Ausgabe 
30.11.1911
 
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ivÄrerr zwei Dinge erforderlich, eh'e er das tu« konnte Das erste war ein Geburtsschein und das zweite ein Heiratszerti­fikat seiner Eltern, eetn Geburtsschein war leicht verschafft

; er war im Auslände geboren, und der Schein war in gültiger Form vorhanden. Das andere aber bot eine Schwie­rigkeit dar und diese Schwierigkeit brachte ihn nach Altwelmingham.

Wenn er nicht eins berücksichtigt hätte, so wäre er statt dessen nach Küowlesbury gegangen.

Seine Mutter hatte dort, gerade ehe sie seinem Baier begegnete, unter ihrem Mädchennamen gelebt; die Wahr­heit ist die, daß sie in Wirklichkeit eine verheiratete Frau war, verheiratet in Irland, wo ihr Mann sie mißhandelt und hernach mit einer andern Person davongegangen war. Ich gebe Ihnen diese Tatsache nach guter Autorität. Sir Felix gab sie seinem Sohne als Grund an, weshalb er seine Mütter nicht geheiratet habe. Sie wundern sich vielleicht, daß der Sohn, da er wußte, daß seine Eltern einander in Knowlesburh kennen gelernt, seine Streiche nicht mit dem Kirchenbuche in der Kirche zu Knowlesburh spielte, in der man billigerweise voraussetzen konnte, daß seine Eltern sich verheiratet hätten. Die Ursache hiervon war, daß der Geistliche, welcher im Jahre 1803 an der Kirche zu Küowlesbury angestellt war (in welchem Jahre seinem Geburtsscheine zufolge seine Eltern geheiratet haben soll­ten), noch am Leben war, als er im Jahre 1827 von dem Grundeigentum Besitz nahm.

Dieser unbequeme Umstand zwang ihü, seine Forschun­gen bis auf unsere Nachbarschaft zu erstrecken. Hier gab es keine derartige Gefahr, indem der frühere Geistlicho unserer Kirche seit einigen Jahren tot war.

(Fortsetzung folgt.)

Thomas Waübotts Familienleben, Brautfahrt und Hochzeit.

Von Gg. Schäfer.

(Fortsetzung aus Nr, 186.)

3. Kapitel.

H o chz eits ans si ch t en. Mailehen.

Der Frühling kam! Im Wallbottshofe regten sich alle Hände VÄN Sonnenaufgang bis in die Nacht. Der erquickende Geruch Von frisch gepflügtem Ackerfeld erfüllte die Luft.

Zwei Tage vor Georgi sprach der Bürgermeister beim Mittag­essen:Ich muß übermorgen ans Stint nach Lauterbach, Wer fährt mit -um Georgimarkt?"

Frau Regine und Thomas, der Sohn, stimmten zu.

Wir können auf dem Heimweg unseren seit einem Jahr schuldigen Besuch bei Domänenpächter Stock machen," fügte Frau Wallbott hinzu.

Am Georgitag fuhr Thomas mit dem Korbwagen vor, der Von zwei schönen Braunen gezogen wurde. In flotter Fahrt ging es vorwärts. Bon Zeit zu Zeit verdeckten Wolken die Sonne, dann rasselte ein leichter Hagelschauer herab.

Aprilbntzen!" rief Thöms.

Der April ist nicht zu gut, er schneit dem Bauer auf den Hut!" erwiderte Frau Wallbott und hüllte sich etwas dichter ein.

Bor deinSchützenhof" in Lauterbach hielt Thomas das Gespann an.

Ei, welch seltener Besuch," rief der Schützenwirt,da muß Man sehen, ob der Gickel gelegt*) hat. Seid herzlich willkommen." Eine kleine Stärkung wurde eingenommen, dann eilte der Bürgermeister ans Amt. Fran Regine begab sich zu einer Freun­din, die der Kirche gegenüber wohnte. Thomas besorgte Einkäufe an landwirtschaftlichen Gegenständen: Sensen, Hacken, Rechen, Beile, Peitschen und dergl.

Aus einer kleinen Seflenstraße kam ein bejahrtes Weiblein hervor, das einen Tragkorb auf dem Rücken hatle, in dem einige irdene Töpfe, etwas Schnur, Kattun, Zwirn und dergl.. lagen. In der Hand trug es einen blaugestreiften, mit einem Messinggriff versehenen Regenschirm, der als Stock benutzt wurde. Mehrere Jungen spielten Fangball auf dem Kirchenplatz; ein Unvorsichtiger rannte das Frauchen an, es stürzte zu Bodm. Ter Inhalt des Korbes, darunter ein halbes Pfund Kaffeebohnen, fiel auf das Pflaster. Das alte Weibchen wurde ohnmächtig; wie vom Wind weggeblasen, verschwanden die Knaben.

Ei die Krank!" rief ein Ladcndiencr, der seinen Kopf aus her Türe schob,da liegt ja das Botenkäthrinchen von Frischborn!" Laßt die unnützen Reden und faßt an," sprach ein hübsches Mädchen, das von der anderen Seite der .Straße herübereilte, das ohnmächtige Weibchen mit starken Armen aufhob und zur

*) Eine Redensart, die ausdrücken wfll: es ist ein äußerst seltenes Ereignis,

Seite trug.Holt etwas Wein, damit die Ohnmächtige wieder N stch gebracht werden kann."

. ..Die hat Schneid!" brummte der Ladenbesitzer, der den Falk durch bte Ladenscheibe angesehen hatte. Er eilte mit einem Stärkungsmittel herbei.

Frau Wallbott hatte den Unfall vom Fenster ihrer Freundin! beobachtet; sie ließ alles stehen und liegen und kam dem Mädchen zu Hilfe.

Das alte Weibchen erwachte aus seiner Ohnmacht, es jammert«; um seinen Korb.

_Beruhigt Euch!" tröstete das Mädchen;Hauptsache ist/ daß Ihr keinen Schaden an Eurem Körper erlitten habt."

..Ich glaub, das alte Gestell ist nicht zerbrochen, ich fiel auf den Korb, her hat den Sturz gemildert. Aber meine Töpfe, mein Kaffee, meine anderen Sachen! Ter Verdienst für eine Woche ist verloren!"

Tas Mädchen las die Kaffeebohnen und die übrigen Sachen,- die nicht verdorben waren, zusammen; daun zog cs ein Geld­täschchen hervor.

Lassen Sie das, mein Kind," sprach Fran Walllbott;ich werde der Frau alles ersetzen."

Anna! Anna!" rief eine Knabenstimme,eil dich, wir müssen fort."

Das ist mein Bruder, ich muß weg. Stttieit Frauchen, es wird alles wieder gut werden. Behüt Euch Gott, verehrte Fran!" sprach das Mädchen, das einen Knix machte und hinwegeilte.

Frau Wallbott drückte dem Botenkäthrinchen einen Taler irt die Hand, dann ging sie weiter, als sie gefunden hatte, daß das alte Weibchen wieder fest auf den Beinen stand. Sie ging die Straße hinab und schaute nach dem Mädchen, aber nirgends war eine Spur zu finden.

Das Mädchen gefällt mir!" sprach Frau Wällbott für sicht die ist gesund, sauber, menschenfreundlich, hilfsbereit, schaut hell und offen in die Welt, hat eine Arbeitshand und ist hübsch. So etwas könnte Thöms als Frau und ich als Schwiegertochter! brauchen."

Wohin Mutter? Nehmt mich mit!" rief plötzlich der Sohn hinter ihr-, an den sie gerade gedacht hatte.

Hast du deine Geschäfte besorgt?" fragte Frau Regine, Alle Einkäufe sind gemacht und und Umschau unter den Mädchen habe ich gehalten, aber lacht mich nicht aus!"

Ei! ei! Du besserst dich! Freut mich! sagt Vetter Heibel in Ortenberg. Hast du etwas gefunden?"

Ein Mädchen, das an das verstorbene Mariechen erinnert; es ist aber eine handbreit größer."

Hat dunkelblondes Haar, tiefblaue Augen, einen kleines Mund, weiße Zähne! Weiter Thöms!"

Schlank gebaut; ihre Kleidung ist keine Landestracht."

Hast du mit ihr gesprochen?"

Ich hatte nicht die Kurasche, mit einem fremden Mädchen an­zufangen, Mutter!"

Bist ein großes Kind) stark wie Goliath, kannst Bäume ausrcißen, aber nicht mit einem Mädchen reden. Wie willst du zul einer Fran kommen, wenn du nicht mit ihr sprichst?"

Ihr sollt mir helfen!"

Gut! also fragen wir im Schützenhof und bei -urtleie Stumpf nach."

Ist schon geschehen; beide haben das Mädchen gesehen, hat ihnen auch gefallen, aber niemand kennt es."

Wir spazieren noch einmal über den Markt und schauen unH um. Wer das Glück hat, führt die Braut heim, Thöms."

Ich komme gerne mit, Mutter!"

Ter Junge hat Feuer gefangen! dachte Frau Regine und das Mädchen gefällt mir. Schade, daß kein Mensch Auskunft geben kann.

Ter Bürgermeister hatte seine Amtsgeschäfte besorgt, cs wurde zu Mittag gegessen, dann fuhr der Wagen vor. Thomas schaute die Mutter fragend an; sie zuckte die Achsel.

Vergrämt nahm Thomas Zügel und Peitsche zur Hand; die Eltern stiegen ein, der Schützenwirt nahm herzlich Abschied, dann ging die Fahrt das schöne Tal hinein nach Schloß Ersenbach, in dessen Nähe der große Pachthof lag, den die Familie Stoch bewirtschaftete.

Hier wurde die Familie Wallbott herzlich empfangen; es begann ein Fragen und Antworten zwischen den Frauen und Männern, wie es geschieht, wenn man sich seit einem Jahr nicht gesehen hat, Tie Männer gingen bald hinaus in die Ställe, die mit prächtigem Rindvieh, Pferden, Schafen, Schweinen besetzt waren.

Thomas hielt sich länger bei den Pferden auf, während Pächter Stock und sein Vater weiter.gingen. Als alle Tiere gemustert! waren, trat der junge Mann aus dem Stalle, um den alten Herren zu folgen. Da tat es ihm einen Schlag auf das Herz: drüben^ etwa dreißig Schritte von ihm, ging das schöne Mädchen, das ihm heute vormittag so sehr gefiel. Thomas stand ime ange­wurzelt ; kaum konnte er atmen. Jetzt packte er sich zusammen und schritt auf den Garten zu, in dem das Mädchen verschwunden Ivar. Dort, an den Beeten, wo Schnittlauch, Petersilie lutflf andere Küchenkräuter standen, war das Mädchen beschäftigt.,

Gehts fleißig bei der Arbeit?" fragte Thöms, um eine« Gesprächsanfang zu gewinnen.