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Da erst sah sie DagmarÄ blasses Gesicht, und sie erschrak: „Was hast du? Ist dir nicht wohl?" Und auch oer Landrat erkundigte sich besorgt, was ihr sthle.
„Mchts, nichts — ich hatte schon den ganzen Vormittag etwas Kopfschmerzen, — durch das schnelle Fahren sind sie ärger geworden."
„Aber um Gottes willen, Komteß," rief der Landrat ganz erschrocken, „Sie hätten doch nur ein Wort zu sagen brauchen, dann hätte ich das Tempo viel langsamer genommen. Ich mache mir die schwersten Vorwürfe, H aber Komteß Alexa bat mich, schnell zu fahren, und ich! glaubte, es mache auch Ihnen Vergnügen."
„Gewiß, gewiß, das tat es auch." Sie versuchte den Landrat zu beschwichtigen. „Es geht mir auch schon viel besser — und wenn ich einen Augenblick still sitze, wird es bald ganz vorüber sein. Ich kenne meine Kopfschmerzen ganz genau — die sind ebenso schnell wieder fort, wie sie kommen."
Aber Alexa traute diesen Worten nicht recht. Sonst hätte die Schwester wohl schon zu Häufe ein Wort davon gesagt, daß sie sich nicht wohl fühle, und so rief sie denn plötzlich: „Meine Herren, glauben Sie Dagmar nicht. Sie hat Angst gehabt, das ist das Ganze! Angst, ganz gewöhnliche Angst!" Und in vorwurfsvollem Tone setzte sie hinzu: „Wer Dagmar, wie kann man nur?"
Die hätte ihre Schwester in diesem Augenblick schlagen können! Eine heftige Entgegnung lag ihr auf den Lippen. Mer noch bevor sie diese aussprechen konnte, sagte der Baron: „Sie tun Ihrem Fräulein Schwester Unrecht, Komtesse, ich habe mich während der ganzen Fahrt mit Komtesse Dagmar auf das lebhafteste unterhalten. Äon irgend welchem Angstgefühl kann bei Komtesse Dagmar niM die Rede fein."'
Anstatt ihm für seine Worte zu danken, warf sie ihm einen z-ornsprühenden Blick zu: wie kam er dazu, sie in Schutz zu nehmen? Hätte sie ihn um seine Hilfe gebeten? Und ivas sollte es, daß er von einer „lebhaften Unterhaltung" zwischen ihnen sprach?! Glaubte er, sie hatte sich absichtlich nicht mit ihm unterhalten — und sollten seine Worte nun weiter nichts als Ironie sein?
Sie wollte nicht feine Hilfe, sie tvollte sich rächen und ihn bloßstellen, den anderen erklären: der Baron lügt, sie wollte ihre Angst eingestehen, um ihm zu zeigen, daß sie den Mut zur Wahrheit auch dann habe, wenn sie dadurch eine Schwäche einräumen mußte!
Mer sie schwieg hoch — es lohnte sich ja gar nicht, erst zu widersprechen —.
Der Landrat war beruhigt, und auch Alexa war überzeugt. Sie hielt der Schkvester die Hand hin und bat: „Sei mir nicht bös', Dagmar, daß ich dich für feige hielt!"
„Feige ist nicht das richtige Wort, Komtesse," erklärte der Baron. „Selbst wenn Ihr Fräulein .Schwester sich geängstigt hätte — was aber, wie ich nochmals betone,, absolut nicht der Fall war — selbst dann hinge das gar- nicht mit irgend welcher Feigheit zusammen, die man als erwachsener Mensch natürlich überwinden muß und kann, — sondern mit einer Anspannung unserer Nerven, gegen die wir machtlos sind. Alle Energie nützt zum Beispiel nichts gegen die Seekrankheit, und aus unserer Jugendzeit kennen wir ja noch alle das Gefühl in unserem Kopf, wenn wir zu lange Karussell gefahren waren. Nur nm etwas Aehnliches könnte es sich bei Komtesse Dagmar handeln, — wenn sie nicht selbst erklärt hätte, daß sie nur Kopfschmerzen habe."
Wieder warf sie ihm einen haßerfüllten Blick zu h abermals lag es ihr aus den Lippen, die Wahrheit zu gestehen. Aber ihr Stolz lehnte sich dagegen auf: sie wußte, sie war verloren, wenn sie ihm ihre Schwäch!« gestand — —.
Und sie wußte nicht, daß sie dies durch ihr Schweigen viel mehr tat, als durch ein offenes Bekenntnis!
„Aber meine Herren, es lohnt sich wirklich nicht, darüber fo viel Worte zu verlieren — es geht mir schön tausendmal besser. Und wenn ich erst eine Kleinigkeit genossen habe ,wird es ganz fort sein."
. Man bestellte einige Erfrischungen und machte dann ernen kurzen Spaziergang nach dem nahegelegenen Mus- stchtspunkt, und das gab dem Baron Veranlassung zu einigen kurzen Bemerkungen über Aussichten im allgemeinen und schöne Aussichten im besonderen. „Ich finde,
man ist immer enttäuscht, weil wir unsere Erwartung stets zu hoch schrauben, und Weil die Ansichten über das,, was schön und gewaltig ist, grundverschieden sind. Wem ist es nicht schon auf einer Reise begegnet, daß er irgend einen weiten Umweg macht, nur weil in seinem Reiseführer steht: niemand versäume, sich dort die unvergleichf, liche Aussicht anzusehen! Wie enttäuscht kommt man dann zurück, und man schilt vor sich hin: hätte ich gewußt daß das alles ist, dann hätten mich keine zehn Pferde; dahin gebracht! Man gelobt sich, in Zukunft nie wieder auf so etwas hineinzufallen, Aussicht Aussicht sein zuj lassen, — aber man fällt doch wieder hinein. Wir Deutschen sind in der Hinsicht zu gewissenhaft. Befiehlt es der Reiseführer, dann steigen wir schon am nächsten Tag wieder auf eine Anhöhe, rd um abermals enttäuscht zu werden."
„Sie sind ein Spötter, Herr Bäron," rief Alexa, „Sie haben eben keinen Sinn für Naturschönheiten."
„Doch!" verteidigte er sich. „Aber die Schönheiten, die allen Menschen gefallen, reizen mich zum Widerspruch. Der Geschmack der großen Menge ist für mich keineswegs maßgebend, weder in der Natur, noch in der Kunst. Ich bin schon oft für „gänzlich ungebildet und unwissend,' gehalten worden, weil ich nicht gegen meine Ueberzeugung demütig meine Knie vor einem Bild oder einer Status beugte, dis ein hochverehrtes Publikum nur deshalb zu lautem Jubel hinriß, weil irgend! ein weiser Mann, der in Wirklichkeit vielleicht garnicht so weise war, einmal erklärt hatte: das ist erhaben, genial und großartig! Und ebenso ergeht es mir mit den Menschen —' — ich finde alle die Leute schrecklich, von denen es heißt: Gott, ist das ein liebenswürdiger, netter Mensch! Die hasse ich sogar, denn kein Wort ist so wahr, tote das': viel Feind/ viel Ehr'. Wenn ich von einem höre, daß er keinen einzigen Feind hat, dann gehe ich chm mit einem großen Bogen aus dem Wege, denn dann ist er wohl ein Mensch weil er zwei Arme und zwei Beine hat und vielleicht auch ganz manierlich mit Messer und Gabel ißt, aber — er ist keine Persönlichkeit, kein Charakter. Nur ein solcher kann ernst genommen werden, nur mit einem solchen lohnt es sich, zu beschäftigen."
Die Worte des Barons reizten teils' zum Widerspruch Und auch als man schon zurückgekehrt war und draußen irrt Freien vor dem Restaurant saß, wurde die Debatte fortgesetzt.
Schon ein paarmal hatte der Landrat nach der Uhr gesehen; jetzt mahnte er zum Aufbruch: „Wenn wir rechtzeitig zu Hause sein wollen, und wenn ich noch vor Tisch dem Herrn Baron und — wie ich hoffe — auch Jhnen^ meine Damen, meine Pferde zeigen darf, dann wird es langsam Zeit." Er wandte sich an Dagmar: „Ist es Ihnen recht/ Komtesse, daß wir fahren? Oder möchten Sie sich noch etwas erholen? Eine Viertelstunde könnten, wir schließlich noch bleiben."
Sie widersprach: „Bitte k-d ich hin bereit. Und wenn wir nachher nicht zu schnell fahren t—/'■
„Sie werden mit Mir zufrieden sein, Komtesse," beruhigte sie der Landrat. Und! er hielt Wort
(Fortsetzung folgt.)
Die KW im Juli.
'I Von A. Burg.
Im vergangenen Jahre hat der reiche Monat Juli -auf Seffl Lebensmittelmarkt enttäuscht, da durch die große Dürre die Gemüseernte stark beeinträchtigt wurde und man für den einfachsten, Kohl später Preise anlegen mußte- die „unerhört" waren. Und diejenigen,, die gleich sagten,, daß alle -.Interpellationen" nichts nützen und di« zahlenden Hmcsfrauen stets die Leidtragenden feirt würden^ .habän recht behalten. Es' kann ja möglich sein, daß hei sehr rcrcher Ernte und sehr fruchtbarer Witterung int Laufe der nächsten Monate Gemüse, Kartoffeln und Obst wohlfeil werden!., Mit eine Kauptsorge der Frauen, deren Wirtschaftsgeld nicht ich ßleichen Maße steigt wie die Preise,, find die Kartoffeln. ,®ie auK> ländischen „neuen", aus Frankreich und Italien, bleiben merkwürdigerweise teurer als sonst, Vs Kg. kostet IQ—15 Pfg., längi- liche von dm kanarischen Inseln sogar 20—25 Pfg. - Doch entschließen sich Manche sparsame Frauen lieber zu diesen NenlmgeN, als daß sie noch alte kaufen- bte vielfach schon keimen und schon! wieder NM IQ Pfg. für 10 Pfund teurer sind. Wenn wir itl anbetracht der großen Wichtigkeit der Kartoffel, di« fast ihren Ruf,- ein billiges Äolksnahruugsmittel zu sein, in bett letzten Jahren


