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fhe verwöhnte uttS umschwärmte Tochter eines reichen Mannes M feilt. 'Das Herz kam dabei viel zu oft in den Hintergrund Md die vielen, heimlichen Wünsche. . .
Warum Leutnant Specht ihr heute wohl so seltsam konfus intib erregt seine drei Rosen überreicht hatte? Von schlechten Friedrichshagener Geschäftsverhältnissen redete er dabei und von ansverkausten Blumenläden. Der gute Junge war direkt komisch Ijeute. Sie hatte eigentlich große Angst vor Offizieren. Denn es war gar nicht schwer, sich in solche famose, kleidsame Uniformen Ku verlieben, man hatte so ein stolzes, vaterlanüstreudiges Gefühl dabei, wenn man denken könnte, sich eines Tages besiegt an die wundervoll blanken Knöpfe pressen zu lafsen —.
Dazwischen war aber immer wieder ein anderes und vielleicht besseres Gefühl, erwachten Wtinsche, die ganz wo anders hinaus wollten, als zn dem lustigen und leichten Leutnant Specht. Dunkle Augen unter braun gelocktem Haar sah sie dann, einen ernsten, bittenden Mund, der sich doch niemals keck und- herausfordernd öffnen würde und sagen: „Ich will dich, ich brauche dich, obwohl ich nur ein armer, phantastischer Dichtersmann bin."
Liselotte lief plötzlich aus dem sie umringenden Herrenkreis am Büfett fort und in das große Empfangszimmer der Villa, in dem grade die Tür von der Diele her geöffnet wurde. Tort blieb sie stehen, starrte den blassen, großen Mann, der soeben eingetreten, einen Augenblick trotzig an und nahm dann doch lachend die wundervollen und kostbaren Blumen von ihm an, die er heute mitgebracht.
„Da hat er sicher sein letztes Geld für fortgegeben," durchfuhr es fie rasch und schmerzhaft.
Sie sprach ein paar Worte mit ihm, führte ihn den Eltern Ku und verschwand dann plötzlich wieder. Durch zwei, drei über» füllte Gesellschaftsräume lief sie, über die Diele und die Treppe zu ihrem matt erleuchteten Gartenzimmer hinaus. Denn sie chatte etwas in den weißen, von Hans-Günther Leonhard überreichten Blumen gesehen, das beinah wie ein tief in der Manschette verstecktes Brieslein anssah.
Richtig, ihre zitternden Finger hielten es' schon fest, es war ein Briefchen. Winzig klein und fein war es und von himmelblauer Farbe gleich der Manschette.
„Dir, o Holde, gilt »nein Hoffen, Dir, o Reine, all' mein Sein, Willst du, steht der Himmel offen. Und ich bin auf ewig dein!
Willst du, gib mir nur ein Zeichen, Daß ich deiner Lieb« wert, Und ich will dem König gleichen. Dem die ganze Welt gehört. . ."
Liselotte las und stand wie angewurzelt. 'Das Blut kmn Innb ging auf ihrem Antlitz, die junge Brust hob und senkte- sich schwer, und der blonde Kopf neigte sich tief und immer tiefer.
„Wie er dichtet, wie groß und herrlich er ist!" dachte sie. „Und wie zart und Poetisch er diesen Brief in seinen Blumen versteckt hat! Was war gegen so viel Poesie und Genialität ein Leutnant, den nur Pferde und Flirt, Manövergeschichten und Liebesmähler interessieren! Du sollst das Zeichen haben, Hans- Günther Leonhard!"
Es war kurz vor Mitternacht, und im Speisezimmer bei Direktors wurde auf einer langen Tafel Blei gegossen.
Hans-Günther stand abseits der lachenden Menschen und starrte tiefsinnig auf den unförmigen Klumpen Blei in seiner Hand, den er soeben aus dem Wasser gezogen.
„Gold!" dachte er. „Aber es kann auch Kupfer sein! Oder eüt Klapperstorch mit geknickten Flügeln. Mensch-, werde bloß nicht abergläubisch auf deine alten Tage."
Er blickte melancholisch auf und direkt in ein paar lockende,
blaue Mädchenaugen.
„Ach, Herr Leonhard... auf ein Wort, bitte. Sie interessieren sich doch so für fremdartige Blumen, bei uns im Wintergarten sind heute welche aufgeblüht. . . wollen Sie die mal
Er nickte stumm und leidenschaftlich. Träumte er. Warum zitterte denn das süße Mädel so und sah ihn an, als wäre er plötzlich der Kaiser von China? Sollte da wieder der nette Silvestcrkobold im Spiele sein, um ihm zu einem unerhörten Glück zu verhelfen?
Auf den Zehenspitzen schlich der Hüne der Voranschreitendcn nach. Bis er mit einem Male mitten .unter grünen Topfgewächsen Inn» rosenroten Oleanderblütcn stand. Vor ihm aber Liselotte mit großen bangen Augen, und sonst nichts ringsum wie himmelhohe Seligkeit.
„Mädel," sagte er jauchzend, indem er blindlings zugriff.
Sie lag ihm ein Weilchen still und glücklich am Herzen, dann hob sie den Kops.
„Tas Gedicht ist wundervoll, tvas Sie — was du in den Blumen versteckt hattest," sagte sie ehrstirchtig und bewundernd.
„T- . . . das Gedicht?" stotterte er. „I . . . ja .. . ja natürlich," setzte er gleich darauf erschrocken hinzu. Und küßte den willigen Mund noch einmal so, daß er gar nicht weiter fragen konnte.
Als sich aber am nächsten Morgen, als die weinfröhlicheu Gäste des -Direktors mit dem ersten Zug nach Berlin zurückfahren Wollten, Leutnant Specht beim Stlitionsvprsteher nach einem
Blumenstrauß mit blauer Manschette erkundigte, den er. gestern abend leider im Kapee hatte liegen lassen, wäre Hans-Günther dem hübschen, unglücklichen Jungen beinahe nm den Hals ge- lallen. Aber er nahm sich in seiner neuen Bräutigams-Würde doch sehr zusammen und sagte nichts weiter wie ein jitbelndes! „Profit Neuiahr!" zu dem lachenden Stationsbeamten. UR.
warum immer gleich so--?
Eine Ehehumoreske. Von Freiherr von Schlicht.
. Wenn man den Frauen glauben darf — und man muß ihnen la sogar ost glauben, besonders wenn man verheiratet ist — wenn man also den Frauen glauben darf, dann sind die Frauen „nie so", wir aber, wir bösen Männer, sind „immer gleich so —".
Die Frauen „nie", wir Männer „immer gleich". —
Ich wollte mich an den Schreibtisch setzen, nm zii arbeiten,, Tas heißt, von einem Wollen meinerseits konnte gar nicht die Rede sein, denn ich war eben von einer langen Sommcrreisg zurückgekehrt, und nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene ist der erste Tag nach den Ferien gräßlich, die Arbeit schmeckt nicht und geht nicht von der Hand und bei unsereins! nicht aus dem Kopf. Aber ich mußte arbeiten, es galt ein Versprechen eiitzulösen, ich mußte für eine Zeitschrift einen längst zugesagten Beitrag abliefern, ich mußte arbeiten, ob mir etwas einfallen würde oder nicht.
Ich setzte mich an den Schreibtisch, aber gleich darauf stand ich wieder auf, uni nachzuholen, was ich vergessen hatte: die strengste Anweisung au alle im Haus, mich unter keinen Umständen zn stören. Nicht einmal der Geldpostbote sollte vorgelassen werden, ich wollte allein fein.
Und als ich die Mädchen instruiert hatte, wandte ich mich an meine Fran: „Nicht wahr, Betten, du tust mir auch den Gefallen, mich heute morgen nicht zu stören?"
Zu den vielen vortrefflichen Eigenschafteit meiner Frau gehört es, daß sie mich nach ihrer gewissenhaften Ueberzeuaung niemals stört, wenn ich zu arbeiten habe. Aber wenn sie spazieren geht, klopst sie regelmäßig an meine Tür und ruft mir von draußen zu: „Ich gehe jetzt fort, und wenn es dir recht ist, treffen wir uns bann dort und dort." Wenn der Himmel trügerisch aussieht, klopft sie an meine Tür und unterhält sich von draußen mit mir eine Viertelstunde und länger darüber, ob sie nicht doch lieber einen Schirin mitnehmen solle, oder ob ich glaube, daß es nicht regnen würde. Meine Frau klopft jeden Tag ans einem anderen Grunde an meine Tür, und wenn sie nicht weiß, warum sie klopfen soll, bann klopst sie und ruft mir zu: „Ich wollte dir nur sagen, daß ich Mute nicht bei dir anklopfen werde, ich gehe jetzt fort."
Es ist die gewissenhafte Ueberzeugung meiner Fran, haß sie mich niemals 'stört, und so sah sie mich auch jetzt ganz verwundert an: „Wie 'kommst du nur darauf, mich zu bitten, dich in Ruhe arbeiten zu lassen? Habe ich dich in den drei Jahren, die wir nun verheiratet sind, bisher auch nur ein einziges Mal gestört?"
Jeder Ehemann muß an denk Hochzeitstage seiner Fran schwören, ihr stets die Wahrheit zu sagen, sie nie zu belügen und immer gegen sie offen und ehrlich zu fein, wie sie es selbst fortan gegen ihren über alles geliebten Mann sein will.
Es ist nur ein wahres Glück, daß die Frauen sehr schnell vergessen, was sie in dieser Hinsicht dem Manne versprochen haben. Tas erleichtert es dem Manne ungemein, auch seinen Schwur nicht zu halten, wenn er den Frieden seiner Ehe nicht zerstören will.
So gestand ich denn meiner Frau, sie hätte mich noch nie gestört, noch nicht ein einziges Mal, und wenn ich sie trotzdem gebeten hätte, es auch heute nicht zu tun, so wäre das nur! deshalb geschehen, weil es doch immerhin möglich wäre, daß sie mir ausnahmsweise einmal etwas zu sagen hätte, bevor sie spazieren ginge.
Meine Fran sah mich völlig verständnislos an: „Ich begreife nicht, wie du nur auf solchen Gedanken kommen kannst., Ist das bis heute, wie du selbst zugibst, noch nie geschehen- dann wird es heute erst recht nicht geschehen."
Ta zog ich beruhigt von bannen, setzte mich an den Schreibtisch und wartete auf ben Augenblick, in bem meine Frau bei mir anklopfen würbe.
Aber es geschah ein Wunbcr, meine Frau klopfte wirklich nicht an, statt dessen stand sie aber plötzlich, ohne angeklopft zu haben, mitten in meinem Zimmer, unmittelbar neben mir.. In die Arbeit versunken, hatte ich ihren Eintritt überhört, nun aber sah ich sie ganz erstaunt und mehr als erschrocken an: „Um Gotteswillen, was ist denn nur geschehen? Tn zitterst ja an allen Gliedern, komm, setze dich- zu mir."
Aber meine Frau widersprach: „Du hast zu arbeiten, da will ich dich nicht stören, aber das muß ich dir doch sagen - Lina hat von ben wunderschönen großen Meißner Tellern wieder drei kaput geschlagen." . ,
„Na, wenn schon," verlachte ich meine Frau zu beruhigen, „hin ist hin, zerschlagen ist zerschlagen. Ich kaufe dir drei andere Teller, und damit ist die Sache erledigt. Tas ist doch jedenfalls kein Grund, dich gleich so zu erregen."
Meine Frau glaubte nicht recht gehört zu haben: „Ich soll erregt fein? Tu weißt doch, im, Gegensatz zu dir, errege ich


