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durchrösten, streut tine Spur Paprika und ein bis zwei Lössel Mehl darüber, füllt Wasser oder Brühe dazu, läßt das Fleisch weich dünsten und kurze Zeit vor dem Anrichten alles noch mit etwas dicker Sahne verkochen. Dazu schmecken Bratkartoffeln oder Kartoffelmus vorzüglich. Zu Lammfleisch mit Sardellen hackt 150 Gramm gewässerte, geputzte Sardellen, 34 Schalotten und 150 Gramm fetten Speck und mischt dies gut, enthäutet eine Lammkeule und sticht mit einem Quirlstiel mehrere Löcher in das dicke Fleisch. In diese Löcher dann gibt man mittels eines Löffels kleine Klümpchen der Sardellenmischung, legt das Fleisch in gelbgemachta Butter und brät's darin an, füllt siedendes Wasser oder Brühe auf, läßt das Fleisch bei fleißigem Begießen weich dämpfen und verkocht, wenn es herausgenommcn ist, die Sauce mit etivas Kartoffelmehl und macht sie mit ein paar Teelöffeln voll Kapern pikant.

Beliebte Ostersestbraten sind ferner der Schinken mit Wein­sauce (Madeira oder Burgunder natürlich) und sodann be­treibt man zum Fest, und sei's als noch so altmodisch verschrien, das Eifärben: mit Zwiebelschalen gelb und braun, mit Safran gelb, mit Blauholzspänen blau, mit Fernambukholz rot, mit gehobeltem Rotkohl dunkelviolett, mit Spinatblättern grün (wobei man außerdem fertig käufliche Eierfarben hat).

Ein sehr gutes Eiergericht der neuen Küche, das sich sür den Abendtisch oder als Zwischengang eignet, sind Tomatcneier: Man sucht gleich große, runde Tomaten aus, schneidet sie unten et­was ab, damit sie stehen, höhlt sie sehr vorsichtig aus und stellt sie in eine feuerfeste Tonform mit halbhohem Rand in zerlassene Butter, läßt sie über gelindem Feuer in der Butter leicht andünsten Und schlägt dann vorsichtig in jede Tomate ein rohes Ei, streut etwas Salz und weißen Pfeffer darauf und läßt die Eier wie Setzeier stocken, bis das Weiße ganz fest ist (die Säure der To- mateu läßt dies ziemlich schnell geschehen). Man kann die Form auch in den schwachheißen Bratofen stellen, damit die Tomaten und die Eier von oben etwas Hitze erhalten. Tas Gericht wird in der Form aufgetragen.

Eine schmackhafte Schüssel zum Abeirdessen ist ferner ein Eiersrikassee nach englischer Vorschrift. Tie Eier werden hart­gekocht, nach dem Verkühlen geschält und je in 45 Teile (von oben nach unten) geschnitten. Zur Sauce dünstet man in zer­lassener Butter eine Handvoll geputzter, gehackter Champignons, 12 gehackte Schalotten und 12 Eßlöffel gehackte Petersilie durch, gibt Pfesfer und Salz dazu und läßt dann 2 Eßlöffel Mehl darin gar und gelb werden, gibt eine Obertasse dicke süße Sahne dazu, läßt alles gut heiß werden, die Eierstücke vorsichtig in der Sauce einmal auskochen und macht das Gericht nach Belieben mit einem Löffel Senf oder etwas Zitronensaft pikant.

Frischer Spargel dürfte! als Ostergemüse für die meisten Haus­frauen noch zu kostspielig sein: da behilst man sich eben mit dem konservierten. Eine weitere Küchengabe sodann bilden die Morcheln, ein echtes Saison-Pilzgericht. Indes : mit Augen und Nase aufmerksam beim Verlesen! Durch ihren Wasserreichtum gehen Pilze sehr leicht in Fäulnis über, und die kleinste an- gesaulte Stelle enthält ein schädliches Gift. Morcheln sind auch sehr oft und sehr sorgsam zu waschen, wobei man sich einer kleinen Putzbürste bedienen kann, damit alle Steinchen und Sandkörnchen gut entfernt werden. Wenn sie auf dem Siebe abgetropft sind, stellt man sie in einer großen Kasserolle mit reichlichem falten) Wasser aufs Feuer, läßt das Wasser zum Kochen kommen, die Pilze dreimal gründlich aufkochen, und gießt das Wasser fort, welch letzteres niemals zur Bereitung von Suppen oder Saucen mit Morchelgeschmack verwendet werden darf, weil die ettva schädlichen Teile der Pilze hiueingekocht sind. Nun kann man die Morcheln in Butter schmoren oder zu Suppen und Saucen oder Gemüse verkochen; mir bloßes Abbrühen mit kochendem Wasser ist nicht anzuraten, weil das nicht so wirksam die den Pilzen anhaftenden Schädlichkeiten vernichtet!

Eine sehr feine Zusainmcnstellung für Frühlingsgcmüse sind Morcheln mit Spargel und Karotten, und trotzdem die offizielle Krebssaison erst mit dem Mai beginnt, fehlen die dazugehörigen Krebsfchwänze selten.

Tie Apfelsinen dieses Jahres, die reichlich und billig zu haben waren, übertreffen die des vergangenen an Güte, Aroma und Süßigkeit um ein Beträchtliches. Jetzt gerade haben sie ihren höchsten Wohlgeschmack erreicht und werden für den Nachtisch und in der Küche sür Herstellung von Cremes, Aufläufen und Back­werk 'besonders gern verwendet. Dazu gesellen sich die Auanas- früchte, die gleichfalls ganz saisongemäß sind, und hier haben wir neben kalten Speisen und warmen Ausläufen neuerdingsau$= gebackene Ananasscheiben", d. h. man schneidet die geschälte Frucht in Scheiben und hüllt sie in folgenden Ausbackteig: 56 Eidotter Werden mit 125 Gramm bestem Weizenmehl, etwas Zucker und zuletzt dem steifgeschlagencn Eiweißschnee vermischt und aber der Teig muß die Fruchtscheibe ganz dicht umhüllen. Man legt sie dann sofort in reichliches, dampfendes, gutes Ausbackfett (halb Schmalz, halb Butter), läßt sie auf beiden Seiten hellbraun Lacken, nimmt sie mit dem Schaumlöffel heraus, legt sie zum Abfetten auf Löschpapier, dann auf eine erwärmte Schüssel und bestreut sie mit feinem Zucker. Tas Fett nruß sehr heiß sein, wenn die Schnitten hineingelegt werden, damit es beit Teig

überrascht", so daß er sofort kroß bäckt. Andernfalls zieht nur das Fett in den Teig ein und macht ihn unschmackhaft. Erst wenn das Fettstill" geworden ist, also nicht mehr in der Kasserolle bm bekannten zischenden Ton von sich gibt, hat es den rechten Grad der Hitze erreicht.

Die geheime Orkan-Gesellschaft.

Eine Wetter-Novellette von Paul Scheerbart«

Es war sehr stürmisch.

Drei alte Gauner saßen in Kopenhagen bei Kaffee und Krichep Und blickten gedankenvoll in den wilden Sturm hinein.

Schuster sagte dann:

Ich glaube, daß wir dieses ganze Jahr sehr viel Sturm haben werden."

Damit," rief Lorenz,muß ein Geschäft zu machen sein« Wir schreiben heute erst den 27. Januar 1913. Wenn wir wissen, daß dieses ganze Jahr sehr windig ist, dann gründen wir hier eine ganz feine Sache."

Das Wetter dieses Jahres kann ich erfahren!" sagte der Jakob.

Und nach acht Tagen kam der Jakob wieder zu Schuster und Lorenz und sprach geheimnisvoll:

Wenns in diesem Jahre mehr als dreißig windstille Tage gibt, könnt Ihr mich verhauen. Ich bin famos über das Wetter orientiert, sag aber nichts Näheres. Das bleibt mein Geheimnis."

Lorenz sprach:

Jakob ist empfindlich. Der weiß, haß dieses Jahr eklig windig wird. Ich will Euch darum sagen, wie wir dieses toinbige Wetter zu Geld machen können. Dazu muß ich aber weit aus- holen. Bestellt erst Importen und Whiskey mit Soda."

Es geschah. Man rauchte und trank.

Lorenz lächelte verschmitzt. Dann sprach er hastig und leise!

Ihr wißt, daß der Klugmaschinenbau unheimliche Fort­schritte macht; wir haben bald so viel Flugmaschinen wie Auto­mobile. Ihr wißt auch, daß die Zahl der lenkbaren Luftschiffe täglich größer wird. Die Ballons werden auch immer größer und tragen immer Mehr. Ueber den großen Städten Europas fliegen in der Nacht Lenkbare mit erleuchteten Reklamefchildernl in allen möglichen Farben."

Werde nicht poetisch," flüsterte der Jakob,das wissen wir ja längst."

Was hat das mit dem Orkan zu tun?" fragte der dicke Schuster.

Dabei rüttelte der Wind an den Fensterscheiben und fuhr äcfoenb und stöhnend Um die Straßenecken herum.

Lorenz zündete sich nochmals seine Zigarre an und fuhr danach fort:

Wer was erzählt, muß auch seine Zuhörer zu spannen wissen. Die müssen immer neugierig sein auf das, was nun folgt. Ihr seid schon neugierig. Ich freue mich, daß ich spannend vortragen kann. Freue mich sehr darüber. Aber ich will Euch gleich in medias res führen in den Kern der ganzen Sache. Seht an: diese Entwicklung der modernen Luftschiffahrt hat die Re­gierungen Europas sehr, sehr unangenehm berührt. Man fürch­tet sich schon vor der Lustschiffahrt. Was will die Zollbehörde machen, wenn die Flugmaschinen zu Tausenden über die Grenze sausten? Ha, die Zollbeamten sind schlimm daran. Aber wißt Ihr auch, wer am allerschlimmsten dran ist? Wißt Ihr das noch nicht? Wißt Ihrs nicht?"

Schuster und Jakob sahen ziemlich unbeholfen in die Tabaks­wolken und tranken aus. Verlegenheit den Whiskey ohne Soda«

<Lorenz fuhr fort:

Na ich wills Euch schlankweg sagen: die Militärbehörden Europas sind am schlimmsten dran. Sie können jetzt nicht mehr behaupten, daß ihre Kriegsheere und Seeflotten so viel wert sind wie vor der lenkbaren Luftschiffahrt. Was nützen denn die großen Landheere, wenn die Luftarmce blitzschnell über sie hinwegfliegt und Tausende von Zentnern mit Dynamit in die großen Städte wirft? Wozu nützen die Festungen? Der Luftsoldat läßt sie einfach links liegen und fliegt zur Hauptstadt des Feindes, allwo das Dynamit, das von oben kommt, seine Wirkung nicht verfehlt. Auch die Kriegsschiffe sind schlimm dran; sie sind vor dem Dynamit der Lüfte am allerwenigsten zu schützen. Wenn ein bis zwei Zentner von diesem ebtot Sprengstoff auf Deck fliegen, bann fliegt das ganze Schiff ins Jenseits."

Lorenz lachte, baß bie Wände dröhnten.

Jakob lächelte verschmitzt.

Schuster steckte seine Zigarre wieder an, da sie ihm a'us- gegangen war.

Die Importen brennen schlecht!" sagte Jakob.

Nun kommt aber erst der Knalleffekt des Lorenz!" Also sprach Schuster, ohne eine Miene zu verziehen. Schuster und Jakob sahen den Lorenz erwartungsvoll Lorenz sagte:Ja, jetzt kommt der Knalleffekt."

Wir sind gespannt!" bemerkte Schuster und paffte mächtige Rauchwolken in die Luft.,

Draußen tobte jetzt ein echter Orkan.

Darum flimmerten sich die drei Herren ganz und gär nicht.