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durch Gasöfen, Isolierung der Mchenkamrne durch einen ManM- raum, in dein Luft zirkuliert und die Wärme fortfuhrt, endlich Vermeiden von Wohnungen direkt unter bem Dach. Dadurch ivirb aber gegen die Wärmeausstrahlung der Mauern noch wemg getan. Es mußten also mehr als bisher Vormauern her­gestellt werden, die aus Hol», Rohrgeflecht oder Matten, anr einfachsten aus rankenden Gewachsen bestehen könnten und aus- gezeichneten Schutz gegen die Wärme bieten. .

Die wirksamste Abwehr der Hitze aber ward durch eme viel durchgreifendere Wohnungsreform geschaffen, nämlich durch den Bau von kleinen ein- oder zweistöckigen Häusern für die weniger bemittelten Klassen, in der Form von Arbeiterkolonien, Garten­städten u. n. Freilich wird es aber iioch lange dauern, bevor diese Wvhnungsrefornten allgemein durchgeflihrt sind, und doch ist die Hitze eine schwere Gefahr, der vor allein die Säuglinge aus­gesetzt sind. Heiße SomiNer fordern in Berlin fast 2000, in den größeren Städten Deutschlands zusammen mehr als 10 000 Säuglingsleben über die Zahl in kühleren Sommern hinaus zum Opfer. Deshalb regt Prof. Flügge an, daß künstlich ernährte Säuglinge, die schon gewisse Darmstöriingen zeigen und rn extrem heißen Wohnungen leben, die also vor allem gefährdet sind, un­bedingt in ein kühleres Milieu gebracht werden müssen.. Dafür wären einfache Erholungsstätten zu errichten, aber auch dre Par- terreräiime von geeignet gelegenen Schulen könnten während der Sommerferien, in die ja die bedenklichsten Hitzeperioden fallen, ver­wendet werden.

(Eilt postkutschen-Jdyü vor hundert Jahren.

Wer heute im behaglichen Abteil des Schnellzuges die zwei­stündige Reise von Jena nach Halle inacht, ahnt nicht, mit was für Beschwerden eine solche Fahrt noch vor hundert Jahren ver­bunden war. Ein treues Bild von den Annehmlichkeiten einer solchen Reise gibt der schwedische Kammerrat von Ehrenzweig, der im Jahre 1805 mit der Post von Jena nach Halle fuhr. Das Post- kutschen-Jdyll, das er in einem Schreiben ans Hamburg vom 2. November 1805 an den Kurfürsten von Sachsen, Friedrich August, entwirft, dürfte auch den größten Verehrer der vergangenen Reiseromantik von seinem Wahne bekehren. Der Kammerrat schreibt wörtlich folgendes:

Die Zerbrechung meine Reisewagens im Fränkischen veran­laßte mich bei Ermangelung eines Gesellschafters und Reise­gefährten mit der ordinairen Post zu gehen. So lange ich Reichs- oder preußische Post hatte, sand ich keine Ursache, meinen gefaßten Entschluß zu bereuen, aber wie erstaunte ich, als man mir in Jena den kursächsischen Wagen, der von Naumburg nach Halle fährt, vorführte. Wie ist es möglich, daß in einem zivilisierte» Staat die Ober-Postdirektion ein solches Unwesen dulden kann. Nicht nur, daß wir von Jena nach Naumburg von 12 bis abends 8 Uhr unterwegs waren und die sächsische Post, unerachtet sie die ganze Nacht durchfuhr, erst den anderen Morgen um 11 Uhr in Halle ankam, nicht genug, daß ein ganzer Hausen sogenannter blinder Passagiere ausgeladen ward, dies sind Kleinigkeiten im Vergleich des Sitze?, des Wagens selbst. Lassen Ew. Churs. Durch- laucht Sich das Fuhrwerk, welches von Jena nach Halle geht, vor­zeigen, Sie werden Selbst finden, daß es keinen Stuhl, keinen Sitz, keine Bedeckung, kurz, weder die geringste Bequemlichkeit, Sicher­heit, noch Schuh darbietet; man ist in Lebensgefahr auf denrselben besonders zur Nachtzeit, wo so leicht den Reisenden der Schlaf überfällt und er wegen Mangel an Lehnen, an Sih, Stuhl, jeden Augenblick befürchten muß, von, Wagen herunter zu fallen und zwischen den Rädern aus eine schreckliche Art verstüminelt zu werden.

Wie ost ereignet cs sich nicht, daß Handwerker, Künstler, Krämer ihren Wohnort verändern und mit ihren Kindern reisen inüssen, diese sind dann der größten Lebensgesahr ausgesetzt, weil sie weit leichter wie alte Leute einschlummern. Hier eine Tatsache: Wir alle, die wir danrals zusammen aus dem Postwagen reisten, hatten in zwei Nächten nicht geschlafen, bei dem langsamen Fahren war es unmöglich, der Ermüdung zu widerstehen; damit nur keiner im Schlummer vom Wagen fiele, kam man überein, wechselseitig zu wachen. Aber die Natur behielt die Oberhand. Es sand sich, daß der die Aufsicht und Wache führende Reisende selbst einschlies, und es mußten daher zwei sich vereinigen, welche zu gleicher Zeit wachten. Es ist doch empörend, wenn man mitten im Deutschen Reiche, in einem seit Jahrhunderten für poliziert gehaltenen Lande wie Sachsen, nicht für sein Geld auf dem öffentlichen Postwagen reisen kann, ohne der offenbaren Gefahr ausgesetzt zu sein, sein Leben zu verlieren oder zum Krüppel zu werden, und es nur gleich­sam durch mühsames Nachsinnen dahin bringen kann, sich einiger­maßen davor zu sichern/

Nachdem. der Verfasser noch einige Seiten sortgeklagt hat, schließt er endlich seine Eingabe mit der Hoffiumg, daß der Kurfürst »seine Anzeige, mit Vergnügen aufnehme und mit Freuden einen Mißbrauch abändern werde, der Sachsen zur Schande gereiche."

vermischter.

kk. Ein Maler, der die Straße sperrt. Jetzt ist in allen Großstädten die Zeit der Buddelei. Ueberall wird ge­

buddelt: Straßen werden ausgerissen, das Pflaster wird erneuert, Rohre werden gelegt usw. Wohin man sieht, da leuchtet einen, das wohlbekannte Schild:Gesperrt I" entgegen. Ein junger Maler zog in Paris nun aus diesem jedem Großstädter so all­bekannten und unvernieidlichen Dilemna eine Lehre. Er machte sich diese Straßensperrlingen zu Nutzen und baute dabei aus die sprichwörtlich gewordene Geduld und Gutmütigkeit seiner Pariser Mitbürger. Er hatte von einein Theater den Auftrag erhalten, einige Kulissen zu malen; aber da sein Atelier klein und die Kulissen groß waren, so ivar guter Rat teuer. Zu Hause arbeiten war unmöglich, und etwa einen begüterten Kollegen, der sich eines größeren Ateliers erfreute, um die Ueberlaffung seiner Raume zu biiten, schien auch nicht ratsan,. Da kam ihm einegöttliche Ein­gebung" I Eines guten Morgens leuchtete ihm der Gedanke ein, kurzer Hand die breite Straße zum Atelier zu machen. Er malte zivei schöne Schilder, worauf zu lesen war:Rue barree! (Straße gesperrt!), verschaffte sich kleine Pfosten und ein gehöriges Stück Bindfaden und sperrte so kurzerhand einen Teil der Straße vor seiner Wohnung. Ter erste Kutscher kam, sah das Schild und kehrte um. Andere folgten. Dasselbe Schauspiel! Unser lieber Maler hatte aber mittlerweile seine Staffelei aufgerichtet und pinselte frisch darauf los, ohne auch nur im geringsten gestört zu werden. Und gar die Hüter des Gesetzes! Die ließen sich erst recht nicht blicken, denn die waren nachgerade an gesperrte Straßen gewöhnt. So gelang es dem Maler, sich aus der Klemme zu ziehen. Er vollendete seine Kulissen und verdiente außerdem noch ein gutes Stück Geld, indem er seine lustige Geschichte Pariser Blättern erzählte.

' D a s L a n d d e r P a r f ü m S. Der Reichtum der Tropen au stark duftenden Blumen und Blütensträuchern ist bekannt; immerhin dürfte es kann, einen zweiten Erdstrich geben, der von ihnen eine solch außerordentliche Menge trägt, wie das Gebiet von Annam i» Jndochina, Dabei sind die meisten der dort vorkom- menden Blüten zur Parfl'nnfabrikation in hohen, Blaße geeignet. Erwähnen mir von den Dutzenden von wohlriechenden Pflanzen einige besonders interessante Sorten, deren Anbau in Plantagen mehr und mehr in die Hand genominen wird. Hier ist zunächst derHoalai" zu nennen, eine Art großblütigen Jasmins, dem man in den annamilischen Gärten vielerorts begegnet. Ihm ver­wandt ist dieHoaly", eine Liane, die wegen ihres Blumenreich­tums beruh»,t ist. DerCay Huong ft", der wildwachsende Rosen­strauch des Landes, sowie derCay Hoa fi", eine Malvenart, liefern ei» starkes Parfüm. Letztere Blume hat die merkwürdige Eigenschaft, daß ihre weißen Blüten erst zu duften anfangen, wenn sie in einem geschlossenen Geiäß vollständig getrocknet sind. Der Cay truoc bnu*. der rosenähnliche gelbe Blüten besitzt, sowie der dem Teestrauch gleichendeCay hoa moi" tragen gleichfalls stark duftende Blumen. Es seien von weiteren ergiebigenPariüm- pflanzen" noch genannt: der Apselsinenbaum, der Zitronenbaum (beide unseren europäischen Arten entsprechend), derthao qua", welcher das ammonium medicum liefert, schließlich der »huong bai", eil, Farnkraut, von dem man nicht die unscheinbaren Blüten, wohl aber die zu Pulver geriebene Wurzel als pikantes Parfüm verwertet. _____________

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Auflösung des Namenrätsels in voriger Nummer: Antonie Jcka Theresia Pauline Martka Helen» Friderike Krimhilcke;

Adelheid.

Redaktion: R. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, ®te»e*