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Leutnant sich der Kompagnie näherte, kommandierte der Feldwebel mit dröhnender Stimme:

Stillgestanden! Richt' euch! Augen gerade aus! Die Augen links!--- Kompagnie beim Stw

treten!" meldete er dann dem Offizier.

Danke^ danke!" sagte Frobenius und überlegte, was er nun zu tun hätte. Das dauerte ungefähr eine Minute, während deren der Feldwebel regungslos neben ihm stand und ebenso regungslos die Kompagnie mit Augen links.

Frobenius verfiel in tiefes Sinnen. Herr Gott, was machte man denn nun jetzt nur?

Der Feldwebel kam ihm zu Hilfe:Gestatten Herr Leut­nant, daß ich rühren lasse?"

Bitte, bitte, selbstverständlich lassen Sie nur rühren!"

Äugen gerade aus rührt euch!"

In diesem Augenblick schollen vom Kasernentor her hallende Pferdehufe, und Hauptmann Goll kam auf seinem riesigen Rappen herangesprengt, gerade auf Frobenius zu.

Frobenius riß den Schleppsübel in die Höhe und salu­tierte seinen Kompagniechef. Der hielt dicht vor ihm, sah ihn von oben bis unten an, staunend, fassungslos.

Na, Herr Leutnant, wollen Sie mir denn nicht freund­lichst die Kompagnie melden?"

Zu Befehl, Herr Hauptmann!" Er fuhr herum und schrie mit einer Stimme, als sei er von Mördern überfallen und wolle die Welt um Hilfe zusammenrufeu:Still­gestanden Augen links!"

Hauptmann Goll sah seinen Untergebenen abermals von Kopf bis zu Füßen an:Herr Leutnant, Sie scheinen sich mit dem neuen Exerzier-Reglement noch nicht sonderlich beschäftigt zu haben, aber auch Ihre alte Weisheit haben Sie scheinbar einigermaßen verschwitzt, sonst würden Sie wohl die Kompagnie zunächst ausgerichtet haben und dann heißt das Kommando nach dem neuen Reglement: die Augen links! Also, bitte, stecken Sie gefälligst die Nase ins Reglement, damit Sie sich nicht vor den Kerlen bla­mieren danke Jhüen! 'Morgen, zweite Kompagnie!"

'Morgen, Herr Hauptmann!" scholl es aus hundert­undzwanzig Kehlen zurück, daß die Kasernenwände bebten.

Augen gerade aus rührt euch!"

Frobenius schielte zur Kompagnie hinüber ein fröh­liches Grinsen lag auf allen Gesichtern.

Ja, da wär nichts zu machen der Respekt war von vornherein zum Teufel.

Schon nahte ein neues Schrecknis: ein Füsilier, den Frobenius natürlich nicht kannte, führte einen großen, starkknochigen Goldfuchs mit weißer Stirnblässe und un­ruhig schielenden Augen heran, der immerfort heftig den Kops in den Nacken warf und von Zeit zu Zeit mit der Hinterhand nervös zusammenfuhr.

Pferd für Herrn Leutnant zur Stelle!" meldete er.

Aha, dachte Frobenius, das ist der Bursche vom -Ober­leutnant Menshausen, dem muh ich jedenfalls ein Trink­geld geben. Er suchte in seinem Portemonnaie, fand nur ein Zweimarkstück und drückte das dem Burschen in die Hand, obgleich er sich darüber klar war, daß das viel zu viel sei.

Wollen Herr Leutnant gleich aufsitzen?"

Jawohl!"

Der Bursche hielt den rechten Bügel, Frobenius trat an die linke Seite und hob das Bein, aber es gelang ihm nicht, den Steigbügel zu erreichen. Himmel, war das ein Elefant! Der Bursche mußte den Bügel länger schnallen, und nach einigen krampfhaften Anstrengungen saß Frobenius im Sattel. Im selben Augenblick stieg der Gaul hinten und vorne, und der Reiter schwankte hin Und her wie ein Wrack im Sturm.

Zwei Füsiliere sprangen auf Hauptmann Golls Befehl herzu und beruhigten die Bestie. Nun saß Frobenius steif aufgerichtet und wggte nicht, sich zu rühren, aus Furcht, der Gaul möchte wieder unruhig werden.

Leutnant Quincke kam und meldete sich beim Kapitän. Sein verkatertes Gesicht war fahl mit einem unver­schämten Grinsen begrüßte er den Reiter und stieß mit der Säbelscheide tote in harmlosem Scherz nach Kunos Flanken. Kuno machte einen mächtigen Satz zur Seite, und auf ein Haar hätte Frobenius das Gleichgewicht verloren.

Donnerwetter lassen Sie doch biese Scherze, Herr Quincke!"

O, entschuldigen Sie, Herr Frobenius, wer konnte auch! ahnen, daß der Schinder so nervös ist liegt das an ihm oder an Ihnen?"

Zwei andere Gäule würden vorgeführt. Der eine ge­hörte dem Oberleutnant, der erst im letzten Augenblick heranschoß, sich hastig beim Kompagniechef meldete und wie der Blitz im Sattel saß; den andern, einen zierlichen Apfelschimmel, bestieg Quincke, leicht und elegant, und ließ ihn ein paar kurze Gänge machen. Das begeisterte Herrn Kuno, sich anzuschließen, und so wurde Frobenius unfreiwillig über den Kasernenhof spazieren getragen, bis Hauptmann Goll die Kompagnie formiert hatte.

Bitte, Herr Leutnant Frobenius, reiten Sie bei mir! Die Herren Menshausen Und Quincke nehmen die Queue."

Mit Mühe gelang es Frobenius, sich an die Seite seines Kapitäns zu dirigieren. Die Spielleute traten an die Töte, und der Hauptmann kommandierte:

Stillgestanden ' das Gewehr über! Gruppen- kolonne rechts erster, zweiter, dritter Zug Kom­pagnie marsch!"

Die Spielleute schlugen an. Beim ersten Klang der Instrumente machte Kuno einen fürchterlichen Satz nach links, raste wie toll in weitem Bogen um den Kaseruenhos, beruhigte sich aber dann und setzte sich wieder neben das Pferd des Hauptmanns..

Die Füsiliere platzten vor Vergnügen.

Kompagnie halt!" schrie der Kapitän.Wenn ihr unverschämten Lümmels euch noch -einmal untersteht, beim! Exerzieren die Fresse zu verziehen, so reit' ich euch glicder- weise in den Dreck verstanden! ?. Kompagnie marsch!"

Und dann mit vernichtendem Blick zu dem unglücklichen Reiter an seiner Seite:Herr Leutnant, wenn Sie nicht reiten können, -dann sagen Sie's gefälligst- gleich! und ruinieren Sie mir hier nicht die Disziplin!"

Verzeihen Herr Hauptmann, ich weiß selbst nicht, was das ist > ich glaube, man hat mir da eine ganz! gefährliche Bestie geschickt aber ich werde mich schon gewöhnen!"

Und so kam es auch. Kuno klebte ganz zufrieden an dem ruhig und sicher schreitenden Rappen des Kapitäns und schien sich in sein Schicksal Und seinen Reiter ergeben zu haben.

Zum munteren Spiel der Trommeln und Pfeifen ging's nun durch die stillen Straßen hinaus. Ab und an schoben sich droben an den Fenstern die Vorhänge auseinander, und! verschlafene Gesichter schauten auf die ausrückende Schar! hier ein verdrießliches Matronenantlitz, von wirren, grauen Haarsträhnen Überhängen, dort ein freundliches Mädchen­köpfchen mit süß verträumten Wangen. Im Morgen-, sonnenschein blinkten die frisch geputzten Knopfreihen und Helmbeschläge, blinkten wie gleißende Schlangenschuppen die taktmäßig leise pendelnden Gewehrläufe. Die Pferde wieherten lustig in die Dunstschwaden der Frühe hinaus, und Frobenius fing an, sich überaus behaglich zu fühlen wäre Hauptmaun Goll etwas gesprächiger gewesen, es hätte sehr lustig sein können aber des Kapitäns Miene dräute Unheil er würdigte seinen Gefährten keines Wortes.

Indessen schließlich wer war Hauptmann Goll? Irgendein gleichgültiger Fleck in der spätsommerlichen Morgennatur ein flüchtiger Schatten auf dem Glück der Stundewie konnte so was Bedeutungsloses ihn, Wilhelm Frobenius, um die frische Wonne dieses lustigen FrührMs bringen?

Ach, es war doch himmlisch, so auf einem feurigen Roß in die nebeldampfende Landschaft hinaus sich tragen zu lassen!

Allerhand literarische Erinnerungen fielen ihm ein H die Hohenstaufenkaiser auf der Fahrt über die Alpent Goethes Besuche bei Friederike in Sesenheim:

Es schlug mein Herz: geschwind zu Pferde!

Es war getan fast, eh's gedacht."

Herrgott, daß man das bloß nicht früher gelernt hatte. Ja, ja, da war die harte Jugend- gewesen voll einsamen! Schaffens, Grübelns und Sinnens im tabäkdurchwölkten Studierkämmerchen fern von den muntern Kommili­tonen, die bei Becher und Schläger ihr Leben auskosteten.

Reiten! Du lieber Himmel dem Sohn des armen Volksschullehrers Ms dem Westerwalddörfchen war das