Ausgabe 
2.10.1912
 
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Mittwoch, den 2. Oktober

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Die Dame im Pelz.

Roman von G. W. Appleton.

(Nachdruck tierboten.) (Fortsetzung.)

WegnehMen? erwiderte ich; unsere Marcella weg- Uehmen? Das sollten die Schurken mal verssuchen. Das wollte ich mal sehen, wahrhaftig! Eharlch wird gleich kommen! Frag' ihn mal und hör', was er dazu sagen wird.

Und tatsächlich, Mortimer machte auch schon die Tür auf. Er hatte die Anzeige bereits gesehen und fragte gleich:

Wißt ihr das schon? indem er uns ein Blatt hinhielt und auf sdie Bekanntmachung! deutete. Da totr beide nickten, fuhr er gleich fort: N-m, was sagt ihr dazu?

Eine neue Wendung in der Sache, versetzte ich.

Ganz recht, und zwar 'ne recht schlimmegeberden sich zu frech. Diese Art und Weise überrascht mich, offen gestanden. Ich dachte, sie hätten von jener berühmten Cafe Mo Hal-Nacht her 'nen besseren Begriff von uns. Sie scheinen uns aber noch nicht genügend' zu kennen, Ted. Wahrscheinlich werden Sie uns später genauer schätzen lernen. Doch wollen wir nicht zu früh frohlocken. Ihre Methoden scheinen sehr roh beinahe verdächtig roh. Wie dem aber auch! sein mag, sie haben das Spiel begonnen und müssen bald die Karten zeigen. Dabei fällt mir eben etwas ein: hier habe ich dir 'nen kleinen Trumpf mit- gebracht, iden du vielleicht gelegentlich brauchen kannst und damit überreichte er mir einen feinen Revolver. Nimm dies .Ding an dich und steck' es irgendwo hin, wo du's jeden Augenblick zur Hand hast. Wir sind erst beim Vorspiel. Der Vorhang ist noch! Nicht mal aufgezogen. Ich weiß nicht, wie viele Akte das Stück haben wird, aber ich glaube kaum, daß es sich, um dn Lustspiel handeln wird. Doch, entschuld dige, mein lieber Ted, ich hätte beinahe vergessen, mich nach dem Befinden der reizenden Marcella zu erkundigen. Wie geht's ihr denn heute morgen?

Sie liegt noch, in süßem Schlummer, antwortete ich. Ich habe ihr ans Herz gelegt, nur möglichst viel zu ruhen. Doch glaube ich!, bis zum Lunch wird sie auf sein. Unter-f dessen schlage ich einen kleinen Spaziergang vor.

Wir entfernten uns nicht allzu weit und fanden uns wieder pünktlich zu Hanse ein. Nach dem Essen machte ich meine Visite, während mein Freund bei den Damen blieb1. Ich konnte deutlich erkennen, daß. ich überall als die Haupt­figur eines bekannten Geheimnisses betrachtet wurde. Da mein Wesen jedoch kein böses Gewissen zeigte, gestaltete sich die Inquisition nur ganz harmlos und milde, sp daß mir die Geschichte allmählich Vergnügen machte und ich die Sache verschiedentlich selbst aufs Tapet brachte und sie ganz scherzhaft behandelte; wodurch ich die Leute, wie

ich wohl merkte, viel eher von meiner völligen Schuld- losigkeit überzeugte, als wenn ich mich auf ernsthafte Ver­teidigungsreden eingelassen hätte.

Die schlimmste Arbeit stand mir freilich noch bevor: diese Neberzeugung auch meiner Tante Maria beizubringen.

Bevor ich mich auf den Weg machte, gab ich Gregory genaue Anweisungen, wie er sich in dem Falle, daß die Jorkinslcute während meiner Abwesenheit herauskämen, zu verhalten hätte. Dann nahm ich auch meine Schwester beiseite und schärfte ihr ein, gegen etwaige Ueberraschmm gen auf der Hut zu sein. Mortimer begleitete mich nach dem Bahnhose, von wo er nach der Stadt zurückfuhr, während ich mich meinem Ziel Putney zuwandte. Als. wir uns trennten, wünschte er mir viel Glück und frischen Mut.

Meine Tante bewohnte ein altmodisches, rotes Back­steinhaus am Rande des Ortes. Es Ivar von einem grö-i ßeren Garten umgäben, der durch eine Mauer von der Straße und den Nachbargrundstücken getrennt war. An einem der Eingangspseiler stand in großen schwarzen Buch­staben:Kastanien-Billa". Darunter befand sich der kupferne Griff eines Klingelzuges. Die Glocke machte einen riesigen Lärm, als ich daran zog, und gleich hinterher hörte ich Tritte im Garten. Es wurde aufgeriegelt und geöffnet, und vor mir stand Nephzibah, das Dienstmädchen meiner Tante, eine Person, die bei ihr alt und grau und infolge des beständigen Umganges mit ihr beinahe ebenso wunder­lich und altjüngferlich geworden war tote die Herrin selbst. Sie kannte mich. von Kindheit an und pflegte mich, daher ziemlich vertraulich zu behandeln.

iD, Sie sind's, sagte sie, endlich! Fräulein Donaldson erwartete Sie schon früher und ist in großer Aufregung darüber. Konturen ;©te rein. Mit diesen Worten führte sie mich ins Haus.

Das Innere desselben machte keinen sehr freundlichen Eindruck, und es kam einem immer der Geruch entgegen, den alte Roß'haarmöbel und Tapeten auszuströmen pflegen. Der Hausflur war düster und kalt, und da das Empsangs- zimnrer, wie sie sagte, noch iricht geheizt sei, führte mich Nephzibah ins Speisezimmer einen grab ähnlichen Raum mit Mahagonimöbeln und einer Reihe frommer Bücher in schwarzen Einbänden an den Wänden. Jnr Kamin brannte jedoch ein lebhaftes Feuer. Ich setzte mich daran, um mir die Hände' zu wärmen, und überlegte, wie ich meine Angelegenheit am besten Vorbringen sollte. Ich war jedoch! noch nicht weit in dieser Ueberlegung gediehen, als auch schon die Tür ausging und meine Taute hereintratz

Fräulein Donaldson war keine Schönheit und konnte auch nie in ihrem Leben eine gewesen sein. Sie war groß, knochig und eckig, hatte ein langes Gericht und so finstere Augen, daß. ein Blick aus ihnen genügt hätte, um den kleinen Gott der Liebe in Schrecken zu setzen und auf ewige Zeiten zu verscheuchen. Dazu trug sie damals ein grobes Gewand mit einfachsten und sitten-