Ausgabe 
29.5.1911
 
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die Rede, wohl hier Und da einmal eWe Ausgabefür eine Schüssel voll Fleisch". Daß es aber auch an den Zunftfesten nicht an einem guten Imbiß fehlte, dafür spricht das bedeutende Kücheninventar, das die Zunft besaß. Zum Wein gehörte vor allem Kuchen, und wenn von der Anschaffung von 2 MesteN Weizenmehl (50 Pfd.) in der Rechnung die Rede ck, so wurden demnach an Festtagen 2530 Kuchen verspeist. Auf Fastnacht durfte kein Fleisch gegessen werden; uni- so mehr tat man sich gütlich an Käse und Brot.1 Kuhkäse", wohl ein großer Kochkäse und mehrere Pfund holländischen Käses gingen drauf. Fortwähreud begegnen wir in den Rechnungen den Ausgabeposten fürs ch au b >,Schaub oder Schaab" waren Bündel Stroh, die zu Freuden-, feuern am Johannistag oder zu Strohpuppen am Fastnacht ver­wendet wurden: denn am Fastnacht wurde die Hexe verbrannt. AuchMeten und Sträuße" wurden angeschafft; denn das Zunft- Haus mußte am Festtag ein anderes Kleid anziehen. Auch Weih­nachten und Neujahr wurde bisweilen auf dem Zunfthause ge­feiert; denn es heißt laut Rechnung 1536:14 sch. 1 hell, für 3 Ktzrn Holtz off dem christ abend; 5 alb. für em fessel Win zum newen jahr." Lassen wir die einzelnen Zahlen über den Verbrauch auf den zwei Hauptfesten selbst reden! 1588: 5 fl. haben die meihnster Vertrunken Vor Wein auf S. Joh. baptistae; 3 alb. 2 !Psg. vor 1 maß wein bei Joh. Scheibeln gehalt auf Joh. bapt.; 4 sch. vor brodt auf Johannis tat, 6 sch. vor brodt den folgenden Dagk; 12 sch. 7 Pfg. vor 1 schussel voll Fleisch und 1 Watz Wein; 2 Pfg. vor 1 licht; 2 Pfg. vor babrer. Fastnacht: 1 fl. haben die meister Vertrunken auf die fastnacht; 17 Pfg. vor 2 gebund schahb, 2 Pfg. vor ein licht auf die fastnacht, 7 sch. vor ein Westen Weitzen (Mehl), 2 sch. 6 Pfg. vvr 1 lKnhkeß, 3 sch. 3 Pfg. vor 2 Kuhkeß, 1 Pfg. dein Walter geben, 2 Pfg. vor hehben (Hefe), 1 sch. vor milch, 3 Pfg. vor eier, 6 Pfg. vor die Kuchen zu backen, 6 alb. vor zwei

Kahß." 1613 wurden auf Johannis-Tag 13 fl. ;abt, 2 fl. 4 sch. für Essen, 6 sch. für Brot, für 14 Pfd. Kuhkäse, 16 sch. für 5 Pfd. für hol- l, 3 sch. 1 Pfg., 1 fl. 2 sch. vor 2 Westen! h. 7 Pfg. für Nüsse, 1 sch. für Aepfel und Pfg. für Lichter, 1 sch. 3 Pfg. für Meien!

Die Zunft besaß, wie schon vorher erwähnt, ein großes Inventar tot Kannen, Kroppen und zinnernen Schüsseln, von letzteren allchn 3 Dutzend große, je iy> Dutzend mittelgroße wnd kleine. Die Beträge für ausgelieheue Schüsseln bei Hoch­zeiten und Gesellschaften von Privaten bilden eine Haupteinnahme der Zunft gegen das Ende des 16. Jahrhunderts. Auch an Wirte, adlige Personen wurden die Schüsseln der Zunft verliehen, wie auch hier und da städtische Körperschaften zu tun pflegten. Kon den vielen Ausleihungen, denen wir beständig in den Rech­nungen begegnen, seien nur einzelne erwähnt. 1572:16 sch. von conrad wagnern entpfangen von schusseln alß sein schwester Hochzeit gehabt hat; 6 sch. Heinerich Deiln zu uiederwoelnstadt Hail die schüsseln gebraucht; 6 sch. von michel Marum dem Hecker von schüsseln; 6 sch. Entvangen von Joh. Zubrot Witwin als Ihr eiden Hochzeit gehabt Hait von schüsseln; 1594: Docter Dodt von den schüMlsn 1 fl.; 9 sch. von dem Becker von dreh dutzelt schüsseln; 18 sch. von den schüsseln Joh. Reußen von Dorheim; 1610: 2 fl. 8 sch. von dem graffett von carben vor schüsseln: 1613: 1 ft. von Dinges Burgen von Oberroßbach Wegen seines Herr'n wie den grasentag gehalten worden von 6 Dutzet schüsseln; 2 ft, 8 sch. von dem Rmdmeister im Schloß von sämtlichen Schüsseln und Kröpfen am 20. Oktober; 7y2 sch. V'on 2y2 Dueet schüsseln von Bastian Goldtseger als er Kindtauf gehalten; 1614: schüsseln ondt Gruppen Wirt Hartman fauerbach zum löwen. 1 fl. von 7 tutzelt schüsseln vndt Kröpfen; 1615: 1 ft. Bernhardt WinNeckern (Mndecker) zur cronen von 8 tutzet schüssetn und KropfeN."

Zu Anfaitg des 17. Jahrhunderts hören wir in den Rech­nungen nichts niehr von Einnahmen und Ausgaben wegen des Handwerks; es ist immer nur von der Verleihung von Schüsseln die Rede. Aus der ehemaligen Zunftgenossenschaft, die in erster Linie die Interessen des Handwerks vertrat, hatte sich ntehr Und mehr ein gesellschaftlicher Verein herausgebildet. Offenbar war um diese Zeit das Wollenweberhandwerk iit Friedberg zurück- tzegangen. Die folgenden Zeiten während des 30 jährigen Krieges waren auch nicht dazu angetan, Handwerk und Handel zu för­dern. Viele Meister der Wollenweberzunft hatten es schon zu einem gewissen Wohlstand gebracht; sie widmeten sich nunmehr ganz dem landwirtschaftlichen Gewerbe. Die Blütezeit des Fried­berger Wollenweberhandwerks war, wie auch in Frankfurt, das 14. und 15. Jahrhundert; leider fehlen uns über diese Zeit für Friedberg die urkundlichen Nachrichten. Für die Wohlhaben- Heit der Friedberger Wollenweberzunft sprechen dieAustendt der Neuen Almußen vom Ihar 1592 und 1593", die in besonderen Verzeichnissen den. Rechnungen beigefügt sind; es handelt sich dabei um* ausgeliehene Kapitalien, die die Zunft aus Stiftungen Wohlhabender Mitglieder erhalten hatte. Di.e Gelder waren aus- tzeliehen:tnni der Stadt und off den Dorsfen." Von den Dörfern

pfündt hollendisch für Wein veraus l fl. 12 sch. 3 Pfg. ländischen Käse i Weizenmehl, 1 si Birnen, 3 sch. 5 und Sträuße.

kommen dabei in Betracht: Beienheim, Nauheim, Ockstadt, OHSv- Merlen, Melbach, RodheiM, Bauernheim, Wölfersheim.

Zweifelsohne hat die Wollenweberzunft als solche, sowie ihre Mitglieder, deren Blick durch den Besuch der Frankfurter Messe für soziale Einrichtungen geschärft worden war, hervorragenden Anteil gehabt an der Entwicklung des städtischen Gemeinwesens zu Friedberg. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir die Bemer­kungen in der Rechnung von 1531:2 h. der Zunft, als man jvhan Dorpflanzer vir rast vir fiteren; 2 h. als man gebart schwarzen vor rat verkuert", dahin verallgemeinern, daß mancher Woll-enwebermeister im Rate der Stadt gesessen und- {örbernä gewirkt hat, >

vermischtes.

DBK 8 000 Mk. für ein Paar Tanzschuhe! In Paris gibt es einen Schuhmacher, richtiger gesagt: einen Schuhkünstler, der, ohne Beihilie eines Lehrlings ober Gesellen, jedes Paar Schuhe mit seinen eigenen Hänben ansertigt; dabei stellt er nur Tanzschuhe ober Pantöffelchen für den Hausgebrauch her. Jedes Paar das er ausstellt ist ein Meisterwerk. Dieser Schuster trägt zwar noch beim Arbeiten sein Schurzfell, aber sonst erinnert den Besucher in seinem Atelier nichts an sein Gewerbe. Doch sieht man in einem großen Glaskasten zahlreiche Wunderwerke seiner Kunst ausgestellt. Kein Paar ist darunter, das für weniger als 160 bis 200 Mk. verkauft wurde. Es ist der kurze Rock, dem er seinen großen Ruhm verdankt, denn die Pariser Damen und noch mehr die Amerikanerinnen legen unter dem Zwang dieser Mode einen übertrieben hohen Wert auf ihr Schuhwerk. Jüngst hat eme Sud­amerikanerin bei ihm ein Paar Schuhe anfertigen lassen, die er ihr mit 8 000 Mk. berechnet hat. Etwa 200 Kolibribruste hat der Schuhmacher sich verschaffen müssen, um biefe Schühchen herzu- stellen. Die Seltenheit dieser Vögel wie die Mühe, sie ;u fangen, verursachte den hohen Piels. Der Küiistler behandelte das Ge­fieder so zart, daß, als die Schuhe fertig waren, sie so aussahen, als beständen sie aus starker und reicher schillernder Seide. Die Täuschung tvird noch gesteigert dadurch, daß die Absätze zu dein tiefsten Ton des Gefieders passen. Steine Federn, die rund um die Schühchen befestigt sind, volleiiden das Meisterwerk, das ganz schnallenlos ist. Ein zweites Paar ebenio kostbarer Fußbekleidung besteht aus Gold- und Silbergewebe, das init echter Spitze besetzt ist; diese Spitze ist natürlich sehr alt und von hohem Wert. Winzige Schnallen, besetzt mit imitierten Edelsteinen, und der Einsatz einer einzigen Brust eines Kolibris, deren Farbe das Ganze bestimiut, krönen das Werk. (Das ist ein klassisches Beispiel dafür, ivie die Eitelkeit und Gedankenlosigkeit des Menschen verwüstend und zer­störend in der Natur haust. Damit eine eitle Dame mit einem Paar außergewöhnlich teuerer Schuhe ihre Nebenbuhlerinnen aus­stechen und ärgern kann, müssen 200 der seltensten und schönsten Vögel ihr Leben lassen. Eine empörende Roheit.)

* Sch 1 ail. Besucher:Ich finde es wirklich nett und sauber bei dir!" Zimmerherr:Hm, im allgemeinen kann ich zu­frieden fein! Wenn die Bedienung mal zu wünschen übrig läßt, dann bringe ich einfach einige Tage den Wohnungsanzeiger mit; und lasse ihn auf dem Tisch liegen; nachher wirds gleich wieder buffet./z

* Ausder Eisenbahn. Ein Oberlehrer ans Pirna knüpfte im Knpee ein Gespräch mit einem Bayern an und rühmte die Ueberlegenheit der sächsischen Intelligenz.Sähn Se," sagte er, daß mer Rellchen un Vorhemdchen trägt, is ernte süchsche Er­findung !"Daß nta aber aa a Hemd tragt, dös Hamm mir erfunden," antwortete der Bayer.

Gitter-Rätsel.

In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a, ä ä, e e e e, g g, h h, i i, 11, m in m m, nnnnnnnn, o o, p p, r r, ss, ttt, uuuuuuu der­art einzutragen, daß die senk­rechten und wagerechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben:

1. Namen mehrerer ägyptischer Könige.

2. Schmackhafte Fische.

3. Ein Metall.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Rösselsprungs in voriger Nummer: Besser ist es, mit seinem Glücke Abzuhängen von Wettertücke, Bon Sturm und Hagel und Nebelduust, Als von schwankender Menschengimst.

Frida Schanz.

Redaktion : I. V.: E. Heß. Rotationsdruck und Verlag der Brlihl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckeröi, N. Lange, Gießeii.