Ausgabe 
3.2.1912
 
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'einer banalen Phrase

wenigsten wehe tue.

Glückslasten.

Roman von Hanns von ZobeltiA«

(Nachdruck verboten.),

(Fortsetzung.)

Jäh brach das ganze kunstvolle Gerüst zusammen, das sie sich errichtet hatte. Mit einem Male stand es klar vor ihr: Sophismen waren es! Elendes FlicHverk war's, Scheingründe, auf nichts aufgebaut, als aus der lieben elenden Eitelkeit. Was sie sich selber nie voll zugestanden hatte, jetzt wußte sie es: nur die Aussicht, Prinzessin zu werden, hatte sie gereizt.

Nein! Nein! Und wenn es eine Königskrone wäre: Nicht ohne Liebe! Nicht ohne Liebe!

Nur mit halbem Bewußtsein hörte sie auf die Worte, die Hoburg sprach. >

Wer sie hörte dennoch aus ihnen heraus, daß es ehr­lich gemeinte Worte waren. Freilich auch Worte, die gewiß vorher sorgsam überlegt, zusammengestellt und ab­gewogen waren. Sie waren fast zu gut gewählt. Etwas Mühsames klang ans ihnen. '

Der Prinz sprach von Italien; sprach von der Fürstin, von der ersten Bekanntschaft. Er sprach von dem starken Eindruck, den ihre Persönlichkeit damals schon auf ihn ge­macht hätte, sprach von wachsender Neigung, von Liebe, die zur Leidenschaft werde...

Und Signe empfand: du darfst ihn nicht weiter reden lassen. Du mußt ihn unterbrechen. Er darf keine Hoff­nung en hegen. _

Wer sie konnnte sich noch mcht aufraffen. Zu zah, W gewaltig war der Gedanke noch in ihr: Nicht ohne Liebe? Nicht ohne Liebe! Eine erschütternde Erkenntnis war's, aus der'ein Glücksgefühl keimte: Gott sei gedankt - noch war es an der Zeit!

So sprach er weiter. Bon seiner Stellung und von der ihren, in Zukunft. Daß er heut als einen glücklichen Zufall preise, in die dritte Abteilung des Gothaer Alma­nachs eingereiht zu sein, trotz mehrfacher Proteste. Daß er nur dank dieser Einreihung ihr die volle Ebenbürtigkeit: biete» könnte mit Rang und Würde. Wäre es anders ge­wesen, so stünde er nicht hier. Und dann klang doch durch diese äußerlichen Erörterungen der heiße Ton:Ich liebe

Sie so sehr, Signe..."

Ja ... und nun mußte sie wohl unterbrechen, mußte Mitworten und ihn gehen heißen 1

Es wurde ihr schwer, das rechte Wort zu finden. Sie wußte sich sammeln. Nervös strich sie über die Stirn, fühlte jetzt doppelt das Unrecht, daß sie zu spät iprach, daß sie durch ihr Schweigen alle seine Hoffnungen be- stärkt hatte. Fühlte, daß sie ihn mit keiner banalen Phraje abfinden durfte. Und sann schmerzlich, wie sie ihm am

sie fast rührte. :de schwer ver-

Es war fast, als wollte er sich an ihrvielleicht' klammern. Er zögerte, sah zu Boden, blickte wieder auf. Und daun sagte er plötzlich und es klang ihr merkwürdig naiv nach all dem, wie er seine Werbung vorgebracht hatte: Vielleicht vielleicht gelingt es mir dennoch, mir Ihr Wohlgefallen zu erringen."

Das haben Sie, Durchlaucht. Nur

Nein, so meinte ich das nicht. Ich meinte ja mehr. Natürlich. Ich möchte nur bitten: lasse» Sie intr ent kleines Hoffnungsfünkchen."

Ich darf das nicht."

So erlauben Sie mir wenigstens . . . verbieten Sie mir nicht, mich Ihnen weiter näher» zu dürfen. Vielleicht, vielleicht lernen Sie mich besser kennen. Vielleicht habe ich Übereilt gehandelt. Vergessen Sie, was ich heut sprach "

Das geht nicht, Durchlaucht."

Es war eine Hartnäckigkeit in ihm, die sie fast rührte. Sie dachte unwillkürlich:ein anderer würde schwer ver­letzt gegangen jein. Zumal jemand in seiner Stellung. Und er bittet um Brosamen. Er muß dich doch wirklich sehr lieb haben .. . wett mehr, als du glaubtest.,

Aber ivar nichts wie immer im Leben, die Wahrheit das beste? , _ ,

So stand sie mit schnellem Entschluß auf: "Durch­laucht, ich danke Ihnen. Aber mein Herz weiß nichts von Ihnen. Das Ihnen ganz offen zu sagen, bin ich Ihnen schuldig."

Sie sah, wie sein blasses Gesicht sich noch mehr ent­färbte, wie es um seine Mundwinkel zuckte. Er schüttelte den Kopf: ,Lch fühlte das und ich kam dennoch. Ich liebe Sie so sehr, Signe, daß ich Ihre Liebe zu wecken mir zutraue."

Durchlaucht, ich bi» Ihnen volle Offenheit schuldig," gab sie schnell zurück.Ich wußte, daß Sie kommen wur­den, und ich war entschlossen, Ihren Antrag anzunehmen. Auch ich wollte der Zukunft vertrauen. Aber mit einem Male wurde mir Har: ich so wie ich bin! ich kann nicht ohne Liebe in die Ehe treten. Es wäre Sünde gegen Sie und gegen mich. Es wäre namenloses Unglück. Ver­zeihen Sie mir, wenn ich je in Ihne» eine Hoffnung zu­ließ, die sich nie erfüllen kann. Vergeben Sie mir wenn Sie können. Ich weiß, worauf ich in diesem Äugen­blick verzichte. Wer ich kann nicht anders."

Cie standen sich dicht gegenüber. So dicht, daß er den Hauch ihres Atems fühlte. Und Signe sah ihm nun voll in die Augen.

So gehört Ihr Herz einem andern!" rief er.

Nein, Durchlaucht. Bei Gott: nein! Mein Herz ist ganz frei. Vielleicht ich weiß es nicht" ein ganz kleines schmerzliches Lächeln ging über ihr Gesicht vielleicht erwacht es nie. Ich denke das bisweilen. Aber ohne Liebe ohne Liebe kann ich nicht vor de» Altar treten."