Ausgabe 
29.11.1911
 
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einmal mit der dienstlichen Frage unterbrach:Hat der Zivil- konduktenr noch etwas zu bemerken?"Rechts Herr Gouver­neur/' Offenbar waren wir entlasten; der Gouverneur wendet irch furz um, mein Signalement auf den Trsch zur Sere zu legen. Doch ehe wir den Fuß gegen die Tür vorzusetzen vermochten, drehte er sich wieder, trat, die Hande umeuranderrechend, zu uns zurück und sagte mit lächelnder Miene:Darf ich fragen, wohin die Herren heut' Wend zu gehen gedenken?' Mein Kondukteur oder ich versetzte:Wir genießen zum erstenmal das Gluck, Herr Oberstleutnant, uns auf dem Hohenasperg auszuhalten und find völlig fremd hierJa, ich mein', es wär' wohl am nch- tigschte, jvenn's den Herre gefalle tät, ihr Schöpple in unserer Gesellschaft ^u trucke?^^ östlich-schnurriges Schwaben­

ländle, wie unvergeßlich lustig führte sich's in dir Knea. Tre vier Tage meiner Einkerkerung gehörten zweifellos zu den schönsten meines Lebens. Ein viertelstündiger Rundgang um die Festungs­wälle bot überall meilenweiten wundervolle Bück in die Fernen, nack Belieben rastete ich in der Sonne oder im Schatten alter Linden; wenn der Hunger mich anrührte, frühstückte ich m diesem, dinierte in jenem, soupierte m einem dritten Gasthause, meine Frau und Freunde besuchten mich, die Offiziere luden mich zur Kegelpartie unweigerlich jedoch mußte ich allmählich die Zert von 10 Uhr abends bis 5 Uhr früh m meinem hochluftigen Schlaf­saal zubrrngen."

Lin Tiroler Saust-Spiel.

Vor 85 Jahren hat I. B. Zingerle in seinenSchildereien einige groben cüie§ von ^ivolet Äonern Qinocutorteti, in Alexandrinern abgefaßten Faust-Spiels, das ^u den ällellen er» halteneii Texten des deutschen Faustdramas gehört, nutgeteilt. In der soeben erschienenen Chronik des Wiener Goethe-Vereins gibt nun Dr. Rudolf Payer von Thurn zunr ersten Mal den wort- gelreneii Abdruck des ganzen Manuskripts wieder, das im Inns- bruckerJerdiiiandeuni" auibewahrt ist. Das alte Tiroler Faust- spiel ist aller Wahrscheinlichkeit älter als die in Prosa abge'aßten Tiroler Puppenspiele, in denen Faust ebenfalls auftritt; dafür, daß es zwischen 1745 und 1796 entstanden ist, sprechen Anspielungen auf Zeitereignisse. So muß Hanswurst gegen die Preußen ins Feld mar­schieren. zu 'bereit Vertreibung 1745 die Landmiliz ausgerüstet wurde.

Schon im zweiten Aullrllt des Spiels kommt der Pakt zwischen .MesistofoliiS" und Faustas zustande. Faust ist davon be'rtebiqt. Aber der Vater des Faust, Orcanus, ist sehr betümmert, denn sem Sohn, der offenbar nicht als bejahrter Herr zu denket, tst, scheint ihm verwirkt". Er glaubt,sem lübste bat ihn gänzlichen ver­ehret". Schließlich tröstet er sich mit dem Gedanken, baß sem Sohn ja doch viel gescheiter sei, als er selbst, und daher schon alles recht machen werde. Es setzt nun ein Rampi um Faust zwischen befielt gutem und bösem Geist, zwischen Raphael und Mephisto ein in dem dieser siegt. Der Teufel bringt durch eine Buhlerin (meretrix) Faust zu Fall. Mepbfilos Plan fit:

ja Meritrix oie soll den isauit die waschen legen, und sechet eben recht, dorth kamt er mir zugogen; ich reis iez mit ihm forth zum Barmissauer fielt, eröffne dich, o Höll, du heint begliefet wirft, fort mit der «rieftet Zihr, iorth mit der t an bei et), es zeigt sich Mefistof, das er heint sieget sey.

Der zweite Teil des Dramas spielt am Hof vonErnest, Grotzherzog v. Parma". Faust zitiert dem Herzog David und Goliath, Judith und Lazarus. Als ihm vorgewotien wird er be­treibeeine Kunst der Höllen", fährt er den Herzog tu alletGtobhett an: , hab ich dts verdient? entweiche, Unmensch, forth I so macht ich den mit Vier em solchen accort ?

man du schon bist ein first, der nicht ist meines gleichen, ein solchen mus man nur mit ein rnaulltaschen streichen. Gebiete deinen land nur wider mich em streit

geb, wage ein Duel und stehe mir zur seich;

ich sörchle alles nicht, dich und dein ganze macht, du und dein Parlament von mir nur wird verlacht.

Der Erzengel Raphael kämpit immer wieder gegen Mephisto an und erreicht schließlich, daß Faust sich Gewiffeiisbijse macht. Mephisto sucht sie zu zerstreuen. Aber Faust stellt, von Borwürien immer mehr gepeinigt, ein entsetzliches Verlangen: Mephisto soll ihm Christus am Kreuze hängend heransbefchivören.

Da tst Mephisto in der Klemme; er beschwert den Herrn der Hölle, Pluto, herauf und jammert ihm vor:

er zwinget mich so weith, ich sollte ihm bermablen mitsambt dem titlblatt den näzerener Hollen, und zwar aus solche art wie mau ihm thuet beschreiben, an deine solle auch kein Penflnrich ausbleiben, wie er an Lreizesstamm warhafftig ley gestorben, der uns zum schaden hat der rnelt das heill erworben.

AberBluto" ist mit seinem Knecht Mephisto sehr unzufrieden: das scheinet mir so gabt ein schlechte hm ft zu fern, und bete es mir woll ntemabl gebildet ein, das du nit so vill wiz hinter dem langen obren, wo sonst ein Deist bist auf alle weis geschoren;

ein alberer mueft sein, das greift man wohl mit henden. . Schließlich will sich derHanswurst", der schon in einem derben

Zwischenspiel eine Rolle gespielt hat, Faustens annehmen. Aber es ist zu spät, Faust ist dem Teufel veriallen und muß sterben In Todesangst bricht er in folgende großartige Klage aus:

Ihr fürten fteugt herauf auf distren höUenschllmde, in stücke mich zerreist, ihr schwarzen höllenhunde, ihr berge falt auf mich, ihr folgen, deckt mich zu, Angst, hinter, furcht last mir kein angenblicf mehr Ruh. zerspalt dich unter mir, o Erd, mich zu verschlingen, blüz, donner, bagl feür soll aus den wolcken bringen kom bleicher, hioebenman, kom, raf mich in das grab, verfluchte göttm schneid den lebensfaden ab 1

Faust stirbt nun an Gilt, das ihm Slephifto kredenzt, und es folgt dann auf die Tragödie ein kleines Satyrspiel, dessen Hauptperson, derHanswurscht" durch besondere Schlauheit dem Mephisto drei Teufel stiehlt. -------------- 0. K.

Büchertisch.

Deutscher Literaturspiegel" so betitelt sich ein dieses Jahr zum erften Mal erschienenes literaturkrtttscheS Jahrbuch, das in lebensvoller Darstellung hervorragMde Er­scheinungen der zeitgenössischen deutschen Literatur. dem Int:reise des großen Publikums nahe bringen will. Kein kritisches Forum, kein Richterstuhl will dieses Jahrbuch sein, sondern ein schlichter Ratgeber, der keinen Geringeren, als den bekannten Tiroler Dichter Rudolf Greinz zum Verfasser hat, aus dessen neuestem Novellenbuche Auf der Sonnenseite wir kürzlich eine ver­gnügliche Geschichte veröffentlichten. Seit einem Dezentum hcck sich Rudolf Greinz mit dem Plane eines derartigen Jahrbuches getragen, nun endlich ist die Idee praktisch zur Ausführung! gekommen und die Verlagsbuchhandlung L. Staackmann in Leip­zig hat sich bemüht, durch Ansetzung eines erstaunlich niedrigen Preises (20 Pfg.) eine Massenverbreitung desDeutschen Literatur- Spiegels" zu ermöglichen. Welches Interesse man diesem Unter­nehmen entgegenbringt, erhellt die Tatsache, daß die hohe Auf­lage von 40 000 Stück durch die Vorausbestellungen des Buch­handels bereits vor Erscheinen nahezu vergriffen war. Hier ist in fesselnder, allgemein verständlicher Darstellung em ehr­licher, gewissenhafter Ratgeber, für den das deutsche Bücher le­sende Volk dem Dichter Rudolf Greinz Dank zollen wird.

Der Schiller des Tempel-Verlags. Soeben geht uns eine Reihe neuer Bände aus dem von den edelsten «hilturgedanken geleiteten Tempel-Verlag zu: Schillers Sämtliche Werke, 6 neue Bände. Darunter die Gedichte, die Dramen: Maria Stuart, Die Jungfrau von Orleans, Die Braut von Messina, der Tell. Schillers dramatischer Nachlaß, die sämt­lichen dramatischen Uebersetzungen, die Geschichte des Dreißig- jährigeii Krieges. Ferner die .vermischten Schriften, von den Reden aus der Militär-Akademie bis zu den Ankundlgungenz Redaktionsnoten, Besprechungen und dramaturgischen Abhang hingest Es bedarf keiner Erwähnung, daß diese Bande inhaltlich wieder in der sorgfältigsten Werse hergestellt früh Die Redaktion ist namhaften Literaturhistorikern, tote n. m Dr. Fritz Strich, Dr. Paul Kluckhohn, Tr. Stephan List, Dr. Julius Zeltler, anvertraut. Das Prinzip der Tempel-Klassiker, daß jeber ein­zelne Band verkäuflich ist, macht ihre innerliche Organisation und einheitliche Anordnung ganz besonders willkommen Wer sich auf diesem Wege eine schöne Bibliothek zulegen will, der bekommt in den Bänden, die er sich nach und nach kauft, etwas Rundes und Volles und innerlich durchaus Geschlossenes. Auch diese Bände sind, wie ihre in ihrer Farbenschönheit und Solidität so intimen Vorgänger, eine Zierde des Bücherschrankes.

AltSgyptische Hieroglyphen.

Jedes Bild bezeichnet den Anfangsbuchstaben feines Namens, z. B. Sonne s, Glas --- g rc. Tie Vokale sind zu ergänzen.)

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Kreuz« und Quer°RätselS in voriger Nummer: Ha gen

Se gel

Hagen, Hase, Segen, Segel, Hagel, Gelse.

Nebaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steinbriicker-i. R. Lavae, Gießen.