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von den türkischen Frauen.
Das sind die niedlichen schlanken Dominos, die aus dem großen Konstantinopel eine ewige Faschingstadt machen; das sind die interessanten, weil immer noch unbekanten Geschöpfe, über die jedermann, der aus der Türkei zurückkehrt, vor allem be- richten soll.
Wie doch die Heimlichkeit eines dichten Schleiers und der vergitterten Fenster die Neugierde mächtig erregt!
„Warst du einmal in einem Harem?"
Es kann ja wohl nicht anders sein; alle Märchen, Schwänke,- die vielen, vielen Geschichten wissen so schön von heimlichen Einbrüchen in einen Harem zu berichten. Harem! Wie das klingt! So nach Tausend und einer Nacht! Und mindestens sechs Frauen muß ein Mann haben, und die müssen alle in weiten Pluderhosen auf weichen Divans liegen — na, wir wissen ict,; wie es in den Märchen steht.
Und dann kommt die Prosa: Ter moderne Türke, der Jung- türke, hat durchweg nur ei ne. Frau, so gut wie leder Europäer. Er hat erkannt, daß man sich besser dabei steht. Und zweitens spart man Geld! Eine Frau ist meistens schon „teuer , zwei Frauen, beide vielleicht mit mehreren Kindern, kosten sehr viel Geld. Und glaubt man dann, daß alle Türken reiche Paschas sind? Und wenn sich ein reicher türkischer Fürst mehrere Weiber anheiratet, glaubt ihr denn, daß die immer freundschaftlich zusammen leben? Ein Harem für zwei Frauen, das geht Nicht
staunen mußte. Ich weiß weiter nichts von Ihnen, als daß sie Baron von Eißen zu heißen angeben.
Wenii Ihnen mein Wort nicht genügt, so fragen Sie diesen Herrn hier, sagte er, auf' seinen schäbigen Begleiter deutend.
Und wer sind Sie, wenn ich. bitten darf? fragte ich!, mich scharf an diesen wendend.
Ich bin Angestellter der Firma Ioskins und Jorkins.
Hier fiel Mortimer ein und sagte: Eiii Jorkins ist kürzlich aus der Anwaltsliste gestrichen worden. War das einer von Ihrer Firma?
Auf diese Lw'schenfrage war der Schreiber offenbar nicht gefaßt.
Ich glaube kaum, mein Herr, daß. —
Er war in eine sehr böse Erpressungsaffäre verwickelt. Besinnen Sie sich d'rauf?
Die Slntaort fiel ihm augenscheinlich! zu schwer. Ich wartete sie daher gar nicht erst ab, sondern sagte einfach zu ihm:
Nun, auf alle Fälle wissen Sie, daß dieser Herr hier der Baron von Eißen ist?
O, jawohl; sicher, mein Herr.
Und vermutlich, ein Klient der Herren Jorkins? Und zu welchem Zweck bringen Sie ihn hierher?
Der Gehilfe schien sich mit einemmal sicherer zu fühlen.
Nun, wie Sie sehen, mein Herr, hat sich der Herr Baron um Rechtsbeistand an uns gewandt. Seine Gattin ist. auf sehr rätselhafte Weise verschwunden, und er will natürlich wissen, was aus ihr geworden ist.
Allerdings, versetzte der Baron, und ich sollte meinen, das sei doch nichts so Außergewöhnliches.
Ich beachtete diesen Einwurf weiter nicht, sondern fuhr, an den Schreiber gewandt, fort:
Ihre Herren wußten also, daß er verheiratet war?
O, ja. Wenigstens hat er uns das gesagt.
Ich verstehe; er hat es Ihnen gesagt — und dann?
Nun, dann hat er uns eine Beschreibung der Dame gegeben und als Belohnung für ihre Auffindung hundert Pfund hinterlegt. Wir haben dann gestern in verschiedenen Zeitungen eine Anzeige erlassen, und ich weiß nicht, wie viele Leute von Richmond zu uns kamen und Ihr Hans als den gegenwärtigen Aufenthaltsort der Dame angaben und die Belohnung beanspruchten. Aus diesem Grunde bin ich nun mit dem Herrn hierhergekommen. Ich bin nur Gehilfe und habe keine weitere Kenntnis von der Sache.
Diese Angaben machten einen ganz glaubwürdigen Eindruck auf mich, so daß ich mich nun wieder an den „Baron" wandte.
Der Mann hier, sagte ich zu ihm, hat keinerlei Beweis dafür erbracht, wer Sie wirklich sind. Fassen Sie das, bitte, nicht beleidigend auf, fügte ich hinzu, als ich seinen zornigen Blick sah, bedenken Sie, daß Sie — als vollkommen Unbekannter — ohne alle Papiere zu mir kommen und kaltblütig um die Herausgabe Ihrer Frau bitten.
(Fortsetzung folgt.)
Erwachen daran erinnern können, aber im Moment, als rch die Augen öffnete, war's wieder verschwunden. Aber es wird noch kommen; ich bin mir sicher, daß es wcederkommen wird, vielleicht schon morgen oder übermorgen.
Das brachte mich, auf einen neuen Gedanken. Wenn rhr int Traum alles klar war, sollte sie da nicht viellerchb. auch im Schlafe sprechen? Konnte rch da nrcht Helen unter irgend einem Vorwande bei ihr schlafen lassen? Das erschien mir als eine ausgezeichnete Idee. Trotzdem schwieg ich vorläufig darüber, schrieb mir sie aber hinters Ohr. Dann guckte ich den Daily. Telegraph durch., und wre rch nur gedacht hatte, die Anzeige der Herren Ioskins und Jorkins stand, nicht wieder drin. Die werden heute sicher heraus- kommen, sagte ich mir selbst und beschloß, scharf aufzupassen, um mich nicht überrumpeln zu lassen. Ich war daher nicht gerade angenehm überrascht, als mir ein D-e-- peschenbote ein Telegramm von Mortimer brachte.
Komm sofort zu mir, äußerst wichtig, war der ganze Inhalt. , . t
Was zum Teufel mag da los sein? dachte rch, indem ich es ein zweitesmal las. Ich werde wohl doch hingehen müssen. Vielleicht kann ich. gleich mit dein nächsten Zug Wieder zurückfahren.
Ich warf mich, rasch in meinen Ueberzieher, ermahnte Gregory und Helen zu erneuter Wachsamkeit und eilte nach London. Wer vermag sich -aber meine Ueberraschung vorzustellen, als ich in Mortimers Bureau stürzte und merkte, daß er mich gar nicht erwartete.
Nanu? sagte er, ist denn was passiert?
Nur dein. Telegramm, antwortete ich.
Mein Telegramm? Ich habe dir doch kein Telegramm gesandt?
Was ist denn das? versetzte ich und reichte ihm die Depesche.
Ein Trick deiner Feinde, alter Junge, die wollen dich wahrscheinlich von Richmond fortlocken.
Wie mir Mortimer später sagte, soll ich böse Flüche ausgestoßen haben, als mir diese Wahrheit klar wurde.
Was ist da zu tun? fragte ich ihn.
Ei, du mußt schleunigst nach Hause zurück. Halt! Ich will mit dir kommen. Ich habe ausfindig gemacht, daß die Herren Jorkins Gauner sind.
Wir erreichten gerade noch den nächsten Zug, und als wir in meine Straße einbogen, sahen wir vor meinem .Gartentor eine Kntsche mit zwei Pferden halten.
Der Vorhang ist aufgegangen. Das Spiel hat endlich begonnen, sagte Mortimer; und er hatte recht.
Als wir in den Hausflur traten, hörten wir fremde Stimmen im Empfangszimmer.
Da kommen wir ja gerade recht, sagte ich, die Tür weit aufreißend.
Außer Helen und Gregory befanden sich! zwei Fremde im Zimmer. Als wir eintraten, standen sie auf. Der eine war ein etwas kümmerlich und unscheinbar aussehender rothaariger, engbrüstiger Mensch, in dem ich sofort einen von den Jorkinsleuten erkannte. Der andere war ein kräftiger, vornehm gekleideter Mann von imponierendem Aeußeren, blond, blauäugig, mit wvhlgepfkegtem Schnurr- und Vollbart. Ich hielt ihn gleich für einen Russen oder Deutschen.
Wenn er ein Schurke ist, so sieht er nicht gerade sehr furchtbar aus, war mein Gesamteindruck.
Er machte eine graziöse Verbeugung in der Richtung- uach mir.
Herr Doktor Williams vermutlich, sagte er dann mit kaum hörbarem ausländischen Akzent.
Das bin ich, erwiderte ich, und mit wem habe ich die Ehre?
Baron von Eißen ist mein Name, antwortete er tmib verbeugte sich wieder.
Und Sie wünschen?
Ich habe Grund zu der Annahme, daß meine Frau in Ihrem Hause ist, gab -er zur Antwort, urtb1 ich bin her gekommen, sie mitzunehmen.
Da sind Sie im Irrtum, mein Herr. Mein Haus ist keine Zufluchtsstätte für Ehefrauen.
Mag sein. Das habe ich auch- nicht behauptet. Ich sage nur, daß meine Frau hier ist, und ich wünsche, sie sofort zu sehen!
Sie sind- mir ein vollkommen unbekannter Mann, er-. Widerte ich mit einer Kaltblütigkeit, über die ich- selbst


