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Leben trachtet, endlich soweit überwunden, daß er mit der Zeit in der Reitbahn sich wenigstens ans den aller frommsten Kleppern hatte halten können. Ja, in den etzten ^mt)en vor der Hebung hatte er sogar tn Gesellschaft desReck- lehrcrs und einiger Damen der Bonner Gesellschaft emrge Ausritte ins Gelände unternommen und war stets mit Herler Hant davongekommen, mit Ausnahme einer unangenehmen Beaeanuna, die er mit einem vorüberbransenden Etfenoahn- ruae gehabt hatte, und nach deren Verlauf er sich mit zer- schundenem Gesicht, zerbeultem Hut und zerschlagenen Knochen in einem Chausseegraben wiedergefnnden^hatte, während seine Rosinante ohne seine Leitung ihre Futter­stelle wiedergefunden hatte. c

Der Gedanke also, demnächst hoch zu Roß vor der Front auftauchen zu müssen, erfüllte ihn mit einem Unbehagen, das zu überwinden er seines ganzen Mannesmuts bedurfte. Wenn aber etwas noch gefehlt hätte, um ihn in dieser Hin­sicht zu äußerster Energie aufziistacheln, dann waren es die spöttischen Blicke und Redensarten des Kasinovorstande-?.

Er beschloß in diesem Augenblick, allen Gefahren küyn- lich zu trotzen und zu Pferde zu steigen mit der ruhigen Selbstverständlichkeit, mit der er sonst alle Morgen aus seinen Katheder kletterte, um seinen Hörern die Geheimniffe des zweiten Teils von Goethes Faust zu erklären.

Oberleutnant Menshausen bemerkte mit Vergnügen, daß der Landwehronkel bei der Erwähnung des Reitens, trotz seiner heroischen Worte, still und um einige Schattie­rungen blässer geworden war. lieber den Kameraden hin­weg fragte er den Hauptmann Goll:Gestatten Herr Haupt­mann eine Frage: Ist nicht morgen früh Ausbildung der Mannschaften im Entfernungsschätzen?"

Allerdings!" grunzte Hauptmann Goll,was gibt's dann dabei?"

Ich wollte Herrn Hauptmann nur fragen, ob uns nicht gestattet wäre, die Uebnng zu Pferde mitzumachen wie ich soeben von Herrn Leutnant Frobenius höre, legt er ebenfalls Wert darauf, morgen früh zu reiten, iind da ich für meine Person im Manöver als Ordonnanzoffizier zum Regiment komme und meinen neuen Gaul gern ein wenig an die Truppe gewöhnen möchte, so würde ich Herrn Haupt- niann dankbar sein, wenn Herr Hauptmann uns gestatten wollten zu reiten!? Meines Wissens reiten Sie ja auch momentan dem Obersten sein Handpferd zu, Quincke, nicht wahr?" . .

Leutnant Quincke hatte der Hnterhaltung zugehort und bejahte mit perfidem Grinsen:Gewiß wenn Herr Hauptmann gestatten, komm auch ich hoch zu Roß!"

Na schön," sagte Goll,ich hab nichts dagegen!"

Frobenius fühlte bei dieser Unterhaltung, wie die weni­gen Haare, die seinen Schädel umsäumten, sich einzeln zu Berge sträubten. Herr Gott im Himmel schon morgen früh! Was war da zu machen Schicksal, nimm deinen

,',Wo wollen Sie denn Ihren Gaul herbekommen, Herr Frobenius?" fragte Menshausen unbarmherzig weiter, haben Sie sich einen mitgebracht oder wollen Sie sich einen leihen?"

Ich habe mich nach den Verhältnissen noch nicht er­kundigt," erklärte Frobenius,ich denke, man bekommt in der Reitbahn passende Gäule geliehen, wie?"

Selbstverständlich," sagte der Oberleutnant,wenn's Ihnen recht ist, stelle ich Ihnen meinen Burschen zur Ver­fügung der kann ja morgen früh vor dem Dienst zur Reitbahn gehen und Ihnen ein Pferd besorgen."

Frobenius ahnte Böses; doch er hatte sich nun einmal vorgenommen, jeder Gefahr die Stirn zu bieten, und so nahm er mit verbindlichem Lächeln das Anerbieten des Oberleutnants an.

Als im nächsten Augenblick Hauptmann Goll wieder einmal wortlos dem Landwehroffizier zutrauk, beugte sich Menshausen zu Quincke hinüber und flüsterte ihm zu:Sie, Quincke, ich werde meinen Burschen instruieren, daß er Kuno den Schrecklichen" besorgt! Kennen Sie den Schinder?"

Na ob!" grinste Quincke,das ist ja das verrittenste Pferd in der ganzen Garnison. Na, wenn der Landwehr- onkel auf Kuno überhaupt aus dem Kasernenhof 'raus­kommt, dann garantier ich jedenfalls: 'rein kommt er reicht

Redai In diesem Augenblick hob Major von Sassenbach die söl auf, und alsbald empfahlen sich die Vizefeldwebel

der Reserve und die Avantageure, indeNr sie in die Mitte des Hufeisens traten und erst vor dem Tischältesten Front machten, dann nach rechts und links desgleichen; dabei schlugen die Hacken zusammen, daß es nur so krachte.

Und nun schwirrten die Ordonnanzen von allen Seiten mit den brennenden Lichtern herein, und das gelbe Flim­mern der flackernden Flämmchen vermählte sich mit dem dunklern Gelbgold der Abendsonne, die gebrochen durch die leise sich wiegenden Kronen der Bäume des Kasinogartens in die hohen Bogenfenster strahlte. Bald kräuselten sich bläuliche Tabakwölkchen hinein und noch ungezwungener rauschte nun das Geplauder, noch lebhafter wogte das Hinüber und Herüber der Scherze des Zutrunks und bald war den Offizieren der Reserveiwieder zumute, als seien die Monate und Jahreim schlichten Gewände der Bürger­lichkeit", die seit dem letzten Abschiedstrunk im Kasmo verflossen waren, nur ein Traum gewesen, und als fei dies Leben im bunten Rock ihre eigentliche Existenz, als sei die Schar der Kameraden, in deren Mitte sie nun wieder eingetreten waren, das Milieu ihres Lebens.

Sie waren rieftg vergnügt, die Herren des Beurlaubten- 'tandes. Der geschniegelte'und pomadisierte Leutnant der Reserve Klocke schwamm in Seligkeit. Herr Kamerad hier, Herr Kamerad dort, so schmetterte das nach allen Richtungen hinüber und herüber als trüge er eine Sprungfeder im Leibe, so schnellte er jedesmal empor, wenn ein Vorgesetzter ihm zutrank, und leerte mit Begeisterung seinen Kelch, nur daß im Laufe der Zeit seine Augen immer stierer, sein Ge­sicht immer röter, seine Bewegungen immer unsicherer und die Scherze, die er zum besten gab, immer gewagter wurden und je länger je mehr nach dem Coupe dritter Klasse schmeckten.

Ihm schräg gegenüber saß irrt Kreise seiner zukünftigen Kompagniekameraden der Referendar Dormagen. Als Sohn eines rasch reichgewordenen Industriellen hatte er heute das Gefühl, daß es eigentlich ein Skandal sei, daß er nicht: Kavallerist geworden. Wer vor sechs Fahren, als er ein­jährig diente, hatte sein Vater noch nicht den großen Schlag mit dem neuerfundenen Trockenelement gemacht, und erst in den letzten Jähren leider waren die Verhältnisse seiner Fantilie so plötzlich emporgeschnellt. Nun blieb mchts übrig, als in der Mitte der Fußfanteristen wenigstens nach Kräften mit seinem Gelbe zu imponieren. So ließ er denn eine Flasche Pommery nach der andern anfahren, und all­mählich sarnmelte sich, um ihn eine Grnppe von jüngern Offizieren, die, mit nicht allzu reichlichem Zuschuß gesegnet, einen Freitrunk sich tiicht gern entgehen lassen mochten. In ihrer Mitte markierte Dormagen nun den großmütigen Gastgeber, wogegen seine Gäste sich verpflichtet fühlten, andachtsvoll seinen Schwadronierereien zu lauschen und ihm eifrig zuzutrinken. 'Sein Kompagniechef hatte sich bereits unmittelbar nach Aufhebung der Tafel, peinlich berührt durch des jungen Herrn siegesgewisses Auftreten- an den mittlerett Tisch des Hufeisens zurückgezogen, wo sich nun allmählich die älteren Herren bei Kaffee und MüM chener Bier konzentrierten.

Inmitten dieser älteren Herren saß auch der Ober­leutnant der Reserve Brassert, ein behäbiger Süddeutscher, und freute sich königlich, daß er der Pflicht entronnen war, den rüpelhaften Primanern die Geheimnisse des Aeschylos zu erschließen. Er übte seit einem Dezennium nahezu Jahr um Jahr, teils weil es für ihn, den Beamten, dessen Gehalt während der Hebung weiterlief, eine überaus billige Som­merfrische war, teils weil sein immer mehr anschwellendes Bäuchlein die scharfe Entfettungskur dieser acht Wochen sehr notwendige brauchte. Die Hauptleute waren seine Altersgenossen und überdies auch von gleichem Dienstalter wie er, und so fühlte er sich in ihrer Mitte behaglicher als zwischen den jungen Dächsen von Leutnants, deren Charge er teilte, die ihn aber zu peinlich an seine kaum verlassenen! Primaner erinnerten.

Behaglich schmunzelnd und kräftig qualmend saß er inmitten der älteren Offiziere. Den Kragen seines Heber­rocks, der übrigens mit Rücksicht auf sein gewaltiges Doppel­kinn ohnehin nicht mehr denn Fingersbreite hatte, trug er aufgeknöpft, ebeitso wie die obersten vier Knöpfe seines Heberrocks, und bedauerte nur im stillen, daß er den Rock nicht ganz ausziehen konnte, wie auf der heimatlichen Kegelbahn im Kreife seiner Kollegen.

An einzelnen Tischen waren indessen allmählich große Lücken entstanden manche der Herren hätten sich erhoben«