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' ,,Nun und — ?"
„'Zaraul hat mir der Herr diese Karte gegeben."
ryrau Käthe griff hastig nach dem Blatt, um dann hell auf- ^machen.
„Also gut," sagte sie dann, „führen Sie den Herrn in den ßalon."
Sichtlich erleichtert, schob sich die Zofe aus' der Tür. Es Wäre auch unrecht gewesen, wenn die Gnädige einen so netten Herrn, der eine einfache Meldung mit einem runden Zehnmark- Slück honorierte, wirklich nicht hätte empfangen wollen.
Inzwischen besah Frau Käthe die Karte noch einmal. Und Wieder brach sie in ihr perlendes Lachen aus. Aus dem ,,'Dr. jur. Hugo Strach, Referendar" war in den wenigen Minuten ein >,Dr. med. Hugo Strach, praktischer Arzt" geworden . . . . und diesem gegenüber hatte sie sich krank sagen lassen! Doch gleichviel i— in welcher Gestalt dieser Proteus il)r auch entgegentrat, heute Wollte sie ihm endgültig ihre Meinung sagen.
Wenige Sekunden darauf betrat sie den Salon.
Hugo Strach machte seine tadelloseste Verbeugung Und überreichte ein paar lose, sehr geschmackvoll gewählte Blumen mit einer so ruhigen Selbstverständlichkeit, daß es einfach unmöglich War, sie zurückzuweisen.
Sie dankte und wies auf einen entfernter stehenden Sessel. Hugo Strach hatte aber inzwischen bereits auf einem anderen Platz genommen und entledigte sich gesäKstsmäßig seiner Handschuhe. Sein frisches, von einem starken Schnurrbart und einer Tiefquart pointiertes Gesicht verzog keine Miene, als er schliesslich den Sessel dicht an die Causeuse zog, auf der Frau Käthe Platz genommen, und aufmerksam ihren Puls fühlte.
Ehe sie sich noch entscheiden konnte, ob sie lachen oder sich entrüsten sollte, hatte er seine Diagnose beendet. . . wenigstens blickte er sie jetzt mit tiefinnerlichem Verständnis an.
„Eigentlich, gnädige Frau, mühten Sie mir jetzt noch die Zunge zeigen. Da ich aber ein empfindlicher und mißtrauischer Mensch bin, so fürchte ich, daß Sie das besonders gern tun würden lunb deshalb--"
„Herr Doktor, ich muß bitten —wies ihn Frau Käthe mit schwer bewahrten! Ernst zurück.
Hugo Strach ließ sich jedoch nicht im geringsten beirren. Er schob seinen Sessel etwas zurück und hob den goldenen Knopf seines Spazierstockes unter das Kinn.
„Ihr Leiden ist unbedenklich, gnädige Frau. Es' ist die alte Geschichte, die ich beobachtete, seit ich die Ehre habe, Sie zu kennen: Mntipathia Strachiana — geflissentlich und unvorsichtig genährt, daher augenblicklich gesteigert; aber — — nicht unheilbar."
„Darf ich fragen, Herr Doktor, was Ihnen das Recht gibt, in dieser Weise mit mir zu sprechen?" fragte die schöne Frau, nun Wirklich geärgert! ,
„'Das ist schwer zu beantworten," erwiderte er mit einem tiefen Ausatmen. Es ist das Recht jedes Menschen, sich zu beklagen, wenn er schlecht behandelt wird. Nun — und Sie werden mir zugeben, daß Sie recht unfreundlich zu mir sind. . . auch heute wieder, wo ich mich so sehr darauf gefreut habe. Ihnen znit einem erfüllten Wunsche unter die Augen zu kommen."
„Einem Wunsche — von mir — —?"
„Ganz recht. Sie scheinen sich dessen aber .nicht mehr M Mtsinnen — —“
„Allerdings." 'II i -
; „Hm — —"
1 Hugo Strach sah einen Augenblick nachdenklich vor sich hin; dann machte er sein übermütiges und doch so unbewegtes Gesicht und sagte:
„In diesem Falle muß ich allerdings etwas werter ausholen, gnädige Frau. Genau ein Jahr, nachdem mein Freund Sörendsen, Ihr Herr Gemahl, das Zeitliche gesegnet, wagte ich zum erstenmal eine Andeutung, daß ich Sie liebe, und daß ich ein unvernünftig glücklicher Mensch werden würde, wenn Sie mir Ihr Hündchen fürs Leben reichen wollten. Sie wiesen mich damals ab . . . und Sie hatten recht. Ich war ein Flaneur, ein Nichtstuer, der dem lieben Herrgott den Tag stahl und das Geld ver- juckte, das er sich nicht verdient, sondern ererbt von seinen Vätern. Aber selbst das habe ich noch nicht einmal richtig verstanden -- denn es war zu viel. Sie sagten mir rund und offen, was ich wert war, und ich habe mir das zu Herzen genommen. Nach drei Jahren angestrengter Arbeit hatte ich meine medizinischen Studien in abgekürztem Verfahren beendet — und als ich h-off- nungsfroh mich Ihnen wieder zu nähern wagte, erklärten Sie mir, daß Ihnen ein Mediziner von Berufs wegen unsympathisch fei. Dabei hatten Sie die Güte, mir anzudeuten, daß die Juristerei Ihnen besser gefalle..."
Frau Käthe Sörendsen errötete — und nicht nur unter dem seltsamen Blick ihres Bewerbers, den sie in intimem Kreise als rhr „Fleckfieber" zu bezeichnen pflegte, sondern namentlich auch in Erinnerung daran, daß sie wirklich eine solche, immerhin ermunternde Bemerkung gemacht hatte.
„Ich begriff das vollkommen," fuhr Hugo Strach fort. „Ihr Gatte war auch Jurist. In weiteren drei Jahren habe ich nunmehr die erste «Stand zu dem ehrenwerten Stande eines Ministers erklommen, und wenn ich bei dem letzten Examen nicht durchfalle was bei dem Glück, das ich entwickle, so ziemlich ausgeschlossen.
ift — dann brauchen Sie nur zu wählen, vb ich meine forensischen Talente vor dem Landgericht I oder II betätigen soll."
„Ich habe nicht geglaubt, daß Sie aus einer nichtssagenden Bemerkung derartige Schlüsse ziehen würden," warf Frau Käthe herb ein — und doch schon etwas tiefer berütjrt von dieser ehernen Beharrlichkeit. Ja, es überkam sie eine Art von unverstandenem Bedauern, daß sie diesen Mann in ihren Zirkeln sozusagen als kornische Figur behandelt und sich die Möglichkeit ernster Erwägungen eigentlich abgesckMitten hatte. Ihr Blick war interessiert und nicht ohne Wärme.
Hugo Strach bemerkte das nicht. Er zeichnete mit seinem! Stock die Arabesken des Teppichs »ach. Erst nach cicher Pause antwortete er:
„Diesen Fehler habe ich ein bißchen spät eingesehen — nämlich erst vor vierzehn Tagen, als ngir Frau Geheimnat Michels erzählte, daß Sie eventuell nur einem Landwirt die Hemd reichen würden--"
Wieder eine Pause, die Fhau Käthe Sörendsen gerade-« qualvoll empfand. Jedes Wort wjar eine Ainklage — — uitlti sie mußte stillhalten.
Endlich fuhr er fort, indem er sich aus der gebückten Stellung aufrichtete üind sie mit einer eigenartig indifferenten Freundlichkeit ansah.
„Tie Erfüllung des Wunsches, mit der ich Sie heute übetoa raschen wollte, ist — — — daß ich seit gestern Landwirt bin.'1
„Herr Doktor —!"
Wie mit Purpur übergossen, erhlob sich die schöne Frau'. Auch Hugo Strach stand auf.
„Es ist das eigentlich die leichteste und am wenigsten zeitraubende Metamorphose, die Sie mir auserlegten, gnädige Frau," sagte er mit einfacher Verbindlichkeit, „und deshalb glaube ich ein klebriges tun _unb als 'Draufgabe noch einen anderen Wunsch erfüllen zu müssen, den Sie recht häufig geäußert . . . daß nämlich das „Fleckfieber" sich doch endlich verheiraten möchte. Ich bin seit gestern mit Fräulein von Rostberg, der ältesten Dochtes meines Gutsnachbarn, verlobt. . ."
Die ttüche im §edruar
Von A. Bur g.
Auf dem Wildmarkt ist nur noch männliches Dam- und Rohwild vorhanden, aus dem Wildgeckügelmarkt hingegen noch reichlich Fasanen, Birk-, Hasel-, Schneehühner, und ab und zu auch ein Auerhahn. Der junge Auerhahn, die junge Henne geben einen seinen Braten; $in älterer Auerhahn indes ist nur durch längeres Beizen schmackhaft zu machen — und zwar soll die Beize für Auerwild nicht allein aus Essig, sondern möglichst aus mit wenig Essig gemischtem Weißwein bestehen, zu dem man Zitronensaft, eine zerschnittene Zwiebel, Lorbeerblatt, Nelken, Gewürzkörner, Salz, zerschnittenes Suppengrün, Pfeffer, Thymiankraul und Petersilie fügt. Mau macht den Auerhahn, ehe er in die Beize gelegt wird, bratfertig und spickt ihn auf der Brust mit feinen Speckläden, die man in Pfeffer, Salz, gestoßenem Lorbeerblatt und gehackten Thymian- und Petersilienblättern gewendet hat. Nach 5—6 Tagen (wobei der Hahn jeden Tag in der Marinade zweimal umgewendet wurde) legt man ihn aus Speck- und Schinkenscheiben in eine passende Pfanne, besüllt ihn mit zerlassener Butter und einem kleinen Teil der durch ein Sieb gegossenen Beizflüssigkeit und läßt ihn auf dem Feuer oder im Ofen 3—4 Stunden bei fleißigem Begießen dämpfen. Wenn der Auerhahn weich und herausgenommen ist, wird die Brat- brühe entfettet, mit etwas Fleischbrühe verkocht, mit etwas Kartoffelmehl seimig und nach Belieben mit etwas Wein oder Zitronensaft pikant gemacht. Bei jungen Auerhänen, nur in Butter gebraten, kann man zum Schluß, kurz vor dem Anrichten, der Saure etwas Madeira zufügen.
Tas nordische Wildgeslügel, die Birk-, Hasel- und Schneehühner aus Rußland und Schweden, werden wie Rebhühner gebraten — ober gebetet und bann gebraten — oder gedämpft. Reste von Birkhuhn geben einen sehr feinen Salat für ein Abendgericht: Man schneidet das von den Knochen gelöste Fleisch in seine Stückchen, Würfel oder Streifen und ordnet sie in der Salatschüssel ans einer Unterlage von gewaschener, abgetropfter Brunnenkresse und Kopfsalatblättern, sowie feinen Scheiben von gekochtem erkalteten Sellerie. Von zwei bis drei rohen Eidottern, 4—5 Eßlöffeln tropfenweise dazugefügtem feinsten Speiseöl, Salz, weißem Pfeffer, Zucker, zwei geriebenen Schalotten, einem Eßlöffel feingehackter Petersilie, etwas Weißwein, Brühe und einer Spur Paprika-Essig ober auch einfachem Essig, rührt man eine ebene Salatsauce und fügt unter beständigem Rühren nach derselben Seite */i Liker geschlagene Sahne (Schlagsahne ohne Zucker) dazu. Die Sauce wird vorsichtig über den Salat gefüllt und muh 1—2 Stunden einziehen, die Scküissel schmückt man mit in Scheiben geschnittenen hartgekochten Eiern und Radieschen oder Kopfsalat ober Rapünzchen.
Auf dem Lebensmittelmarkt stellen sich die ersten junge» zartrötlichen Rhabarberstengel ein, von vielen Hausfrauen anS dem Grunde freudig begrünt, weil sie die Herstellung des ersten frischen Kompotts, ermöglichen. Man kann jedoch auch kalte«


