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Dis iniexnaiisMle Hygiene-Ausstellung Dresden M.
Bon Dr^ vpit Tro y,
, IV. !
- Die Stadl der Internationalen Hygiene-Ausstellung Katie Men besonderen Fest- Md! Feiertag zu verzeichnen.: war ein selten schöner Himmelfahrttag und zugleich feierte König Friedrich August seinen .Geburtstag. Letzterer Umstand bot den patriotischen Dresdenern willkommenen Anlaß, die Straßen in ein überaus prächtiges Fiahnenkleid zu hüllen. Demi Auswärtigen fielen bei dieser Gelegenheit das Uebcrwiegen oder wenigstens die gleichmäßige Benutzung der Reichssarben neben den Landesfärben auf, ein Moment, das man in manch anderer Bundeshauptstadt nicht oft zu sehen bekommt und der Reichstreue der Sachsen ein rühmliches Zeugnis ausstellt. Zu der großen Parade war ein militärischer Luftkreuzer über der Stadt erschienen, der namentlich Von der in Scharen ans der engeren und weiteren Umgebung der Landeshauptstadt herbeigeeilten Landbevölkerung lebhaft bestaunt würbe. Die Wege und Wagen nach der Ausstellung waren schon zeitig dicht gefüllt, und! der Anblick der Ausstellungsbauten mit der Winlemannschen erfüllten Forderung „edle Einfalt und stille Größe" war int Hellen Sonnenlicht ein überaus wirkmtgsvoller. Alte Stammgäste der Ausstellung hielten schon frühzeitig die Plätze auf der Esplanade besetzt, während der Hauptstrom der Besucher sich zunächst, wie imMer, nach der populären Halte ergoß. So Soft Map dieses Denkmal deutschen Fleißes durchwandert/ man trifft imüter wieder auf neue, überraschende Objekte streng wissenschaftlicher Natur, fite den Laien kunstgerecht in den gewöhnlichen Menschenverstand übersetzt. Wendet man sich vom' Eingänge her Mach rechts, so fallen dem! Besucher einige unheimliche, ganz vermummte Gestalten in die Augen, die Sicherheitsanzüge für die verschiedenen gefährlichen Berufe tragen. Das Präparat einer Menschlichen Lunge läßt deutlich diS Spezialgefahr für die Bergleute, die 'unheilvollen Wirkungen der Einatmung von Kohlenstaub! erkennen. Man sieht an einer Bergmannslunge deutlich/ wie sich die Kohleiipartikelchen in dem' Gewebe festgesetzt haben, die man bei Befühlen auch mit der Hand betasten könnte. Mehr sorgfältige als schöne anatomische Nachbildungen versinnbildlichen! die Wirkungen der Nekrose auf verschiedene Glieder. Eine besonders .unheimliche Krankheit für Landarbeiter bringt der Strahlenpilz hervor, dessen Tätigkeit ebenfalls verschiedene Wachsnachbildungen zeigen. Weiter zeigt uns die Abteilung die Folgender englischen Krankheit bei Kindern an zahllosen Modellen. Historisch interessant ist die Tatsache, daß schon 'zur Zeit der großen Maler des Mittelalters diese Krankheit, wie man auf Bildern nachweisen kann, ihre Spuren zeigte, ohne daß sich der Schönheitssinn der großen Meister gesträubt hätte, diese krankhaften Zustände als /,unschön" mit der Palette zu verewigen. ■ Ist der betreffenden Koje find Bilder von Rubens, Belasguez und Jordaens vertreten. In die dunklen Zeiten des Mittelalters führt uns ein weiteres Bild, das die Marterung und Hinrichtung eines Bauern därstellt, der !aIS Wärwvlf unter der Bevölkerung gewütet haben soll. Daß 'aber mittelalterliche Vorstellungen über das Wesen von Krankheiten, namentlich von Gemütskrankheiten, noch bis in die neueste Zeit vorherrschend wären, läßt sich aus einem Gemälde erkennen, das beit Jrrenturm! in Wien barstellt, ein festungsartiger Batt Mit engen Fenstern, in dem die unglücklichen Gemütskranken noch bis 1870 untergebrächt waren. Sehr umfangreich ist bas Gebiet der Schaustellungen, die sich auf die Volkskrankheiten, Krebs und Tuberkulose, beziehen. Auch hier treffen wir wieder ein anerkanntes Kunstwerk als Krankheitsdokument, die berühmte Venus des Botticelli, von der die Aussteller eines Abgusses uns! aufs Haar be- weifen, daß sie schwindsüchtig gewesen sein muß. Zu den interessantesten Präparaten aus der Tuberlnloseabteilung zählt ferner ein Skelett, bei dem die Krankheit die Wirbelsäule so gekrümmt hat, daß die letzten Rippen fast auf dem oberen Becken aufsitzen.
Wir wandern weiter und finbcn ein Präparat einer Sange, die an den Spitzen große Höhlen aufweist, sogeuanute Gabariten; das Lungengewebe ist durch Vereiterung vollständig zerstört morden.; Die nächste Koje ist der Tollwut und ihrer Bekämpfung gewidmet. Die Figur eines Knaben weist die erst in letzter Zeit wieder in Berlin epidemisch aufgetretene Haarerkrcmkuug infolge Infektion durch einen Pilz auf. Die Krankheiten werden nun immer unheimlicher und damit ihre Darstellung. Man findet Bilder aus dem Lepraheim aus Memel, gewinnt aber auch die ermutigende Ueberzeugung, daß für die unglücklichen Insassen das. Menschenmögliche an Pflege und Unterkunft getan wird. Noch scheußlicher Wirken Abbildungen von Elesantiasis-Kranken mit den unförmlich Umgestalteten Gliedmaßen, eine Krankheitserscheinung, die Gott sei Dank bei uns nicht vorkommt. Alte Stiche versinnbildlichen uns den einstigen Siegeszug der Pest und der Cholera, die, einst in Deutschland epidemisch, jetzt zu den überwundenen Volkskrank- heiten gehören. Auch die Dem'oitstrationen von Wurm- und Typhnserkrankuitgcn müssen wir noch über uns ergehen lassen. Dann werden die Ausstellungsobjekte freundlicher. Eindringlich werden uns kleine Nachlässigkeiten des praktischen Lebens, die verhängnisvoll werden können, vor Augen geführt. So enthält das Bild der englischen Lady, die in ber Freude ihres Herzens ihrem siegenden Lieblingsgaul einen Kuß auf die Nüstern drückt, feilt Vorgang, der in vielen Reproduktionen bekannt geworden ist, die nüchterne und ernüchternde Warnung, daß dadurch die Rvtz-
kraiikheit auf den Manschen Überträgen werden kann. Auf etnW änderen Zeichnung wird einer jungen Dame, die mit ihrem .Batisttaschentuch erst eine .Gartenbank säubert, UM ihr Kleid zst fchonen, und dann dasselbe Taschentuch an die Lippen führt, klar gemacht, daß man dadurch Bazillen einschlucken kann. Eines statistische Aufstellung beweist uns, daß man, wenn man täglich nur drei Gläser Bier nicht trinkt, man int Läufe eines Menschenalters an barem Gelbe mit Zins und Zinseszinsen etwa 8400 Mark erspart hat, sofern man das. Geld natürlich nicht auf aitbere Weise zum Fenster hinauswirft. Auf birelt ingeniöse Weise wird die Luftdurchlässigkeit unserer Wohnhäuser an einem' Ziegelstein dar- gestellt. Auf der einen Seite preßt man Luft an den .Stein mittelst einer Pumpe, worauf äpf der andere Seite, die ein unter Wassep führendes. Glasröhrchen aufweift, Lustbläschen einporsteigen. Eine dunkelrote Flüssigkeit in einem Glase, deutet uns die Blutmenge eines erwachsenen Menschen an, von der er die Hälfte verlierens kann, ohne an seiner Gesundheit Schaden zu nehmen. Es. besteht/ wie wir alt einem änderen Glasgefäß ersehen, zu drei Viertel aus. Wasser, zu einem Viertel aus festen Bestandteilen. _ Auch dep Luftverbräuch des Menschen wird Plastisch an Glasgefäßen gezeigt.; Er beträgt in der Ruhe pro Minute 8 Liter, beim Gehen 16, heim Bergsteigen 23 und beim Däuerlanf sogar 53. Liter. In natürlicher Lebensgröße sehen wir an Wandbildern die Entwicklung des männlichen Md weiblichen Geschlechts in bezug auf körperliche Ausbildung vom! 1. bis zum 14. Lebensjahre. — So viel für heute. Draußen auf der Esplanade staut ftdt inzwischen eine Dasein- freudige Menge. Die Musik spielt die für solche Augenblicke altbewährten /,Rosen aus dem Süden" und aus dem Vergnügungspark dringen die nicht gerade melodischen Kriegsgesänge der Marok'kanertruppe, bereit braune Mitglieder übrigens von den Dresdnerinnen nicht weniger — sagen wir milde — umschmeichelt, werden als s. Zt. von den Berlinerinnen. Doch hierüber, b. & über den Vergnügungspark, ein andermal.
wie Geschäftsgeheimnisse verraten werden.
Ein für die Handelswelt lehrreicher Fall von geschäftlicher Spionage war kürzlich in London der Gegenstand einer Gerichtsverhandlung vor der Berufungsinstanz in Strafsachen. Zwei Männer, die von den Geschworenen in Newcastle zu sechs und vier Monaten Zwangsarbeit verurteilt waren, hatten Berufung eingelegt. Sie waren bestraft worden, weil sie durch Bestechungen von Angestellten einer älteren Konkurrenzfirma sich die Kenntnis fremder Fabrikationsgeheimnisse zu verschaffen suchten. Es handelte sich um die Gewinnung und Herstellung gewisser Arten Kieselerde, und die beiden Angeklagten hatten unter den Angestellten der Konkurenzgesellschaft Geld geboten, um in die Einzelheiten der Herstellungsart eiugeweiht zu werden. Der Lord Oberrichter wies die Berufung nach kurzer Verhandlung zurück, und das strenge Urteil wurde aufrecht erhalten.
Der Fall ist nur ein Symptom für das ausgedehnte Spionagewesen, das bei den scharfen Formen des modernen kaufmänischen Wettbewerbs immer mehr gewachsen ist und von dessen Bestehen alle größeren Betriebsleiter wissen, ohne wirklich wirksame Abwehrmittel zu besitzen. Man erfährt von solchen Fällen geschäftlicher Spionage nur darum so wenig, weil es in den allerseltensten Fällen möglich ist, den Beweis für die Schuld der einzelnen Angestellten zu erbringen. Es gibt eine ganze Reihe von Leuten, die nur davon leben, Geschäftsgeheimnisse zu erkunden und weiter zu verkaufen, ja diese kaufmänischen Spione können mit ihrem wenig rühmlichen Handwerk, wenn sie schlau sind und Glück haben, reiche Leute werden. Die meisten von ihnen unterliegen freilich mehr der Versuchung einer Gelegenheit, als einem bestimmten Systeme, aber es fehlt doch auch nicht an solchen, die es sich zum Berufe gemacht haben, in großen Betrieben nur darum eine Anstellung anzunehmen, um während der Arbeit möglichst genau in die Geschäftsgeheimnisse der Brotherren einzudringen, und sie dann der Konkurrenz gegen schweres Geld zu verkaufen. Erst vor einigen Jahren erregte in der englischen Geschäftswelt die Aufdeckung eines solchen Spionagemaiiövers großes Aufsehen, ohne daß es möglich gewesen wäre, die Folgen des Vertrauensbruches abzuwenden oder den Täter auch nur zu bestrafen. Es handelte sich, so berichtet eine englische Wochenschrift, um ein großes Unternehmen von Holz- und Steinschneidereiarbeiten. Die Firma besaß ein Geschäftsgeheimnis, durch das gewisse Artikel leichter, besser und billiger herzustellen waren, als die Erzeugnisse der Konkurrenz. Der Inhaber der Firma hatte


