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Das nette Mädel.
Roman von Fedor von Zabeltitz.:
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
lieber das brünette Gesicht mit den hübschen, etwas harten und sehr energischen Zügen flog ein freundliches Lächeln, als er Traute sah. Sie war aufgesprungen, Md es hatte den Anschein, als wollte sie ihm um den Hals fallen. Aber vorbeugend küßte er ihr nur die Hand und führte sie zum Sofa zurück.
„Herzlichen Dank, Traute, daß du gekommen bist," sagte er. „Ich sehe ein, es ist ja nicht alles in Ordnung bei unserer Heimlichkeit —"
„Aber es ist desto hübscher," fiel sie unbesonnen ein.
Seine Brauen schoben sich leicht aneinander. „Ich Möchte sagen, daß ich die Öffentlichkeit vorziehen würde. Heimliche Liebe, von der niemand nichts weiß, ist gut für poetische Gemüter, die sonst keinerlei Rücksichten zu nehmen haben. Aber ich bin zum Lebensrealisten erzogen worden und auch an Rücksichten gebunden. Nichtsdestoweniger: es ging nicht anders."
Er schlug die Absätze aneinander und verneigte sich kurz vor Tini, mit der rechten Hand auf den Kaffeetisch weisend. „Gnädiges Fräulein haben mich sogar festlich empfangen. Wider die Erwartung. Die Liebenswürdigkeit selbst. Und als ob Sie es geahnt hätten: Makronentörtchen — meine Passion. Sonst habe ich in materieller Beziehung keinerlei Leidenschaften."
Tini hätte den Spiritus unter der Maschine angezündet. „Ihr Lob trifft mich zu unrecht, Herr Leutnant Roeßler," entgegnete sie. „Die ahnungsvollen Makronen hat Traute gestiftet, auch die Himbeertorte und die drei Mohrenköpfe."
„Charmant," sagte Roeßler und küßte wieder Trautes Hand. „Die Himbeertorte fasse ich symbolisch auf. Die Farbe deutet auf den Generalstab. Nur ist's die Frage, ob ich je dahin kommen werde."
„Ich möchte darauf wetten," entgegnete Traute.
„Weil du mich für einen Streber hältst. Ein bißchen hin ich's ja auch; bei unserm schläfrigen Avancement geht es sonst gar nicht vorwärts. Also bleibe ich bei der Waffe, so wird wohl auch der Himbeerkragen mal kommen. Aber Vielleicht quittiere ich an der entscheidenden Ecke."
„Sie wollen den Abschied nehmen?" rief Mni und füllte die Dassen.
„Vorläufig denke ich noch nicht daran, gnädiges Fräulein. Indes könnte es wohl geschehen, wenn sich mir int Bürgerrock bessere Aussichten auf die Zukunft bieten. Meine Familie stammt aus den Ostseeprovinzen. Da habe ich mannigfache gute Beziehungen in Rußland, und' es ist nicht
unmöglich, daß sich mir da einmal eine angenehme Stellung bietet. Bitte keinen Zucker, gnädiges Fräulein!"
„Wie kann man den Kaffee bitter trinken!"
„Ich bin im allgemeinen gegen das Süße. Es verdirbt den Geschmack."
Traute legte ein Makronentörtchen auf seinen Teller. „Nur die Makronen und die Liebe brlden eine Ausnahme," sagte sie.
Roeßler machte eine verbindliche Kopfbowegung. Dann sah er das Zigarrenetui unter seinem Teller.
„Was ist das?" fragte er.
„Ein Andenken, Max," entgegnete Traute. „Wenn du dir eine Krysanth ansteckst, sollst du an mich denken."
„O — Tvaute" . . . wieder küßte er ihre Finger. . . „das ist lieb von dir. Zwackst dir von deinem Taschengeld auch noch ein Mitbringsel ab. Wenigstens kann ich mich gleich revanchieren."
Er griff in die Tasche und holte sein kleines Geschenk hervor. „Keine Herrlichkeit, Trante" — er löste dabei die Hülle von Seidenpapier — „noch etwas aus dem Nachlaß meiner Mutter. Ich weiß, sie hat es viel getragen. Ein Herzchen und ein goldenes Kettchen."
Traute war gerührt. Das Herzchen erinnerte sie zwar' ein wenig an das eben verpfändete. Aber sie machte sich keine Gedanken darüber. Sie ließ die dünne goldene Kette durch die Finger gleiten.
„Es ist reizend, Max. Ich danke dir tausendmal. Das trage ich um den Hals unterm Kleide, und keiner sieht es. Ich fü'hl's aber immer. . . Dafür hast du einen Extrakuh gut," flüsterte sie ihm in das Ohr.
Nun erhob sich Tini. „Ich taxiere, Sie werden mit Traute noch mancherlei zu besprechen haben," sagte sie. „Da sind zwei Ohren zu viel. Auch zwei Augen."
Roeßler stand sofort auf und klappte wieder mit den Absätzen. „Sehr liebenswürdig, gnädiges Fräulein. Aber bitte nicht mißzuverstehen. Es würde mir sogar unangenehm sein, wenn Sie die Wohnung verlassen wollten. Das sähe so aus — nein, das möchte ich nicht. Wenn Sie nur auf zehn Minuten in eine andere Stube —"
„Ich gehe schon," fiel Mni lachend ein. „Der Tugend- Wächter bleibt in der Nähe. Gefahr ist ausgeschlossen. Alle guten Sitten seien gelobt."
Sie verließ das Zimmer.
„Nun kannst du mir immerhin einen Kuß geben," sagte Traute.
„Geschieht auch. Pardon, noch einen Augenblick. . ." Er zog die Portiere vor das Fenster. . . . „Gerade gegenüber wohnt nämlich mein Major. Komm her, Trautchen'f
Er umschlang sie, und beide küßten sich.
„Sag einmal laut, daß du mich lieb hast. Die nebenan kann's hören."
„Ich sage laut, daß sch dich lieh Habe. Wenn sie's auch hört."


