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Tripolis.
Die Spannung zwischen Italien und" der Dürfet lenkt die Aufmerksamkeit Europas auf Tripolis, die Wüstenstadt, den Schlüssel und wichtigsten Punkt des gleichnamigen Landes. Tripolis liegt für den Handel außerordentlich günstig auf einer kleinen Landzunge, die als die Grenze der beiden Syrien gilt; nähert man sich von der Seeseite, so macht die Stadt hinter ihrem Hasen einen recht malerischen Eindruck; ringsum, auch nach der Wasserseite hin, ist sie durch Mauern umschlossen; westwärts sieht man die Zitadelle mit ihren aufsteigeirden Terrassen, östlich erheben sich die Zinnen eines alten spanischen Schlosses, das aus der Zeit stammt, wo Spanien zwei Jahrzehnte lang im Anfang des 16. Jahrhunderts Tripolis besetzt hatte. Die Stadt könnte beinahe wie Tanger die „weiße Stadt" genannt werden, dem- aus der "Ferne erblickt man die dicht gedrängten Häuser, deren wagerechte Dachlinien durch Kuppeln und Minarets unterbrochen werden. Mit ihrer Umgebung zusammen bietet die Stadt ein Bild von malerischer Buntheit; die weißen Häuser hinter dem blauen Meer, von dem Grün der Oasen und dem Gelb des Wüstensandes umrahmt. Nach der Landung aber erlebt man eine Enttäuschung: an der Stelle der ehemaligen stolzen Römer-- kolonie ist eine Stadt vorhanden, die an U n s a u b e r k e i t den meisten orientalischen Städten der Gegenwart durch nichts Nachsicht.
Tripolis ist bedeutend kleiner, als die übrigen nordafrikanischen Hauptstädte, denn man zählt noch nicht 50 000 Einwohner, die sich der Hauptsache nach aus türkischen und arabischen Mohammedanern, sowie aus Negern zusammensctzen, unter denen man beinahe alle Rassen des inneren Nordafrika findet. Außer diesen Rassen finden sich noch Malteser und ziemlich viele Juden. Die Malteser, etwa 4000 an der Zahl, sind unter den europäischen Bewohnern von Tripolis am zahlreichsten vertreten; sie haben sich auch am meisten der afrikanischen Bevölkerung angeähnelt. Die Anzahl der Italiener schätzt Schanz auf 500 bis 600, dann gibt es noch etwa 100 Griechen, während die übrigen Völker nur ganz geringe Änzahlen von Vertretern in Tripolis haben. Ans dem bunten Völkergemisch, bemjrtan in den engen Gassen der Stadt begegnet, fallen die vielen Soldaten besonders ins Auge. Die Besatzung ist ziemlich stark, und wo man geht und steht, stößt nun auf sie. Hoffmeister hebt hervor, daß er bei seinem letzten Aufenthalte in Tripolis im Jahre 1907, besonders viele Neger darunter! gesehen hat, sogar solche, die Offiziersrang hatten; ihre Kasernen schildert er als ziemlich reinliche Gebäude, jedoch macht er darauf aufmerksam, daß dafür die Bekleidung der Truppen zu wünschen übrig lasse, denn sie ist nicht nur mangelhaft, sondern so verschiedenartig, daß selbst Eingeweihte sich kaum zurecht finden können.
Den großstädtischsten Eindruck in Tripolis macht die als „Seestraße" bezeichnete Hauptverkehrsader, die die Stadt der ganzen Länge nach am Meer durchzieht. Hier findet man Häuser europäischer Bauart. Die übrigen Straßen der Stadt sind schmal und ungepflastert und infolgedessen an Regentagen außerordentlich schmutzig. Ihr Bau ist der typische Bau orientalischer Straßen, die an vielen Stellen durch Bogen überspannt sind, die die Häuser miteinander verbinden und recht malerisch wirken. Außer den Moscheen, der Zitadelle und dem spanischen Schlosse gibt es in Tripolis kaum Bauwerke, die näher zu betrachten ' lohnt. Die einzige Ausnahme davon ist ein Denkmal, das sich aus der Römcrzeit erhalten hat, nämlich der Triumphbogen des M a r c A u r e l, ein aus weißem Marmor «bestehender Bau, der sich gut erhalten hat. Auf den Außenflächen sind die Skulpturen noch gut erhalten rind auch die Inschrift ist zu lesen. Dieses Bauwerk hat ein merkwürdiges Schicksal gehabt. Ein Malteser hatte sich nämlich darin eingerichtet und eine Weinschenke auf- getan, in der Schoenfeld mehrmals als Gast geweilt hat! Das war noch bis vor wenigen Jahren so, jetzt aber soll die Wein- schmke dort wieder entfernt sein.
Das spanische Schloß auf der Ostseite Von Tripolis ist zugleich Zitadelle und Palast. Es stammt noch aus der Zeit der Spanier. In seinen Räumen sind die verschiedenen Verwaltungsbehörden untergebracht, z. B. die Handelskammer, verschiedene Ministerien, auch der oberste Gerichtshof. Alle Räume sind um einen viereckigen Säulenhof angeordnet, der durch drei Stockwerke geht. Von dem obersten Stockwerke aus hat man eine herrliche Aussicht, im Norden auf das Meer, im Osten auf die Palmen der Oase und südwärts auf die Stadt. Von Tripolis aus gehen die H auptkarawancnstraßen ins Binnenland und deswegen geht es in Tripolis am lebhafteste» zu, wenn eine Karawane ankommt oder aufbricht. Solche Karawanen, oft bis zu tausend Kamelen gart, bringen aus dem ganzen Brnnenlande die Landcsprvdnkte, Elfenbein, Straußenfedern, Färbstoffe, Leder und vielleicht auch noch Sklaven, mit denen poch verbotener Handel getrieben werden soll.
Im Fchruar bricht Von Tripolis aus eine besonders inter- Mante Karawane auf, die der Mekkapilger aus dem Westen Afrikas, deren Teilnehmer sich vor den Toren von Tripolis ver- sammeln, so daß dort etwa 10 000 bis 15 000 Kamele in dem Leltlager der Riesenkarawane vorhanden sind. Auch die Mekka- Pilger bringen Handelswaren mit. Wachs, Federn, Seide, Leder- waren, Droguen und andere Erzeugnisse Marokkos, die sie gegen
europäische Waren eintauschen. Auf der Rückreise komm! dkl Karawane wieder nach Tripolis und bringt dann aus dem Osten Mekkabalsam, Myrthen, Kaschmirshawls, Edelsteine und andere Tinge mit. Ein nicht ganz so lebhaftes und buntes Bild bieten die zweimal wöchentlich wiederkehrenden Märkte, di« am Dienstag vor den Toren der Stadt und am Freitag außerhalb iiw mitten der Oase abgehalten werden.
Nach Osten und Süden schließt sich an Tripolis die ausgedehnte fruchtbare und dichtbevölkerte Muschia-Oase an, deren Palmenwald schon vom Meere aus zu sehen ist. Die Oase ist von einem Gürtel von Sanddünen umgeben, der von zahlreiche» Trockentälern durchschnitten ist und allmählich in die Dschefava- steppe übergeht. Diese steigt stufenweise zu dein Hochland der Saharawüste an, das vom Meer aus gesehen, den Hintergrund zu Tripolis bildet. ' K.F.. ;
Vevm^chtes.
bi. I a g d g e s ch i ch t e n von Eduard VII. Eduard VII. war ein leidenfchaitlicher Jäger. Zu feinen höchsten Jagd- verqnügungen aber gehörte die Jagd auf Moorhühner in Schottland und es war ihm jedesmal ein Tag der Freude, wenn er sich morgens mit dem „tot*, dem kurzen Rock der Bergscholle», be- kleiden konnte, der die in grobe Wollenstrümpfe gebullten Waden ireüäßt. Eines Tages nun ivar fein 9loct nicht in Ordnung und er lieb sich einen anderen von seinem Gastgeber, einem t>er reichsten schottischen Edelleute. Unglücklicherweise war aber der Rock ein wenig zu kurz, so daß die nackten Knie und ein Stück von den Oberschenkeln zu sehen tuaren. Ter König fragte besorgt: „Ist das nicht shocking?" — „O nein, Majestät', erwiderte einer der Jä er, „von Eurer Majestät können wir niemals genug sehen'. Ter König lachte — und behielt den Rock an. — Auf derselben Jagd ereignete sich noch eine andere hübsche Geschichte. Es war die Anordnung getroffen worden, daß man nur auf Hähne solle schi- -n dürfen und daß die Hennen geschont würden. Als aber einem er Gäste, dem Sir Sommerville Gurney, ein Weibchen vor den Schuß kam, zielte er und traf es. Eduard VII. machte nicht gerne Vorwürfe, aber dieses Mal wollte er doch eine so leichtsinnige Verletzung der Jagdgebote nicht ungerügt vorübergehen lassen. Das Huhn war gerade zwischen ihm und dem Schützen uiedergewllen; er wies mit der Hand darauf und rief laut: „Ei, et! Gurney, was für ein geiährlicher Mann sind Sie doch für die Weibchen!"
* Das Opfer des Kosaken. Eine lustige Geschichte von der Frömmigkeit eines wackerett russischeii Kosaken erzählt der Gaulois. Der Sohn der Steppe war von einem furchtbaren Sturme heimgesucht worden, in seiner Not betete er zum heiligen Nikolaus und ries: „Heiliger Nikolaus, großer heiliger Nikolaus, meitt süßer Namenspatron, wenn btt mich aus der Gefahr rettest, ivill ich dies Pferd verkaufen und all das dafür erhaltene Geld dazu verivenden, dir Kerzen zu stiften." Der heilige Nikolaus hatte wohl Mitleid und freute sich über den Opfermut des Kosaken, jedenfalls kam der Reiter heil und gesund nach Hause. Am nächsten Tage nimmt unser Kosake einen Hahn aits seinem Hühnerstall unter den Arm und sein Pferd an die Leine itttb wandert auf den Markt. „He, Kosak, was hast du zu verkaufen?" ruft »mit ihm zu. „Einen Hahn und ein Pferd", erklärt der Brave, aber ich verkaufe nur beides zusammen. Für meinen Hahn fordere ich 200 Rubel und für mein Pferd 30 Kopeken." Bald fand sich ein Käufer, der diesen ivuitderlichen Kauf bereittvilligst abjchloß uni) Hahn und Pferd zusammeti für 200 Rubel und 30 Kopeken erstand. Freudig kehrte der Kosak nach Hause und getreu feinem Gelübde stiftete er für 3 > Kopeken Lichter, die dann forgsaiii vor dem Bilde des heil. Nikolaus aufgeftellt und feierlickst angesteckt wurden.
Nreuzrütsel.
In ote Felder nebenstehender
-- Figur sind die Buchstaben a a a a, b, c c, d, e e e e e e, g g, h h, i, 1 1 1 1, n n n n, o o
--“""“““’l 0 °i P P> r r r r> s s, u u u u, v v
derart einzutragen, daß die
--------- senkrechten und wagerechten Reihen gleichlautend folgendes
--ergeben:
1. Homerischen Helden.
2. Niederländische Stadt.
3. Veranlaßt meistens eine
_______I fröhliche Feier.
AuUüfung in nächster Nummer.
Auflösung deS magischen Dreiecks in voriger Nummer» ELISA LINA INO 8 A A
Redaktion: «.Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Dießem


