747
®m Sommer ist schließlich jede Wohnung gilt, wenn sie nur Sonne hat. Lann öffnet man Tür und Fenster und läßt die frische Lmtt in alle Räume dringen. In der kalten Jahreszeit aber Nt das ganz anders, da Kommt man ohne Heizung nicht aus, «rw eben weil man heizt, bleiben Tür und Fenster meist zu lange gelchloften. Keine Heizung, auch die idealste nicht, kann die Sonnenwarme ersetzen. Geheizte Luft ist stets anders zusammengeletzt wre die frische im Freien.
Die Erfahrung hat gelehrt, daß sich der normale Mensch rn einer Luft von 15 Grad R. am wohlsten fühlt, ja, die Wissen- schaft hat das Gesetz aufgestellt, daß, der Mensch unter gewöhn- uchen Verhältnissen in jeder Minute so viel Blut- oder Eigen- Wärme neu erzeugt, als er in dieser Zeit an die ihn umgebende Luft von 15 Grad R. abgibt. Daraus geht schon hervor, daß, es gegen die Gesundheitspflege ist, wenn die Zimmerluft zu kalt oder zu warm ist, wenigstens wenn der Mensch sich in ruhendem Zustande in derselben, aufhält. Das menschliche Blut hat eine mittlere Temperatur von 30 Grad R., und es verträgt keinen höheren noch niedrigeren Grad, wenn es normal und gesund bleiben soll. In einer Zimmerluft, die der Blutwärme gleichkäme, würde der Mensch sofort zugriuide gehen. Er fühlt sich nur wohl m einer Lust, die bedeutend kälter ist als seine Blutwärme. Jemand, der bei einer Temperatur von ,15 Grad R. friert, ist entwedeu kank oder durch Untätigfett und Verweichlichung in einen der Kränklichkeit ähnlichen Zustand geraten, wodurch die Erzeugung der Eigenwärme herabgemindert wird. Es bedarf aber in solchen Fällen meist nur der genügenden körperlichen Bewegung, itm das gestörte Gleichgewicht wieder herzustellen. Körperlich stark arbeitende Menschen bedürfen keiner Zimmertemperatur von 15 Grad, da genügen schon zehn, bei mäßiger Anstrengung zwölf Grad. Aeltere Personen, deren Atmung und Blutumlauf träger geworden ist, würden in einer Zimmerlust von 15 Grad mehr Wärme verlieren, als in gleicher Zeit wieder erzeugt wird. Sie frösteln daher bei 15 Grad. Dasselbe gilt von Menschen, die an Blutarmut, Nervosität und Tuberkulose leiden. Solche Personen können ihr Wohnzimmer bis zu 18 Grad R. Heizen lassen, aber niemals höher. Frösteln sie dennoch, so mögen sie eine wollene Decke über Knie und Füße breiten. Je heißer das Zimmer nämlich durch die Ofenlvärme wird, desto trockener und verdünnter wird die Luft, sie wird schädlich, sie entzieht dem Blut beim Atmen zu viel Feuchtigkeit, erschwert das Atmen und reizt die Lungen. Auch das beliebte Aufstellen von Schüsseln mit Wasser würde hier keine nennenswerte Luftverbesserung bringen. Es kommt eben nichts der frischen Lust gleich, nur sie allein hat die Zusammensetzung, die der menschlichen Gesundheit dienlich ist. Da nun während der kälteren Jahreszeit in unserem Klima der Ofen nicht zu entbehren ist, so hört man sehr oft die Frage: „Welcher Ofen ist der beste?"
Tie Frage kann kurz beantwortet werden: „Der Kachelofen ist der beste". w
Der gebrannte Ton, aus denr die Kacheln bestehen, hat eine vierzigmat schwächere Wärmeleitungs-Fähigkeit als das Eisen. Er nimmt die Wärme zwar langsamer an, gibt sie aber dafür auch viel gleichmäßiger und andauernder ab. Und das ist es, woraus es bei einer guten Heizung anfommt, daß man die strahlende Wärme nach Kräften vermeidet. Auch die glänzende Außenseite des Kachelofens verhindert das zu schnelle Verstrahlen der Wärme, da blanke, glatte Oberflächen die Hitze stets weniger schnell abgeben als rauhe. So bleiben auch Kaffee oder Tee in einer blanken Kanne viel länger warm als in einer unalasierten, rauhen, da die Wärme am leichtesten an Unebenheiten, Ecken und Kanten, fund seien sie noch noch klein, entweicht.
Eiserne Oefen sind am ungesundesten. Sie strahlen zu sehr, erkalten zu schnell, und ihre Erwärmung ist nicht gleichmäßig sgenug. Eiserne Oefen, die leicht glühend werden, haben auch noch den Nachteil, daß sie einen bösen Dunst erzeugen, der die Kopfnerven auf eine empfindliche Art angreift. Ferner läßt der glühende Eisenosen giftige Gase durch die glühende Stelle gehen, namentlich das gefährliche Kohlenoxydgas, in welchem schon so viele Personen erstickt sind, mit oder gegen ihren Willen.
In den Großstädten kommt sowohl in öffentlichen Gebäuden wie auch in Privathäusern die Zentralheizung vielfach in Anwendung. Sie bietet sehr viele Vorteile und Annehmlichkeiten« ist aber nicht ganz frei von Nachteilen. Von der früher gebräulichen Form der Heißluft-Heizung ist man abgekominen und benutzt fast nur noch Heißwasser- oder Niederdruck-Tampsheizu ug en. So läßt sich bei aufmerksamer und geschickter Bedienung eine angenehme Und gleichmäßige Zimmertemperatur erzielen, ohne daß eure Verunreinigung der Lust stattfindet. Man darf.aber nicht vergessen, daß bei der Zentralheizung die bei gutziehenden Oefen stets statt- Jindende Ventilation fortfällt. Ein brennender Ofen führt die chlechte Zimmerluft durch den Kanrin ab und zieht durch alle Fenster- und Türenritzen die frische Lust herein.
Die richtige Ventilation, welche die verbrauchte Lust durch frische ersetzen soll, wird in ihrem hohen hygienischen Wert immer noch zu wenig gewürdigt. Man bedenkt zu wenig, daß jeder Mensch bei jedem Atemzug der Lust seines Aufenthaltsraumes eine gewisse Menge Sauerstoff entzieht und bei der Ausatmung eine mit Wasserdampf gesättigte und an schädlicher Kohlensäure reiche Luft von sich gibt. Viele Menschen denken gar nicht daran, daß frische Lust ihr Lebenselement ist, daß sie um! so gesunder und
heitere sind, je reiner dieses Lebenselement ist. Es gibt soM) ir fZrep; dem Glauben leben, daß die Zuführung von
Irin A Zimmer den Kmdern und Kranken schädlich
I/shalb wird rn Kinder- und Krankenzimmern oft I r kfet und zu stark geheizt. Das ist sehr oerfeftrt Erßwns erzeugt das Blut der Kinder schneller und lebhafter Warme als das der Erioachsenen, und zweitens sind di« rirfV'hl1 tn ihrem Bett genügend vor allzu großem Wärmeverlust Hh u)Uyt.
, Ob das Schlafzimmer im Winter für gesunde Menschen geherzt werden >oll oder nicht, das ist eine reut individuelle Sache. , moderne Mckizin ist der Meinung, daß es nicht darauf an- kommt, ob ein Schlafzimmer geheizt sei oder nicht: die Hanpt- sache ist, daß die Luft in deut Raum, wo der Mensch mindestens nn Drittel setnes Lebens zubringt, rein sei. Die Wärme bet Imp: verschwindet völlig gegen die Bedeutung der Reinheit der- seibep. Die Lust in einem mäßig warmen Raum kann aber ebenfo gut sein wie in einem kalten, das hängt lediglich von der Ventilation ab. Je mehr Personen in einem Zimmer schlafen, desto geräumiger muß es sein und desto stärker die Bentilatum.!
geringer der Unterschied zwischen Bett- und Zimmerwärm« ist, desto leichter wird einem morgens das Aufstehen, und desto luftiger rann man sich zudecken, was für die wichtige Hautausdünstung nur von Vorteil sein kann. Ist dagegen das Schlaf- kalt, so deckt man sich leicht zu schwer zu. Auf me>e Werse trägt ein ungeheiztes Zimmer ost mehr zur Ver» weichlichung bei, als ein bis zu 12 Grad R. erwärmtes. Einl Schlafzimmer soll man nur am Tage heizen, niemals rrachts, wenn jemaitb in demselben schläft. In einem geheizteil Schlafzimmer noch Wärmflaschen ins Bett zu legen, ist gar nicht gesund.. Man Mrd in einem kalten Bett sehr bald warm, weil der kurze, flüchttge Reiz der Kälte eine wohltuende Reaktion bdj vermehrten Hinströmens des Blutes nalch der Haut bauirft.
, ,Bei den Wohnzimmern kommt es sehr darauf an, rechtzeitig zu heizen. Man muß nicht erst damit beginnen, wenn! der Bewohner desselben dort ruhen oder sitzend arbeiten roill. Dos Lüsten der Wohnzimmer sollte täglich mehrmals geschehen. Wie Lüftung braucht nur wenige Minuten zu dauern. Die eingedrungene frische Luft erwärmt sich schiiell wieder, schneller als verbrauchte und schlechte.
Dem Sonnenschein gestatte man stets irach Möglichkeit un- gehindertes Hineindttngen, denn nichts ist gesunder als eine sonnige Wohnung. Sonnenschein ist ein Desinfektionsmittel erftem Ranges, er tötet die schlechten Keime in der Luft und verbessertl den Sauerstoff, er ozonisiert ihn. U. R.
Wilhelm Jensen als Gegangener auf dem hohenasperg.
In seiner Stilttgarter Zeit ist Jensen auch der zweideutigen Auszeichnung teilhaftig geworden, eine Zeit als Festungs efangener auf dem Hohenasperg zuzubringeu. Es war im Kri. gsjahre 1866; die Spannung, die zwischen Nord- und Süddeutschen geherrscht hatte, war glücklich überwunden und inan hatte im Bestreben, die Annäherung zwischen beiden Parteien zu beseitigen, eine deutsche Partei gegründet, deren Organ, die schwäbische Volkszeitung, I en« s e n leiten sollte, obwohl er sich heftig dagegen sträubte. Hieraus entstaich ein Zeitungskrieg; ein schwäbischer Rechtsanwalt und Kammer ab geordneter hatte gegen die Annäherung zwischen Nord und Süd im heftigsten Tone eingewandt: „Wollt ihr, daß eure Söhne von preußischen Unteroffizieren geprügelt werden?" Jensen bezichtigte diesen Herren darauf in seiner Zeitung wegen dieses „preußischen Prügelns" der Lüge, und die Folge war, daß er wegen Beleidigung verklagt und zu vier Tagen Festung verurteilt wurde. Wie es ihm da erging, hat er selbst humorvoll erzählt.
Während des Transportes nach der Festung erteilte sein Aufseher häufig den Befehl: „Anhalten! Schöpple trinken!" Schließlich standen sie doch vor dein grimmen Gouverneur des Asperg: „Mein Transporteur", so erzählt Jensen, „klappte mili- risch die Fersen aneinander und murmelte: „Ich habe einen Gefangenen zu übergeben, Herr Gouverneur". Doch nfft barschem Einfall schnitt der Furchtbare ihm ins Wort: „Ich weiß schon", griff hinter sich nach einem Blatt, auf dem augenscheinlich mein Signalement aufs genaueste verzeichnet stand und mufterte mich haarscharf vom Scheitel zur Sohle, wie der Blick eines Adlers einen zur Abendmahlzeit auserkorenen jungen Hasen. Danach setzte er einen Schritt gegen mich vor, hob gebieterisch die Hand und sprach mit einer Stimme, aus der vor mir ein offenes Grab drohte: „Sie sind unverbrüchlich der ganzen Strenge der Festungsgebote unterworfen und haben unter keinen Umständen den Ihnen angewiesenen nächtlichen Aufenthaltsraum vor 5 Uhr morgens zu verlassen." Ich glaube, daß mir unwillkürlich vom Munde kam: „Zu Befehl, Herr Oberstleutnant. Ties früher zu tun, bin ich Gottlob nicht gewöhnt." „Unweigerlich" — und aus dem einen Wort klangs wie ein ganzes Exekutionspelotongeknatter — „haben Sie sich ebenso am Abend um 10 Uhr in Ihrem Schlasraum für die Nacht wieder einzustellen. In der Tageszwischenzeit steht es Ihnen als Strafgefangener der untersten Klasse frei, Ihren Aufenthalt innerhalb der Festung zu wählen, wo Sie wollen und sich nach ihrem Belieben zu beschäftigen." Dem letzten folgte eine dumpfe Stille, die der Kommandant nur noch


