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(Fortsetzung folgt.)
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Ehre habe es gefordert, daß zuerst einmal Blut geflossen sei. Das hätte doch viel zweckmäßiger und aussichtsvoller von Lauterbach aus geschehen können, wo die Bundestruppen in der Flanke der preußischen Truppen standen.
Tas Blutvergießen bei Frohnhofen war wie allgemein an- I erkannt, vollständig zweck- und aussichtslos.
Obwohl die Erzählung von den Gegenvorstellungen des Hauptmanns Königer sehr unwahrscheinlich lautet, da sie absolut disziplinwidrig gewesen wären, so habe ich sie neuerdings wieder bestätigen hören und zwar durch einen zur Kompagnie des Hauptmanns Königer gehörigen Soldaten, der bei dieser Gelegenheit, kurz nach dessen Tode einen Schuß durch das Bein erhielt, und ferner mittelbar durch die noch lebende Witwe des Hauptmanns Königer.
Viel zweckentsprechender war das Gefecht her preußischen Truppen am 14. Juli mit der Division Hahn, welche den lieber» gang über- den Main bei Aschaffenburg verteidigte. Wo sich an diesem Tage die hessische Division befand, ist mir nicht bekannt geworden. Nur ein kleiner Teil der hessischen Truppen hat an denl Gefecht teilgenommen. Wie anders hätte es kommen können, wenn die hessische Division noch intakt bei Aschaffenburg gestanden hätte!
Ueber die Aktion im Vogelsberg habe ich nur noch zu berichten, daß als Etappenkommandant der Großh. Kreisrat Trapp zu Friedberg fungierte, daß aber die Etappe in keiner Weise besetzt war. Wie er mir (ein Verwandter), mitteilte, sei von einer Anzahl von Depeschen infolge der Kreuz- und Querzüge des Hauptquartiers nur eine dort richtig angelangt, durch welche dem Prinzen Ludwig, späteren Großherzog Ludwig IV., mitgeteilt wurde, daß seine Gemahlin ihm eine Tochter geboren habe.
Nach dem Einzug des Generals Vogel von Falkenstein in Frankfurt a. M. wurde eine kleine Kolonne abgesandt, um Darmstadt zu besetzen. Unser Großherzog befand sich damals in Nhmphenburg, wohin er sich nach dem Abmarsch der Truppen unter Prinz Alexander, und nachdem er sich vorher von dieser in felddienstmäßiger Ausrüstung verabschiedet, zurückgezogen hatte. Er entging hierdurch dem' Schicksal des Kurfürsten von Hessen.
Tie preußische Kolonne nahm von der Eisenbahn, dem Schlosse sowie dem Zeughaus Besitz. Es wurde erzählt, daß der damalige Kommandant von Darmstadt sich gerade in der vereinigten Gesellschaft befunden habe, als ihm die Nachricht überbracht wurde, daß die Preußen das Zeughaus besetzt hätten. „Das ist nicht möglich," soll er gesagt haben, „i ch ha b e j a d en S chl ü s s e l in der Tasch e." Wenn es nicht wahr ist, ist es jedenfalls gut erfunden und entspricht der Situation.
Truppen, die zu bekämpfen gewesen wären, befanden sich in Darmstadt nicht. Die hessische Division hatte sich weiter nach Südosten zurückgezogen.
Tie Besetzung von Darmstadt war die letzte feindliche Aktion, die Preußen gegen Hessen unternahm.
Am 17. September 1866 wurde der Frieden zwischen Hessen und Preußen geschlossen, welcher unserem Land die kaum erworbene Landgrasschaft Hessen-Homburg und das Hinterland mit seiner tüchtigen Bevölkerung und seinen prächtigen Wäldern kostete, dazu eine Kriegsentschädigung von 3 000 000 Gulden. Diese Summe entsprach ungefähr den Ersparnissen, die unser Land in der letzten Finanzperiode gemacht. Damals gab es bei uns noch Ueberschüsse.
Natürlich kostete uns der Feldzug selbst auch noch zirka 3 000 000 Gulden.
Das war außer den 500 Toten und Verwundeten das Ergebnis unseres Kriegs mit Preußen.
Wir mußten froh sein, daß uns die Provinz Oberhessen wenigstens zum größten Teile gelassen wurde. Es soll dies eigentlich nicht iit der Absicht Bismarcks gelegen haben. Was sollte Preußen auch mit der hessischen Enklave? Der Einfluß ,des Zaren, des Schwagers unseres Großherzogs, hat diese Konzession bewirkt. So wurde gesagt. — Tatsache ist, daß Hessen-Darmstadt nur mit der Provinz Oberhessen zum Norddeutschen Bund gehörte, bis das Jahr 1870/71 dieses Mißverhältnis ausglich.
Wie ich. mitteilte, gründete sich meine Erzählung der Ereignisse vom 2.—14. Juli auf eigene Erlebnisse oder Mitteilung direkter Beteiligter. — Sie befindet sich daher auch im ganzen in llebereinstimmung mit der nach authentischen Quellen wieder- gegebenen Darstellungen von preußischer und Hessischer, Seite.
Ich meine hierbei die Darlegungen in,der Schrift: Tie Operationen des VIII. Deutschen Bundeskorps im Feldzug des Jahres 1866, Darmstadt uni) Leipzig, bei Eduard Zernin 1868 in Vergleich, ferner die Auszüge ans dem Kriegsfonrnal des, Prinzen Alexander von Hessen (Zernin 1867) sowie die Geschichte des Kriegs in Deutschland von 1866, heransgegeben von dem preußischen Generalstab. „
Danach ist aber nirgends festgestellt, daß am 5. Juli auf der Hardthöhe bei Gießen in Wirklichkeit preußische Truppen erschienen sind, und daß infolge davon die Badener auf der Lahn- brücke und dem Rodberg Artillerie auffahren ließen. Dagegen steht fest, daß dick Badener am 5. Juli in der Tat nicht wußten und kaum wissen konnten, daß das Hauptquartier des Prinzen Alexander ohne Zwischenverbinduiig 14 Stunden östlich stand.
Erinnerungen aus dem Krieg zwischen Hessen und preutzen 1866.
Von Justizrat Fr. Krafts (Büdingen).
(Schluß.)
Am 13. Juli nachmittags wurden dann unser drittes und viertes 'Regiment in das Tefile von Frohnhofen und Laufach vorbeordert.
Tie Höhen, welche tags vorher von unseren Truppen hätten besetzt werden können, waren jetzt in Händen der preußischen Truppen.
Ter Angriff wurde befohlen. Einer unserer tüchtigsten Offiziere, Hauptmann Königer) wagte, dem Kommandaiiten der hessischen Division, Generalleutnant v. Perglas, Gegenvorstellungen zu machen, da der Angriff den reinen Mord bedeute, wurde aber brüsk znrückgewiesen. Er setzte sich an die Spitze seiner Kompagnie und fiel als einer der ersten Opfer des Gefechts. Ein Herr, mit dem ich zufällig später in der Eisenbahn zusammentraf, Hatte als Reserveoffizier das Gefecht mitgemacht. Er war Augenzeuge von Königers Tod. Er erzählte, daß man 'preußischerseits den Offizier mit seinen Leuten bedauert und daher mit dem Befehl zu feuern zurückgehalten habe. Schließlich habe die eigene Sicherheit dazu gezwungen. Der Offizier sei dann bei den ersten Salven gefallen und mit ihm ein Teil der Konrpägnie, ohne daß auf preußischer Seite an dieser Stelle nur ein Mann verwundet worden wäre.
Im ganzen sind preußischerseits in den Gefechten des 13. Jul: nur fünt Soldaten getötet worden. Von Offizieren wurde nur einer verwundet.
Man muß nur bedenken, daß die preußischen Truppen sich in gedeckter Stellung befanden und bereits mit dem Zündnadel- gewehr bewaffnet waren (während die Bundesstaaten nur Hinterlader hatten). Erst nachdem' 700 Mannschaften außer Gefecht gesetzt worden waren, wurde der Befehl zum Rückzug gegeben.
Welchen Zweck dieses Blutvergießen hatte, war dem Laien- perstand unbegreiflich. Es wurde mir gesagt, die militärische
ft'nt sich ins Spielzimmer znm Skat zu setzen —. manch!ej hatten auch die unangenehme Pflicht, noch eine späte Jn- struktionsstunde abzuhalten.
Eine kompakte Gruppe hockte indessen noch um das Ende des linken Hufeisentisches zusammen, wo der Leutnant der Reserve und Forstassessor Troisdorf mit Leutnant von Finette zusammensaß. Die beiden Niederrheinländer sprachen seit zwei Stunden nur noch kölnisch-platt und erzählten einander die haarsträubendsten Anekdoten von Kölner Marktweibern und „Rheinkadetten", den lungernden Lastträgern des kölnischen Rheinhafens. Von hier scholl immerzu schmetterndes Gelächter in den Saal hinein, so daß ab und zu einer oder der andere der Hauptleute herantrat und ein Weilchen zuhörte. Auf die Dauer war indessen eine solche Flut von mehr oder weniger unappetitlichen Scherzen nur für Leutnantsmägen erträglich.
Immer schneller, fast unbemerkt, entflohen den Zechenden und Plaudernden die Stunden.
Der Major von Sassenbach hatte seit längerer Zeit be- vbachtet, daß der hilflose .Landwehroffizier, der mit seiner riesigen, goldenen Brille und seinem langen, braunroten Bart so gar nicht in die militärische Umgebung zu passen schien, das wehrlose Opfer der Scherze des Oberleutnants Menshausen und des Leutnants Quincke war. Sassenbach liebte die beiden Herren nicht — ihm, dem schlichten Haudegen, waren die kalten Spötter und Monokelträger zuwider — er rief zu der Gruppe hinüber: „Herr Leutnant Frobenius, wollen Sie mir das Vergnügen machen, noch eine Flasche mit mir zu trinken?"
Frobenius war seelenvergnügt — er fuhr diensteifrig in die Höhe, wobei er den hochlehntgen, gotischen Stuhl umwarf, und schob mit etwas unsicherem Gange zu seinem Bataillonskommandeur hinüber. — Bald waren beide in ein herzliches Geplauder vertieft.
„Aha," schnarrte Menshausen zu Quincke hinüber, „sehn Sie woll — ein neuer Schwiegersohü ist auf der Bildfläche erschienen, der muß gleich festgenagelt werden — ja, ja, man mutz sich dazu halten. Nelly ist sechsundzwanzig und Molly neunzehn — und der Landwehrfritze macht 'nen kolossal heiratsfähigen Eindruck."
Hauptmann von Brandeis hatte sich schon seit geraumer Zeit empfohlen. Die Mlichen Scherze hatten den Aufbruch des jungen Ehemannes begleitet, und schmunzelnd hatte er


