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trocknen.
(Fortsetzung folgt.)
Robert WinCim Bunsen.
ZN feinem Hundertsten Geburtstag.
' Wenn Heute die Hausfrau die Speisen auf dem Gaskocher zitbereitet, oder wenn wir unsere Straßen und Wohnungen mit Gas- glühlicht erhellen, so beruht die Möglichkeit dieser äußerst praktischen Einrichtungen auf der ebenso einfachen lute J)5nic s Konstruktion des Bunsenbrenners. In emein physikalischen oder chemischen Laboratorium vollends spielt der Bunseubreuueretwa die Rolle, die in der Schmiede dem Hammer zntommt: er ist das unentbehrlichste Handwerkszeug. Wie gesagt, die Konstruktion ist ebeiiso einfach wie sinnreich; sie ist eine Jdealionstruktlon, bum die ihr zn Grunde liegende Idee tritt,unmittelbaranchcm um strilment zu Tage. Wird an deui Ausstrvmungsende eincr^ Gasleitung das Gas angezündct, so ist dort für die gesamte verorenn- bare Gasmenge nicht genügend Luft, Nicht genügend Sauerstoff vorhanden; ein Teil des Gases also bleibt unverbrannt. Und wo es hauptsächlich auf die Wärme ankommt, die bei der Gasverbren- nung entsteht, da erhält man bei einer derartigen mivollstandigen Verbrennung nur einen geringen Prozentsatz der, Nutzwarme, den die vollständige Verbrennung liefern könnte. Mso nruß ich, denkt Bunsen, nm das abzuändern, dem Gas bei dem Entzünden mehr Luft znführen; dann tvird es vollständig verbrennen und eine möglichst heiße Flamme liefern. Zu diesem Zwecke bohrt er kurz vor der Entzündnngsstclle in das Gasrohr einige Löcher, läßt dort serner das Gas aus einer stark verengten Rohrstelle in das brettere Endstück des Rohres treten, und der Biinsenbrenuer ist fertig. Denn nun reißt das strömende Gas drirch die Seitenlöcher eine lUienge Lust mit in das Rohr Hinein; diese Luft vermischt sich mit dem Gas und beim Entzünden des Gemenges ist jetzt der zur vollständigen Verbrennung nötige Säuerstoff vorhanden.
So aber ist es mit allen Instrumenten gewesen, die BunseN erfunden hat: sie sind alle solche Jdealkonstruktionen. Er will z. B. Nachweisen, daß die Helligkeit, welche eine Lichtquelle einem! Gegenstände spendet, abnimmt mit dem Quadrat der Entfernung des Gegenstandes von der Lichtquelle, — Wenn also der Gegenstand! nacheinander 1 Meter oder 2 Meter oder 3 Meter von der Lichtquelle entsernt ausgestellt wird, so ist er in dem zweiten Fall«; 22 = 4, in dem dritten Falle 3‘2 — 9 mal so schwach beleuchtet, als ist denr ersten Falle; oder, damit der Gegenstand in allen Fälelst gleich Hell erscheine, muß die Lichtquelle in dem zweiten Falle viermal, in dem dritten neunmal so stark sein als in dem erste». — Was Hat Bunsen zudem Nachweis« dieses Gesetzes nötrg? Eine Anzahl von Kerzen auf Haltern, welche sich auf einer Schrenk! verschieben lassen, und als beleuchteten Gegenstand einen Papierschirm, aus dem dr einen größeren Fettfleck anbringk, Md Oensalls mit einem Halter auf der Schiene verschiebbar steht-
gegenüber, die ein Licht in der Hand trug unb1 eist bleiches entsetztes Gesicht hatte.
„Was ist denn passiert stm Gottes willen?" fragte! sie bang.
„Die Decke - — kommen Sie mal mit, die ^Decke ist auf das Bett des Jungen gestürzt, grab auf die Schultern. Wär sie auf den Kopf gekommen, dann — — —"
Frau von Hilbach ging mit ihr ins Schlafzimmers wo ein kleiner Junge wimmernd auf einem Stuhl saß und die Schulter rieb. Sie sah zur Decke empor, von der sich ein Stück Kalk gelöst und auf des Jungen Bett gefallen. l1,ar‘®ie Dame, die im Nachtkleid vor ihr stand, zittertß stark. „So etwas dürfte doch nicht Vorkommen!" sagte sie; vorwurfsvoll und sah zu, wie Frau von Hilbach die Stucks Kalk von dem Bett herunternahm.
„Ja, und was wird nun?" fragte die Dstme. „sie müssen doch nachforschen, woher das kommt. Wer ivohnt bctiTt über uttr?/v
Frau von Hilbach erwachte erst jetzt aus ihrem Schreck.- „Die Frau Küster!" sagte sie, schob das Bett von der gefährdeten Stelle, versprach der Dame, gleich wtederzM kommen und lief zur Kosh. Die verstand zuerst sucht recht/ zog sich dann aber schnell an und ging mit Frau von Hilbach zur Frau Küster. ,
Sie sanden die Flurtür unverfchlossen und traten eitu, Die Frau Küster lag in den Kleidern aus ihrem Bett unb schlief pnd wurde nicht wach, wie die Kosh sie anriest
„Das ist nicht normal, wenn eine so schläft!" sagte die Kosy zn Frau von Hilbach und ging in das kleine Nebenzimmer, in dem das Fenster weit offen stand.
Der Regen strömte schräg hinein, hatte sich unter dem Linoleum gesammelt und die Decken aufgeweicht. Sre rückten die Möbel beiseite, nahmen das Linoleum aus und begannen das Wasser mit großen Tüchern aufzm
fcie zuvor, und bei der Pastorin kam der Regen in bie gute Stube, tropfte durch die Decke auf ihre Schloß!»obel stnd setzte die Gräfin in höchste Aufregung. . „
Die Frau Bauunternehmer war auch unglücklich, denn ihr Mann war so sehr vom Wetter abhängig, und dm Uteninot und die Herzbeschwerden waren schilimmer als sonst. Frau von Hilbach weilte viel an seinem Bett und hielt seine Hand, und Ivenn sie sah, to-ie sehr er litt, kamen ihr die Tränen. ,
Er hatte ihre geschäftlichen Angelegenheiten geordnet, hatte die dreitausend Mark zur zweiten Hypothek zuschreiben lassen und hatte auch die Baupolizei in Naumburg von der Beschaffenheit der Schornsteine im Hilbachschen Grundstück unterrichten lassen.
Nun kämpfte er mit letzten Kräften. Die Frau Bau- Unternehmer wußte, was ihr in nächster Zeit bevorstand; es tat ihr wohl, daß sie an Frau von Hilbach eine hin- gebende Freundin und an der dicken Geflügelhändlerin eine treue Stütze gefunden.
In diesen grauen Regentagen lvaren sie auf das Ende gefaßt. Frau von Hilbach schlief oben im Wohnzimmer, Und der kleine Erwin kampierte bei der Kosy, die ihn auch am Tag mit zum Brunnen nahm, damit er niemand im Weg war.
Doch der Bauunternehmer erholte sich immer wieder, war tote ein Stückchen Docht, daß int letzten schon flüssigen Restchen Wachs steckt und nicht verlöschen kann, bis der letzte Funken Nahrung ihm genommen wurde. Er hörte den Regen gegen die Fenster Magen und sehnte sich nach Sonne; die Kosy betete am Brunnen zum lieben Gott und bat ihn, Vernunft walten zu lassen, denn, too der Herr Bauunternehmer so lange gelitten, konnte er es mich noch ein paar Wochen länger machen, bis das Haus leer war. Die Fremden, die augenblicklich im linken Flügel des ersten Stocks wohnten, waren ohnehin mäkelig und machten ihrer Frau den Kopf warm. Kam nun noch! ein Todesfall, dann war es ganz aus.
Jeden Abend, wenn sie vom Brunnen kam; öffnete sie leise die Wohnzimmertür bei Bauunternehmers und war glücklich, ivenn ihr niemand eine schlimme Botschaft brachte.
Sie ermutigte Frau von Hilbach, die bleich und müde aussah, den Kopf oben zu behalten. Diese saß oft in der Nacht am Fenster im Zimmer der Frau Bauunternehmer; sie konnte nicht schlafen, sie wußte, der Tod lauerte dem armen, kranken Mann, der ihr so viel Gutes getan, auf und darum sah sie es als Pflicht an, wachzubleiben, wenn die erschöpfte Frau Bauunternehmer schlief, damit er nicht allein den letzten schweren Kamps zu kämpfen hatte.
Sie sah auf die Saale, die grau und schlammig von deru vielen Regen geworden war; sie lauschte auf das Wehr Und sah Züge wie leuchtende Schlangen über die Brücke gleiten. In diesen bangen, dunklen Nächten dachte sie seit langem wieder an ihn, der da weit draußen suchte, der) kämpfte und arbeitete, bannt sie erlöst wurde aus ihrer Rot und Einsamkeit. Hier unten in der großen Laube hatte er es ihr gesagt, damals in der wundervollen, stern- Uaren Winternacht.
Eine schmerzliche Sehnsucht zog in ihr Herz; ihr war so bang, so bang. Seit sie so im praktischen Leben stand, war ihr, als trüge sie ein; enges Kleid aus derbem Stoff, in denr sie nicht frei atmen konnte. Sie war sich selbst so fremd geworden, und oft hatte sie eine Augst, für die sie keine richtige Erklärung fand.
Ob sie ihm wohl jetzt noch dasselbe fein würde, wie damals im Winter, wo sie still nnb1 ruhig in ihrem ZiM- Merchen gesessen? Es war ihr, als habe das laute Leben Um sie her, das viele Rechnen, der geschäftliche Verkehr Mit fremden Menschen etwas in ihr geändert, als sei sie Äußerlich nicht mehr dieselbe, die sie gewesen.
„Aber doch nur äußerlich!" flüsterte sie, „und wenn er kommt, wenn er mich holt, dann ist alles; vergessen, bann —.—
O, sie war erschrocken; es war ihr, als habe sie ein Mansch in den Zimmern der Hänflein gehört.
„Liebster, Liebster!" sagte sie, denn ihre Sehnsucht war sü groß geworden, daß sie mit ihm sprechen mußte.-
Da hörte sie eine Tür gehen und jemand auf dem! Flur rief: „Frau von Hilbach, schnell. Wo ist denn Frau Von Hilbach? So etwas ist doch furchtbar!"
Sie war im .Augenblick draußen und stand einer Fräst


