Ausgabe 
4.1.1912
 
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Nach einiger Zeit verwandelt sich die Wasser springer, um dann Monate-, ja oft jahrelang.

Schild", das ist eine schwere doppelte gußeiserne Platte von über 30 Zentimeter Dicke. Um das Gestell wirst man Gräben ans. Entsteht nun ein Springer, so wird die Kraft der Oel-

TrdolgeGlNNMg.

Nebst Kohle und Eisen ist Petroleum das wichtigste Roh­produkt der Weltindnstrie. Als den Geburtstag der Petroleum- industrie kann man den 28. August des wahres, bezeichnen. An diesem Tage stieß der Colonel Drake bn einer Äohrung nach Wasser zu Titnsville in Pensylvamen ans Erdöl, das m ge­waltigem Strahle aus dem Bohrloch herausschoß. Flowrng Voells oder Oil Fountains, zu deutsch Erdölsprurger, nennt man dreselbst- tätig emporschlcuderuden Petroleumbrunnen. Welche Mengen der­artige Quellen liefern, beweist i. B. der D'ruschbasprrnger, der anfangs täglich über 7 Millionen Liter Del lrefeye. Da man nicht W) genug Vorkehrungen getroffen hatte, dre Fluten ab­zufangen, schleuderte dieses Ungeheuer an die 500 Mül. Liter um­her, die benachbarten Gefilde weithin verwüstend, ehe es gelang, ihn zu bändigen. Der bisher produktivste Springer, der Assadu- laieffbrunnen, ergab im ganzen über 1 Milliarde Liter, Trifft man durch ein Bohrloch einen Springer an, so liefert er gewöhn­lich in den ersten Stunden kein Oel, sondern es entsteht zunächst eine oft bis Wer 100 m hohe Wasserfontaine, die einem artesischen Brunnen vergleichbar, einen gewaltigen Wasserstrahl ausschleudert. Nach einiger Zeit verwandelt sich die Wasserquelle m einen Oel- springer, um dann monate-, ja oft jahrelang, zu fließen. Allmäh­lich versiegt aber ihre Ergiebigkeit, zuletzt liefert sie nur noch große Mengen Erdgas. Wie erklären sich diese seltsamen ErMeinungen der Oelfontainen und vor allem ihre oft lange dauernde Selbsttatigreit t

In der ersten Zeit der Petroleumindustrie nahm man an, das Erdöl sei in großen Höhlen in der Erde enthalten, die derart mit Wasser, Oel und Gas angefüllt seren, daß diese Stoffe nach ihrem spezifischen Gewicht übereinander lagerten. Solcher Höhlen sollten nun mehrere durch Klüfte oder dergleichen zusammen­hängend Werde nun ein tieferliegender Hohlraum angebvhrt, so drücke das stark komprimierte Gas, ähnlich wie in einem Syphon, zunächst das den untersten Teil einnehmende Wasser und dann das darüber schwimmende Petroleum durch daS Bohrloch so lange in die Höhe, bis das Gas entweder die Mündung des Bohrloches erreicht oder der Gasdruck dem Gewicht der in dem Brunnen stehenden Erdölfaule nicht mehr das Gleichgewicht halten könne. Ändere nahmen an, das Erdöl stamme aus dem tiefsten Erdinneru, wo die ewig glühende Retorte stets neue Mengen erzeuge.

Eingehende Forschungen haben jedoch nachgewiesen, daß dre Erdölfelder nicht eine Art unterirdischer Seen bilden, sondern daß die drei fast stets zusammen auftretenden Stoffe, Wasser, Pe- tvoleuni und Gas, nur die Anfüllungen der Poren lockerer Ge­steinsschichten darstellen. Diese porösen Gesteinsschichten sind von darüber und darunter liegenden undurchlässigen Gesteinsschichten eiugeschlossen, so daß die flüssigen und gasförmigen Porenfüllungen nicht entweichen konnten. Diese Petroleumlagerstätten sind durch Massenanhäufungen organischer Stoffe, hauptsächlich mariner Pflanzen und Tiere, und zwar wahrscheinlich! als Strandbildungen während des allgemeinen Sinkens der Stifte, entstanden. Meeres- fluten und Winde führten Schlamm und Sand über diese Massen­gräber, die im Laufe der geologischen Vorgänge in immer größere Tiefen versanken. Die dort herrschende höhere Temperatur, ver­eint mit dem Truck der darüber lastenden Gesteinsschichten, führten zur Destillation der eingeschlossenen Pflanzen- und Tierreste. Die dabei entstehenden gasförmigen und flüssigen Produkte blieben unter hohem Truck in den Poren des Gesteins zurück. Ursprünglich waren diese Lagerstätten wie sie heute noch vielfach gefunden werden. Derartige ungestört gebliebene Schichten ergeben aber selten längere Zeit selbsttätig Oel liefernde Brunnen, da das Gas sofort durch das erste beste Bohrloch entweichen wird. Ein großer Teil der Schichten wurde aber durch spätere Gebirgsbe­wegungen gefaltet: es entstanden gleichsam unterirdische Gebirgs­sättel und Täler. T!gs leichte Gas stieg natürlich zu den Sätteln empor, das schwere Wasser nahm die Mulden ein, und das Petro­leum wurde in die Schenkel der Gebirgsfaltungen emporgetrieben. T!lls Gas steht unter einem enormere Druck von »ft über 30 bis 100 Atmosphären. Eröffnet nun das Bohrloch den auf» äußerste gespannten Massen ein Auslaßventil, so dehnen sich die komprimierten Gase mit großer Kraft aus und treiben, falls die Mündung unterhalb des vom Gase eingenommenen Sattels liegt, die flüssigen Bestandteile der Lagerstätte aus dem Brunnen her­aus. Hat man, was für die Gewinnung der günstigste Fall ist, die Mulde mit dem Bohrloch angetwffen, so wird der Reihe nach zunächst Wasser uitb dann Oel so lange von dieser unter­irdischen Gaspumpe emporgepreßt, als der Truck ausreicht. Ge­wöhnlich kann man die Lage der Mulden nach dem Verlauf der Schichten bestimmen. Hat man aber unglücklicherweise den Sattel erhöhet, so verschließt man dieses Loch wieder, um sich nicht selbst um die Ausnutzung des Gasdruckes zu bringen. Da die ungeheure Wucht einer großen Erdöleruption das Oel oft weit umher- schleudert, so daß man es nicht auffangen kann, trifft man jetzt schon bei Beginn der Bohrarbeit VorkehMngen, um einen unvermutet auftretenden Springer sofort bändigen zu können. Wan errichtet zunächst über dem Bohrloch ein sehr fest konstruiertes, 68 Meter hohes hölzernes Gestell und überdeckt es mit einem sogenannten

faule an der Platte gebrochen, das Oel läuft an den Bvhrturnv. wänden herab und von hier aus in die Gräben. Da bie umher- geschleuderten Massen aber Sand und Geröll aus der Lagerstätte mitreißen, kommt es vor, daß der Schild innerhalb eines Tages durchbohrt wird, deshalb ist er verschiebbar eingerichtet, so daß man eine andere Stelle anstatt der durchlöcherten über den Springer ziehen oder die Platte gegen eine neue auswechseln tann. Neuer­dings dichtet man die Bohrlöcher, sobald man sich aer Erdöllager­stätte nähert, mit Stopfbüchsen, durch welche das Bohrgestänge! hindurchgeht, ab. Tas Oel läßt man durch seitlich angebracht* verschließbare Oeffnungen austreten. Solange der Springer felbft» tätig fließt, stellt er die idealste, einfachste und billigste Gewmmmgs!- rnethode bar. Ist aber ein Gebiet schon zu sehr entgast ober reicht bei anfangs selbsttätigen Brunnen der Truck nicht mehr aus, so geht man zum Pumpbetrieb über. Man verwendet dabei Saug- Und Druckpumpen, bie man auf die Wohschchsohle herablaßt. SiB ioerden entweder von Hand ober mit Maschinen betrieben.

vermischtes.

* Der Haarjahrmarkt. Alljährlich gebBn sich die Haar> künstler Europas in Limoges ein Stelldichein. Dort findet btt große Haarjahrmarkt statt, zu dem die weibliche Landbevölkerung ihren Haarschmuck hinträgt, und drei Tage hindurch feilscht man mit bat Bäuerinnen um ihre schweren, schönen Zöpfe. In diesem Jahre waren besonders weihe und rotblonde Haare verlangt. Für fte wurde ein Durchschnittspreis von 300 blS 350 FranN erzielt. Ein Pariser Haus hat im ganzen 89 Kilogramm Haar» in den verschiedensten Farben erworben und zahlte im allge­meinen einen Preis von 120 bis 130 Franks für das Kilo, Da» Angebot war in diesem Jahre sehr aut. 1000 Mogramtp wurden im ganzen umgesetzt, von denen 800 mit etwa 130 Frank? für das Kilogramm bezahlt wurden.

kk. Wie Millioi: äre an den Bettelstab gebracht werden könnenl Welcher wohlhabende Mann, empfängt nicht nahezu täglich Bittschriften des verschiedensten Inhalts, die alle auf dasselbe Ziel hinanslaufen: (Selb! Mrs. Harrman, die Wttw« des Verstorbenen Eisenbahnkönigs hat im vorigen Jahr 6000 Bitt­schriften erhalten, und wenn sie allen Gesuchen willfahrt haben würde wäre sie heute um 120 Millionen Dollar ärmer. Die Summe von 70 Millionen Dollar allein verteilt sich aus 380 Per- Ionen; man sieht, daß einige nicht gerade bescheiden in ihren An­sprüchen sind. Die amerikauischen Milliardäre wollen einen Ver­band gründen, der sich mit der Erledigung aller Gesuche um Almosen befassen soll. So will man vorbeugen, daß das Geld an die unrechten Leute gelangt und mehr den wahren, aber verschämten Armen zugute kommt _ ,

M. Was man in Londoner Straßenbahnen findet. Die Londoner scheinen recht vergeßliche Leute zu sein. Zu diesem Schlüsse kommt man unbedingt, wenn man imRoyal Magazine" liest, was innerhalb eines Jahres alle? in den Londoner Straßenbahn- und Omnibuswagen vergessen wird. Im letzten Jahre waren es im ganzen nicht weniger als 39 451 verloren« Gegenstände, die in diesen Gefährten vergessen und bei der Polizei eingeliefert wurden. Am häufigsten darunter waren die Schirm«, die in einer Anzahl von 17 427 vertreten waren; bann folgten Portemonnaies, 3214 an ber Zahl, unb hierauf Handtaschen, näm­lich 2809 Stück. Recht häufig waren auch Spazierstöcke (876), Operngläser (763) und Reisedecken (278). Eigentliche Wertgegenstände wurden 1210 als gesunden eingeliefert. Hierunter waren viel« Uhren, nämlich 192; außerdem waren dabei Retten, Armbänder, Ringe, Nadeln, Knöpfe und Ohrringe unb aitbere Schmuckstücke. Alle diese Wertgegenstände zusammen beliefen sich auf mehr als 10 000 Pfund Sterling. Die übrigen Gegenstände, etwa ein Viertel ber Gesamtzahl, verteilten sich auf alle Dinge, die man überhaupt in ein Fuhrwerk mitnehmen tarnt. Es waren dabei Hammelkeule und Rasierpinsel, Taschentücher, Ballschuhe und Masken, ja, al# Kuriosum mag ein Glasauge genannt werden, das ein offenbar seh« vergeßlicher Londoner in der Sttaßenbahn hatte liegen lassen l

Bilderrätsel.

Auflösung in nächster Nummer.

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9 hfoom

Auflösung des Rätsels in voriger Nummert Acker, Krume. Ackerkrume.

Redaktion: K. Neurath. RolalionSdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäls-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.