76
Siebaktion: «. Sieurath. — Rotauousdruck und Verlag der Vrützl'schen UnwerstiätS-Buch- und Stembruderet, St. Lau««, ®wfcn.
Flammeri — eine Art nordischer roter Grütze, die dann^ allerdrngs nicht rot, sondern graugrün aussieht — daraus bereiten oder wie in England — gute Frucht-Marmelade davon kochen, die sich nur, trotz dicken Einkochens mit dem konservierenden Zucker ntch so lange hält wie andere Frucht-Marmelade. Oder aber man stellt etnen Rhabarber-Pudding her, d. h. schn«det einige reckt zarte abgeschälte Rhabarberstengel in Stückchen, so day das ungefähr 350^-500 Gramin Gewicht ausmacht, dunstetsteln sehr wenig Wasser - weil der Rhabarber ment genügend Saft aibt — mit etwas Weißwein, ZitronensckMle und Zucker weuq und stellt sie kühl. (Wer es liebt, mag auch etwas gestoßenen Zimt und eine Handvoll gereinigter Korinthen dazu geben.) 250—300 Gramm gute Butter ivird zu Sahne gerührt, dazu fügt man bei beständigem Rühren 5—6 Eidotter, 2o0—350 Gramm geriebene gesiebte Semmel, 80—100 Gramm Zucker, den g» dünsteten Rhabarber und den steifgeichlagenen Schnee der 5—b Eiweiße, füllt die Masse in die mit Butter ausgestrichene, mit geriebener Semmel bestreute Puddmgform und laßt den Pudding im siedenden Wasserbade l1/*— IV2 Stunden kockM. ®ie]er warme Rhabarberpudding - zuletzt aus eine erwärmte Schussel gestürzt und eine Weinsauce dazu gereicht, bildet eine sehr beliebte saisongemäße Nachspeise. Und da wir gerade von warmen Nachtischspeisen sprechen, die sich mehr und mehr wieder Tisch und Tafel erobern, so sei auch gleich ein Wnn-Auflauf erwähnt, der besonders bei den Herren viel Anklang finden durste, da er doch herzhafter und kräftiger schmeckt als die von vielen gehaßten
Wein-Auflkuf zu bereiten, röstet man 300 bis 350 Gramm geriebene gesiebte Semmel über gelindem Feuer in 100—135 Gramm zerlassener Butter gelblich und gießt V» Liter SE Kochgrad gebrachten siedendheißen (sehr guten und starken.) Weißwein darauf, läßt unter Rühren die Masse zu stersem Brei werden und schüttet sie zum Ab kühlen in eine Schussel. Wenn der Brei kalt ist, rührt man 200-^250 Gramm Butter zu Sahne, gibt nach und nach 8—10 Eidotter, etwas Zucker und aus Zucker abgeriebene Zitronenschale, sowie eine Prise seinen Zimt, chne^- weise den mit Wein verkochten Semmelbrei und zuletz die zu steifem Schnee geschlagenen 8—10 Eiweiße dazu, füllt bie Wfie in eine feuerfeste Backform oder AuslauNorm, laßt den Auflauf ungefähr eine Stunde im Ofen backen und bringt ihn sofort in
^en"beliM^E auch ein Reisauflauf mit Burgunder: 300 Gramm Reis werden gespült, abgetropft, zehn Minuten mit kochendem Wasser über dem Feuer abgewellt, wieder abgetropft, dann in genügender Milch ober Sahne nebst Zucker und einem Stückchen Zimt langsam weich geanellt, aber so, baftbei Reis noch körnig bleibt. Sobald er verkühlt ist, gibt man WO Gramm sehr gute zerlassene Butter und 5—b Eidoiter, nach Bedarf noch Zucker dazu, zuletzt den steifgeschlagenen Schnee der Eiweiße, füllt die Masse in eine mit Butter ausgestrichene, mit geriebener Semmel bestreute feuerfeste Form und laßt den Auflauf 1 ,2
Stunden backen. Eine Flasche Burgunderwein kocht man in gut verdeckter Kasserolle mit Zucker, Zimt, Zitronensck)ale und zwe, im Mörser gestoßenen, durch etn Sieb gerührten gerosteten Zwiebacken auf, rührt diese Sauce nochmal durch ein Sieb, .lasst sie vorsichtig wieder heiß werden und gibt den Weinguß in einer Sauciere zu dem Auflauf ober gießt ihn nach und nach langsam über den Auflauf so, baß er tn die gebackene Reismasse einzieht. (Die Speise Muß sofort aufgetragen werden.)
Neuerdings verdanken wir deutschen Hausfrauen in den Kolonien, die heimische Gerichte dortigen Produkten anpassen, manche Unregung» den nahrhaften Reis in verschiedenster Art mit Fruchten und Fruchtsaft zu vereinen: wie Reis mit Bananen oder mit Ananassaft: und da die Banane sich jetzt auch einen öauptplatz auf dem deutschen Obstmarkt erorbert hat, ist die Vorschrift zu Bananenreis vielleicht nicht unwillkommen. Der Reis wird nach Spülen und Abwellen mit Milch (ober auch nur mit Wasser und Zucker) fast gar gekocht, die Bananen geschält, in sehr seine Scheiben geschnitten und in den Reis getan, in welchem sie so lange auf heißer tzerdstelle ziehen müssen, bis der Reis weich ist.
Man gibt diese Speise warm ober kalt, Ananasreis dagegen stets kalt, wozu man eine ganze ober halbe Ananas frucht schält und in feine Scheiben schneidet, die man mit sehr viel feinem Zucker bestreut, mehrere Stunden stehen läßt, und bann ben Zuckersaft ab füllt. Der Reis wirb gespült, gebrüht unb dreimal, jedesmal zehn Minuten, in siebendem Wasser abgequellt, worauf er — nach dem dritten Mal — halbgar fein wird; bann stellt man ihn nebst dem Ananassaft über sehr schwaches Feuer unb läßt ihn langsam damit vollenbs weichquellen, mischt bte Fruchtstücke zuletzt darunter und stellt bieSpeise kalt. Nach Zucker ist natürlich sorgfältig abzuschmecken, wie sich auch dieses von selbst versteht, daß dieser Ananasreis auch mit kleinen Ananasstreifen ober -scheiben belegt wird.
In seiner letzten Hälfte bringt der Februar den Fastnachtstag, unb damit die Hochsaison des Schmalzgebäcks: der Muzen am Rhein, der Karpfen in Süddeutschland, der Pfannkuchen in Norddeutschland, speziell in Berlin, der Hebewecken in Mecklenburg imb an der Wasserkante, der Pförtchen in Holstein. Und natürlich
Punsch! Ohne Punsch-kein Fasttmchisfest: selbst irn Kaiserschlotz an der Spree gibt es um Mitternacht beim Fastuachtsdall Pfannkuchen und ben berühmten Schloßpunsch, zu bem ein ganz ve- sonders edler alter Rheinwein verwendet wirb.
vermochte».
kf. Der Gesangwett st reit engli! cher und ft an« zöstscder Schulkinder Aus Pfinq'ien wird Paris etn grones internationales Mnsikiest Geiern, und die Veranstalter sind auf den Gedanke» gekommen, gleichzeitig einen Sangwettiireit unter ecqui- kindern z» veranstalten. Die Stadt Paris hat eine Einladung an die englischen Schulbehörden ergehen lasten, und so werden denn sranzösische und englische Sctnilkiiider um di« Siegespalme singen. Für die Unlerkunst und alle anderen Vebiirfnisje der Kiemen will Paris sorgen, unb nur das Fahrgelb soll von den englilchen Städten, ans denen die Schulkinder kommen, beiirttteii werden.
• Ueberernährung bet Flaf^henftnbertt. Iler in ber Praxis als Arzt oder fonftiuie mit Säuglimien zu tun hat, stößl immer wieder auf die Tatsache, daß eine große 'Anzahl von .Bindern im ersten Lebensjahre überfüttert ober, rote man es gewöhnlich nennt, überernährt wirb, d. h., daß die Rinder, 6"»ä abgesehen von salschen Blilchmischungen unb unrichtigen Ziuatzen (Nährvräparate uiro.), öfters Nahrung und mehr erhallen, als zu- träqlich ist. (Sine Ueberernährung kann burch iitivernimniges hattNges Anleaen auch bei gestillten Kindern öorfommen doch sorgt da bte Natur schon selbst für einen vernünftigen Ausgleich, *nöets bet
ber künstlichen (widernatürlichen) ErnäHrnng: ba ist auch tu ^ezuq auf bte Menge ber Nahrung die größte Vorsicht notwendig Wenn irgend möglich, frage man ben21r.it; (Hebammen und Pfleget innen bürien ja, wie bekannt, keine künstliche Ernatzruns, verordnen.) ben Städten unb größeren Gemeinden belieben ubeiaü iin Lmtbe unentgeltliche ärztliche Beratungsu eilen; bereit Rat bewlge matt. — Viele Mütter geben ihren Kindern bte Flasche jedesmal, roetut sie tot eien; sie glauben, bas Schreien wäre ein Zetwen von Hunger. ES kann aber gerade jo gut ein Zeichen öatur sein und iit es oft, daß das Kind zu viel bekommen unb bte nutzere Mahlzeit noch nicht verbaut hat. Wir Erwachteneti bekoinmen doch auch Leibivetz, wenn wir zuviel efien; genau io gebt es deniKiide. Ter erwachsene 'Mensch bebarf regeltnamger Pausen zwis-,eii den einzelnen Mahlzeiten. Wie viel nötiger bat der zarte ü<aacti öe« Rindes diese Ruhevansen. Es würde keinem erwachsenen Menschen entfallen, nachts aufjultehen und eine tüchtige 'Mahlzeit zu >tch zu nehmen. Dem Kinde aber, das nachts ans irgend entern Grunde schreit, wirb sehr oättfig gleich die «ckasche tn ben Mund gefteat Dadurch wirb der 'Magen, dem die nächtliche tnebrllundtge Ruhe, pause entaelit, übermäßig angestrengt. Taß diese Arbettsubeilailung für den 'Magen unb die ganze Verdauung nicht gimiitg (em tau«, wird iedermann einieben. - Viele Müller wollen auch ent mog- lichit dickes Kind haben. Bei der Uebern.tierung. bie aus diese,» Wunsche entlieht, erkranken viele Kinder an Verdauungs- unb Eniähriingsstörnngett. 'Ilnbere halten es ans und roerceit sehr btef; aber bte Ersalirung hat gelehrt, bau bteie fetten Slniöer meist nicht bie gefunben l'inb, sondern einer zufälligen Erkrankung hausiaer ei liegen, als bas normal und uernünfiig ernährte Kind. Zebe 'Muller sollle sich also davor düien, ihr Kind »u uberfntteni
'Lebende Käfigvoaei vor den v,cbaufenftern von Vogelhanblungen sind, wenn es nicht allzu kalt ist, auch int butter teine Seltenheit. Wir sahen sogar mitunter bet Warfcin, et gern Wind solche Vögel in ihren Bauern ruhelos hm- unb hersprutgen ober ganz zusammengekauert sitzen. Tie Vogelhandler meinen, die Vögel seien an bte Kälte von bet freien Statur her gewohnt unb brausen bester daran, als brinnen in ben überheizten Raumen. Es ist jedoch ein großer Unterschied, ob etn Bogel in der Freiheit richtig Htn- und Hersliegen unb durch Bewegung sich erwärmen (atm, ober ob er tm schneidenden Winde tu einem engen Rang braunen hängt, wo er nur kur, umhertzopsen kann Ter grelle Abstmtb in bet Temperatur, wenn et aus bem beißen laden tn die Kälte hinaus kommt, ivird dem Vogel gew'i; auch mebt fl*»“«• Wie viele arme Vögel bald sterben ober den Grund eines spateren Leibens durch solche rücksichtslose Behandlung ba ontragen, er abrt „jemand. Jedenfalls würde der Zweck des Hinaushangetts, iiam- (ich das Publikum auf die Vogelhcnidlung aufmerksam zu machen, auch erreicht, wenn ausgesiovfte Vögel tn die Autzenkaiige getan würben. Wir bitten bte Vogelireunde, überall acht zu geben unb auf bte Vogeltzäudlet in bte|em Sinne einzuwirken.
Logogripy.
Zur Jugendzeit war scharf mein Augenficht, Gleichwie etn Tier mit ,.t“ vermag zu schauen. Jetzt bin ich alt, mit ,t“ Hais im Gesiu-tzt 9)1 ir Chronos' Meißel reichlich eingehauen. Tie greifen Augen werden schwächer täglich j So komm' ich oft zu bem mit ,1" gar kläglich»
Auslösung in nächster Nummer»
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer? Die Kunst gebt nach Brot.


