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seit einem Jahre eineu Beamten eingestellt, der durch seine Eeschäftstüchtigkeit, sein Verständnis seinen Scharfblick und seinen Fleiß die volle Zufriedenheit seines Chefs errang. Als unschätzbarer Gehilfe wurde er schließlich auch in den inneren Betrieb des Unternehmens eingeweiht und erwies sich auch Habei als ein so tüchtiger Geschäftsmann, daß bereits nach sechs Monaten sein Gehalt verdoppelt wurde. Eines schönen Tages bat der Mann um seine Entlassung unter der Begründung, daß er in die Kolonien gehen wolle. Sechs Monate später brachte eine Konkurrenzfirma Waren auf den Markt, die ebenso gut und dabei billiger waren als die des Hauses, das bisher durch sein Geschäftsgeheimnis allen Wettbewerbern überlegen gewesen war. Die Nachforschungen ergaben mit aller Sicherheit, daß das Geheimnis verraten worden war, aber das Beweismaterial blieb zu dürftig und lückenhaft, um Handhaben für das Gesetz zu bieten. Der ungetreue Beamte aber lebt heute als wohlhabender Rentner.
Noch schlimmer ging es einem französischen Seidenfabrikanten, der ein Verfahren entdeckte, um seine Seidenstoffe in Au§- sehen und Wert mit verhältnismäßig geringen Kosten zu verbessern. Er war ein vorsichtiger Kaufmann, und um keinen Angestellten ins Vertrauen ziehen zu müssen, entschloß er sich, die Anwendung des von ihm ersonnenen Verfahrens in einen geschlossenen Raum höchst eigenhändig lind nur mit Hilfe seines einzigen Sohnes durchzuführen. Das ging auch eine Zeitlang sehr gut, bis der Sohn in Schulden geriet und in seiner Bedrängnis das Fabrikationsgeheimnis seines Vaters einem großen amerikanischen Seidensyndikat für eine Riesen- fiunme verkaufte. Der Verräter ist seitdem verschwunden, die Familie hat nichts mehr von ihm gehört. Am bittersten freilich wurde vor einigen Jahren ein in der englischen Jn- dustriewelt sehr gekannter und technisch begabter Maschinenfabrikant heimgesucht. Er hatte jahrelang über die Verbesserung einer Maschine nachgegrübelt, bis er endlich nach langwierigen Versuchen in einer Stunde der Erleuchtung sein Ziel erreichte. Durch eine äußerlich kaum wahrnehmbare, geringfügige Aenderung wurde die Leistungsfähigkeit der Maschine und zugleich deren Betriebsbilligkeit ganz außerordentlich erhöht. Bevor er sein Patent aufnahm, zeigte er ein fertig gearbeitetes Modell seinem Ingenieur. Dieser schlug noch eine kleine Aenderung vor, und während der Fabrikant einen Versuch vornahm, zeichnete der Ingenieur heimlich die Maschine ab. Er verkaufte diese Modellzeichnungen unter der Hand einer Konkurrenzfirma für ein Vermögen, und wenige Wochen später hatte bereits die andere Fabrik die neue Idee und Erfindung auf den Markt gebracht. Der betrogene Erfinder konnte natürlich einen schlüssigen Beweis davon, daß sein Ingenieur ihn betrogen hatte, nicht beibringen, und der Angestellte genießt heute als wohlhabender Mann sein Leben, ohne daß der Geschädigte ihm etwas anhaben kann, weil unzweideutige Beiveise in solchen Fällen fast nie erhältlich sind.
Einige obertzessische Volksschwänke.
Die Mstcht der Gewohnheit im! Gebrauchc von!
R ed ens«rten.j
Basterssriäu äU ihrer Begleiterin, von einem! Begräbnis Heim- kehrend: „Da hawe je «wer unserer Freundin, der Annemarie, iewÄ beim Begräbnis en schöne Choral gesunge, der hat mer awer fesalle; jv Gott will und ich erlabs und bleib ge- !un d, das Lied soll mir awer ach emol am Grab gesunge werde!"
I®er Wünsch, der Väter des Gedankens. ..
Mann Und Frau find gleichzeitig schwer erkrankt. Eines Ta'geH wendet sich der Mann mit mattem Blich dem Krankenbett feiner, Frau zu und sagt: „Ach, lieb Kathrine, wir sind alle zwei hart krank; ich glaub bestimmt, daß eins von uns sterben muß; W zieh dann zu meiner Schwester nach OMraMstM!."
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Ein Mann, der Mit seinen läut Weinenden Kind'erN tot dey Totenbahre seiner Fr>äu! sticht, sagt zu einem Freundet „Ja, siehst du, den Kindern nehm ichs »et übel, daß sie so laut heule/ denn die Mutter ist ihne gestorbe; awer sch sein doch ganz fremd mit ihr zusamme gekomme!" ;
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Tief ergreifende Worte sprach der Geistliche ton Grabe eines iM Berufe verunglückten braven jungen Familienvaters. Alles! war tief erschüttert und weinte. Nur eines Mannes Augen waren tränenleer. Hierüber zur Rede gestellt, gab der Mann zur Ant- htort: ,Ja, wissen Sie, der Fall war ja.recht traurig; ich bin aber doch aus einem anderen Kirchspiel!"
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Der kleine A-B-C-Schühe Hans kommt entrüstet aus der Schule nach Häufe und zeigt feinem Vater in feinem Buche den Buchstaben „i" Mit den Worten: „Guck emol do Vatter, was mir für en domme Lehrer hawÄ, fragt mich der doch, was das für en Buchstawe wär, und wüßt's net." >—■ „Hast du's em daun gesagt?" — „Na." —- „Do host de awer recht gehabt, des muß der selbst wisse,"
vermischtes.
• Photographien mit wechselnden Farben. In der Pariser Akademie würde eine Arbeit von Estanave über die Photographien, deren Aussehen wechselt, vorgelegt. Estanave hat bereits einmal die Aufmerksamkeit der Akademie gefesselt, indem er Photographien vorlegte, deren Zeichnung sich änderte. Er hatte ein Klischee erhalten, das ein Frauenporträt darstellte, bei dem die Augen abwechselnd geschlossen und geöffnet erschienen. Man sah die Augenlider sich bewegen. Diesmal wechseln die Farben auf den Platten, je nach dem Blickpunkt des Beobachters. Estanave hat ein Klischee hergestellt mit der Darstellung eines Gartens, in dem die Blumen ganz verschiedene Färbungen annehmen, wenn man das Klischee leicht neigt. Dieses Ergebnis ist durch Anwendung von Netzen erzielt, die horizontal aus farbigen Linien gebildet sind. Dank der parallaktichen Wirkung werden die Blumen abwechselnd hinter diesen farbigen Linien gesehen und färben sich so in verschiedener Weise.
* Rumänischer Champagner. Das rumänische Do- Mänen-MinisteriuM hat bereits vor einigen Jahren in Murfatlar jin der Dobrudschä, der rumänischen Schwarzmeer-Provinz, eine Rebenschule und einen kleinen Weingarten angelegt, um die wichtigsten Rebensorten für die Erzeugung von Schaumweinen zu erproben. IM vergangenen Jahre haben die Anpflanzungen zum ersten Male Früchte getragen, und es werden versuchsweise nachfolgende Gattungen von Weinen hergestellt werden: Pinot-Noir, Epinette, Pinot-Chardonet, Malvoisie. Nach der Qualität der Trauben hofft Man, daß hie erzielten Weine ein sehr befriedigendes Resultat ergeben werden, UM so mehr, als das Terrain stark kalkhaltig und infolgedessen für die Erzielung von Schaumweinen sehr, geeignet ist.
Rätsel.
Man hat mich der Gottheit Geschenk genannt, Bei allen Völkern bin ich bekannt, Ich bin beliebt und unentbehrlich, Sobald der Winter fällt befchwerlich.
Erheb ich mich aber und ivachse au, So flieht und haßt mich jedermann. Ich brachte Manchen um sein Gut, Der nicht vor mir war auf der Hut.
Auflösung in nächster Nummert.
Auslösung des GitterÄitsels in voriger NumMestk
P N R
Ptolemäus o u t
1 n h
Neunaug en m u n
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Ruthenium s n in
Eine Bauersfrau zeigt ihrem Besuche, einer Freundin von iaüswärts, ihren großen Vorrat von Häubchen, wie sie im Orte hei verschiedenen Anlässen getragen Werben. „Und hier ist mein Kieblingshäubche, das hab ich immer so gern getrage, das solle Meine Angehörige mir mit ins Grab geben!" — „Die werde der was male; bie allerschlechteste Haub kriegst du uf gesetzt, die dst nur hast," >,Das will ich aber Mal sehe!"
Ein Vater tadelt seinen unfolgsamen zwölfjährigen Jungen: x,Wenn ich rneim Väter mit so Ungezogenheite gekomme wär, ha wär ich awer schön angekomme!" — „Vatter, Ihr mögt mer touer ach ein Vatter gehabt tzawe!." — „E i n e it besseren, wie bist, Litt F.lKLel!" ■ ; i i i ! i , ;
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AsdaktiÄ» l I. V.; E. H e ß. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. LänD, Gießm.


