MlttWoch den 29. November

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Die weiße Frau.

Roman von W. Collins,.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Ich bitte um Verzeihung, Str Percival begann er.

Die Dunkelheit täuscht Sie, unterbrach ich ihn, ich bin nicht Str Percival.

Der Mann trat schnell zurück.

Ich glaubte, es fei mein Herr, murmelte er auf ver­wirrte, unsichere Weise.

Sie erwarteten, Ihren Herrn hier zu treffen?

Ich hatte Befehl, ihn hier im Nebenwege zu er-- warten.

Mit dieser Antwort ging er wieder in der Richtung zurück, aus der er gekommen war. Ich schaute mich nach der Hütte um und sah den Küster mit der Laterne heraus­kommen. Ich nahm den alten Mann am Arm, um ihm schneller fortzuhelfen. Wir eilten den Weg entlang und kamen aii dem Manne vorbei, welcher mich angeredet hatte. So gut ich dies bei dem Lichte der Laterne zu sehen ver­mochte, war er ein Diener ohne Livree.

Wer ist das? flüsterte der Küster. Weist er etwas von den Schlüsseln?

Wir wollen uns nicht damit aufhalten, ihn zu fragen, antwortete ich, sondern schnell erst nach der Sakristei eilen.

Die Kirche war selbst bei Tage nicht eher zu sehen, als bis man am Ende des Nebenweges stand. Als wir die kleine Anhöhe hinanstiegen, welche von diesem Punkte aus nach dem Gebäude führte, kam ein Knabe dicht zu uns heran und erkannte beim Lichte unserer Laterne den Küster.

Wißt Ihr was, Meister, sagte er, den Küster am Rocke zupfend, 's ist da oben wer in der Kirche. Jchchört'n die Türe hinter sich schließen und sah'n ein Licht anmachen.

Der Küster zitterte und lehnte sich schwer auf meinen Arm.

Kommt! kommt! sagte ich, ihn ermutigend. Wir kom­men noch nicht zu spät. Wir wollen ihn fangen. Halten Sie die Laterne fest und folgen Sie mir, so schnell' Sie können.

Ich stieg schnell den Hügel hinan. Die dunkle Masse des Kirchturms war das erste, was ich undeutlich sich auf dem Nachthimmel abzeichnen sah. Als ich zur Sette bog, um nach der Sakristei zu gehen, hörte ich schwere Schritte dicht neben mir. Der Bediente war uns zur Kirche ge­folgt. Ich beabsichtige Ihnen kein Leides zu tun, sagte er, als ich mich schnell nach ihm umwandte; ich suche bloß meinen Herrn. , , _

Der Ton, in dem er dies sagte, verriet deutlich, daß

er in Furcht war. Ich nahm keine Notiz von ihm' und- ging weiter.

Sowie ich um die Ecke kam, und die Sakristei sehen konnte, sah ich, daß das Gewölbfenster auf dem Dache von innen hell erleuchtet war.

Ich lief durch den Kirchhof der Türe zu.

Als ich näher kam, stahl sich ein sonderbarer Geruch durch die feuchte, stille Luft mir entgegen. Ich horte drinnen ein Geräusch, wie von einem zusammenschnappenden Schlosse ich sah das Licht oben heller und heller wer­den eine Glasscheibe zersprang ich rannte auf die Türe zu und legte meinen Arm dagegen. Die Sakristei brannte!

Ehe ich mich noch rühren, ehe ich nach dieser Ent­deckung Atem schöpfen konnte, erfüllte mich ein schwerer Fall von innen gegen die Türe mit Entsetzen. Ich hörte, wie der Schlüssel heftig im Schlosse hin- und hergedreht wurde ich hörte hinter der Türe die Stimme eines! Mannes in entsetzlich gellenden Tönen um Hilfe schreien.

Der Bediente, der mir gefolgt war, fuhr schaudernd! zurück und fiel auf seine Knie. O mein Gott! rief er aus; es ist Sir Percival!

Als die Worte seinen Lippen entfuhren, trat der Küster zu uns und in demselben Augenblicke ließ sich das Ge­räusch des Schlüssels im Schlosse noch einmal und zum letzten Male hören.

Der Herr erbarme sich seiner Seele! rief der Küster aus. Er ist des Todes. Er hat das Schloß verdreht!

Ich stürzte gegen die Tür. Der eine, alles verzehrende Gedanke, der seit Wochen mein ganzes Innere erfüllt und alle meine Handlungen geleitet hatte, schwand in einer Sekunde aus meinem Geiste. Ich dachte an nichts weiter, als an das Entsetzliche seiner Lage; ich fühlte nichts als den natürlichen menschlichen Drang, ihn von einem furcht­baren Tode zu retten.

Versuchen Sie die andere Türe! schrie ich, versuchen Sie die andere Türe, die in die Kirche führte! Das Schloß ist verdreht. Sie sind das Todes, wenn Sie noch einen Augenblick dabei verlieren!

' Es hatte sich, als der Schlüssel zum letzten Male imi Schloß umgedreht wurde, kein erneuerter Hilferuf hören lassen, und ich vernahm nichts, als das immer schnellere Knistern der Flammen und das scharfe Zerspringen der Glasscheiben im Gewölbefenster.

Ich sah mich um nach meinen beiden Begleitern. Der Diener war aufgestanden, hatte die Laterne ergriffen und hielt sie mit geistesabwesendem Gesichte gegen die Türe. Der Schreck schien ihn geradezu mit Blödsinn geschlageni zu haben er wartete an meinen Fersen und folgte mir, wohin ich mich wandte, wie ein Hund. Der Küster saß kauernd, stöhnend und bebend auf einem Grabsteine. Ter kurze Blick, den ich auf die beiden warf, genügte, um mich zu überzeugen, daß ich von ihnen keine Hilfe zu ei> ivarten hatte.