Das Mädchen richtete sich M sah den Frager freuMich an Mtz antwortete: , ....
„Es ist nicht der Mühe wert'." Sei diesen Worten errötete es heiß bis über die Stirne.
„Ich — ich — glaube," fuhr Thöms mit großer Anstrengung fort, „ich habe Sie heute vormittag bei Sattler Stumpf rn Lauterbach gesehen." _ _ „
„Sie haben eine Peitsche dort graust.
Ja — und — und —" fuhr Thöms fort, „■sie ist nrcht aus unsrer Gegend. Sie spricht auch anders. Woher? und wer? ist Sie denn, wenn man fragen darf?"
„Ich bin aus Grebenau und diente em Jahr ber der Grafen in Schlitz. Nun muß ich wieder heim, meine ältere Schwester soll heiraten, da muß ich im Landbau helfen und soll hier ber Frau Stock noch lernen und ich heiße Anna Gilbert."
„Das könnte Sie auch bei uns noch lernen, Auna!" sprach Thöms: „wir haben auch Ackerbau. Meine Mutter hat eine weibliche Hilfe sehr nötig."
„Ich habe Ihre Mutter in Lauterbach kennen gelernt — —, ich — — ich käme schon, aber mein Vater ist kränklich, er kann mick nicht entbehren."
Darnach bückte sich Anna wieder und arbeitete werter. .
Thöms hätte laut aufjauchzen mögen. Wenn ich jetzt kerne Gourage zeige, dachte er, bin ich verloren. Bei diesem Mädchen trifft alles zusammen, was die Mutter wünscht, der Mangel an Vermögen ist kein Hindernis. Noch nie hat mir ein Mädchen so gefallen, es wird auch dem Vater passen. Jetzt gilt es! Und wie geschickt es bei der Arbeit ist.
„Ich meine so, Anna!" begann Thöms wieder, „für Ihren Vater ließe sich eine Aushilfe finden und Sie ginge mit nach Rothenbühl und würde —"
Anna richtete sich wieder auf und sah Thöms fragend an; dabei wechselte sie die Farbe.
„Ja, so mein ich es! Sie ginge mit nach Rothenbühl und — und — und würde — — meine eheliche Frau!" stieß Thöms Hervor.
Er trat an das Mädchen heran, faßte seine Hand und hielt sie fest.
Anna zitterte heftig. Mit Mühe brachte sie die Worte hervor: 7,Ihr seid reiche Leute! ich bin arm, wir passen nicht zusammen."
Da packte es den starken Thöms wie vorhin; er umfaßte Anna, preßte sie ans Herz und küßte sie.
„9hm frag ich dich, Anna Gilbert, hast du mich lieb und willst du mein eheliches Weib werden?"
„Ja, ich will es!" antwortete das glückliche Mädchen und Wßte den jungen Mann wieder.
„Nun noch einige Worte! Ich spreche sogleich mit meiner Mutter, sie hat dich in Lauterbach gesehen. Du hast ihr sehr gut gefallen, der Vater tut, was die Mutter wünscht. Deiner Familie muß ausgeholfen werden. 9hm komm noch einmal in meine Arme und bleib hübsch verschwiegen, bis alles geordnet ist."
Das Pärchen küßte und herzte sich wiederholt, dann eilte ■ Thomas hinweg.
Anna ging in das kleine Gartenhäuschen, wo sie sich ausweinte und die Frage an sich richtete: Wie hab ich denn so viel Glück und Segen verdient? Wie wird es werden?
Thöms ging in den Hof zurück, schaute schnell die Rosse noch einmal an, wobei alles mit ihm herum M gehen schien, und eilte dann hinaus nach den Viehställen, wo er Pachter Stock und den Vater traf.
„Sagte ich es nicht, Stock: er kann sich von den Pferden Nicht trennen. Hast im etwas feines gefunden, Junge?"
>,Das Beste, was vorhanden ist, meine Herren."
„Gut! komme ein wenig mit zu den Schafen, dort wirst Kl auch gute Sachen finden!" sprach Stock.
Ms die Männer weg waren, ging Anna in das Wohnhaus. Frau Stock hatte nach ihr gefragt.
Sowohl Frau Wallbott, als auch das Mädchen fuhr ein wenig zusammen, als sie sich unverhofft sahen.
„Das ist ja die barmherzige Samariterin, die heute so wacker eingriff, als das Botenkathrinchen von Frischborn einen Unfall erlitt," erzählte Frau Regine.
Das Mädchen geriet in Verlegenheit; mit Mühe brachte es einige Worte hervor.
Frau Stock gab ihm verschiedene Aufträge, worauf es sich Entfernte.
(Fortsetzung folgt.)
was ein guter Noch wert ist.
Die Geschichte des Wiener Kongresses hat zur Genüge gelehrt, welch ein Feinschmecker der berühmte Talleyrand war und wie schlau er seine delikaten Mahlzeiten als Köder benutzte, um im Trüben für das zu Boden geschlagene Frankreich noch namhafte Vorteile herauszufischen. Während es sich um die Geschicke Europas handelte, flogen Kuriere nach allen Weltgegenden, um den besten
Käse aussindig zu machen, und Talleyrands fromage de Brie wurde feierlich zum König der Käse ernannt. Der schlaue Franzose wußte, daß es sicherer sei, auf den Magen erlauchter Häupter zu wirken als auf ihr Herz, denn da stößt man nur allzu ost aus großen Widerstand.
Nach dem Sturze Napoleons verhaftete man den Marquis de S. wegen eines groben politischen Vergehens, und sein Leben stand nach den Voruntersuchungen in großer Gefahr, Die junge, schöne Gemahlin des Angeklagten eilte solort nach Paris. Talleyrand, der als Staatsmann so feine Fühlhörner besaß, daß er stets die großen Katastrophen voraussah und dann geschickt den Mantel nach dein Winde drehte, war unter Ludwig XVIII. ebenso einflußreich geblieben, ivie zuvor. Ihn suchte die Dame jetzt auf. erinnerte ihn an die Zeit, da er als Gast auf ihrem Schlosse in der Champagne geweilt hatte, und flehte ihn unter heißen Tränen an, er möge ihren Gatten retten.
Der allmächtige Staatsmann schien nicht unempfindlich zu sein für die Bitten der schönen Frau. Galant bot er ihr den Arm und geleitete sie in ein abgelegenes Zimmer. Dort angekommen, schloß er sorgkültig die Tür, führte dann die Marquise zu einem Fauteuil und nahm dicht an ihrer Seite Platz. — „Sie haben süße Erinnerungen in meiner Seele wachgeruien, schöne, angebetete Frau," begann Talleyrand schwärmerisch nnb ergriff die Hand der unruhig uitd ängstlich werdenden Dame. „Das Leben ihres Gatten schwebt in großer Geiahr; >ch allein kann ihn retten. Wären Sie aber auch imstande, für seine Freiheit ein Opfer zu bringen?" — Die arme Marquise errötete tief und antwortete mit bebender Stimme: „Jedes, mein Fürst, das sich mit meiner Ehre und — Tugend vereinbaren läßt." — „Wohlan denn," fuhr Talleyrand geheimnisvoll fort, und seine brennenden Augen blickten die Geängstigte durchbohrend an, „ich bin noch heute entzückt bei der Erinnerung an jene herrlichen Tage, die ich unter Ihrem Dache verlebte: diese Spaziergänge im rauschenden Park, und dann die göttlichen Diners, die ihre geistvolle Konversation mit einem Hauch der Poesie übergoß — ach! mir ist's jetzt noch, als alnie ich den köstlichen Duft der dampfenden Goldfasanen ..."
Der Marquise wurde es bei dieser Schwärmerei heiß und bang ums Herz. Aengstlich sank sie vor dem Diplomaten itieder und ries: „O, wenn Ihnen das Andeirken an jene Gastfreundschaft teuer ist, so seien Sie edel und fordern Sie nicht Unmögliches von mir."
„Madame, Sie hatten damals einen Koch. Dieser Mensch war ein Künstler; steht er noch in Ihren Diensten?"
„Gewiß, aber —*
„Nun denn," fuhr Talleyrand mit großem Pathos fort, „das Leben Ihres Gemahls ist ein großes Opser wert, und das fordere ich jetzt von Ihrer Liebe . .
„Liebe?" wiederholte die Marquise verwirrt.
„Ja, von der Liebe zu Ihrem Gatten. Madame, geben Sie mir Ihren — Koch!"
Sprachlos vor Staunen blickte die Marquise in das ernste Gesicht des Diplomaten. Sie wußte nicht, ob sie aufjubeln oder sich ärgern sollte. Sie halte eine ganz andere Forderung erwartet.
Der Austausch zwischen Koch nnb Marquis ging alsbald vor sich und die Wiener Kongreßakte beweisen, welch mächtigen Alliierten Talleyrand gewonnen hatte in — diesem Küchenmeister.
Vücherttsch.
— Der soeben erschienene illustrierte Weihnachts« Almanach der G. Groteschen Verlagsbuchhandlung in Berlin wird eingeleitet von einem Märchen „In der Neujahrsnacht" von Ernst Borkowsky und enthält die Anzeigen der Neuerschem nungen des Jahres, begleitet von zahlreichen Porträts der Autoren des Verlages sowie anderen Abbildungen. Das Bändcheg wird vom Verlage unentgeltlich und postfrei abgegeben.
Silbenrätsel.
a, al, be, bürg, ca, ci, ei, de, del, dor, darf, el, fest, he, he, Heid, ifl, li, ne, ni, ni, o, rings, ster, ten, tro, ung, ve.
Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen neun Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die AnfangS- und Endbuchstaben von oben nach unten gelesen die Namen zweier Maler ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes: 1. Weiblichen Vornamen.
2. Eine Südfrucht.
3. Ein Ostseebad.
4. Einen Vogel.
6. Assyrische Stadt.
6. Eine Schutzvorrichtung.
7. Deutsche Stadt.
8. Ein Insekt.
9. Griechischen Schriftsteller.
Auflösung in nächster Nummeür
Auflösung der altägyptischen Hieroglyphen in voriger Nummer; Stark ist des Menschen Arm, wenn ihn die Götter stützen.
Redaktion: K» Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch» und Steindruckerei, R. Lang«, Gieße»


