Ausgabe 
30.3.1911
 
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WM Stic WHSM VW VW Kerzen beleuchtet, so erscheint bÄj Kleck, von der Beleuchtungsseite gesehen, dunkler als das übrige

er, von der anderen Seite Heller; das beruht auf der ge- Mgeren Reflexion des Lichtes und seiner gröberen Durchlassig- keit an der gefetteten Stelle. Wird der Fleck von beiden selten gleich start beleuchtet, so verschwindet er für das Auge. Und tont bringt Bunsen zu beiden Seiten des Schirmes die Kerzen tot. Stehen dann links von dem Schirm die Kerzen m der bvppelten Entfernung gegenüber den rechten, so müssen lytrs Viermal so viele Kerzen stehen als rechts, damit der Fleck ver­schwindet. Auf diese Weise ist dann das Gesetz durch eine Reihe Von verschiedenen Verfuchsänordnungen zu beweisen. Man wird Wgestehen, daß sich die 'Sache weder einfacher noch ideengeniäßer machen ließ. Und genau so ist es etwa mit dem Spekttalapparat, den! Bunsen konstruierte, »der Mit seinem galvanischen Element Dadurch gewinnen alle seine Instrumente in ihrer ersten Form beit Charakter des Primitiven; sie sind nicht die Erzeugnisse einer entwickelten Mechanischen Technik, sie erscheinen vielmehr pls die aus der Not einer produktiven wissenschaftlichen Phantasie geborenen Hilfsmittel. Aeußcrlich sind sie daher, so wie sie Entstanden, unvollkommen, ein wenig plump; aber Me Ange­messenheit an die Idee Macht sie zu Grund typ en des unent- h-ehrlichen Handwerkszeuges der naturwissenschaftlichen Forschung m« der praktischen Anwendung ihrer Ergebnisse; ihre Ber- seinerung war die relativ leichte Sache der mechanischen Arbeit,

Verdankt Bunsen der Herstellung solcher in den allgemeinen Gebrauch übergehender Apparate die Popularität seines Namens, so hat dieser den guten Klang doch eigentlich erst gewonnen durch die hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen i eines Trägers. Bunsen war und das ist insbesondere der hohe Ruh'm^, den er Mit seinem Mitarbeiter Kirchhoff teilt der Erfinder der Spektral!- Mmhse. Was das bedeutet, weiß feder zu schätzen, der die, Ge­schichte der neueren physikalischen, chemischen und astronomischen Forschung kennt. Diese Spektralanalyse hat nicht nur die Ver­vollständigung unserer Kenntnisse von den Lichterscheinungen her- beigeführt; sie hat nicht nur dem Chemiker ein unfehlbares Mittel tot die Hand gegeben, Spuren von Metallen nachzuweisen; sie hat auch zur Entdeckung neuer Metalle geführt Bunsen selber fand das Caesium und Rubidium und sie hat vor allem die Erforschung der chemischen Natur der Sonne und anderen Welt­körper möglich gemacht und überhaupt in der Astronomie eine Universelle Bedeutung erlangt. Es war aber wieder eine ver­hältnismäßig einfach« Tatsache, auf welche sich! alles das gründete, Nus welcher es als eine gleichsam selbstverständliche Folge erwuchs ; Und diese Tatsache stellten Bunsen und Kirchhoff fest. Wird eine Metallverbindung in eine heiße Flamme gebracht, so werden die sich bildenden Dämpfe glühend Und die Flamme wird gefärbt; Kochsalz z. B., also die Verbindung des Metalles Natrium mit Chlor, färbt die Flamine des Bunsenbrenners gelb, weil das Natrium einen gelben glühenden Dampf bildet. Zerlegt man das so gefärbte Licht der Flamme durch ein Prisma zu einem Spektrum, iso wie man däs weiße Sonnenlicht zu einem Regenbogenbild oder Spektrum, das heißt in die Unmenge seiner verschiedenen Farben­strahlen zerlegen Haun), so zeigt dieses Spektrum des glühenden Dampfes nicht, wie das weiße Licht, alle Farben, sondern nur wenige, die durch dnulle Stellen voneinander getrennt sind, Natriumdampf also zeigt als Spektrum gelbe Strahlens Kalium rote. Und Bunsen fand nun zusammen mit Kirchhoff, daß die Sttahleu, die ein solcher glühender Dampf aussendet, nur von her Natur des Dampfes abhängen, und für jeden Stoff charakteristisch sind. Zeigt daher irgend eine Substanz, die Man verdampft, die gelben und roten Strahlen oder Spektrallinien, so kann man daraus schließen, daß sie Natrium! Ustd Kalium enthält; und unter Spektralanalyse versteht man- die Art, in' solcher Weise die Zusammensetzung von Körpern zu untersuchen.

Schon BunseU hat diese Methode der analytischen Untersuchung! im einzelnen ausgebildet und angewandt. Sie wurde bald nach ihrer Auffindung vermöge einer Reihe von scharfsinniger Theorien insbesonders ein allgemeines Hilfsmittel her astronomischen For­schung,

Bunsen wär der typische Vertreter jener neueren Naturfor- fchuug, welche an Stelle der früheren spekulativen Methode das Experiment zum hervorragendsten Mittel der Erkenntnis erwählt hat ein Verfahren, dem unstreitig die beispiellose Bereicherung des Naturwifsens verdankt wurde. Wenn noch Oersted im Kahre 1820 durch die naturphilosophischen Spekulationen Schel­lings btorU angeregt wurde, die Ablenkung der Magnetnadel durch den elektrischen Strom zu suchen und zu finden, so gehörtä Bunsen im Gegenteil ganz der neueren Schule an, so radikal, daß er von Theorien und Hypothesen etwas verächtlich zu sagen pflegtenDas sind ja Nur Vorstellungen." Aber in seiner, dem Zeitbedürfnis entsprechenden Einseitigkeit war er genial. Ob­wohl von Haus aus Chemiker, umfaßten doch seine stets hervor­ragenden Arbeiten neben der Chemie auch die Physik und selbst W Geologie; aber immer waren sie auch Nur auf das Experiment 'gerichtet, das et vermöge seiner Genialität auf die weitesten Zn- faMmenhänge der Natur anwandte. Sv wird es denn aus der eigenartigen Veranlagung dieses Mannes, insofern sie eben diü Richtung auf den Tatsachenzusammenhang mit einer starken pro­duktiven Fähigkeit paärte, verständlich, daß er eine Reihe neuer

Forsch tot gsmethod en aub ahnte und zugleich hie fundamentalen Instrumente dazu konstruierte.

Als Mensch war er voller Wohlwollen UNd Liebenswürdigleit, Seine Schüler rühmten ihn als einen vorzüglichen Lehrer. Aus der Lroßen Zahl seiner Arbeitsresultate sei noch die Entdeckung eines Gegengiftes zur arfenigen Säure, sowie diejenige des Mag- uesiumlichtes erwähnt, das ja auch in der Folgezeit in allgemeinen praktischen Gebrauch überging. Dor 100 Jahren, am 31. März 1811, wurde et in Göttingen geboren. Die Hauptstätten seiner Wirksamkeit waren Kassel, Breslau und .Heidelberg. Er starb in H eidelberg im Jahre 1899, C o l o n j U s,

wie du wieder jung wirft.

Bon Lina Grebe? Elberfeld,

II.;

Der letzte Tag ist da; frostklar und fottnig. ist er heraufgezogen.; Häute mitatg heißt es Abschiednehmen von der Höhe, vom Schnee/ vom Weißen See. Wir müssen die Stunde noch ausnutzen. Wir machen Wettfahrten durch den Wald und üben Stemmbogen auf gilar Bergfahrt; immer in gleicher Fröhlichkeit mit Fallen und chen, und doch! ist häute ein dunkler Unterton dabei: Heute geht es zu Ende. , .

Nach Tisch sitze ich Noch ein Weilchen draußen in der Sonne, Sieh da! meine Schwägerin. Unter der weißen Mütze sieht von dem blauschwarzen Haar nur ein bißchen heraus, die dunkeln Augen strahlen und wollen noch einmal alle Schönheit der Rahe und Ferne in sich sangen. Knabenhaft schlank steht sie da und wahrhaftig! sie hat die Hände in den Hosentaschen Und macht; ein so spitzbübiseUvergnügteS Gesicht dazu, gerade wie ihr Acl- töfter, der ihr nun schon bis! zu den Schultern reicht. Diese Stellung hat sie von ihm, Und er hat das blauschwarze Haar und di« großen blauen Augen von ihr. .

Wie jung sie aussieht und wie hübsch! ganz braun gebrannt ist sie hier oben.Sieh einmal da dein Aeltester," rufe ich meinem! Bruder zu, der gerade aus dem Hause kommt. Mit einem stolzen Blick umfaßt er die ganze liebe Gestalt und zieht sie in feine Arme,

>,Woran dachtest; du eben?" . .

Ich malte mir aus, wenn wir erst einmal unsere fünf Kinder Mit hierher bringen und alle zusammen Schiläufen."

Unsere Abfahrt wollen wir d. i. der Rest vom SchikurD der Wut noch aus acht Köpfen besteht Wer dm Kamm nach Sulzern Eck und dann nach Münster nehmen. Alfo zuerst hinauf auf dm Kamm. Dort auf der Höhe bläst ein eisiger Wmd, die Sonne Mm nicht gegen ihn an. Es ist bitter bitterkalt.. Vor uns -eine eisige Fläche, aber nicht spiegelglatt, sondern auf und Nieder, so, als sei sie int Wellenschlag festgefroren. Aber es Ulst nichts, wir Müssen hiitüber. .

Also:Schi zusammen, vorlegen, federn in den Knien, nur nicht fallen; fallen ist Kraftvergeudung", sage ich, mit immer wieder vor und halte mich so lange es geht. Dann laufe ich . mit einem Krach aufs Eis, daß mir Hören und Seyen für einen Augenblick vergeht. Das Aufstehen auf fcent blanken Eise ist keine Kleinigkeit, und wie ich glücklich so weit bin und mich um­drehe, sehe ich hinter mir das reinste Schlachtfeld, lauter, ge­fallene Helden. Und so geht es weiter über die eisige Flache; unsere Schier fliegen so lange mit uns davon, bis wir Unfällen, kein Bremsen Ulst. Der Zirkusdirektor will mit dem Stock bremsen, doch der Stock bleibt fest im Eise sitzen, derweil gehen feine Schier mit ihm durchs und es rührt sie gar nicht, daßer ihnen wütendhält, halt" zürnst. Sie rasen davon, bis er >lch hinlegt, und dann muß er imtkehren und seinen ntzengebliebenen! Stock holen. Der Fähnchensammler hat sein eigenes System, um! weniger und nicht so härt zu fallen; er setzt sich! auf ferne Schier wie auf eine Rodel. .. .. ., , ,,

Schi-Heil, so kommt man auch, hinunter. Wir sind doch sroh/ als wir tiefer und dem Walde näher kommen. Da hört das Eis. auf und der Schnee fängt an; aber die Freude ist |efjr bald zit

Hinter dem Walde geht es über felsige Hange hinunter und zwischen den Felsblöcken blinken vereiste Flächen. Ich komme aus dem Walde gesaust in der Richtung auf unsere drei-Vorläufer zu, von denen ich nur die Köpfe sehe. Ich! bin in voller Fahrt! und ahne nicht, daß gleich hinter der Biegung nichts als E.els-> blöcke kreuz und quer stehen. Ich rase über das Eis Und höre:! UM GotteswstleN! Halt! Vorsicht!"Platz,, Platz, ich kann Nicht halten." Der Zirkusdirektor sieht mich auf sich zukomtuen/ hat die Geistesgegenwart, seine Schienden hinten weit auseinander^ zustellen, ich sause hinein er steht fest wie ein Denkmal bei meinem Anprall in die Rippen ich lalle rückwärts zu Boden UUd! bin gerettet.

Na, das Hätte bald die Schispitzen gekostet."

-Oder den Schädel," sagt ein anderer.

Und dann ist bald der schwierige Teil der Abfahrt überwunden, Und wir komMen aus friedliche Waldwege, Da fonnen ,.toir uns von den überstandenen Aengsten erholen, aber schon w-ars doch: Nur haben wir bei völliger Unkenntnis des Geländes manche Kreuz- und Querfahrt gemacht, und seit fast 5 Stunden find Wir unterwegs. Nicht zu vergessen, daß wir uns schon den ganzen Dior gen redli'chi 'geklagt hatten. Der FahnKensammler ist auch ganzaste".; er sagt gar nichts. Mähr, sieht nut stumm