Balkenlagen weist auch das Haus Willst Kloos am Markt auf. Ganz besonders erwähnt sei ferner das Bückingsche Haus am Markt, dessen Fachwerkwand von Schnitzereien und kunstvoll gelegten Hölzern geradezu strotzt. Auch in der Hersfelder Strasse grüßen Fachwerksbauten, deren einzelne Beschreibung zu weit führen würde. Die Besichtigung dieser Häuser lohnt schon allein einen Besuch der Stadt.

Wenn auch Alsfeld seinen Ruf als Kunststätte hauptsächlich seinen Fachwerksbauten zuschreiben darf, so besitzt es doch auch einige recht anziehende Steinhäuser. An der Ecke der Baugasse und der Mainzergasse erhebt sich das frühere Hochzeitshaus der Stadt, in dem Feierlichkeiten und die Lustbarkeiten des Bürgertums stattfanden. Derartige Festbauten schuf in Deutschland vor allem die Spätgotik, deren Kunst die höchste Stufe der Vollkommenheit auf diesem Gebiet in dem Artushof zu Danzig erreichte. Das Alsfelder Hochzeitshaus ist eines der späteren Bauten dieser Art. Es entstand von 15651571 und zeigt die Eigentümlichkeiten der deutschen Renaissance. Den Blick des Beschauers fesseln vor allem die hohen Giebel, in deren Staffeln konove und konkave Abschlüsse abwechseln. Die Westseite belebt ein Erker, der sich durch zwei Stockwerke fortsetzt und reichen Zierrat aufweist. We­niger durch sein Aeusteres, als durch seine prächtig geschmückte barocke Tür und seinen gleichfalls barocken Erker verdient das v. Minnigeroda-Oyenhausische Steinhaus in der Rittergasse Er­wähnung. Einen Besuch lohnt auch das Treppenhaus, dessen Treppe um einen einzigen kunstvoll geschnitzten Treppeupfosten sich windet. Auf der von der Obergasse aus linken Seite des Marktplatzes erhebt sich gleichfalls ein Steinbau, das städtische Weinhaus, das zweite an der gleichen Stelle wie das erstere befindliche Weinhaus Alsfelds ist. In ihm befand sich früher der städtische Weinschank mit einem städtischen Weinschenken, dessen hohe Bürgschaft auf die große Verantwortlichkeit des Amtes schließen lässt. Der abgestufte Giebel des Geländes, dessen Er­bauung 1538 erfolgte, zeigt noch die Renaissance im Kampfe mit der erschöpften Kraft der Gotik, also das hervorstechende Merk­mal dcudeutschen Frührenaissance. Daß die im 19. Jahrhundert an der Stelle der früheren viereckigen Fenster des Erdgeschosses geschaffenen Ruudbogenfenster den Bau verunstalten, wie manche Kunstfreunde behaupten, leuchtet eigentlich nicht recht ein. Das gleiche findet sich in vielen italienischen Renaissancebauten, nament­lich denjenigen Venedigs. Das Gebäude hat jetzt in seinem oberen Stockwerk die schensiverte Sammlung des Alsfelder Geschichts­vereins atligenommen, der untere Teil bient zn Verwaltungszwecken.

Jedenfalls verdient Alsfeld die Beachtung aller wahren Freunde der hessischen Kunst, die nur in wenigen Orten des Groß- herzoglums Hessen Bedeutenderes als in dieser Stadt geschaffen hat.

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Die Wche im August.

In früheren Jahrzehnten verfügte man im Sommer allein über die länglichen, Weißen sogenannten Nierenkartoffeln; heute hat man schon im Frühling Auswahl in schönen ausländischen, und auch das Inland zieht mehrere Arten trefflicher runder Frühkartoffeln, weiße, blatte und rötliche. Die in der Schale gekochten erkalteten eignen sich in dieser Zeit vorzüglich zu Brat­kartoffeln, besonders wenn sie nicht so mehlhaltig sind, denit dann ziehen sie das Fett tiicht so an sich, werden schön kroß und bleiben doch zart im Geschmack.

Seit die Tomaten sich mehr und mehr auch in der bürger­lichen Küche ihren Platz erobern, sind sie teurer geworden als früher, wo man zur Hochsommerzeit oft 1 Pfuud für 8 bis 10 Pfg. kaufen konnte. Ein sozusagen neuerfundcnes Gericht ist der Tomatenpudding sehr zu empfehlen entweder als Zwischen- gang zur Mittagsmahlzeit eines größeren Hauses oder als gutes Äbendgericht für heiße Tage, an denen man gern auf Fleisch und Aufschnitt verzichtet. Man gibt in % Liter kochende Milch, zu der man etwas gute Butter mischte, 375 bis 400 Gramm Mehl und läßt unter beständigem Umrühren davon einen steifen Teig kochen, der sich vom Gefäß ablöst und zum Erkalten in eine Schüssel geschüttet wird. Bon einer beliebigen Anzahl (1215) abgewisch- 1er, entkernter Tomaten hat man möglichst ohne Wasser, nur in eigenem Saft ein steifes Mus gekocht, dies durch ein Sieb gestrichen und gleichfalls zum Erkalten gestellt. Zu der abgekühlten Mehlmasse gibt man 56 Eidotter, etwas Salz, etwas geriebene Muskatnuß, löffelweise das Tomatenmus, etwas geriebene Semmel und den steifgeschlagenen Schnee der 56 Ei­weiße; daun füllt man die gut abgeschmeckte Masse in eine mit Butter ausgestrichene, mit geriebener Semmel bestreute Pudding­form, verschließt sie gut und läßt sie im immerfort siedenden Wasser­bade IVa Stunden kochen. Der Pudding wird auf eine leicht erwärmte Schüssel gestürzt und mit heißer brauner Butter überfüllt.

Mit Hilfe von übriggebliebenen erkalteten in der Schale gekochten Kartoffeln kann man auch Tomatenschnitten backen oder in der Pfanne braten. Auf % Kilogramm recht fein geriebene Kartoffeln rechnet man V/e2 Obertassen Tomatenmus, 175 Gramm geriebene Semmel, 23 ganze Eier, etwas Salz und geriebene Muskatnuß, rührt alles zu ebenem Teig, der gut hält, und formt davon mit Hilfe von geriebener Semmel flache Klößchen oder Schnitten, die man in verquirltem Ei, dann in geriebener

Semmel wendet und in hellbraun gemachter Butter auf beiden Seiten schön hellbraun brät oder in Backfett (halb Schmalz, halb Butter) schwimmend ausbäckt, mit dem Schaumlöffel hercms- nimntt, schnell auf Löschpapier entfettet und auf erwärmter Schüssel, mit Petersilie garniert, aufträgt.

Eine sehr gute Art, Pfefferlinge so uns der August be* schert zuzubereiten, ist folgende: Die gut nachgesehenen, ge­reinigten Pilze (1/2 Kilogramm) werden mit etwas gehackter Zwiebel in Butter leicht durchgedünstet. Inzwischen hat man ungefähr 1iy3 Kilogramm neue Kartoffeln in der Schale gar, aber nicht zu weich gekocht, zieht sie nach dem Abgießen und Abdanrpfenl ab und schneidet sie in Scheiben. Eine feuerfeste Steingutform oder Auslaufform wird mit Butter ausgestrichen und mit geriebener Semmel bestreut. Man schichtet eine Lage Kartoffeln hinein, bestreut sie mit Salz, legt eine Schicht Pilze Nebst etwas von ihrem Saft darüber, wieder Kartoffelscheiben, Salz, Pilze, oben­auf Kartoffelscheiben. Die Oberfläche bestreut man mit geriebener Semmel, füllt Vs Obertasse dicke, saure Sahne darüber und stellt die Form für Vs Stunde in hen heißen Ofen. (Das Gericht wird in der Form aufgetragcn.)

Von Gemüse haben wir eine schöne Auswahl in Bohnen, Schneide-, Brech-, Wachs- und Pusfbohnen. Wachsbohnen werden seltener für Gemüse als für Salate verwendet; als Gemüse aber sind sie besonders wohlschmeckend mit einer Eiersauce. Gurken werden meist noch für Gemüsezwecke, Ragouts usw. verwendet; die echten Schlangen-Einmachgurken pflegen erst mit September richtig zu werden. Aber durch besonderes Verfahren erzielt die neue saure Gurke ist natürlich bereits vorhanden, und in Lübbenau, dem Mittelpunkt der märkischen Gurkenkammer, finden einige Male wöchentlich große Gurkenmärkte statt, die Unmengen von Gurken nmsetzen.

Leider kommen in den Städten, besonders in den Groß­städten, nicht so viel Brombeeren zum Verkauf, als man in An­betracht des feinen aromatischen Geschmackes wohl wünschen möchte. Kühle Brombeersuppen, die auf dieselbe Art bereitet werden wie Blaubcer- oder Kirschsuppen, schmecken vorzüglich und können durch Einlage von Semmel- oder Zwiebackklößchen auch sättigend gestaltet werden. Aber auch Brombeergrütze (mit Haferflocken) ist nicht zu verachten. 500 Gramm gewaschene, abgetropfte Beereir kocht man mit Vs3Zr Liter Wasser gar und rührt, die Flüssigkeit durch ein Sieb. Daun gibt man sie wieder in die Kasserole, fügt nach Belieben Zncker dazu, auch ein wenig Zitronensaft, läßt den Saft zum Kochen kommen und schüttet unter stetent Rühren zwei kleine Obertassen Haferflocken hinein, kocht über gelindem Feuer, fleißig rührend, damit nichts ansetzt, einen dicklichen Brei, schüttet ihn in mit kaltem Wasser gespülte Schalen oder Formen, läßt die Speise erkalten und gibt sie mit süßer Milch oder mit einfacher Banillesauce. (Wer Haferflocken nicht liebt,. kann die Speise mitMondamin,Kartoffelmehl,Sagomehl oderGries dick kochcn.)

In der einfachen Küche dürfte auch eine Mirabcllensuppe noch vielfach unbekannt sein, die sich jedoch den anderen Obstsuppen gleichartig zur Seite stellt: Aitf 500 Gramm gute abgewifchte, in Hälften geschnittene und entsteinte Mirabellen rechnet man 23 Liter Wasser und 89 Löffel Zucker, kocht sie langsam recht weich, streicht sie durch ein Sieb (oder läßt sie auch uu- durchstrichen), verkocht sie mit 45 Teelöffeln Kartoffelmehl seimig, gibt etwas leichten Wein dazu (der aber nach Gefallen auch weg­bleiben kann) itnb rührt zuletzt noch etwas süße Sahne und Zucker dazwischen. Die Suppe wird abgekühlt serviert.

Wer Gelegenheit hat, am Gestade der See zu weilen, kann jetzt in frischen Räucherfischen schwelgen: Aalen, Schollen, Bück­lingen. Von Seefischen stehen Schollen obenan (aber auch Schell­fisch und Kabliau); von Süßwasserfischen sind die kleinen, zarten Bachforellen echte Sommerfische, ferner werden Schleien gerne mit Sauce von jungem Tillkraut serviert, und an der Wasser­kante schwärmt man von Aalsuppe, die der Binnenländer im all­gemeinen jedoch nicht so sehr liebt. A. Burg.

ArtthASgriph.

1 3 2 1 6 ein Fisch.

2 6 9 1 10 7 12 ein Philosoph.

3 11 11 3 weiblicher Vorname.

4 2 3 11 ein Metall.

5 3 7 10 9 10 biblischer Name.

6 7 9 ein Gebirge.

7 6 10 11 8 italienischer Bildhauer.

Die Anfangs- und Endbuchstaben der gefundenen Wörter be« zeichnen ein erfrischendes Getränk. (Ausl, in nächster Nr.)

Auflösung des Kreuzrätsels in voriger Nummert P B V a e o r r r

P a r a g r a p h

B e r g g eist Vorre iter a i t p s e h t r

Redaktion : I. V.: E. Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießetr»