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Sie tyatte, während sie so sprach', es vermieden, ihn «nzusehen, und auch er hatte zartfühlend seinen Blick vor sich hingerichtet.

Arme, arme Frau!" Leise klangen nur die Laute^seiner Weichen, tiefen Stimme an ihr Ohr.Und in dieser Seelen­verfassung schenkten Sie seinem Kinde das Leben?"

Ja!" Ein dumpfer, stöhnender Laut brach sich von ihren zusammengepreßten Lippen, es Ivar wie ein ver­spätetes Echo all des unsagbaren Jammers, der damals ihre Brust zerrissen hatte.

9hnt zog es seine Blicke unwiderstehlich zu ihr hin. Wie selbstverständlich griff er zu ihrer Linken, und wie bei einer Patientin hielt er diese kalte, zuckende Frauen­hand zwischen seiner: Fingern, die mit sanftem, streicheln­den Druck ihr tröstend Ruhe geben wollten. Und es war ihr wirklich, als fiihle sie es lindernd und wohltuend, aus seinen festen, ruhigen Händen zu ihr überströmen. Ein warmes Dankesgefühl gegen ihn quoll heimlich in ihr auf.

Gefaßt zog sie nach einigen Augenblicken ihre Linke von ihm zurück und, sich ausrichtend, tief Atem holend, erzählte sie weiter:

Lassen Sie mich über die schwerste Zeit meines Lebens schnell hinweggehen. Erst hofste ich noch immer, meinen Mann zurückgewinnen zu können ich wäre ja bereit gewesen, um meiner aufrichtigen Liebe willen, ihm alles zu verzeihen. Aber ich muhte allmählich erkennen, daß der Bann, in den ich ihn einst gezogen hatte, für immer zerrissen war. Da hoffte ich wenigstens noch, daß er um oes Kindes willen sich besinnen würde. Doch auch dies Hosfen war vergeblich. Sein Kind war ihm nicht nur glerchgültig, nein, er haßte es fast war es doch nur eine Fessel, die ihn unlöslich an mich knüpfen sollte. Um so toller trieb er es daher nur, schließlich so rücksichtslos und schamlos, daß meine Frauenehre dem Gespött aller preisgegeben war. Da beschwor ich ihn, wenn er schon mich nicht liebte, mich.doch als die Mutter seines Kindes zu achten und zu schonen, aber ein höhnisches brutales Wort war die Antwort. Er gab mir flar zu verstehen, daß ich ihm schon gerade genug zur Last sei. Seine Frei­heit, seine Zukunft habe er durch diese spießbürgerlichen Eheketten verscherzt er wolle rein Wort mehr hören!"

Ein Zittern erschütterte ihren Leib noch jetzt in der Erinnerung an diese Schmach, und gequält fuhr sie fort:

In dieser Stunde erstarb der Rest meiner Liebe für ihn. Ich haßte, ich verachtete ihn seitdem; aber dennoch blieb ich bei ihm und das war das furchtbarste Opfer, das ich mir auferlegte! ich blieb bei ihm, um des Kindes willen. Es sollte mich nicht dereinst mit sttllem Vorwurf nach seinem Vater fragen. Aber diese entsetz­lichen Jahre haben mich innerlich zugrunde gerichtet. Ich war ja wie ein Hund, der trotz tagtäglicher Fußtritte bei seinem Herrn in sklavischer Treue verweilt. Ich konnte mich selbst nicht mehr achten, ich hatte einen Abscheu vor mir, und dennoch, dennoch hielt ich aus!"

Und was alles in jener Zeit an Eklem sonst noch an. mich herankroch. Mein Unglück war ja stadtbekannt, da hielt es jeder der Herren unseres Verkehrs für feiif gutes Recht, sich derarmen, kleinen Frau" zu nähern, um ihr auf seine Art Trost zu spenden! Ah!" es flammte sprühend in ihren Augen auf, wie sie sich nun ihm leiben» schaftlich zuwaudte,ich habe die Männer verachten ge­lernt, noch mehr fast als jene Frauen, die an meinem Unglück Schuld trugen!"

In heftigster Erregung hob sich ihre Brust.

So ist Ihnen also nichts erspart geblieben!" Fast erschüttert sagte er es.Aber wie wnrden Sie endlich von jenem Elenden frei?"

Er lief davon. Er!" Mit hohnvollem Auflachen stieß sie es aus.Das Leben an meiner Seite wäre ihm un­erträglich der Künstler in ihiu ginge darunter zugrunde! Mit einer jener Seelenfreundinnen, die sich seiner so opfer­freudig aunah'men, ging er in die Welt hinaus, zu einer großen Konzerttournee im Auslande. Erst brach ich fast zusammen unter diesem letzten Schlage. Dann aber kam es über mich tote ein Gefühl der Erlösung: so war ich. also denn nun wirklich endlich frei von ihm! Ich hätte auf meinem Platz ja ausgehalten bis zum Umsinken, aber zr selbst hatte die Trennung herbeigeführt."

So hatte ich mir vor meinem Kinde denn nichts vor- zsttoerfen, und ich klagte nun meinerseits auf gerichtliche Scheidung der Ehe, die er ja bereits tatsächlich aufgelöst

hatte. Da es sich um bösliches Verlassen handelte jene anderen Vergehen wollte ich nicht zum Gegenstände etnes skandalösen Prozesses machenso dauerte die Entscheidung lange. Bor Jahresfrist erst ist daher das Urteil gesprochen worden, das ihm die Schuld beimaß und mir das Kind! beließ. Das war denn das Ende."

Mit einem tiefen Seufzer llang iHv trauriger Bericht aus. Die Erinnerung an jene Lewenszeit hatte all das schlummerilde Weh in ihrer Brust wieder wachgerufen, daß es in tausend Wundert qualvoll brannte; und dennoch war es ihr eine wohltuende Erleichterung, daß sie darüber ge­sprochen hatte. Zum erstenmal! Noch nie hatte je ein Mensch von ihr all das gehört.

Schweigend ging ihr Begleiter neben ihr her, tief ge­senkten Hauptes; plötzlich aber blieb er stehen und hielt ihr beide Hände hin.

Halten Sie mein Schweigen nicht für Teilitahmslosig- fcit. Im Gegenteil" aus feinen Augen leuchtete es jetzt warm auf, und seine Stimme war bewegtich bin tief ergriffen von Ihrem Geschick. Was hat das Leben Ihnen getan. Sie arme, arme Frau! Wenn ein Wunsch aus inner­stem Herzen helfen könnte, so möchte ich in dieser Stunde vom Himmel alles Gute für Sie erbitten. Könnte ich Ihnen doch irgendwie dienen! Aber wie traurig, daß ich Ihnen nichts geben kann."

Sie haben mir viel gegeben," mit innigem Dank drückte sie seine Hände,mit Ihrer Teilnahme, Ihrem Verständnis. Ich habe mich ttach solcher Aussprache ja jahrelang gesehnt."

Sie hatte sich wieder frei von ihm gemacht und begann nun langsam den Weg am Strand nach der Stadt zurück- zugchen.

In Ihrer Heimat haben Sie niemanden, zu dem Sie sich aussprechen könnten?" so nahm nach längerem Still­schweigen der Arzt das Gespräch wieder auf.

Keinen," erwiderte Frau Söllnitz.Sogenannte gute Bekannte zu Dutzenden aber niemanden, dem ich mein Inneres zeigen könnte."

Nun verstehe ich freilich Ihr Wort vorhin. Wirklich, Sie haben recht. Man kann mitten in der Gesellschaft einsamer sein, als in der Wildnis."

(Fortsetzung folgt.)

Die ttüche im April.

Von A. Burg.

Zn seiner ersten Hälfte noch als etwas schwieriger Küchen- monat der Ucbergangszeit bekannt, bietet der April in der zweiten Halste dann schon viele junge frühlingsmäßige Gemüse: Spargel, junge unreife Stachelbeeren, heimischen Kopfsalat, schönen groß­blättrigen Spinat u. a. m. Namentlich aber für den grünen Donnerstag gilt neben dem Spinat der junge Sprossenkohl doch damit wären wir bereits glücklich bei der bekannten Oster- kräutersnppe und dem traditionellen Osterlamm.

Um mit der Ostersuppe zu beginnen, so hat die moderns Küche mit dem alten Aberglauben gebrochen, es müßten gerade jene drei mal drei Heilkräuter, angefaitgen von der Schafgarbe bis zum Korbelkraut, dazu verwendet werden, sondern mau läßt das eine oder andere aus der Neunzahl fort, gibt oft Sauerampfer ober Spinatblätter dazu, wobei freilich Petersilie und Schnittlauch, sonst als Würzkräuter sehr beliebt, nicht in Frage kommen, da bereit intensives Aroma das zarte, bitterliche der Wildkräuter ver­drängt. Tas Osterlamm soll eigentlich einrichtiges" Lamm fein, d. h. ein junges Schaf, welches noch keine andere Nahrung als Milch gehabt hat. Vielfach wird dieses Fleisch aber als etwas zu weichlich empfunden, weshalb es gar nicht schadet, wenn das Lamm neben der Milchnahrung schon ein wenig Weide- futter, wie Gras, Kräuter usw. erhielt.

Lammrücken und die beiden Lammkeulen geben, schön gespickt, in Butter mit Zugabe von saurer Sahne gebraten, einen seinen Ofterbraten. Tie Verwendung des zarten. Lammfleisches als Ra­gout, als Paprikafleisch, auf Wiener Backhähulart ober zu einem pikanten Sardellen-Lammfleischgericht? all diese Arten sind der deutschen Küche nicht allgemein bekannt und geben doch sämtliche sehr frühlingsmäßige Mahlzeiten. Zum Ausbacken in kochendem Fett eignet sich Lammfleisch vorzüglich: Man schneidet handgroße, singerstarke Scheiben, klopft und salzt sie, wendet sie in Mehl, verquirltem Ei, bann in gesiebter geriebener Semmel und backt sie, in reichlichem kochenden Schweinefett schwimmend, auf allen Seiten goldbraun, hebt sie mit dem Schaumlöffel heraus, bestreut sie mit feingehackter Petersilie und gibt sie ent­weder mit Kopfsalat ober Brunnenkresse ober mit einem warmen, feinen Gemüse: Schoten, Karotten, Spinat, Sauerampfer ober Sprossenkohl. Zu Paprikafleisch fdjneibet man bas Lammfleisch tu große Würfel und gibt diese in mit einigen zerhackten Zwie­beln gelbgemachte Butter ober Schweineschmalz, läßt sie darin