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Auf Grund der oben beigebrachten Zeugnisse ergibt sich uns nun folgeirdes Bild von dem Verlauf der Gegenreformation in Herbstein. Unser Bild trägt etwas andere, im ganzen schmerz- bewegter Züge als das von Komp gezeichnete, aber wir sind gewiß, daß es der geschichtlichen Wirklichkeit näher kommt als jenes. (Fortsetzung folgt.)
Das französische Heer in der Nacht nach viouville.
Der französische Historiker und Biograph des Marschall Can- rvbert, Germain Bapst zeichnet im neuesten Heft der Deutschen Revue (Deutsche Verlags-Anstalt) auf Grund umfassender Quellenstudien Bilder von der Nacht des 16. zum 17. August 1870, als das französische Heer nach dem blutigen Kanrpf von Vionville in Ungewißheit über den Ausgang der Schlacht unruhig hin und herwogte und schließlich durch den Befehl Bazaines zum Abbrechen des Gefechts und zum Rückzug auf Metz gezwungen wurde. Der Seelenuistand der Truppen war verschieden.
„Nach dem Getümmel einer großen Schlacht," so schrieb noch ani Abend des 16. August einer der Kämpfenden, „macht die Stille, die sich über das iwch eben so lärmende Schlachtfeld breitet, die ruhige, heitere Erhabenheit des gestirnten Himniels, der einen ergreifend«! Gegensatz zu der Bewegtheit der vorangegangenenl Augenblicke bildet, einen tiefen Eindruck und zwingt Zeinen zum Nachdenken . . ." Während die einen glaubten, Sieger geblieben zu sein, zzoeifelten die anderen am Erfolg, ja glanbtenl ihn verloren. Bazaine meldete dem Gouverneur von Metz, er habe eben „eine glückliche Schlacht" geliefert. Marschall Leboeuf empfing seine Offiziere mit den Worten: „Wir sind Sieger". Dagegen war der General Deligny wütend, weil Bazaine über den größten Teil seiner Division verfügt hatte, ohne ihn davon zu benachrichtigen. AlS zwei Voltigeure auf der Suche müh ihren Tornistern vorübcrkmnen und ihre Befriedigung über den glücklichen Ausgang aussprachen, rief er ihnen zu: „So? Ihr seid zufrieden? Nun, ich finde, daß es nicht schlimmer hätte gehen können." In den Divisionen des dritten Korps, dis nicht ins Feuer gekonrmen waren, sprach man wohl vom Sieg, aber doch waren Generäle und Stabsoffiziere niedergedrückt. „Wir hatten den Eindruck," schrieb einer von ihnen am selben Abend, „daß wir nichts getan hatten, daß wir etwas hätten tun können und rechneten darauf, daß wir bei Tagesanbruch eine Verfolgung beginne,; könnten. Gegen elf Uhr wurde ein gefangener Unter-, offizier der weißen Kürassiere zu den Stabsoffizieren des Generals Lafont de VillierS geführt.' Hauptmann Thsfeure fragte ihn aus. Der, Mann sagte, daß in dem Augenblick, too er in Gefangeipi schäft geraten sei, nur das 3. deutsche Armeekorps nebst mehreren Aavalleriedivisioncn am Kampf beteiligt gewesen sei. So bestimmt er auch sprach, wollte ihm doch niemand Glauben schenken: alle wäre, fest überzeugt, gegen eine, wenn nicht gar gegen zwei deutsche Armeen gekämpft zu haben. Unter den Gefangenen, die gegen ein Uhr morgens dem 2. Grenadierr-egiment zugeführt wurden, befand sich ein sehr junger französisch sprechender Einjahrig-Freiwilliger, der auf alle Fragen ohne Prahlerei im Tone natürlicher Ueberzengung antwortete: „Wir werden vorzüglich geführt, und ich bin sicher, daß wir in vierzehn Tagen vor Paris stehen werden."
Völlig niedergebrochen von dem Mißerfolge war General Bourbaki, Wohl der glänzendste Befehlshaber der ganzen Armee, der die französischen Truppen immer siegreich gesehen, fest an ihre Unübertvindlichkeit geglaubt hatte und einer der leidenschaftlichsten Verfechter des Krieges gewesen war. Er drang gegen ein Uhr morgens zum Marschall Canrobert, der sich im Zentrum der Armee, bei Rezonville, in einer Hütte niederqelegt hatte, Ungestüm ein Und sagte: „Herr Marschall, wir sind „futsch!" Drc beste französische Armee hat die preußischen Reservisten nicht schlagen können." Dabei fing er an zu weinen. In dieses Chaos der Meinungen brach nun wie ein Donnerschlag der Befehl Bazaine s herein, sich nach Metz zurückzuzieherr. Beim 3. Korps Wurde die Nachricht gegen dreieinhalb Uhr bekannt. General Chang erntet ließ den Befehl zweimal vorlesen und machte vor allen Offizieren offen seinem Acrger Lust; General Deligny geriet dadurch in die schrecklichsten Zornesausbrüche; General de M ontaudo n nahm an, daß ein Berschen vorliege und mußte sich erst durch eine Anfrage bei General Jarra traurige Gewißheit verschaffen.
c „Die Verblüffung zu schildern," so schrieb einer der Offiziere des 2 Korps, „die sich aller bemächtigte, als sie einen derartigen Befehl vornahmen, ist unmöglich." „Wir waren alle wie nieder- geschmettert von dieser Nachricht." Man vermutete, daß Bazaine schlechte Nachrichten erhalten habe, die er verheimlichte, aber.davon war mchts der Fall. Der Grund, daß inan sich neu verproviantieren müsse, erschien allen sinnlos. Der Rückzug des 4 Korps war übrigens schon vorher durch General de Ladmiraulh auf eigene Initiative hin angeordnet worden. Das Mißvergnügen und die Wut der Offiziere und Soldaten wurde gesteigert, fiP aus den Angaben der Gefangenen erfuhr, daß die deutschen
m la,nr9e, uuht so zahlreich waren wie man annahm. Die
^te französischen Schildwachen auf dem Schlacht- felde Lichter kommen und gehen: es war, als ob Hunderte von
Leuchtkäfern über den Boden hin- und h'erhuschten. Die Preußeq suchten beim Schein dieser Lichter ihre Veitzvundeten, und hie ganze Nacht über hörte man in den vordersten Reihen der Fran-, zosen rufen und schreien: „Meine Mutter . . ,. Meine Mutter." Aehnliche furchtbare Wehrufe zerrissen das Dmikel der Nacht auf der großen Wiese nördlich vor Gravelotte, wo das französische Feldlager aufgeschlagen >oar. Mehr als 5000 Verwundete lagen auf dem zerstampften Rasen oder auf der nackten Erde. Alle diese Unglücklichen wurden vom Durst gemartert und schrien- nach Wasser. Im Inneren der großen Zelte operierten hie Aerzte beim Schein flackernden Lichts und ohne Chloroform: die entsetzlichsten Klagelaute, Flüche und Lästerungen tönten darauf hervor.
„Die ganze Bodenfläche ist mit Verwundeten gepflastert," erzählte ein Leutnant von bett Gardejägern, der eine Kugel int Rücken stecken hatte, „mehrere Tausende schreiender Unglückliche^ liegen da beisammen. Neben mir ist ein Artillerieoffizier niedergelegt worden, der phantasiert und mit dem Tode ringt. Ep stirbt in der Nacht. Ein junger Soldat vom 70. Regiment, der am Arm verwundet ist, liegt auf der anderen Seite. Er stützt mir den Rücken; denn ich bin nicht imstande, zu atmen; ich habe eine furchtbare Beklemmung, er steht bei mir und pflegt mich) ich suche ihm den Arm hochzuhalten, und wir verbringen die NaM damit, uns gegenseitig zu helfen: er teilt feine Decke mit mir, benrt es ist kalt. . ."
Vie SiMmerpstanzen und ihre pflege.
Woche vom 2. bis 8. Juli.
Amaryllis vittata zum Antrieb für Winterblüte in divolle Sonne! Wenn die Blätter ganz ausgebildet sind, wird siä ganz trocken gehalten und macht dann, kühl und schattig gestellt/ eine Ruhezeit von 3 Monaten durch, ohne aus den Töpfen herauf genommenn zu werden. — Als ausdauernde Staude für die größeren Balkonkästen empfehlen !vir die N a ch t k e r z e (Oenothera missouriensis), die man während des Sommers aussüt (auch zu dieser Zeit durch leicht wachsende Stecklinge vermeßen kann) und in denselben KefLßen kalt überwintert; sie fallen vom 2. Jahre an mit ihren groß«: leuchtend-schwefelgelben Blüten überall auf; nur muß man sich im Frühjahr vorsehen, daß inan die zarten roten Spitzen der netten Triebe beim Jäten nicht verletzt; sie sind erst spät zu sehen und der vorjährige Stengel stirbt ab bis zum Wurzelstock. — Wenn man, waS zwar unnatürlich, aber doch mitunter erwünscht ist, bei dem Chrysanthemum (Herbst-und Winterastern) statt vieler kleineren Blüten je eine RiesenLlum« ziehen möchte, so muß man, wenn die Knospen etwa erbsengroß sind, an jedem Trieb alle bis auf eine (stärkste) auskneifen. M Entwicklung aller Knospen ist aber der Schönheit der ganzen Pflanze förderlicher.
Das Anskneifen der Knospen und außerdem starkes Einstutzen der Nebentriebe macht sich auch notwendig, wenn man/ wie z. B. von Heliotrop und Fuchsien Hochstämme ziehen will. Die Haupttriebe bei diesen Blumen ebenso wie bei beut Chrysanthemum werden aufgebunden.
Mit der Verinehrung unserer Blumen durch Stecklinge fahren wir fort. Für alle, die man überhaupt auf diese Art vermehren kann, ist jetzt die beste Zeit. Die früheren Stecklinge werden, wenn bewurzelt, einzeln in Töpfe versetzt und nach 2—4 Wochen ent- spitzt, wenn man sie buschig ziehen will (so z. B. die Justitia! c a r n e a). Wir wollen auch nicht vergessen, jetzt, wo atieS ist schönster Blüte steht, Pläne für das nächste Jahr zu machen; vor allem, wer einen kleinen Vorgarten hat oder einen recht geräumigen Balkon. Auch ist es interessattter, von Zeit zu Zeiß die Blumen, die man kennt, auszuwechseln gegen neue. Der Schatz der Blüten- und Blattpflanzen für Zimmer und Balkon ist unendlich groß; und sehr bedauerlich ist, daß hier überall eilte so große Einförmigkeit herrscht. Man kaust jetzt billig vom Gärtner Stecklinge; bemühe man sich doch, daß darunter auch Pflanzenarten vertreten sind, die nicht zu den ewig wiederkehrendeil Geranien, Pelargonien und Petunien gehören! Wer kennt z. B. die echte oberbayerische Gebirgs-Hängenelke, die eine der schönster: und anspruchslosesten Hängepflanzen ist?
Namenrätsel.
Antonie — Friderike — Helene — Ida — Krimhilde — Martha — Pauline — Theresia.
Die vorstehenden Mädchennamen sollen derart geordnet werden, daß der erste Buchstabe des ersten Namens, der ziveite des zweiten, der dritte des dritten usw. wiederum einen Mädchennamen ergeben.
Auflösung in nächster Nummer. t
Auflösung des Diamant-Rätsels ist voriger Nummer: B Eos
T a s s o Rosalie Iller Eis
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Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang», «eßt»


