Ausgabe 
2.3.1912
 
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ftellimg auf verschiedenen Gebieten dargeftellt. Man be­gegnet hier der Frau als Sammlerin, und es' ist ein über­raschender Eifer von Kennerinnen entwickelt worden, dem das Zusammentragen wertvoller Objekte zu danken ist. Die Frau im Beruf erscheint nun zunächst in ihrer Eigenschaft als Redakteurin von Tageszeitungen und als Moderedak­teurin. Proben ihrer Tätigkeit liegen in einer großen An­zahl von Exemplaren verschiedenartigster Zeitungen und Zeitschriften aus. Was die Frau in der Literatur bedeu­tet, ist allerdings so bekannt, daß die Bibliothek der Aus­stellung, die ungefähr 2000 Bände von geistiger Arbeit der Frauen umfaßt, nur noch gewissermaßen als amtliche Bestätigung dieser großen Werte ausgesprochen werden kann. Für die Frau in der Musik ist ein eigener schöner Raum' in der Ausstellung Vorbehalten. Hier treten uns die Mu­sikerinnen der Gegenwart in ihren Kompositionen ent­gegen, hier sehen wir die Frau an der pädagogischen und musikwiss enfchaftlich en Arb eit.

Die Beteiligung der Frau an Sport und Körperkul­tur ist in unserer sportfreudigen Zeit natürlich sehr rege. Die Ausstellung bringt Beweise dafür, indem sie die Frau zeigt, wie sie jagt, wie sie die Fechtkunst übt, radelt undj Wintersport treibt. Selbstverständlich ist die Ausstellung ein glänzender Beweis dafür, welche segensvolle Rolle die Frau in der Krankenpflege ausführt. Die Gruppen dieser Abteilung sind der Darstellung für berufliche Kranken­pflege und für die private Betätigung auf diesem Felde gewidmet. Ganz reizvoll ist die Gruppe, die die Frau in der Gärtnerei, selbständig und als angestellte Gärtnerin dar­stellt. Die Frau im Hause zeigt sich zunächst in der W- teilungDie Hausfrau in ihrem Werdegang". Eine Haus­haltungsschule zeigt die theoretische Ausbildung der Frau zur Hüterin des Hauses, die Gewerbeschule zeigt, in welcher Weise Frauen für die Handarbeit, für die Wäscheanferti­gung, für das Schneidern und für das Putzmachen aus­gebildet werden. Auf dieser Grundlage baut sich dann die Gruppe auf, die die Tätigkeit der Frau im hauswirtschaft­lichen Großbetrieb veranschaulicht. Hier erfährt man In­teressantes über die Schulspeisung, hier werden in Gas- lehrWchen Speisen zübereitet, die an das Publikum gegen Lösung von Marken verabreicht werden. Eine alkohol­freie Gaststube erbringt den Beweis dafür, daß man auch ohne Wein und Bier, durch andere wohlschmeckende Ge­tränke, seinen Durst stillen kann, während dann wieder drüben, auf der anderen Seite der Halle, eine überaus anheimelnde GaststubeZum grünen Baum" auch alko­holische Getränke birgt.

Was die Frau in der Hauspflege leistet, sieht matt an der Darstellung verschiedener Zweige auf diesem so viel­verzweigten Gebiet. In statistischen Tabellen und an Aus­stellungsobjekten erweist sich die Art, in der die Frau in den Kolonien für das Haus und für die Familie tätig ist. Man sieht da Nachweise über die Ergebnisse von Wohl­fahrtseinrichtungen in den Kolonien, ferner Modelle tro­pischer Wohn- und Wirtschaftsgebäude, eingemachtes Obst und konservierte Nahrungsmittel aus den Landesproduk- tcn der Kolonien. Der Pavillon für Jugendpflege um­faßt die Darstellung der verschiedenen Methoden, nach denen solche Kinder erzogen und beschäftigt werden, dre zwar rechtlich und tatsächlich einer Familie angchören, wo aber die Familie als erzieherischer Faktor versagt. Die Hausfrau auf dem Lande tritt uns auf der Ausstel­lung entgegen in den zahlreichen Ergebnissen ihrer posr- tiven Arbeit in der praktischen Landwirtschaft, in der Ge­flügelzucht und in der Schweinezucht. In der Industrie und im Handwerk ist die Frau unserer Zeit ein wesentlicher Faktor der Arbeit. Es sind imponierende Zahlen, die uns aus den ausgelegten Statistiken zeigen, wie sie die Beteiligung der Frau in diesen Berufen äußert. Wir fin­den die Frau in der Bekleidungs- und Textilindustrie, in verschiedenen Handwerken, in der Photographie. Und was die Frau in Handel und Verkehr für unser gesamtes Wrrt- schaftsleben bedeutet, das zeigt die Gruppe, dre dieser Tätigkeit der Frau gewidmet ist. Hier begegnet man der Darstellung von all dem, wäs uns auch sonst rm täg­lichen Leben'entgegentritt, > den Frauen tn den kauf­männischen und industriellen Gebieten, der Frau tn den Kontors, auf den Postämtern, in allen anderen Stätten, wo es auf genaue fleißige und gewissenhafte Arbeit ankonrmt.

Ein ganz gewaltiges Feld der Tätigkeit erschließt sich der Frau in der sozialen Arbeit. Die große Gruppe, dre

diese Arbeit zeigt, umfaßt die kirchliche und konfessionell« Liebestätigkeit, die kommunale Fürsorgetätigkeit, die Ar­menpflege, dann die Wohlfahrtsbestrebungen für Kinder und Jugendliche, und endlich die Fürsorge für Kranke und Gebrechliche. Die Frau im Bereinsleben wird dar­gestellt durch die Nachweise über die Tätigkeit des Bun­des deutscher Frauenvereine und dann in den Statistiken über die evangelische und katholische Frauenorganisation, sowie über die paritätischen Frauenorganisationen. In einer hübschen GruppeDie Deutsche im Ausland" soll gezeigt werden, daß die Frau von deutscher Geburt und Erziehung auch in dem nichtdeutscheu Lande,, das vom! Schicksal ihr zum Aufenthalt zugewiesen wurde, ihren Ein­fluß auf Kultur, ^Kunst und wirtschaftliche Fragen zweifel­los ausüben kann. Man sieht hier die Nachweise für die Arbeit deutscher Frauen im Ausland auf vielen Gebie­ten der öffentlichen Wohlfahrtspflege.Die Frau auf der Reise" zeigt den geistigen Niederschlag dessen, was reisende! Frauen erworben, in Wort und Schrift dargelegt haben. Zunächst ist es eine vollständige Reiseliteratur der Frau, die hier ganz besonders interessiert.

Der Vaterländische Frauenverein umfaßt in der Aus­stellung eine interessante Gruppe für sich. Seine Tätig­keit ist dargestellt, soweit sie sich auf die Krankenpflege^, den Haushaltungsunterricht und auf die Sorge für Schul­ender erstreckt, und auch seine segensreiche Tätigkeit auf dem Gebiete der Seuchenbekämpfung. erfährt in dieser Gruppe eine sinnfällige Darlegung. Dieser Gruppe schließen sich an verschiedene andere Ausstellungen von Frauen­vereinen und eine solche des Volksheilstättenvereins vom Roten Kreuz. Die Frau bei ihrer Arbeit in .Erziehung und Unterricht tritt auf als Kindergärtnerin, als Schul- pslegerin, als Volksschullehrerin, als Hauswirtschafts- und Handarbeitslehrerin. Die gewaltige Summe der Vorarbeit zur Heranziehung der Frauen für ihren künftigen Beruf und ihre Tätigkeit darin wird durch lehrreiche Nachwei­sungen dargestellt, die. sich auch auf die Lehrerin an den höheren Lehranstalten erstreckt. Auch die Frau als Biblio­thekarin erscheint auf der Ausstellung. Es sind hier Ar­beiten von Frauen ausgestellt, die entweder selbständig oder doch in wesentlicher Mitarbeit an Bibliotheken tätig rnd. Zum ersten Male liefert die Ausstellung des deut- chen Lyceum-Klubs eine zusammenfassende und crschöp- ende Darstellung des Frauenstudiums. Die Tafeln, die n dieser Gruppe als ein glänzender Beweis für die gerstrge Kraft der Frau prangen, zeigen den Anteil der Frau an den Studien an allen deutschen Universitäten und an den Vorbildungsanstalten. Sehr reizvoll finb'Me Bildnisse her­vorragender Frauen der Vergangenheit. Hier treten sie alle noch einmal zusammen, die in früherer Zeit der Frauenbewegung den Weg gebahnt hatten, in einer Epoche, in der ihren Bestrebungen sich der Widerstand ererbter, althergebrachter Anschauungen entgegenstellte. Alle Ge­biete des menschlichen Wissens und der menschlichen Tätig­keit zeigen hier die Pioniere der nun so mächtig und er=< folgreich gewordenen schaffenden Arbeit der Frau.

Die Ausstellung besitzt im Berliner Tonkünstlerinnen- orchester ein eigenes Orchester, das bei den geselligen Zu­sammenkünften in den Ausstellungsräumen an den Nach­mittagen wirken wird. Es ist dies nur ein Teil der äußer­lichen Hilfsmittel, die dazu beitragen .sollen, dieser in­struktiven und bedeutsamen Veranstaltung auch geselligen Reiz zu verleihen. Und neben dem, was die Ausstellung an sinnfälligen Werten bietet, kommt noch der Umstand zur Geltung, daß die Ausstellung im ganzen und in all ihren Einzelheiten eine überaus reizvolle Vereinigung von Schönheit und Anmut ist. Das äußere Bild des Ganzen ist die Verkörperung von hohem Geschmack und von der Erkenntnis dessen, was dem Ausnehmenden den Genuß des Inhaltes erleichtert. Es gibt sich alles in den ge­waltigen Räumen so natürlich und einfach, so selbstver- stänblicb und überzeugend. Die Ausstellung ist em großer Erfolg, der sich gewiß in der regen Anteilnahme aller Schichten des Publikums dartun wird.

Der falsche Marr.

Er habe neunerlei Farben, sagt man in Venedig vom März- der wegen seiner launischen Witterung in einen noch übleren Leumund geraten ist als der wetterwendische Aprrl. Jedenfalls gilt das Märzwettcr als höchst gesährlich für die Gemndhert und bedrohlich namentlich Ur das Alter. In seiner BalladaHas