Donnerstag de« 3t. August

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Das nette Mädel.

Roman von Fedor von ZobelttK (Nachdruck verboten,) (Fortsetzung.)

Was hatte der Junge nicht schon altes für Dummheiten gemacht! Auf der Schule war er ein begabter Schuler, aber ein Rüpel gewesen; seine Lehrzeit in Bordeaux, Reims und Huelva hatte, er dazu benützt, sich nach Möglichkeit zu amlisieren, und seine Dienstzeit bei den Waldenburger Dra- gonern war auch nur eine Fortsetzung dieser angenehmen Tätigkeit gewesen. Das nahm ihm der Mte nicht so übel. Er dachte dabei an seine eigene Jugend. In den Everstedts steckte ein mächtiger Lebensdrang und ein starkes Krast- gefühl, das mit Ungestüm zur Entwicklung drängte. Sie mußten sich austoben; dann heirateten sie und wurden auf einmal vernünftig. So war es auch dem Alten gegangen, und er wußte: seinem Vater und dem Großvater ganz ähn­lich. Alle hatten sie zarte kleine Frauen genommen, und alle waren sie Pantoffelhelden geworden. Das war fast tra­ditionell. Die Riesen suchten sich Püppchen und wurden die zahmsten Ehemänner.

Aber der Paul schien an keine Heirat zu denken. Er wilderte weiter durch das Leben. Der Alte wartete geduldig. Da kam jener unsinnige Streich, der ihm ein stattliches Kapital kostete. Paul hatte hinter seinem Rücken, durch Friederici verführt, zu spekulieren versucht und war gründ­lich hereingefallen. Jetzt tobte der Alte, und als er sich ausgeschnauzt hatte, wurde Paul auf ein Schiff gesetzt und nach, Amerika spediert. Und nun begann jene famose Ko­mödie,, die den Alten erst ärgerte und ihm dann gewaltig imponierte. Paul verbat sich jedwede Unterstützung seitens der Eltern: der Erbe von P. L. Everstedt, der Millionärs­sohn, Warin New Jork Ausrufer für ein Stroh Hutgeschäft, in Chicago Stiefelputzer, in Philadelphia Steinträger und in Boston Schreiber bei einem Rechtskonsulenten; war Wohl auch noch mancherlei anderes gewesen, was keine soziale Erhöhung bedeutete. Dann kehrte er heim: genau so ver­gnügt und so lebenslustig wie immer, aber dennoch als Mensch von Tüchtigkeit. Everstedt machte ihn zu seinem Ussocis.Wie das in der Freistadt so üblich war, beschränkte er sich längst nicht mehr auf den Weinhandel allein, sou- dern betätigte sich auch in anderen Geschäften und in allen Lagen erwies sich Paul als ein Kaufmann von Um­sicht, Energie und weitem Blick. Der Alte freute sich und sah darauf hinweg, daß Paul nebenbei auch feine Neigung zum Bummeln und zu lustigem Unfug nicht vergaß. Man sprach immerfort von Paul Everstedt: er war der übermütige Gegenpart zu der pfahlbürgerlichen Ehrsamkeit des Pa­triziats und der Sturmbock wider die philiströse Enge des gesellschaftlichen Lebens. Und auch dafür hätte der Mte Nichts weiter als ein behagliches Schmunzeln: die Eber­

stedts waren allesamt keine Heiligen gewesen. 92ür über eins grimmte er sich: warum heiratete der Junge nicht? Der Alte wünschte zum Donnerwetter schleunigst Großvater zu werden; er war nahe an Siebzig, und da begannen bei den Everstedts die Schlaganfälle. Awei kamen gewöhnlich als Vorboten, und beim dritten war es aus. Vorher aber wollte er noch ein paar Enkel haben.

Paul trat ein und gab dem Vater die Hand.

Du befiehlst?"

Ich wollte dir nur sagen, daß du ein kolossales Rind­vieh bist."

Danke aufrichtig. Rindvieh bezahlt sich wieder. Ich möchte dir ein Geschäft in amerikanischen Häuten Vor­schlägen."

I ch möchte dir Vorschlägen, mit der Komteß Liebenau Schluß zu machen."

Meine Achtung vor der Komteß; aber ihre Taille gefällt mir nicht."

Gefällt dir die von Eva Delbrück?"

Sehr. Nur spricht mir Evachen zu viel."

Und Ellen Meier?"

Ist mir zu lämmrig, wenn du erlaubst."

Dir gefällt also gar keine?"

Sollte mir eine gefallen, werde ich mir gestatten^ dich rechtzeitig zu benachrichtigen."

Sehr gütig. Was ist das gestern wieder für ein heil­loser Skandal gewesen?"

Skandal? O, du meinst mein Duell mit Mels Stufe. Es war nicht für die Oesfentlichkeit bestimmt."

Kann ich mir denken. Aber 'Mursinna hat nicht dä8 Maul gehalten, dkun könnt ihr noch vor den Staatsanwalt kommen."

Paul ruckte mit den Schultern.Gott, lieber Papa . . ." Na ja. Schlimm känn's nicht werden. Aber wozu überhaupt der Blödsinn ? Ein vernünftiger Mensch duelliert sich nicht, und ein unvernünftiger wie du doch Höchstens in ernsthaften Fällen."

Es war sehr ernsthaft."

Darf beut Vater wissen, um was es sich gehandelt hat?"

Kruse hatte utich, wie ich vermutete, bei einer jungen Dame, die ich sehr verehre, unmöglich zu machen gesucht."

Sieh da!" Der alte Herr wurde aufmerksam.Ein ftüchtiger Liebeshandel?"

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"@ute Familie?"

Kein Patriziat, aber ein tadelloses Bürgerhaus." Vermögend?" Arm."

Der Alte griff in feine obere Westentasche, in der immer drei dicke Zigarren steckten. Eine gab er Kaul, von der zweiten schnitt er die Spitze ab.

Feuer!"