Ausgabe 
1.6.1912
 
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fruchten und schrien und heulten im Takte dazu. Da stürzte Herr Molfinger davon.-- ,,. .

Vier Wochen später tras ich ihn zufällig her meinem Rechts- Mlwatt.9hm, Herr Molfinger, was macht Ihre lange Gattin,

^Da faßte er mich unter dein Arm und zog mich mit nach dem Fährhaus. Dort erzählte er mir die ganze Geschichte und zuletzt vertraute er mir an, daß er von Nestzu wieder geschieden sei.

Und Nesku?" fragte ich.

Sie hat sich dem Zirkus Sarrasam angeschlossen und zergt sich als Feuerfresserin."

Telephonleitungen und Blitzgefahr.

Besoirders im Ansangsstadium des Fernsprechwesens war im Publikum fast allgemein die Befürchtung verbreitet, daß durch die über di« Tücher hinziehenden Drähte die Blitzgefahr für Menschen und Wohnungen gesteigert werde. Auch jetzt noch ist diese Furcht nicht völlig verschwunden, trotzdem bisher noch kerne Fälle nachgewiesen sind, die diese Bedenken irgendwie begründen. Tie Fernsprechverwaltungen sahen sich mehrfach veranlaßt, be­ruhigende Erklärungen zu veröffentlichen und auch die Feuer- versicherungsgefellschasten wiederholt darauf hinzuwerfen, daß brs jetzt noch kein Fall zur Kenntnis gelangt sei, in dem durch die Anlage von Fernsprechleituirgen an und über den Hausern, oder durch die Befestigung von eisernen Stützpunkten aus den Dächern oder an den Giebeln, irgendwelche Blitzgefahr für dre Gebäude hervorgerufen worden wäre.

Bei der Berleguirg von oberirdischen Telephonleitungen wird nämlick überall dafür Sorge getragen, daß für atmosphärische Elektrizitätsentladnngcn, die zufällig ans hie Telephonanlagen übergehen könnten, blitzabführeude Verbindungen mit der tobe in ausreichendem Maße vorhanden sind. Zum Schutze der Ler- tungSanlagen auf den Dächern gegen Blitzschläge werden dre Rohrständer schon beim Bau als Blitzableiter ausgebildet, indem sie entweder einzeln oder zu mehreren gemeinschaftlich mit einer guten Erdleitung versehen werden. Tie mit oberirdischen Lei­tungen verbundenen Kabelleitungen werden ebenfalls gegen Ent­ladungen der atmosphärischen Elektrizität durch Blitzableiter ge­schützt^ Erfolgt die Verbindung der Leitungen durch Ueberführungs- säule oder Ueberführungskasten, so werden zu dem gedachten Zwecke Stanoenblitzablciter an der nächsten geeigneten Stange angebracht. Es ist also zweifellos, daß Fernsprechanlage» geeignet erscheinen, den Gebäuden, über die sie geführt sind, einen ausreichenden Schutz gegen Blitzgefahr zu gewähren, den sie sonst ent­behr en würden. Man kann nach den jahrzehntelangen Erfahrun­gen getrost behaupten, daß oberirdisch verlegte Telephonleitungen die Blitzgefahr nicht nur nicht erhöhen, sondern sie sogar ver­mindern.

ES läßt sich dies damit begründen, daß der Blitz beim Ueberspringen die höchsten Punkte der Erdoberfläche mit Vor­liebe wählt, namentlich wenn diese gleichzeitig gute Leiter der Elektrizität siich, wie dies z. B. bei Kirchturmspitzen, Bäumen, Masten ufiu. der Fall ist. Tie Telephonleitungen, die auf hohen Stangen über die Dächer geführt find, bieten daher bei Gewittern eine günstige Gelegenheit zum Ausgleich der atmosphärischen Elek­trizität. Um die Anlagen vor Beschädigung und Zerstörung zu schützen, sind die obenerwähnten Blitzschutzvorrichtuugen in die Leitungen eingebaut. Eine Telephonanlage bildet daher gleich­sam eine große Blitzschutzvorrichtung. Außer diesen Schutzmitteln sind auch 'bei den einzelnen Sprechstellen und in den Telephon- zentralen Blitzableiter vorhanden, die auch die schwächeren Ent­ladungen zur Erde ableiten, so daß Nur ganz geringe Elektrizttäts- mengen. in die Telephon- und Umschalteapparate gelangen können. Diese Blitzschutzvorrichtungen bestehen im wesentlichen, wte jene für Tclegraphenleitungen, aus zwei durch eine kleine Luftschicht getrennten Metallteilen, von denen der eine mit der Leitung und dem 'Apparat, der andere mit der Erde in Verbindung steht. Ihre Wirkung beruht darauf, daß die in die Leitung gelangte atmosphärische Elektrizität von hoher Spannung das Bestreben Bat, unter Ueberspringung der Luftschicht zwischen den beiden Metallteilen den nächsten Weg zur Erde aufzusuchen.

Trotz dieser vollkommen ausreichenden Schutzmittel gegen Blitz- gesahr empfiehlt es sich, bei nahen und schweren Gewittern sich des Fernsprechers nicht zu bedienen, weshalb die Telephonämter auch angewiesen sind, während der Tauer eines Gewitters Verbin­dungen nicht herzustellen. Diese Vorschrift gilt jedoch Nur für oberirdisch verlegte Fernsprechleitungen. In großen Städten geht man neuerdings allgemein zur Einführung unterirdischer Kabel­leitungen über, einerseits aus dem Grunde der Raumersparnis, anderseits um auch bei Gewittern den Betrieb noch aufrecht erhalten zu können, und um an Unterhaltungskosten, die eine den Wit- ternngseinflüssen ausgesetzte oberirdische Anlage verschlingt, zu sparen. Tie unterirdische Leitungsverlegung bietet außerdem noch den Vorteil, daß stets ein angemessener Vorrat von Reserve- leitnngcn für neue Anschlüsse vorhanden ist.

Vermischtes.

* Langlebige Schisse. Sowohl bei der Kriegsflotte wie unter den Passagierdampfern existieren keine eigentlichen Schiffs. Veteranen. Hier wie dort steigen mit jedem Jahr die Ansprüche, und ein Schiff, das heute noch als modern gilt, kann in einigen Jahren schon veraltet sein. Ost werden Kriegsschiffe schon nach einigen Javrzehuten dazu verurteilt, ihrer eigenrlichen Bestimmung untren zu werden und als Schulschiffe ihr Dasein zu beenden; und mindestens ebenso rasch veralten die großen Passagierdampser. Dagegen kommt es in der H a n d e l s s l o t t e öfter vor, daß Schiffe drei und vier Generationen hindurch ihren Dienst tun, ja, es gibt einige, die über hundert Jahre erreichen. Die längste Lebensdauer hatteBrotherly Love", die schon mit Cook um die Welt fuhr. In ihrem 140. Jahre stieß sie im Haniburger Hasen mit einem Dampfer zusammen und ging unter. Zu Anfang des 19. Jahr- hunderts war die Dreimaster-GoeletteThree Sisters" noch in Betrieb, die 1689 zum erstenmal in See ging. Schiffe von ähn­lichem Alter gab es übrigens noch einige zu Ende des vergangenen Jahrhunderts, so denSucceß", der 1789 gebaut wurde und 1895 noch nach Australien fuhr. Die DreimasterbarkTrue Love', die 1748 in Philadelphia erbaut war, wurde in ihrem 97. Jahre zum Walfischfang ins nördliche Eismeer beordert, und als sie von dort zurückgekehrt war, auf der Ostsee zum Transport von Holz in Dienst gestellt. Sie war etwa 138 Jahre, als sie bei einem Zu­sammenstoß sank. Ebenso alt war der SeglerBetsy Cains", der einstPrinzeß Marie" hieß, 1688 den Prinzen Wilhelm von Oranten, später die Königin Anna trug und lange Zeit als Lastschiff diente. Ter älteste Dampfer, der noch im Betrieb ist, steht in Halifax, er heißtStr Charles Ogles" und wurde 1830 gebaut, der älteste eiserne Dampfer, die 1841 vom Stapel gelasseneSwift" tut ebenfalls noch seine Dienste.

* Die Lantippe. Nachbar (ironisch zu dem spät heim<- kehrenden Ehemann):Und das lassen Sie sich gefallen, daß Ihre Frau den Wassereimer über Sie ausschüttet?"Ich kann ja sonst nicht ins Haus ... in dem Eimer liegt der Schlüssel!"

Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.

' Scherzhafte Beiwörter (Spitznamen). Ter Volkswitz hat für die verschiedenen Menschenkinder allerhand scherz- haste Beiwörter oder Necknamen (von der Wissenschaft gewöhnlich Schelten genannt- erfunden, die irgend eine Seite des Betroffenen scharf beleuchten, die besonders in die Augen springt. So nennt er einen noch uuausgewachsenen kleinen Burschen einen kleinen Knirp?, kleinen Stöpsel, einen Dreikäsehoch, Hosenmatz, Kiekindie- ivelt, Springinsfeld u. dgl. in. Besonders gern läßt er darin seinen Spott an geivisscn Mängeln und Schivächen der tieben Neben­menschen auS. Ein etivas zu lang geratener Mensch heißt ein langer Schlacks oder langer Laban, eins Fran von entsprechender Körperbeschaffenheit ein langes Register, ein schon mit allerlei körperlichen Gebrechen behafteter alter Mann ein klappriger alter Knacks oder Mümmel- oder Mummelgreis. Ein Geizhals ist ein Knickstiefel oder Knickebein, ein Wucherer Blutsauger oder Hals­abschneider, ein hohler Schwätzer ein Ceichbentcl, ein unbeholfener, schwerfälliger Mensch ein Steifleder. Besonders reich bedacht werden mit derartigen Spottnamen geistig beschränkte Leute; man kennt für sie Bezeichnungeit wie Dummbart, Dämel, Tämelsack, Trottel (der immer in dem gleichen Trott so einhergeht), Esel, Schafskopf, Spatzenkopf. Jin Niederdeutschen, das, wie die Mund- arten überhaupt, an dergleichen Spitznamen noch viel reicher ist als die hochdeutsche Schrhl- und Umgangssprache, kennt mait da­neben noch manche andere ivie Dusseldier, Töskopp (neben dem Eigenschaftswort dösig), Schrutenkopp, Klniverkopp ( Kleekopf), Dummschnnte, Tüppen (eig. Topf, u. a., und für ein besonders einfältiges weibliches Wesen Ulefatzküken. Unter diesen Schelten finden sich audt sehr häufig Zusammensetzungen mit Perlonen- uamen, die dabei eine Herabsetzung erfahren wie: dummer Stoffel ( Christoph), Pappstoffel, Prahlhans, Faselhans, Dummerjan (= dummer Johann), Lausewenzel, grober Rüpel ( Ruprecht), Quasfelpeter, Schwatzliese, dumme Trme ( Katharine, Heulsuse, Heulpeter u. a. Imme (Esten).

Kapsel-Rätsel.

Patriot, Bilderrahmen, Baugerüst, Kulmbach, Mondfinsternis, Schornsteinfeger, Mcirienbad, Verwunderung, Schwiegerniutter, Citadelle, Mummenschanz.

In jedem der obigen Wörter ist ein anderes eingekapselt, z. B. Esel" inJunggeselle". Sind die eingekapselten Wörter richtig gefunden, so ergeben deren Anfangsbuchstaben ein Sprichwort.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung der Königspromenade in voriger Nummert Zweierlei laß dir gesagt sein, Willst du stets in Weisheit wandeln Und von Torheit nie geplagt fein: Laß das Glück nie deine Herrin, 9lie das Unglück deine Magd sein, Bodcilsledt.

Redaktion: K. Neurath. Notationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Giejen,.