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sichtigkeit trotz der emsigsten Arbeit der letzten Jahrzehnte tu Mancher Hinsicht -roch heute suhlbar sind. Auf diesem .Gebiet muß der Grund für den verhältnismäßig raschen Wechsel der Professoren und damit auch der Studierenden viel eher gesucht werden, als in den stets wiederkehrenden Klagen Über die Unzulänglichkeit der Räume. .In dieser Hinsicht wird, freilich nicht immer Mit der gewünschten Schnelligkeit, für die nötige Abhilfe gesorgt, so daß die Wiederkehr eines Studentenstreiks, den.noch int vorigen Jahre die Studierenden der Zahnheilkunde veranstalteten und mit .Erfolg durchführten, in Zükunft kaum mehr zu befürchten ist.
In den letzten Jahren waren es vornehmlich zwei Männer, die als Angehörige des Breslauer Lehrkörpers den Namen der schlesischen Universität in alle Kulturländer trugen: Mikulicz Und Dahn. Dem großen Chirurgen war es nicht vergönnt, di« Jubcltage der Anstalt, der er trotz der glänzendsten Rufe nach anderen Hochschulen die Treue wahrte, zu erleben. Ihn, der Unzählige Menschen durch die nie versagende Kunst seiner Hände! denr Leben erhielt, raffte eine tückische Krankheit vorzeitig dahin. Aber im Schmucke seiner siebenundsiebzig Jahre wird der greise! Dichter des „Kampfes um Rom" die Honneurs machen helfen, Und sein ehrwürdiger bärttger .Charakterkopf wird die Tausende von Gästen begrüßen, die aus allen Kulturländern, sogar aus dem Reich des Halbmondes, aus dem schwarzen Erdteil und aus Indien ihre Teilnahme an den Feierlichkeiten zugesagt haben.
Des schönsten Geschenkes will ich am Schlüsse noch kurz gedenken, das der Jubilarin an ihrem Ehrentage harrt. Seit mehreren Jahren übt ein mit bescheidenen Mitteln unterhaltenes Studentenheim seine segensreiche Wirkung. Diesem Heim eigene, würdige Räume zu schaffen, ist der edle Zweck einer Spende, zu der sich hochherzige Gönner zusammengefundeit haben. Hand in Hand mit der Errichtung dieses Studentenheims geht ein großzügiger Plan zur Freilegung des jetzt von Mietshäusern eng Umkreisten Universitätsgebäudes. Möchte doch dieser groß angelegte Plan zur Wirklichkeit werden zum Nutzen der reichen Barockarchitektur des monumentalen Hauptbaues uitd damit zum Borteil der an architektonischen Schönheiten keineswegs Mer- reichen schlesischen Hauptstadt!
Der Verfasser der „Robinson Lrusoö".
Daniel Defoe, der Schöpfer eines der meist verbreiteten Micher der Weltliteratur, hat vor einem Biertel- iahrtausend das Licht der Welt erblickt; sein Geburtstag ist aber nicht mehr auf den Tag festzustellen. Defoe war mehr als der Dichter des Weltbuches von „Robinson Crusos": er war zugleich auch der erste Begründer der öffentlichen englischen Banken, der Begründer unserer Hagel- und Feuerassekuranzen und unserer Sparkassen, er war auch gleichzeitig der hauptsächlichste Begründer der politischen Bereinigung von England und Schottland. Er wurde im Jahre 1661 als der Sohn eines reichen Fleischers ßn London geboren und widmete sich, nachdem er eine sorgfältige Erztehung genossen, dem Kaufmannsstande. Doch drängte es ihn, am öffentlichen Leben seiner Nation teilzunehmen. In einer Dissidentenfamilie aufgewachsen, war er ein heftiger Feind der Kirche, mehr aber noch der katholischen Stuarts, gegen die er mit der Feder und dem Schwerte kämpfte. Eine Zeitlang mußte er sein Vaterland weiden. Später finden wir ihn als enthusiastischen Verehrer Wilhelms Hon Oranien wieder. lieber diesen Interessen am Staate blieben freilich feine Geschäftsinteressen zurück, er machte Bankerott und mußte nach Bristol flüchten. Dort schrieb er das nationalökonomische Buch „Essay of Projekts", in dem er die ersten Anregungen zu oen genannten praktischen Einrichtungen gab. Der große Franklin sprach von dem Werk stets mrt Begeisterung, und es verschaffte seinem Verfasser die Gunst des englischen Königs Wilhelm, der es Hm ermöglichte, sich mit seinen Gläubigern zu rangieren. Nach dem Tode seines königlichen Gönners aber kam er in Konflikt mit dem Doryministerium der Königin Anna; er erließ Streitschriften über Streitschriften, ward der Störung des öffentlichen Friedens angeklagt, an den Pranger gestellt, wobei das Volk Lobhymnen auf ihn sang und ihm Rosen streute, endlich ins Gefängnis geworfen; erst nach zwei Jahren befreite ihn das Ministerium Harley daraus. Jetzt durfte er als Staatsmann seinem Lande große Dienste leisten. Er war es, der im Jahre 1707 die staatliche Einigung von England und Schottland zustande bringen half. Die letzten Regierungsjahre der Königin Mnna brachten ihm wieder diel Verdruß und Mißgeschick, und als im Jahre 1713 das Haus Hannover zur Regierung und mit ihtn die Whigpartei zu ganz entschiedenem Einflüsse kam, da vergaß man undankbarerweise einen der treuesten
Vorkämpfer des Protestantismus und der b ürgerlichen Freiheit. Nachdem Defoe rn seiner letzten politischen Schrift ein öffentliches Bekenntnis über seine Tätigkeit int Staatsleben abgelegt hatte, setzte er sich nieder, um den „Robinson" zu schreiben, den er int Jahre 1719 vollendete. Der Mann, der durch seinen „Robinson" Millionen Kindern selige Stunden bereitet hat, starb aber int Jahre 1731 aus Gram über seinen eigenen Sohn.
DcrmüKbfes.
* Salz als Geld. Als int 13. Jahrhundert der Welt- reisende Marco Polo nach der Provinz Kaimlu — dem heutigen Oberbirma —• kam, fand er, daß dort die kleinste Münze aus Salz bestand. Nur kaiserliche Beamte durfteit dieses Geld Herstellen. Sie sotten das aus Salzquellen stammende Kochsalz in kleinen Tiegeln ein, formten die Masse, wenn sie eine gewisse Konsistenz erreicht hatte, zu kleinen, kucheuartigen Gebilden, die auf heißen Ziegeln getrachtet und mit dem Stempel des Kaisers versehen wurden. Es handelte sich also um regelrecht geprägte Satzmünzen. Das Salz, dieser für das Wohlbefinden des Menschen so nötige Stoff, nach dem salzarme Länder ständig verlangten- war natürlich einst ein sehr beliebter Tauschartikel. Auch heute ist es ja noch in manchen Gegenden Afrikas ein wohlgebräuchliches Zahlungsmittel. In der Taltalebene, am Ostabhang Abessiniens z. B., bricht man das Salz in Stangen von 5 Zentimeter Stärke Und 30 Zentimeter Länge. Diese Salzstangen, die ungefähr Wa Pfund schwer sind, heißt man Amvle. Ihr Wert schwankt natürlich, je nachdem sie in größerer oder geringerer Entfernung! von den Salzfundsiätten umlaufen. In Mita gelten 48 solcher Amvle einen Mariatheresientaler. Bekanntlich ist ja der Maria- theresientaler — und zwar in der allein angenommenen Prägung von 1780 — in Nordost- und Ostafrika noch immer in Umlauf, so daß man solche Taler noch heute in Oesterreich prägt. Auch in Europa galt das unentbehrliche Salz einst gewissermaßen, als Geld. Daran erinnert uns noch das Wort „Salair", das abgeleitet ist von dem lateinischen Salarium = Salzgabe. Die Spenden der römischen Könige an das Volk bestanden in früherer Zeit oft tatsächlich aus Salz und Oel. Besondere Leistungen; und Gefälligkeiten mit Salzschenkungen zu vergüten, war gebräuchlich, und die Bezeichnung Salarium ging später wahrscheinlich auch auf Geldsummen über. Uebrigens lohnte man auch in Reichenhall lange Zeit die Arbeiter in den Siedewerken nur mitSalz ab. Kunstfreunden aber wird es interessant sein, zu erfahren, daß auch einmal das Gemälde eines großen Meisters einen buchstäblich „gesalzenen" Preis erzielte. Den Ammerbachschen Erben in Basel bot nämlich ein Bayernherzog für ein Holbeinschcsi .Christusbild 2000 Tonnen Salz, die Tonne int Werte zu 6 Gulden.
* Zwei (Seelen und ein Gedanke. Zimmerwirtin: „I möchte nur das Geld haben, Herr Pumpmeyer, was Sie so täglich in Bier vertrinken!" — Student: „Ich auch!"
* Fatal. Lehrer: „Warum habe ich dich einen Heinen Dummkopf genannt?" — Mäxchen: „Weil ich noch nicht so groß bin, wie Sie, Herr Lehrer."
Rösselsprung.
'(Auflösung in der nächsten Nummer.?
Auflösung des Bilderrätsels in voriger Nummer k Blinder Eifer schadet nur.
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Redaktion: «.Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und Steindrnckerei, R. Lange, Gieße»


