Ausgabe 
31.5.1911
 
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WUW

Herzeloide.

Roman von Georg Freiherrn von Omptod'ck» (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Du bist von mir gegangen an jenem lichten, Weiteren Tage, du hast deinen Schmerz, von mir zu scheiden, Licht und Leben zu lassen, verbürgen, damit ich weniger unglück­lich wäre. Du hast gesagt:Es wird mir nicht schwer." Das heißt: du hattest mich lieb, du warst mein Weib, «teilt Deutsches Weib, das da Treue hält bis zum bitteren Tode, das sich sterbend noch überwindet, heiter von dieser Erde Zu gehen, nur um dem Geliebten eine Sekunde der Trauer zu ersparen.

Maria, ich segne dich! Ich 'segne Kein Andenken, deine Liebe, deine Seelenkraft, deinen starken Tod! Maria, bleibe gesegnet!

Ehe ich dich gekannt, verstand ich nicht zu leben, begriff !nicht, wozu Menschen auf der Erde sind. Ehe ich dir be- gegnet, habe ich nicht gewußt, was eine Frau ist, was ein Weib dem Manne bedeutet. Du lehrtest mich Geduld, du zeigtest mir, was es ist, wenn zwei einander helfen, das Dasein zu tragen. Du hast nichts für dich verlangt, du schenktest alles nur mir. Deine Liebe ist still gewesen und demütig und doch groß und tief. Du lebtest ein eigenes Dasein und gingest doch in dem meinen auf. Du hast nur geduldet und nie geklagt, und wenn ich die Fassung ver- loren, bliebest stark.

Maria, ich segne dich! Bleibe gesegnet!

Nun siehst du lächelnd herab auf mich, der ich hier Unten meinen Weg schreite, den Weg, ich weiß nicht wohin, den Weg, den ich gehe ich weiß nicht wozu. Warum ließest hu mich allein? Hättest du mich mit dir genom­men ! Könnte ich sprechen mit dir! Siehe, das ist das Schwerste! Du hörst mich nicht. Du antwortest mir nicht. Ich möchte dich dringend fragen nach etwas, das du er­lebt, wozu nur du den Schlüssel besaßest, und du nahmst die Antwort mit dir fort.

Ich 'habe einen Kummer, den will ich aüsschütten, mich tzü erleichtern, in deine Seele. Du hörst mich nicht. Was Igingest du von mir? Warum ließest du mich allein? Wo­hin bist du entschwebt?

Da liegt vor mir der Leib, das schöne Gefäß, in dem deine Seele wohnte, aber habe ich den allein gesucht, so­lange hu schrittest über der Erde? War deine Seele nicht her 'beste Teil, hat sie nicht erst den Körper zu dir gemacht? .Und NUN ist sie fort, hat ganz allein ohne mich, der ich. 'stuf Schritt und Tritt neben und mit ihr ging hier unten, heu Weg zurückgelegt. Den Weg --- wohin?

1 Wir gingen zusammen vom Morgen bis z'um Abmd. Wir ruhten Seite an Seite, Hand in Hand. Wir haben Bnes hem anderen alles gesagt, gedacht miteinander und

uns mitgeteilt Unser Leid. Mitgeteilt? Was rede ich? Wir haben empfunden, was dem anderen wehgetan, pHntz es uns durch Worte zu sagen.

Und das alles soll plötzlich zu Ende sein?.

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An meines Weibes sterbliche Hülle bin ich getreten, nicht fassend Gottes Ratschluß. Und wie sie so dalag, als ob sie schliefe, war es mir, als hätte ich nur zu rufen: Maria, wache auf!" und sie müßte die Augm öffnen und aufstehen und wandeln. Ich setzte mich neben die Tote und schaute sie stundenlang an. Sie war nicht ge-i storben, nein, nein, nein, sie konnte nicht tot sein! Jeden Augenblick mußte sie sich regen, sich, zu mir wenden. Doch sie blieb unbeioeglich. Und ich sah hinüber wie äuf ein Rätsel.<

Dann geschah alles, was zu geschehen hat, wenn ein Mitmensch von uns scheidet. Was sie taten, weiß ich nicht mehr, aber ich fand mich wieder im selben Zimmer, nur war alles 'hinausgeräumt, was darin gestanden hatte. Stühle hatte man rundum gestellt, und an der Wand war ein Kreuz> das aus Blattpflanzen des Südens ragte. In ihrem dunkeln Blättergrün sahen sie kalt aus, so wie Maria nicht gewesen. Ich ließ sie entfernen. Blumen wurden verstreut, und so lag die Tote da mitten in der Blütenpracht, die sie um Süden so geliebt hatte.

Es kamen Menschen. Ich drückte Hände. Nicht eben viele, denn Meran war schon ausgestorben, die Zeit war dem Sommer zu nah. Der Geistliche trat an den Sarg und sprach. Ich blickte ihn an, aufzumerken, aber bald fiel mein Auge wieder auf das jetzt so gelbe Gesicht, die schmalen Wangen dort unter den Blumen. Und wie nun so der Duft mir fast betäubend entgegenströmte, ein un­bestimmter, gemischt von allen Blumen, die Südenssonne erzeugt, irrten meine Gedanken ab, flogen weit, weit davon.

:--: Wir waren in Pernese. Auf unserer Dank

saßen wir am. Meer. Unter uns schäumten, zerbrachen, zerspritzten die Wellen, und draußen, weit draußen am Horizont, wo der blaue Himmel zusammenging mit der blauen See, zog ein Dampfer, die lange schwarze Wolke aus dem Schornstein hinter sich lassend. Wir saßen Arm in Arm. Maria im Glanz und Schmück ihrer jungen Jähre, mit dem leuchtenden Dunkel ihres schönen Haares, das so herrlich sich abhob von der blendend weißen Haut. Sie schmiegte sich in meinen Arm. Hintenüber sank der Kopf, und wie sie mir die Lippen bot, blickte ich tief hinein in die schwarzen Augen, darinnen die köstlichste Seele war, die mir in meiner Erdenzeit begegnet.

Dann lagen wir Arm in Arm, und sie sprach leise süße Worte des Dankes für meine Liebe. Dabei plätschere ten die Wellen, dabei schien die Sonne, und ein leiser Lufthauch trug von den Blumenbeeten am Hotel weiche betäubende Düfte herüber wie Wolken, in Stößen, immer durchdringender, immer satter, Blnmendust wie , ?. e >