hellen Wasserspiegel der See abzeichnete.

Schon übermorgen?" Ihr schien, als ob ein leb­haftes Bedauern aus seinen Worten klang. Dann sah er langsam zu ihr hin.Es ist zwar nur eine Galgenfrist, aber lassen Sie sie uns nützen. Wollen wir morgen zu­sammen reiten? In ein prächtiges Gebirgstal, da drüben hinter jenen Höhen?"

Er wies über die Bucht hinüber.

Freudig leuchtete es in ihrem Blick auf.

Von Herzen gern. Wann wollen wir aufbrechen?"

Schon früh; es ist eine gute Tagestvur. Wollen Sie Um acht am Magazin sein, wo wir uns gestern trafen? Ich besorge Pferoe und Proviant."

Alles, was Sie wollen!" erwiderte sie, indem sie ihn mit frohen Augen anstrahlte. Die Freuoe auf die ver­lockende Partie hatte wieder einen rosigen verjüngenden Hauch auf ihre Wangen gezaubert, und elastischer schrrtt sie aus.Ich vertraue Ihnen alles an selbst die Ver­sorgung meines Magens! Das ist doch gewiß ein Beweis von Vertrauen?" , , , _

Ihr schelmischer Ton hellte auch sein Gesrcht auf.

Ich hoffe, mich Ihres Vertrauens würdig zu er­weisen, ich werde Ihnen morgen mit einem echt isländischen Reitermahl aufwarten." . _

O wie famos!" lobte sie.Sie spannen meme Er­wartungen ja immer gewaltiger. Ich werde drese Nacht kein Auge zutun, passen Sie auf. Aber, sehen Sre. sie wies vor ihnen auf den Hafen, wo sich auf dem Lan- dungssteg eine dichte Schar von Menschen drängte.Das Konzert ist aus, unsere Boote gehen von Land. Ich muß mich eilen."

Schneller schritten sie zu. In der Tat war die Pinaß mit vier großen Booten im Schlepp bereits abgedampft, als sie am Steg anlangten. Aber die Motorbarkasse lag noch dort, um die Nachzügler aufzunehmen; auch sie war schon fast gefüllt.

Nun, Gott sei Dank!" scherzte Frau Söllnitz, als sie, auf seine Hand gestützt, in das Fahrzeug hinabstleg. So brauche ich doch nicht auf Island zu biwakieren, wie ich schon gefürchtet hatte."

Sie stand nun unten und reichte ihm noch einmal zum Gruß die Hand hinauf.

Gur Nacht denn, und auf Wiedersehen morgen, Herr Doktor. Punkt acht Uhr bin ich zur Stelle!"

Ihr Auge winkte ihm noch einen heimlichen Gruß zu. Dann machte die Barkasse los und schoß geschwurd den Ge­fährten nach.

Schon weit draußen, drehte sich Frau Söllnitz noch einmal nach Land um. Täuschte sie sich, oder stand er da wirklich noch allein auf der Landungsbrücke? Gern hätte sie, sich zu vergewissern, ihm mit dem Taschentuch hinüber­gewinkt; aber sie scheute die verwunderten Blicke ihrer Reisegefährten. So ließ sie es; aber ihr Sinnen flog hiu- über zu ihm, wie sie so gedankenversunken dasaß.

V.

Sie meinen wirklich, das Wetter wird sich nicht halten?"

Ich fürchte nein."

Dr. Hjalmar Amthor er hatte sich heute morgen seiner Begleiterin vorgestellt, um der gesellschaftlichen Form zu genügen, wie er mit leisem Lächeln sagte erwiderte es Frau Söllnitz auf ihre Frage und ließ den Blick zweifelnd zur Ferne schweifen, wo die Berge heute fast bis zum Fuß hinunter in graue Wolkenmäntel gehüllt waren. Er deutete darauf hin: , m

Sehen Sie: die Nebelriesen kriechen aus rhreu Berg- Höhlen um im altisländischen Eddastil zu sprechen wenn sie uns nur nicht auch den Regen auf den Hals Hetzen!"

Nun soll uns auch nicht die Laune verderben!" erklärte heiter Frau Söllnitz und wies auf die Pellerin^ die hinter dem Sattel aufgeschnaM war.Sie sind doch auch wasserdicht?"