Ausgabe 
1.6.1912
 
Einzelbild herunterladen

335

Meß:Also doch!"Sich sieh"1«, unser Kaiser!"Das hätte ich denn doch nicht gedacht!"

Ader wenn die Gräfin ibn gefragt hatte, worauf sich diese Ausrufe bezögen, so wäre er dadurch in die größte! Verlegenheit gekommen, denn er las schon deshalb gar nicht in der Zeitung, weil er sie verkehrt in den Händen hielt.

(Fortsetzung folgt.)

Herrn MWgers Ehe.

Bon Max Karl Böttcher-Ch-emnitz.

(Schluß.)

Herr Molfinger war eine gutmütige Haut, aber in bezug auf sein Mer zeigte -er eine mimosenhafte Empfindlichkeit.. Und so sagte er gereizt:Ich erachte es Ur deplaciert, liebe Cousine, wenn ein Mensch in -deinen Jahren anzügliche Bemerkungen über das Alter eines andern -macht. Du scheinst vergessen zu haben, daß du mich einst -auf den Armen getragen hast. Damit du aber endlich den Zweck -der Uebüng erkennst, sollst du erfahren, daß ich

Türke werde." - ....

Er hatte sich- -zU ihr gebeugt und die letzten Motte rauh und Mell gesprochen, so -daß Fräulein Julchen erschrocken zurückprallte und dann hinausstünnte. < .

Am anderen Tage kam die Verwandtenschar in Korpore. Herr Mensel, ein Neffe Molfiugers, war der Wortführer. Er erbat sich im Aufttage aller Verwandten die Auskunft, oA Herr Molfinger wirklich die Absicht habe, Muselmann zu werden.

Herr Molfinger lächelte fein und mustette der Reihe nach seine Verwandten, die -mit Spannung seiner Antwort hartten. Dann sagte er: -Gewiß, meine Lieben, ich! werde Türke. Und heute über -drei Wochen lade ich euch alle zu mir, Hann könnt ihr bei mir -einen vorzüglichen Mokka schlürfen und eine Wasser­pfeife schmauken. -Und nun adio für heute. Ihr seht, ich habe alle Hände voll -zu tun."

Die Verwandten schlichen -betroffen davon und folgten dem Rate Meusels, Bei -einem Rechtsanwalt anzufragen, ob man Herrn Molfinger nicht entmündigen -könne.

Die Antwort war -trostlos. Ein glattes nein, da der Staat Niemandem wehren könne, seinen Glauben zu wechseln und noch viel weniger, sich, in den Salon einen Käfig zu bauen.

-Etwa vicrze'hn Tage waren verstossen. In der Nacht vom Samstag zum Sonntag hielt vor der Villa des So er in M-ol- inger eine Keine, aber eigentümliche Karawane. Zuerst eine ge- chlossene Equipage, der -Herr Molsinger und eine junge, tiefver- chleiette Dame entstiegen. Sie traten aber nicht in das Haus, öndern gingen Arm in Arm- nach dem riesigen Stallgebäude.

Und jetzt kam langsamen, -aber wuchtmen Schrittes Edwin, ein indischer Elefant, -geführt von einem Keinen, kupferbrauUen Kerl, der immerfort -schrie:Allo Edwin, allo."

Als der Elefant -in die Nähe Mo-lftngers kam, schlug die Dame an seinem Arme -den Schleier hoch.

Es war Nesku, das Singhalesenmädchfen Und seit heute Herrn Molfingers Gattin.

Edwin schnüffelte mit -seinem Rüssel durch die Luft. Dann stieß er einen ärompetenartigen, nicht leisen Schrei aus Und koste mit seinem -Rüsselfinger Neskus Wange.

Aber Nesku," -sagte Molfinger und zog seine j-Uuge Frau zurück. Doch -Edwin schien dies übel zu nehmen. Er faßte mit dem Msselsinger -Herrn M-olfingers Zylinderhut, hob ihn ein wenig und stillpte ihn dann mit aller Wucht dem armen Paul über den Kopf, so daß ihm das glänzende Gebäude bis Mr Nase fuhr.

Herr Molfinger fluchte -auf gut deutsch und zerrte seinen Zylinderhut vom Kopfe, -dann fluchte er in vorzüglichem englisch Ms den flegelhaften -Edwin und befahl, ihn sofott in den Stall zu Uhren. -

Der braune Sing-halesmjunge -fuhr dem Dickhäuter mit dem Kakenstock in den -Nacken und zertte ihn fort.

Unterdessen waren die -anderen Sachen der Karawane in der BiNa verstaut, und -auch Molfinger trat nun mit seiner jungen Gattin in das -Heim.

In: blauen Salon -wurde der Tee serviert und die beiden Affen Reny und Möll -rasten wie toll in dem Käfig umher, als sie ihre Herrin erblickten, und -sie ließen nicht eher Ruhe, bis sie heraus- gelassen wurden. i

Nun ging ein -Hetzen und- Jagen los: Auf das Paneelbrett, Wer den Kaminsims, -durch die Palmendekoratton, die Portieren herauf und hinunter. -

Jetzt faßte Reny einen Keinen Bronzeengel Und warf ihn nach Möll Und zwar -so geschickt, daß er seinen Affenkameraden beinahe getroffen hätte. So -aber traf er bloß den großen Kristallspiegel, der in der -Mitte ein ganz kleines Loch, bekam mit geradezu ideal sttahlensörmig laufenden Sprüngen. -

Herr Molfinger sprang -auf, hochrot vor Zorn und befahl den Affen, sofott vom Rande des eckstenBan Dyk" hertmterzukommen, auf dessen Rahmen-sie jetzt hockten. Sie aber fletschten ihm die Zähne, zogen länge Nasen und als sie die Oelsarbe des e-ch-ten

Ban Dyk" rochen, kratzten sie mit ihren Nägeln die dicke antike Oelsarbe ab und knabberten grinsend die ölige Kruste.

Herr Molfinger raste und Nesku lachte Tränen der Wonne über ihre originellen Aeffchen, die jetzt ein neues unterhaltendes Spiel entdeckt hatten. Sie warfen vom Kaminsims allerlei Nipp° säch-elchen nach Molfingers zornerglühtem Haupt, so daß dieser halb wahnsinnig aus dem Zimmer stürzte.

Eine Minute später war er zurück, eine mattschimmernde Brownmgpistvle in der Hand.

Kaum hatte Nesku.das gesehen, so rief sie ihre Asten, die auch im Nu folgten und sperrte sie in den Käfig. Sie selbst stellte sich breit davor. Aber Molfinger schob sie beiseite- und zielte schon nach Reny. Da schlug ihn Nesku auf die H-and, so daß'die Pistole zu Boden siel- Sie bückte sich schnell und hob die Waste auf und ließ sie in ihrem Gewand verschwinden. Dann umarmte sie ihren jungen Gemahl und beschwichtigte seinen Zoni durch eine Menge reizender Küsse.

Das tvar der erste Wend von Herrn Molfingers Ehe. Am andern Morgen war Nesku schon im Speisezimmer, als ihr Gatt« eintrat. Sie hatte keines der europäischen Kleider an, von denen ihr Herr Molfinger ein Dutzend hatte anfertigen lassen, sondern trug nur ihr weißes orientalisches Gewand.

Herr Molfinger blieb in jähem Schreck unter der Tür stehen.

Aber Nesku, du sitzest auf dem Teppich anstatt auf dem

Sie nickte ihm lachend zu, so hold, so reizend, daß sein Zorn etwas gemildett wurde. Er trat näher und sah nun, daß Nesku ein kleines Tellerchen,in der Hand hielt, auf welchem schneeweißer,- trockener Reis lag. Und Nesku griff mit ihren Keinen braunen Fingerchen in den gedünsteten Reis, fnetete. eine kleine Portion mit den Fingerspitzen und schob dann diese Reiskugel in den Mund,

Molfinger war starr. , ,

Aber Nesku, ich bitte dich. Hast du mir nicht versprochen- deine schrecklichen Heimatsitten abzulegen und dir die Manieren einer Dame deiner jetzigen Stellung anzugewöhnen?"

Natürlich hab ich das versprochen, aber so geht es besser. Und außerdem, hättest du dein Lebtag nur immer Reis gegessen wie ich, du hättest nicht so schauderhaft schlechte Zähne. Hier, willst du kosten?" . ,

Sie reichte ihm eine Reiskugel, aber Molfinger wandte sich ab.Bitte setze dich- auf einen Stuhl, Nesku, aber nicht mit Untergeschlagenen Beinen, und frühstücke mit mir." Gehormnt stand das junge Frauchen auf und setzte sich vorfchristsrnäßig auf einen Stuhl und trank eine Tasse Kaffee. Dann Bat sie ihren Mann um die Zigarettendose. In diesem Augenblick stürzte der Diener ins Zimmer und schrie:Gnädiger Herr, um Himmels willen, kommen Sie in den Garten. Der Elefant . . ."

Herr Molfinger rannte in wilder Hast in den Park, und was er da sah, ging ihm ans Herz. Edwin saß im großen Goldfisch- b-assin und schien sich außerordentlich gut zu amüsieren Er tauchte von Zeit zu Zeit seinen Rüssel in das Wafier und sch-ielts nach dem -Gartenzaum. Sobald sich draußen ein Pafi ant sehen ließ, spritzte er mit erstaunlicher Sicherheit einen halben Hekto­liter Wasser durch das Staket und stets wurde von draußen mit einem kräftigen Fluch oder erschrocken-em Schrei üBer den Boll­schuß quittiert. Hunderte von Menschen hatten sich angefammtit und schauten dem interessanten Schauspiel zu.

Erst jetzt gewahrte Herr Molfinger den originellen Aufputz'- den Edwin in Gestalt einer seltsamen Halskrause trug. Ein Blick nach dem Elefantenstalle klärte Herrn Molfinger auf. Der Stall lag in Trümmern. Edwin Hatte seinen Kopf etwas ge­waltsam imich die große Tür geschoben und dadurch die vorder«! Wand herausgedrückt, und nun saß ihm, dank der vorzüglichen Arbeit der Handwerker, die Wand im ganzen auf dem Hals.

Unterdessen war die Feuerwehr angerückt, die man schnell alarmiert hatte.Abcr-wozu nur?" mochte Edwin denken.Als ob ich- nicht selbst genügend spritzen könnte."

Und er spritzte weiter nach Herzenslust. Die Feuerwehr atiet legte zwei Riesensch-läuche in das Alsterbässin und spritzte auf Edwin los. Doch der Dickhäuter blieb nichts schuldig. Er spritzt« hin und sie her und so entstand eine regelrechte Masserschlacht unp -Edwin ivackelte vergnügt mit den großen Ohren und blieb breit und behäbig im Goldfischbassin sitzen.

Das konnte Herr Molfinger nicht länger mit ansehen. Er rannte in wilder Hast zur Billa, um feine Gattin zu holen, da! diese alleinEdwin zur Raison bringen konnte.

Aber welcher Anblick bot sich ihm beim Eintritt in das Speisezimmer. Fran Nesku faß auf dem Teppich und hatte! sechs bis acht brennende Zigaretten int Mund. Im Zimmer war ein solcher Qualm, daß man nicht zwei Schritte weit sehen konnte. Als Herr Molfinger näher ttat, sah er, wie feine Gatttn sämtlich« Zigaretten mit einem Griff geschickt packte und sie verkehrt hfl den Mund steckte Und sie laute und taute und die hellen Flamnmn schlugen ihr ans dem Munde, und Nesku faßte in fanatiicher Be­wegung den Smirnateppich und riß ganze Bündel Wolle heraus Und entzündete sie an den Feuerstrahlen, die aus ihrem Mundr züngelten. Und sie begann zu tanzeii und schlug auf ihre Trommel Und sie warf sich auf den Teppich und wandte sich wie emet Schlange und produzierte sich als Bauch- und Schilangentänzerm und Möll Md Reny sprangen in tollen Sätzen über sie weg Md