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Hand. Das volle Tageslicht zeigt mit andern Ufer nur schwach rauchende Reste verglimmender Feuer: keine Truppen. Haben die Russen sich wirklich tauschen lassen? Es kann kem Zweifel fein — die jenseitigen Höhen sind vom Feinde frei. Mer die Brücken sind noch lange nicht fertig. ' ... ...
Da begibt sich der Kaiser hinunter MM ylitü, er spricht mit den Pionieren, er legt selbst mit Hand an — unb mmaTSertai diese Menschen, als ob eine Zauberkraft in ihren erschöpften Körpern tätig wäre. Sie springen in den Fluß und stthen stundenlang b?s zum Hals in dem eisigen Wasser, dessen treibende Schollen ihnen die Rippen zerbrechen und den Brustkasten rat- drücken, lind wenn unter den übermenschlichen Leistungen ihre Kräfte schwinden, dann genügt ein kurzer Zuruf von deii bleichen Lippen des Imperators, und sie arbeiten weiter, mit brechenden Gliedern, arbeiten für den dämonischen Bcenscheu, besten Wille sie widerstandslos mit fortreißt, wohin er will.
Cun Uhr. Die Brücken sind fertig. ■,
Abteilungen der alten Garde rücken vor. Sie brechen eine furchtbare, blutige Bahn durch die festgekeilte Menge. Was nicht ausweichen kann, wird niedergetreten, die Wagen werden UM- gestürzt und verbrannt. So wird Platz —■ für den Stauer.
IHM nach drängte die vor Angst rchend gewordene Masse, in die nun schon die Kugeln der Russen «Mchlugen. Gedränge auf den Brücken war fürchterlich. Mitten in deut Kampf UM Tod und Leben brach eine der beeiden Brücken zusammen und riß alles, was sich auf ihr befand, nieder in die schwarze, eisige Tiefe. Nun stürzte die ganze Masse der andern Brücke zu, und mit einbrechender Nacht, in undurchdringlicher ^insternts kämpften diese jammervollen Menschen einen tierischen, wütenden Kampf der Selbsterhaltung untereinander. Am andern Morgen wurde die Brücke in Brand gesteckt. Noch waren Tausende am andern, Ufer. Ihr Jammergeheul verhallte in der Schneewüste.
Die elenden Reste der Großen Armee zogen weiter. Napoleon hatte alle die furchtbaren Szenen beim Flußübergang schweigend, mit eherner Ruhe angesehen. Ms er selbst die Brücke überschritten hatte, wandte er sich mit halbem Lächeln an seine Umgebung: „Voilä cotnme ou passe ä la darbe de l’ennemi.“
Zeitungsanzeigen vor etwa <00 Jahren.
(Nach dem „Gieser AnzeigungS-Blättchen".)
1. Unterrichtsanzeigen.
.„Ein Frauenzimmer aus hiesiger Stadt, welches mehrere Jahre abwesend Ivar, und in dieser Zeit sich mit Privatunterricht der Jugend beschäftigt, ist nun willens, mit hiesiger Jugend dieses Geschäft fortzusetzen. Sie lehrt von Buchstaben an bis zur richtigen Destination, ertheilt Unterricht in Religion, Moral, Sittenveredlung —, dann Welt- und Naturgeschichte und dergl. Ferner rein und Rechtschreiben, Stylübung usw. Durch inneren Beruf, natürliche Anlage, und Neigung für dieses achtbare Geschäft, durch viele Jahre lang Uebung darinnen, glaubt sie sich einem verehrten, lieben, heimathlichen Publikum empfehlen und auf dessen geneigtes Zutrauen hoffen zu dürfen. Sie nimmt Kinder von 6 und mehreren Jahren au. Nähere Auskunft läßt sich, bei ihr selbst befragen. Sie wohnt bei Hrn. Glasermeister Balser, auf dem Selzersweg."
„Musicus Blume, aus Lauterbach, ist allhier angekommen, und empfiehlt sich, nach erlangter hoher Bewilligung seines Aufenthalts dahier, einem hiesigen geehrtesten Publikum hierdurch als Musiklehrer bei Erwachsenen und Kindern sowohl auf Klavier und Violin, als auch anderen Saiten- und Blas-Instrumenten — nicht weniger auch zur Stimmung der'Jnstrumenter jeden Besitzer derselben auf das ergebenste . . , Logirt gegenwärtig 'bei Hrn. 'Faber im grünen Baum."
„Dem Publikum wird die ergebene Anzeige gemacht, daß Unterzeichneter in der Kaufmännischen Rechnenkunst und im doppelten italienischen Bnchführen, sowie in der französischen und englischen Sprache gründlichen Ünterricht ertheilt. . Eine viel- jahrige Erfahrung vereint mit einer kurzen und leichten Lehrmethode, setzen ihn in den Stand, seinen Schülern die Beschwernisse gedachter Sprachen so zu erleichtern, daß sie erstere in Zeit von einem Jahre, und letztere, in etwa ftinfzehu bis fechszehn Monaten gründlich erlernen können. F. M. Stein, Haus und Sprachlehrer, wohnhaft bei Wittwe Heftig, in der Hundsgasfe."
„Unterzeichneter, welcher sich schon mehrere Jahre in , hiesiger Gegend befindet, auch vor einigen Jahren in Giesen, wie , er sich schmeicheln darf, mit Beifall Unterricht erteilte, benachrichtigt ein geehrtes Publicum, daß er wieder hier angekommen, um im Tanzen Unterricht zu geben. Derselbe verspricht ein Kind von 8 Jahren in einer Zeit von 3 Monaten so zu unterrictjiten, daß es in jeder Tanzgesellschaft sowohl in deutschen, französischen als auch englischen Tänzen auftreten kann . . . ■ I. Moses, Tanzlehrer aus Runkel."
2. Andere Bekanntmachungen.
„Am Donerstag Wend ist von der 'Post an bis in die Hintergasse, der Kopf von Sinern schwarzen Frauenzimmer-Strohhut Verkehren worden. Wer ihn gefunden, und bei Ausgebern ab- giebt, erhält ein Trinkgeld."
7,«Seit 3 bis 4 Wochen wird in hiesiger Stadt ttn hunLV, grüner Regenschirm vermißt, welcher daran kenntlich, daß eti eine bandartige Kante, ein weises Schildchen, und oben im Taffet einen schwarzen Flecken hat ..."
-„Eine junge Weibsperson, die Sticken, Nähen, Stricken,' Spinnen und Kochen kann, auch sonstige HaushältungsarbeitÄt versteht, sucht einen Dienst. Sie offeriert jeder Dienstherrschaft 14 Tage als Probezeit..."
„Der in dahiesigen Stockhaus sitzender Bube, der ChristinÄ Weberin, Vagabundin, Namens Johannes, von vhngefähr 16 bis 17 Jahren, soll gegen eine billige Vergütung zur Verpflegung und Erziehung abgegeben werden . . , Merk, peinlicher Gerichts- Aecretär."
„Unterzeichnete Optiker empfehlen sich mit ihren optische« Instrumenten, besonders allen Arten Augengläser, die sie nach eines jeden Bedarf und nach Beschaffenheit jedes Auges, was nur Schein hat, verfertigen; wie auch ächt nach Regeln geschliffene! Conservatisnsbrillen von Kron- und Flintglas, dergleichen für kurzsehende, daß sie aufsitzend in weiter Entfernung sehen und lesen können. Durch einen mathematischen Augenmesser nehmen wir das Maas von jedem Auge, woonach unsere Gläser eingerichtet sind..« Gideon et Gabreli aus der Schweiz."'
„Im Gasthaus zum Kaiser in Wetzlar sind ächte Göttinger Blasenwürste und Feldkiker, stückenweise, erstere um 48 fr., letztere um 52 fr. pr. Pf. jetzt und in Zukunft zu haben."
Das Großherzoglich hessische, fürstlich Solmsische Justiz- und' Polizei-Amt zu Grüningen erläßt unter -em 6. ^anuar 1818 für die bei einem Brand daselbst geleistete Hilfe folgende Danksagung:
„Für die treue nachbarliche Hülfe, welche die sämmiliche benachbarte und entferntere Herrn Honorationen, Städte und Dörfer dem hiesigen Städtchen bei der dasselbe an dem ver- wichenen Samstag, den 3. dieses betroffenen eben so wüthendest als wie starken Feuersbrunst, geleistet haben, stattet der Unterzeichnete mit seinen Untergebenen den schuldigsten Dank unter der Bemerkung ab, daß ihnen der thätige Beistand Aller, insbesondere aber der der Gießer Herrn Honorationen, Studenten und übrigen Gehülsen, weniger nicht der der Holzheimer, Dorfgiller und Sichest Gehülsen, unter welchen letzteren sich insbesondere der Steindecker! Litt ansgezeichne halt, ferner der des Hrn. Baron von Bellersheim zu Münzenberg, Herrn Hauptmann HosMann zu Hof Gill/ Herrn Amts Verweser v. Zangen zu Langgöns, Herrn Landes- commissarius Troeffer zu Hungen, und Fürstlichen Schultheise« Müller zu Holzheim unvergeßlich bleiben wird.' . . '
Der Tomänenpächter A. Weber auf dem Schiffenberg sieht sich am 25 Mai 1814 zn folgender Bekanntmachung veranlaßt, unf lärmende und tobende Gäste von deut beliebten Ausflugsorts fern zu halten:
„Um jedem Mißverständnis in Hinsicht des Grundes der Verabreichung einiger Erfrischungen gegen eine billigmaßige Vergütung auf der herrschaftlichen Domäne Schiffenberg vorzubeugen- finde ich mich veranlasset, hiermit öffentlich bekannt zu machen- daß, so angenehm es mir jederzeit sehn wird, Personen tion Stand und guten Sitten mich gefällig zn bezeigen, und ihnen dergleiche« Erfrischungen zukommen zu lassen, dies Mach keineswegs als eine jede andere öffentliche Wirthschaft, wo nur leider zu oft ttt der Idee, daß man in einem Wirthshaus seh für lein Geld toben und lärmen dürfe, wie Mau wolle, der öffentliche Anstand beleidigt wird, zu betrachten — und daß daher em Jeder, dH wider Verhoffen den guten Zweck hierbei verkennen, und durch ein unanständiges Betragen und den geselligen Vergungmigest Anderer hinderlich zu werden befürchten lassen sollte, sich es selbst zuzuschreiben habe, wenn er nicht nur kerne Erftischnngest erhält, sondern auch überhaupt diesen Ort mit fernen Besuchest zu verschonen hiermit gebeten wird."
Magisches Auadral.
In die Felder nebensteheiiden Quadrats sind die Buchstaben AAAAAD G LLN NP R K UU derart einzutragen, daß die wagerechten u. senkrecht. Reihen gleichlautend folgendes bedeuten:
1. Männlichen Vornamen.
2. Stadt in Spanien.
3. Seltener Metall.
4. Ein Eigenschaftswort.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Schach-Aufgabe Weiß.
1. S d 6 — e 8
in voriger Nummer: Schwarz.
K d 5 — e 4.
2. S e 8 — f 6 + und Matt.
A) 1........
2. Laß — b7 + und Matt.
B) 1........
2. Dame, Turm, Springer, Matt.
8 e 3 n. o. 4 od. anders, beliebig anders
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scken Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R, Lange, Gießest»


