1911 - Nr. 118
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Aber es ist das
„ich möchte mich kommen doch am
„Fräulein Traute/' sagte Kruse, nur noch einmal vergewissern: Sie Mittwoch?"
„Ja, ich komme, Herr Professor, letzte Mal."
Das nette Mädel.
Noman von Fedor von Zobeltiß, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Dewa ging an ihr vorüber, allein, mit .grüßender Kopfneigung und einem seltsamen Blick. Pvedon geleitete seine Suse; Friederici marschierte als Elefant hinterher. Noeldechen, Mursinna und die Eggenolphs nmzirkelten die übrigen Mädchen bei ihrem tragischen Abgang. Inmitten des Saales standen nur uAch Eberstedt und der Polizeihauptmann in lebhaftem Gespräch; hinter ihnen baute die Schutzmannslinie sich auf.
Kruse stutzte. „Was heißt das? Ich bin noch lange nicht fertig. Wollen Sie mir untreu werden — und, lieber Gott, weshalb?"
„Es geht nicht anders. Ich sage Ihnen alles am Mittwoch."
„Also wirklich zum letzten Mal?" — Der Ton klang sehr bittend.
„Ja, Herr Professor, zum letzten Mal," antwortete sie fest, „Adieu." ,
Sie gab ihm die Hand, und er drückte sie so stark, daß sie leicht zusammenzuckte.
Eberstedt hatte das beobachtet. Auf seiner Stirn lag eine dicke Falte.
„Komm her, Niels!" ries er. „Also es steht so: Moe- bius muß in guter Absicht irgendeine Redensart gemacht haben. Die hat der Superintendent aufgefangen und eiligst seine Gegenmaßregelu getroffen. Du und ich — wir sind wieder einmal die Teufel, die schneeweiße Lämmer- seelchen pechrabenschwarz färben wollten. Wir sind von neuem gebrandmarkt. Na, geben wir die Geschichte auf!"
„Glaubst du, daß ich auch nur einen Finger rühren werde, wenn fünf alte Weiber das Komitee bilden, ein .Pfaffe, ein Büffel und ein Kamel?"
„Klamroth!" rief der Polizeihauptmann, „Sie können nun gehen. Die Leute sollen sich auf der Straße gleich verteilen, damit kein umrötiges Aufsehen hervorgerufen wird."
„Befehlen, Herr Hauptmann!"
Die Schutzleute traten ab.
Inzwischen hatte Eberstedt die RockKappe Kruses! erfaßt.
„Niels," sagte er leise, „dann laß auch die Malerei."
„Was? Welche Malerei?"
„Ich meine — zum Donner, versteh mich recht: ich meine das Modellsitzen der kleinen Köhler."
Kruses Augen brannten auf dem Gesicht Eberstedts.
„Aeh — da hast du ihr also abgeraten? Mein Lieber, das ist meine Sache und schiert dich gar nichts. Und noch eins, mein Lieber: zieh deine Krallen ein! Die geht nicht zur Mazanka!"
Everstedt wurde erdfahl. Ein Ruck ging durch seinen Körper. Dann wieder schoß ihm fach das Blut in das Gesicht. Aber er beherrschte sich meisterlich. Der Polizeihauptmann wandte sich an ihn zurück, und da lachte er fröhlich, auf und rief:
„Löneysen, man muß die Feste feiern, wie sie fallen! Jetzt trinken wir bei Baumgarten eine Pommery zu Ehren der geretteten Tugend. Kruse, ich lade dich ein. Du Hüter aller Tugend, du'leuchtendes Vorbild tadelsfreier Ehrbarkeit, ich lade dich ein!"
„Merci," sagte Niels; „ich fahre in meine Cünsamkeit zurück und stippe meine Gedanken in Gießhübler . . ."
Ein Keines Männchen erschien im Saal, einen Besen km Arm; dahinter ein dickes Weib mit Eimer, Schrubber und Scheuerlappen. Es waren der Hausknecht der Ressource und seine Frau, die den Saal fegen wollten.
*
Auf der Straße hatte das kuriose Geschehnis doch einen kleinen Menschenauflauf hcrvorgerufen. Cs gab da eine Masse Neugieriger, die gern wissen wollten, was eigentlich passiert sei, so daß die Schutzleute es nicht leicht hatten, den Mirgersteig frei zu halten.
Aber Traute kamen die vielen Müßiggänger gerade recht. Sie wollte nicht mehr mit den Freundinnen Zusammentreffen; sie hatte das Bedürfnis, allein zu sein. So hielt sie sich denn dicht an der Häuserwand und bog in die nächste Querstraße ab, um auf einem Umwege nach Hause zu gehen.
Sie ging langsam und schlendernd, den Schirm unter dein Arm, den Kopf ein wenig geneigt. Das seltsame Empfinden, das sie vorhin beherrscht hatte, kam zurück. Es siel ihr schwer, die Gedanken zu ordnen. Sie dachte an den bittenden Tonfall bei den letzten Worten Kruses und dann wieder an Fred Dewas melancholischen Augenaufschlag und an die höhnische Warnung Eberstedts. Sie sah den Mohnblumenhut der Bertucci vor sich und den Tressen- behang am Kostüm der Tini Sandratt; sie hörte mancherler Stimmen durcheinander, aber sie klangen wie aus weiter Entfernung und zuweilen wie Glockengeläut, und dann fühlte sie plötzlich einen stechenden Schmerz in der linken Schläfe.
Er währte nur einen Moment, war aber so heftig, daß Traute unwillkürlich stehen blieb. Der Schmerz kam nicht wieder, und da glaubte sie fast, es sei nur eine Einbildung gewesen. Sie schritt langsam weiter und sagte sich mir ruhiger Gelassenheit, daß sie sehr nervös sei. Dabei dachte sie rmeder an die blühende Heide und überlegte, tote wohl es


